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Thema: Hast du die Bibel je selbst gelesen?

  1. #5746
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Johannes 17
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    1 So redete Jesus; dann richtete er seine Augen zum Himmel empor und betete: »Vater, die Stunde ist gekommen: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche!
    2 Du hast ihm ja Macht über alles Fleisch verliehen, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe.
    3 Darin besteht aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
    4 Ich habe dich hier auf der Erde verherrlicht und habe das Werk vollendet, dessen Vollführung du mir aufgetragen hast.
    5 Und jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir besaß, ehe die Welt war.« 
    6 »Ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dir gehörten sie an, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
    7 Jetzt haben sie erkannt, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir stammt;
    8 denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und haben in Wahrheit erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und haben den Glauben gewonnen, daß du es bist, der mich gesandt hat.
    9 Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast; denn sie sind dein Eigentum,
    10 und was mein ist, ist ja alles dein, und was dein ist, das ist mein, und ich bin in ihnen verherrlicht worden.
    11 Und ich bin nicht mehr in der Welt, doch sie sind noch in der Welt, während ich zu dir gehe. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir anvertraut hast, damit sie eins seien, so wie wir es sind.
    12 Solange ich in ihrer Mitte gewesen bin, habe ich sie, die du mir gegeben hast, in deinem Namen erhalten und habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verlorengegangen außer dem Sohne des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde.
    13 Jetzt aber gehe ich zu dir und rede dieses noch in der Welt, damit sie die Freude, wie ich sie habe, vollkommen in sich tragen.
    14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht zur Welt gehören, wie auch ich nicht der Welt angehöre.
    15 Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt hinwegzunehmen, sondern sie vor dem Bösen zu behüten.
    16 Sie gehören nicht zur Welt, wie auch ich nicht der Welt angehöre.
    17 Heilige sie in deiner Wahrheit: dein Wort ist Wahrheit.
    18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt;
    19 und für sie heilige ich mich, damit auch sie in Wahrheit geheiligt seien.« 
    20 »Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort zum Glauben an mich kommen (werden),
    21 daß sie alle eins seien; wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, so laß auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.
    22 Ich habe auch die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind:
    23 ich in ihnen und du in mir, auf daß sie zu vollkommener Einheit gelangen, damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.
    24 Vater, ich will, daß da, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir verliehen hast; denn du hast mich schon vor der Grundlegung der Welt geliebt.
    25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast.
    26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn (auch weiterhin) kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.«


    Bemerkungen/ Gedanken:
    • Die gegenseitige Verherrlichung (V. 1ff) zeigt nochmal schön das Prinzip der Zweifaltigkeit
    • "Ehe die Welt war" (V. 6), waren laute Mose folgende Dinge:
      • Der Himmel
      • -------------
      • Die Erde
      • Finsternis
      • Der Geist Gottes über der Wasserfläche
      • Licht

