Leute, die von Wissenschaft weniger Ahnung haben (egal ob Geschichtswissenschaft oder Epidemiologie oder Klimaforschung...) behaupten gar zu gern den alten Blödsinn von der "Lehrmeinung", und dass "die" Wissenschaft darum kämpfen würde, diese um jeden Preis zu erhalten, und am Ende "blamiert" wäre, wenn irgendwelche kühnen Denker (weitaus seltener Denkerinnen

) die dann ins Wanken brächten.
So funktioniert Wissenschaft nicht.
Wissenschaft schafft, anders als der Name suggeriert, kein gesichertes Wissen, sondern ist ein Annäherungsprozess, auf dem Erkenntnisse aktiv aufgesucht werden, um der Wahrheit allmählich näherzukommen, in der Annahme, dass der jetzige Erkenntnisstand immer nur ein Zwischenstand ist. Wissenschaft ist ein Prozess, der auf Fragen und dem Abgleich bereits gewonnener Erkenntnisse mit neuen und alten Beobachtungen beruht. Das, was die Leute "Lehrmeinung" nennen, ist einfach eine Theorie, die derart oft von allen Seiten attackiert, überprüft und hinterfragt wurde (und das entweder ohne Erfolg, oder mit dem Ergebnis, dass die aktuelle Theorie eben weiterentwickelt und verfeinert wurde), dass man damit nun erstmal nicht mehr weiterkommt, bis jemand eine neue Idee hat oder eine neue Beobachtung macht.
Echte Wissenschaftler*innen reagieren auf neue Daten nicht mit "Kann gar nicht sein, oh nein, mein Weeeeeeltbiiiiiild! Hängt den Ketzer!!", sondern mit "Oh wie interessant, das hieße dann ja, dass... Hm, lass mal sehen, welche Auswirkungen das auf XYZ hat und wie wir das mit ABC in Einklang bringen!"
Niemand, der "unbequeme" Fragen stellt, tut irgendetwas anderes als Wissenschaftler*innen selbst.
Niemand, der neue Erkenntnisse beigesteuert hat, hat jemals "die" Wissenschaft in irgendwelche Schwierigkeiten gebracht – sondern sie lediglich vorangebracht.
Warum das in der Schule nicht beigebracht wird, verwundert mich immer wieder....
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