    • Falls sich Jesus auf etwas Konkretes bezieht, finde ich den Geist Gottes interessant. Erde und Finsternis scheiden aus. Als Licht hat er sich mehrfach selbst bezeichnet, das kommt auch infrage.
    • Welche Kraft Gottes Worte ("die Worte, die du mir gegeben hast") haben können, verdeutlicht auch Mose 1: Gott spricht und es wird.
    • @ Vers 10: Und das sind doch überhaupt alles nur bürgerliche Kategorien
    • In Vers 12 verweist Jesus laut Menge auf Psalm 41,10: "Sogar mein bester Freund, dem ich fest vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben."
    • Nachdem Jesus zuvor die Jünger angesprochen hat, spricht er in diesem Kapitel ausschließlich zu Gott. Insbesondere die Verse 13-19 haben ausgeprägten Gebetscharakter; vom Duktus her und den Phrasen erinnert mich das vage ans Vaterunser (vor dem Bösen behüten, dein Wort ist Wahrheit, wie du mich ... so auch ich ...)
    • In Vers 20 wird der Schneeball zum Rollen gebracht
    • Trinität ist klassischerweise Jesus, Gott und Hl. Geist. Die Betonung von Jesus als Gott für die Jünger (vgl. V. 18) wirft für mich die Frage auf, ob man nicht über eine Polytät nachdenken könnte, wenn auch das ineinander Aufgehen (V. 22f; V. 26) die Jünger betrifft. Das würde bdeuten, dass man (wie) Gott werden könnte
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  2. #5747
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Johannes 18
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    1 Nachdem Jesus so gebetet hatte, ging er mit seinen Jüngern (aus der Stadt) hinaus über den Bach Kidron hinüber an einen Ort, wo ein Garten war, in den er mit seinen Jüngern eintrat.
    2 Aber auch Judas, sein Verräter, kannte diesen Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war.
    3 Nachdem nun Judas die Abteilung Soldaten und von den Hohenpriestern und Pharisäern Diener erhalten hatte, kam er mit Fackeln, Laternen und Waffen dorthin.
    4 Wiewohl nun Jesus alles wußte, was über ihn kommen würde, trat er doch (aus dem Garten) hinaus und fragte sie: »Wen sucht ihr?«
    5 Sie antworteten ihm: »Jesus von Nazareth.« Er sagte zu ihnen: »Der bin ich.« Auch Judas, sein Verräter, stand bei ihnen.
    6 Als Jesus nun zu ihnen sagte: »Der bin ich!«, wichen sie zurück und fielen zu Boden.
    7 Da fragte er sie nochmals: »Wen sucht ihr?« Sie sagten: »Jesus von Nazareth.«
    8 Jesus antwortete: »Ich habe euch gesagt, daß ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, so laßt diese hier gehen!«
    9 So sollte sich das Wort erfüllen, das er ausgesprochen hatte: »Ich habe keinen von denen, die du mir gegeben hast, verloren gehen lassen.«
    10 Da nun Simon Petrus ein Schwert bei sich hatte, zog er es heraus, schlug damit nach dem Knechte des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Knecht hieß Malchus.
    11 Da sagte Jesus zu Petrus: »Stecke das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gereicht hat?«
    12 Hierauf nahmen die Abteilung Soldaten mit ihrem Hauptmann und die Diener der Juden Jesus fest, fesselten ihn
    13 und führten ihn zunächst zu Hannas ab; dieser war nämlich der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahre Hoherpriester war.
    14 Kaiphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte, es sei besser, daß ein einzelner Mensch für das Volk sterbe.
    15 Simon Petrus aber und noch ein anderer Jünger waren Jesus nachgefolgt. Dieser (andere) Jünger war aber mit dem Hohenpriester bekannt und ging (deshalb) gleichzeitig mit Jesus in den Palast des Hohenpriesters hinein,
    16 während Petrus draußen vor der Tür stehenblieb. Da ging der andere Jünger, der mit dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein.
    17 Da sagte die Magd, welche die Tür hütete, zu Petrus: »Gehörst du nicht auch zu den Jüngern dieses Menschen?« Er antwortete: »Nein.«
    18 Es standen aber die Knechte und Diener da, hatten sich wegen der Kälte ein Kohlenfeuer angemacht und wärmten sich daran; aber auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.
    19 Der Hohepriester (Hannas) befragte nun Jesus über seine Jünger und seine Lehre.
    20 Jesus antwortete ihm: »Ich habe frei und offen zu aller Welt geredet; ich habe allezeit in den Synagogen und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen; im geheimen habe ich überhaupt nicht geredet.
    21 Warum fragst du mich? Frage die, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; diese wissen, was ich gesagt habe.«
    22 Als er das ausgesprochen hatte, gab einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus einen Schlag ins Gesicht und sagte: »So antwortest du dem Hohenpriester?«
    23 Jesus entgegnete ihm: »Wenn ich ungehörig gesprochen habe, so gib an, was ungehörig daran gewesen ist; wenn ich aber richtig gesprochen habe, warum schlägst du mich?«
    24 Darauf sandte Hannas ihn gefesselt zum Hohenpriester Kaiphas.
    25 Simon Petrus aber stand (unterdessen) da und wärmte sich. Da fragten sie ihn: »Gehörst du nicht auch zu seinen Jüngern?«
    26 Er leugnete aber mit einem »Nein«. Da sagte einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter des Knechtes, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: »Habe ich dich nicht in dem Garten bei ihm gesehen?«
    27 Da leugnete Petrus nochmals; und sogleich darauf krähte der Hahn.
    28 Man führte Jesus dann aus dem Hause des Kaiphas nach der Statthalterei; es war früh am Morgen. Die Juden selbst gingen dabei nicht in die Statthalterei hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Passah essen zu können.
    29 Darum kam Pilatus zu ihnen hinaus und fragte sie: »Welche Anklage habt ihr gegen diesen Mann zu erheben?«
    30 Sie antworteten ihm mit den Worten: »Wenn dieser Mensch kein Verbrecher wäre, so hätten wir ihn dir nicht überliefert!«
    31 Da sagte Pilatus zu ihnen: »Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz.« Da entgegneten ihm die Juden: »Wir haben nicht das Recht, jemand hinzurichten« –
    32 so sollte sich das Wort Jesu erfüllen, durch das er die Art seines Todes angedeutet hatte.
    33 Pilatus ging nun wieder in die Statthalterei hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: »Bist du der König der Juden?«
    34 Jesus antwortete: »Fragst du so von dir selbst aus, oder haben andere es dir von mir gesagt?«
    35 Pilatus antwortete: »Ich bin doch kein Jude! Dein Volk und zwar die Hohenpriester haben dich mir überantwortet: was hast du verbrochen?«
    36 Jesus antwortete: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so würden meine Diener (für mich) kämpfen, damit ich den Juden nicht überliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.«
    37 Da sagte Pilatus zu ihm: »Ein König bist du also?« Jesus antwortete: »Ja, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.«
    38 Darauf antwortete ihm Pilatus: »Was ist Wahrheit?!« Nach diesen Worten ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: »Ich finde keinerlei Schuld an ihm.
    39 Es ist aber herkömmlich bei euch, daß ich euch am Passah einen (Gefangenen) freigebe: soll ich euch also den König der Juden freigeben?«
    40 Da riefen sie wieder laut: »Nein, nicht diesen, sondern den Barabbas!« Barabbas war aber ein Räuber.


    Bemerkungen/ Gedanken:
    • Es kommt nun auch bei Johannes zum Unvermeidlichen: Judas führt die Männer zu Jesus, Petrus wird hangreiflich. Da gibt es aber einen Twist: Es ist nicht Judas, der Jesus durch seinen Kuss verrät, sondern Jesus gibt ganz offen zu, dass er es ist und stellt sich schützend vor seine Jünger. Finde ich persönlich charakterlich stärker, aber motivisch schwächer.
    • Beeindruckend ist auch, dass Jesu Worte (Die Kraft der Worte ) ausreichen, um die Männer "zu Boden" (V. 6) zu werfen.
    • Apropos Kelch (V. 11): Jesus hat mit den Jüngern bei Johannes gar nicht das Abendmahl zelebriet. Oder er hat nicht so ausführlich darüber geschrieben; das Füßewaschen stand hier im Vordergrund vor einigen Kapiteln. In Verbindung mit den anderen Evangelien ergibt sich eine interessante Verflechtung: So wie die Jünger aus Jesu Kelch trinken, trinkt er metaphorisch aus dem seines Vaters. Der Vater geht in Jesus über, in den anderen Evangelien ging Jesus in die Jünger über.
    • Wer ist dieser andere, namenlose Jünger in V. 15 denn schon wieder? Und wieso ist der mit dem Hohepriester bekannt
    • Weiter im Text: Petrus leugnet Jesus dreimal, Jesus wird verhört, der Hahn kräht.
    • "Wenn ich ungehörig gesprochen habe, so gib an, was ungehörig daran gewesen ist; wenn ich aber richtig gesprochen habe, warum schlägst du mich?" - coole Antwort
    • V. 30: "Wenn dieser Mensch kein Verbrecher wäre, so hätten wir ihn dir nicht überliefert!" Geniale Logik
    • Den Dialog von Jesus und Pilatus finde ich sehr interessant zu lesen. Er bringt so eine "Geht mir nicht mit eurem religiösen Gewäsch auf die Eier" Attitüde mit, die gefällt mir. Ein Typ, der einfach nur seine Arbeit machen und sich nicht mit irgendwelchen Zickereien rumschlagen will.
    • In Vers 37 ist wieder ein Ich-Bin: "Ja, ich bin ein König". Aber nicht der König, sondern nur ein König.
    • Pilatus Ausruf "Was ist Wahrheit?!" wirkt seltsam deplatziert. Sie steht irgendwie philosophisch isoliert für sich und er wartet auch keine Antwort darauf ab. Wie kann er die Wahrheit erkennen, wenn er sie nicht abwartet? Jesus hätte sie sicher beantworten können (er hat sich selbst einmal als Wahrheit bezeichnet und vom Geist der Wahrheit gesprochen). Mir war bislang unbekannt, dass diese Frage als "Pilatusfrage" ein Begriff in Kunst etc. ist.
    • Der König soll sterben, der Räuber kommt frei
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  3. #5748
    Infrarot Avatar von Der Kantelberg
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    Zitat Zitat von Mongke Khan Beitrag anzeigen
    Der König soll sterben, der Räuber kommt frei
    Der Vergleich ist noch krasser. In Matthäus 27,16 steht, dass der Typ Jesus Barabbas hieß. Ein gebräuchlicher Vorname, viele wollen ihren Sohn nach Josua (Jesus=Jeschua=Jehoschua=Josua) benennen. Genauso bei Simon oder Judas. Deswegen kriegen häufig einen Zweitnamen. Unser Verbrecher-Jesus ist mit dem Zweitnamen Barabbas bekannt. Bar Abba isaramäisch und bedeutet auf Deutsch: Sohn des Vaters. Ein eigentlich sehr nichtssagender Name, denn jeder Mann ist der Sohn seines Vaters.

    Die Sache ist nur die: Jesus ist der einzige Sohn des echten Vaters im Himmel. Und er wird verurteilt, während der Verbrecher, der nur so heißt freikommen darf.
    Jeder Christ steht dementsprechend in der Tradition des Barabbas: Ein Verbrecher der die Strafe verdient hätte, aber Jesus Christus nimmt sie stattdessen auf sich - und dadurch werden die Gläubigen zu echten Söhnen und Töchtern des Vaters im Himmel.
    Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal

    Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.


  4. #5749
    Reht bitharf Andlūkan. Avatar von Mendelejev
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    War schon wieder 8 Kapitel hinterher aber hab aufgeholt.

    Zur Sache mit der Bekanntschaft mit dem Hohepriester habe ich folgende These gehört: Johannes (der sich gerne indirekt referenziert ) kannte den Hohepriester (keine Ahnung, ob Hannas als einflussreicher Hohepriester a.D. oder Kaiphas als einer der diversen allesamt mit Hannas verwandt- oder verschwägerten folgenden Amtsinhaber) weil sein Vater Zebedäus tatsächlich ein ziemlich wohlhabender Fischereiunternehmer war und Kontakte in die High Society hatte.

    Zuvor oder wenn das nicht stimmt, wäre meine These, dass es Nikodemus oder Josef von Arimathäa sein könnte, von dem die Rede ist. Zwar nicht als "Jünger der ersten Garde" aber halt Anhänger Jesu mit erheblichem gesellschaftlichen Einfluss, und die nicht direkt als Jünger -> verdächtig wie Petrus oder vielleicht eben auch Johannes bekannt waren.

    Zumindest dürfte Joh. ja vermutlich Nikodemus persönlich gekannt haben, der bei den Synoptikern keine Rolle spielt.

    Zu Barabbas noch: anderswo steht glaube ich, "er hat bei einem Aufruhr einen Mord begangen" (bzw, ich hab es noch mal genauer nachgeschaut:

    • Matthäus 27:16 nennt ihn lediglich berüchtigt. Es steht auch nicht in jeder Bibel, dass er Jesus hieß - bei Luther und in der EÜ schon, bei Schlachter und in der NL nicht - dennoch drückt Pilatus sich zu "Jesus, den man Christus nennt" sehr umständlich aus, weil eben gleicher Vorname. Emoticon: wtf. Finde ich schon besser, diese Information und seltsame Parallele mit drin zu haben.
    • Markus 15:7 "Es lag aber ein gewisser Barabbas gefangen samt den Mitaufrührern, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten."
    • Lukas 23:19: "Der war wegen eines in der Stadt vorgefallenen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis geworfen worden

    ) - er wird also nicht nur als Räuber, sondern auch als Zelot gelesen - vermutlich war es ein Römer oder ein Kollaborateur, den er umgebracht hatte. Genau den Widerstand gegen die römische Besatzungsmacht, den die Jünger von Jesus Christus vergebens erwarten und wegen dessen Fehlen die Juden ihn noch heute als Messias verwerfen, hat Jesus Barabbas eben vermutlich konkret geliefert - und war beim Volk entsprechend beliebt. Vielleicht war er gewissermaßen ein antiker Luigi Mangione.
    Geändert von Mendelejev (04. Oktober 2026 um 23:32 Uhr)

  5. #5750
    Reht bitharf Andlūkan. Avatar von Mendelejev
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    Zitat Zitat von Jon Snow Beitrag anzeigen
    Ich bin auch immer verwundert, dass sogar gebildete Menschen (wie hier im Forum beispielsweise Mongke oder Gulaschkanone) so etwas denken. Gerade die reformatorische Theologie ist doch bei der Sündenverfallenheit des Menschen noch weitaus pessimistischer als die katholische. Luthers ganze Lehre ergibt doch überhaupt keinen Sinn, wenn der Mensch grundsätzlich gut ist oder aus eigenem freiem Willen das Gute wählen kann?
    Zitat Zitat von Der Kantelberg Beitrag anzeigen
    Was ich dachte, dass es bei Exodus, Leviticus oder spätestens bei den Chronikbüchern passert...

    3 Evangelien nacheinander haben Mongkes Motivation gekillt.
    Hab letztens auch (den größten Teil von, außer der ersten paar Kapitel) Lukas noch mal privat gelesen, und finde es von den Evangelien definitiv am schwierigsten - genau diese Unzulänglichkeit/Sündenverfallenheit zieht sich knallhart durch das halbe Buch als zentrales Thema, und ich finde, er stellt Jesus viel kritischer, härter und strenger dar als die 3 anderen Evangelisten. Johannes und Markus lesen sich irgendwie deutlich frohmütiger. (Sage ich jetzt aus dem privaten Lesekontext heraus, ohne die Posts zu den konkreten Kapiteln noch mal rauszukramen)
    Der Pentateuch minus Genesis plus Josua ist zwar härterer Tobak, aber das unwahrscheinlichste Buch zum Steckenbleiben dürfte Lukas auch nicht sein.
    Geändert von Mendelejev (05. Oktober 2026 um 00:38 Uhr)

  6. #5751
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    Johannes 19
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    1 Da ließ nun Pilatus Jesus ergreifen und geißeln;
    2 dann flochten die Soldaten eine Dornenkrone, setzten sie ihm aufs Haupt und legten ihm einen scharlachroten Mantel um;
    3 hierauf traten sie vor ihn hin und riefen aus: »Sei gegrüßt, Judenkönig!« und versetzten ihm Schläge ins Gesicht.
    4 Pilatus kam dann wieder heraus und sagte zu ihnen: »Seht, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennt, daß ich keinerlei Schuld an ihm finde.«
    5 So kam denn Jesus heraus, indem er die Dornenkrone und den Purpurmantel trug, und Pilatus sagte zu ihnen: »Seht, der Mensch!«
    6 Als ihn nun die Hohenpriester und die Tempeldiener erblickten, schrien sie: »Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz!« Pilatus entgegnete ihnen: »Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm.«
    7 Die Juden antworteten ihm: »Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muß er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat.«
    8 Als nun Pilatus dies Wort hörte, geriet er in noch größere Angst;
    9 er ging also wieder in die Statthalterei hinein und fragte Jesus: »Woher bist du?« Jesus aber gab ihm keine Antwort.
    10 Da sagte Pilatus zu ihm: »Mir willst du nicht Rede stehen? Weißt du nicht, daß ich die Macht habe, dich freizugeben, und auch die Macht habe, dich kreuzigen zu lassen?«
    11 Jesus antwortete ihm: »Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben her gegeben wäre; deshalb trifft den, welcher mich dir ausgeliefert hat, eine größere Schuld.«
    12 Von da an suchte Pilatus ihn freizugeben; aber die Juden schrien: »Gibst du diesen frei, so bist du kein Freund des Kaisers! Jeder, der sich selbst zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf!«
    13 Als Pilatus diese Worte hörte, ließ er Jesus hinausführen und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platze, welcher ›Steinpflaster‹, auf hebräisch Gabbatha, heißt.
    14 Es war aber der Rüsttag auf das Passahfest, und zwar um die sechste Stunde. Nun sagte Pilatus zu den Juden: »Seht, da ist euer König!«
    15 Da schrien jene: »Weg, weg mit ihm, kreuzige ihn!« Pilatus entgegnete ihnen: »Euren König soll ich kreuzigen lassen?« Die Hohenpriester antworteten: »Wir haben keinen König als den Kaiser!«
    16 Darauf übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung. So übernahmen sie denn Jesus;
    17 und dieser ging, indem er sein Kreuz selber trug, (aus der Stadt) hinaus nach der sogenannten ›Schädelstätte‹, die auf hebräisch Golgatha heißt;
    18 dort kreuzigten sie ihn und mit ihm noch zwei andere auf beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.
    19 Auch eine Aufschrift hatte Pilatus schreiben und oben am Kreuz anbringen lassen; sie lautete: »Jesus von Nazareth, der König der Juden.«
    20 Diese Aufschrift nun lasen viele von den Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag und die Aufschrift in hebräischer, römischer und griechischer Sprache abgefaßt war.
    21 Da sagten die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: »Schreibe nicht: ›Der König der Juden‹, sondern: ›Dieser Mensch hat behauptet, er sei der König der Juden‹!«
    22 Pilatus (aber) antwortete: »Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben!«
    23 Als nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleidungsstücke und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, außerdem noch das Unterkleid. Dieses Unterkleid war aber ohne Naht, von oben an in einem Stück gewebt.
    24 Da sagten sie zueinander: »Wir wollen es nicht zerschneiden, sondern darum losen, wem es gehören soll« – so sollte das Schriftwort seine Erfüllung finden: »Sie haben meine Kleider unter sich verteilt und über mein Gewand das Los geworfen.« Auf diese Weise verfuhren also die Soldaten.
    25 Es standen aber beim Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, auch Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
    26 Als nun Jesus seine Mutter und neben ihr den Jünger, den er (besonders) lieb hatte, stehen sah, sagte er zu seiner Mutter: »Frau, siehe dein Sohn!«
    27 Darauf sagte er zu dem Jünger: »Siehe deine Mutter!« Und von dieser Stunde an nahm der Jünger sie zu sich in sein Haus.
    28 Darauf, weil Jesus wußte, daß nunmehr alles vollbracht war, sagte er, damit die Schrift ganz erfüllt würde: »Mich dürstet.«
    29 Es stand dort nun ein mit Essig gefülltes Gefäß. Sie umwickelten also einen mit dem Essig getränkten Schwamm mit Ysop und hielten ihm diesen an den Mund.
    30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sagte er: »Es ist vollbracht!«, neigte dann das Haupt und gab den Geist auf.
    31 Weil es nun Rüsttag war, trugen die Juden, damit die Leichen nicht während des Sabbats am Kreuz blieben – dieser Sabbattag war nämlich ein hoher Festtag –, dem Pilatus die Bitte vor, es möchten ihnen die Schenkel mit Keulen zerschlagen und sie dann (vom Kreuz) herabgenommen werden.
    32 So kamen denn die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Schenkel, ebenso auch dem andern, der mit (Jesus) gekreuzigt worden war.
    33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er bereits tot war, zerschlugen sie ihm die Schenkel nicht,
    34 sondern einer von den Soldaten stieß ihn mit seiner Lanze in die Seite; da floß sogleich Blut und Wasser heraus.
    35 Ein Augenzeuge hat dies bezeugt, und sein Zeugnis ist zuverlässig, und jener weiß, daß er die Wahrheit sagt, damit auch ihr zum Glauben kommet.
    36 Dies ist nämlich geschehen, damit das Schriftwort erfüllt würde: »Es soll kein Knochen an ihm zerbrochen werden.«
    37 Und noch eine andere Schriftstelle lautet: »Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.«
    38 Hierauf trug Joseph von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war – allerdings war er’s nur im geheimen aus Furcht vor den Juden –, dem Pilatus die Bitte vor, daß er den Leichnam Jesu vom Kreuze abnehmen dürfe; und Pilatus gewährte ihm die Bitte. So ging er denn hin und nahm seinen Leichnam (vom Kreuz) ab.
    39 Aber auch Nikodemus kam, derselbe, der zum erstenmal bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe mit, wohl hundert Pfund.
    40 So nahmen sie denn den Leib Jesu und banden ihn ein in Leinwandstreifen mitsamt den wohlriechenden Stoffen, wie es Sitte der Juden bei Bestattungen ist.
    41 Es lag aber bei dem Platze, wo er gekreuzigt worden war, ein Garten, und in dem Garten (befand sich) ein neues Grab, in welchem bisher noch niemand beigesetzt worden war.
    42 Dorthin brachten sie nun Jesus mit Rücksicht auf den jüdischen Rüsttag, weil das Grab sich in der Nähe befand.


    Bemerkungen/ Gedanken:
    • Dornenkrone, Judenkönig Aber der Pilatus gefällt mir bei Johannes. Das "Seht, der Mensch!" schwebt wie die Frage nach Wahrheit über den Dingen Emoticon: fly
    • Er betont auch zweimal, dass er "keinerlei Schuld" an Jesus findet (in V. 4 und V. 6). Er versucht sogar, ihn freizugeben (V. 12)
    • In seiner Darstellung hat er etwas Gotthaftes, Übergeordnetes. Zumindest auf der Erde (vgl. V. 11; die Macht wurde von oben gegeben). Er hat "die Macht [Jesus] freizugeben, und auch die Macht [Jesus] kreuzigen zu lassen?" Das ist eine sehr große Macht, die ich als Leser eher bei Gott vermutet hätte.
    • "Wir haben keinen König als den Kaiser!" klingt irgendwie cool.
    • Kreuzgang und die Position des Kreuzes (in der Mitte) ist wieder wie bekannt. Aber bei der Inschrift wird Pilatus' Rolle wieder herausgestellt: Er kann Jesus zwar nicht freigeben, aber er kann ihn - wenigstens im Geschriebenen - zum König machen (V. 22)
    • Wenn ich mich nicht täusche, sind die Jünger in den anderen Evangelien nicht bei der Kreuzigung zugegen. Bei Johannes ist der geheimnisvolle "Jünger, den Jesus (besonders) lieb hatte" (V. 26) - also wieder Johannes? Ist das ne Fanfic!? - zugegen. Außerdem die Frauen. Entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie, dass die Frauen den Mut aufbringen, bei der Kreuzigung zuzuschauen und von den Kirchenvätern anschließend an den Rand gedrängt werden.
    • Der namenlose Jünger wird in eine ziemlich hohe Position versetzt. Jesus macht ihn zu seinem Bruder, inderm er seine Mutter zu der seinen macht
    • Ich glaube, die Formulierung, "den Geist aufgeben" (V. 30) habe ich bei den anderen Evangelien schon so gedeutet, dass es den Heiligen Geist meinen könnte. Bei Johannes wurde dieser genauer beschrieben, da passt es sogar noch besser. Jesus hat den Jüngern verprochen, dass der Hl. Geist der Wahrheit als Helfer kommen werde.
    • Blut und Wasser
    • V. 35: Quelle Trust me Bro
    • Das "Schriftwort" bezieht sich laut Menge auf 2. Mose 12. Da geht es um die Verordnung für das Passah. Vermutlich weil Jesus das Lamm Gottes an diesem Tag "geschlachtet" wird und deshalb die Verordnung einzuhalten ist?
    • Sacharja 12, 10 (V. 37) passt auf den ersten Blick besser. Dort heißt es: "Sodann will ich über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems den Geist der Gnade und der Bitte um Gnade ausgießen, so daß sie auf den hinblicken werden, den sie durchbohrt haben, und um ihn wehklagen, wie man um den einzigen Sohn wehklagt, und bitterlich Leid um ihn tragen, wie man um den (Tod des) Erstgeborenen Leid trägt.«" Wenn Jesus mit seinem Atem den Geist der Wahrheit aufgibt,gießt Gott im gleichen Moment den Geist der Gnade über Jerusalem aus.
    • Dass Pilatus Joseph den Wunsch gewährt, erscheint angesichts seiner Inszenierung (#KeinerleiSchuld) glaubhaft.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  7. #5752
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    Schön zu sehen, wie viele Frauen Maria hießen. Es sind ja mindestens 3 genannt. Manchmal wird auch noch von der "anderen Maria" gesprochen. Das führt natürlich zu Verwirrungen, wer im Einzelfall gemeint ist.
    Ich glaube nicht, dass die Kirchenväter die Frauen an den Rand gedrängt haben. Das tut die alttestamentliche und damit jüdische Rechtspraxis. Eine Frau zählt weniger als Zeuge. Den Evangelien geht es ja darum, zu bezeugen, dass Jesus dort war und diese Dinge getan und erlebt hat. Matthäus berichtet sein eigenes Zeugnis. Markus beruft nach kirchlicher Überlieferung auf das Zeugnis des Petrus. Lukas berag verschiedene Augenzeugen, wie er in seinem Prolog erwähnt. Und Johannes erzählt auch, was er erlebt hat. Wenn nun ein männlicher Zeuge da ist, muss man nicht noch eine Frau bemühen. Deswegen tauchen sie vor allem bei der Kreuzigung und Auferstehung auf, wenn hier sind die männlichen Zeugen (außer Johannes) nicht anwesend. Also werden hier auf einmal die Frauen als Augenzeuginnen benannt. Die Idee ist, dass diese Frauen in der frühen Kirche noch am Leben waren und man sie tatsächlich fragen konnte, wie das war. Deswegen werden die hier namentlich erwähnt.
    In eine ähnliche Richtung gehen die Namen im Markusevangelium. Der Blinde heißt Bartimäus, die Söhne von Simon von Kyrene heißen Alexander und Rufus - die Leute leben noch, sind unter den frühen Christen bekannt und man soll sie fragen, ob die Geschichten so stimmen.
    Johannes ist auch hier die Quelle. Du hast in einer vormodernen Welt eben keine besseren Quellen als Menschen, die das gesehen und evtl. aufgeschrieben haben. Vielleicht kommen wir in Zeiten von KI, die lauter Bilder und Filme mit Deepfakes erstellen kann, bald wieder dahin...
    Die Trust-me-Bro-Quelle aus Vers 35 würde ich also wieder mit Johannes selbst identifizieren, der als einziger Jünger eben doch da war. Er spricht hier wieder mal von sich in der dritten Person, wie schon beim Abendmahl "der Jünger, den Jesus liebte" (Oder die Anmekrung ist von dem Typen, der das Evangelium herausgebracht hat, wir werden im letzten Kapitel dazu kommen)
    Anmerkung: Ich gebe hier die traditionelle und evangelikale Sichtweise auf die Verfasserschaften wieder. Die bibelkritische Theologie sieht als Autoren häufig irgendwelche spät (70 bis 100 n.Chr.) zusammengestellten Überlieferungen verschiender Ursprünge.

    Siehe, deine Mutter:
    Da geht es erst mal nicht um eine Position, sondern um die Rente. Jesus ist der erstgeborene Sohn von Maria. Er ist verantwortlich, seine Mutter im Alter zu versorgen. Das kann er nicht, wenn er stirbt. Seine Brüder (oder nach katholischer Auffassung Halbbrüder oder Cousins) glauben ihm nicht (sondern erst später). Also vertraut er Maria einem seiner Jünger an.

    Den Geist aufgeben:
    Damit ist hier der menschliche Geist gemeint. Man könnte diskutieren, dass der Heilige Geist zu diesem Zeitpunkt nicht in Jesus wohnte, er sagt ja: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?". Als hätte die total enge Verbindung, die Jesus durch den Heiligen Geist mit dem Vater hatte, während der Kreuzigung aufgehört.
    Das Interessante ist, dass Jesus nicht an der Kreuzigung stirbt. Sondern er stirbt früher, weil er es will. Deswegen gibt er den Geist auf. Und er will es, weil er den Auftrag ausgeführt hat. Blut und Wasser aus der Wunde kommend war für die Soldaten wohl das Zeichen, dass der Typ schon tot ist. Aus dem Speer wurde dann später in den Legendenerzählungen die heilige Lanze.
    Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal

    Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.


  8. #5753
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    Johannes 20
    Achtung Spoiler:
    1 Am ersten Tage nach dem Sabbat aber ging Maria Magdalena frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grabe hin und sah, daß der Stein vom Grabe weggenommen war.
    2 Da eilte sie hin und kam zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus (besonders) lieb gehabt hatte, und sagte zu ihnen: »Man hat den Herrn aus dem Grabe weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat!«
    3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und machten sich auf den Weg zum Grabe.
    4 Die beiden liefen miteinander, doch der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst an das Grab.
    5 Als er sich nun hineinbeugte, sah er die leinenen Binden daliegen, ging jedoch nicht hinein.
    6 Nun kam auch Simon Petrus hinter ihm her und trat in das Grab hinein; er sah dort die leinenen Binden liegen,
    7 das Schweißtuch aber, das auf seinem Kopf gelegen hatte, lag nicht bei den (anderen) Leintüchern, sondern für sich zusammengefaltet an einer besonderen Stelle.
    8 Jetzt trat auch der andere Jünger hinein, der zuerst am Grabe angekommen war, und sah es auch und kam zum Glauben;
    9 denn sie hatten die Schrift noch nicht verstanden, daß er von den Toten auferstehen müsse.
    10 So gingen denn die (beiden) Jünger wieder heim.
    11 Maria aber war draußen am Grabe stehengeblieben und weinte. Mit Tränen in den Augen beugte sie sich vor in das Grab hinein;
    12 da sah sie dort zwei Engel in weißen Gewändern dasitzen, den einen am Kopfende, den andern am Fußende der Stelle, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte.
    13 Diese sagten zu ihr: »Frau, warum weinst du?« Sie antwortete ihnen: »Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.«
    14 Nach diesen Worten wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war.
    15 Da sagte Jesus zu ihr: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?« Sie hielt ihn für den Hüter des Gartens und sagte zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggetragen hast, so sage mir doch, wohin du ihn gebracht hast; dann will ich ihn wieder holen.«
    16 Jesus sagte zu ihr: »Maria!« Da wandte sie sich um und sagte auf hebräisch zu ihm: »Rabbuni!«, das heißt »Meister«.
    17 Jesus sagte zu ihr: »Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren! Gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: ›Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹«
    18 Da ging Maria Magdalena hin und verkündigte den Jüngern, sie habe den Herrn gesehen, und er habe dies zu ihr gesagt.
    19 Als es nun an jenem Tage, dem ersten Wochentage, Abend geworden war und die Türen an dem Ort, wo die Jünger sich befanden, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus, trat mitten unter sie und sagte zu ihnen: »Friede sei mit euch!«
    20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite; da freuten sich die Jünger, weil sie den Herrn sahen.
    21 Dann sagte er nochmals zu ihnen: »Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch.«
    22 Nach diesen Worten hauchte er sie an und sagte zu ihnen: »Empfanget heiligen Geist!
    23 Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, und wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten.«
    24 Thomas aber, einer von den Zwölfen, der auch den Namen ›Zwilling‹ führt, war nicht bei ihnen gewesen, als Jesus gekommen war.
    25 Die anderen Jünger teilten ihm nun mit: »Wir haben den Herrn gesehen!« Er aber erklärte ihnen: »Wenn ich nicht das Nägelmal in seinen Händen sehe und meinen Finger in das Nägelmal und meine Hand in seine Seite lege, werde ich es nimmermehr glauben!«
    26 Acht Tage später befanden sich seine Jünger wieder im Hause, und (diesmal) war Thomas bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat mitten unter sie und sagte: »Friede sei mit euch!«
    27 Darauf sagte er zu Thomas: »Reiche deinen Finger her und sieh dir meine Hände an; dann reiche deine Hand her und lege sie mir in die Seite und sei nicht (länger) ungläubig, sondern werde gläubig!«
    28 Da antwortete ihm Thomas: »Mein Herr und mein Gott!«
    29 Jesus erwiderte ihm: »Weil du mich gesehen hast, bist du gläubig geworden. Selig sind die, welche nicht gesehen haben und doch zum Glauben gekommen sind!«
    30 Noch viele andere Wunderzeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buche nicht aufgezeichnet stehen;
    31 diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, daß Jesus der Gesalbte, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben in seinem Namen habt.


    Bemerkungen/ Gedanken:

    • Joha... pardon, der "andere Jünger, den Jesus (besonders) lieb gehabt hatte" schreibt sich hier nicht besonders subtil in den Vordergrund: Erster beim Grab, noch vor Petrus und kommt dort zum Glauben
    • Spannend, dass das Schweißtuch (V. 7) so separiert wird
    • Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie die Begegnung Marias mit dem noch nicht aufgefahrenen Jesus in den anderen Evanglien geschildert wird. Es erinnert mich aber ein bisschen an Orpheus und Euridyke: Maria darf Jesus nicht anrühren (Orpheus darf sich nicht zu Eurydike umdrehen), sonst... naja, der Text schweigt sich darüber aus, was dann passiert, aber Vers 17 klingt, als sollte es einfach nicht passieren. Sie schafft es wohl auch, weil ihre religiöse Liebe stärker ist, als die irdische Liebe des Orpheus.
    • Das "Maria!" - "Rabbuni!" könnte auch aus einer Romanze sein
    • Den Hl. Geist übergibt Jesus seinen Jüngern persönlich. Das macht meine schöne Theorie mit dem Geist-Aufgeben zunicht
    • Apropos Geist-Aufgeben: Mir fällt jetzt erst auf, dass Jesus bei Johannes gar nicht am Kreuz darüber klagt, dass Gott ihn verlassen habe
    • Thomas bekommt eine seltsame Sonderrolle. Das Johannes-Evangelium macht dadurch nochmal kurz vor Ende ein - wie ich finde - großes Fass auf: Gläubig sein vs. selig sein. "Selig sind die, welche nicht gesehen haben und doch zum Glauben gekommen sind". Das klingt hochwertiger, als einfach nur gläubig zu sein. Das wirft bei mir mehrere Fragen auf:
      • Kann man nach Jesu Himmelfahrt noch "nur" gläubig sein oder ist man automatisch selig, wenn man zum Glauben findet?
      • Ist Thomas als Jünger minderwertiger als die anderen?
      • Konnte man vor Jesu Himmelfahrt selig werden, wenn man doch Jesus zwangsläufig gesehen hat?
      • ...?

    • Interessant sind noch die letzten beiden Verse: Es gibt weitere Wunderzeichen, die Johannes nicht aufgeschrieben hat. Verweist er auf die anderen Evangelien, wenn er im nächsten Vers sagt "diese aber sind niedergerschrieben worden"? Oder bezieht er sich auf die, die er ausgewählt hat, weil er denkt, damit den Leser überzeugen zu können?
    • Die direkte Ansprache ("damit ihr glaubt", V. 31) ist auch ungewöhnlich, Johannes bricht die vierte Wand. Die Formulierung "durch den Glauben Leben in seinem Namen haben" klingt, als wäre ihm vor allem wichtig, dass der Name Jesus Christus nicht in Vergessenheit gerät und umgekehrt, solange man glaubt, Jesus und seine Botschaft lebendig bleiben.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
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  9. #5754
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    Mit einem Crosspost in diesem Faden hätte ich auch nicht mehr gerechnet
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
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  10. #5755
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    Johannes 21
    Achtung Spoiler:
    1 Danach offenbarte Jesus sich seinen Jüngern noch einmal am See von Tiberias, und zwar offenbarte er sich auf folgende Weise:
    2 Es waren beisammen Simon Petrus und Thomas, der den Namen ›Zwilling‹ führt, Nathanael aus Kana in Galiläa, die (beiden) Söhne des Zebedäus und noch zwei andere aus der Zahl seiner Jünger.
    3 Da sagte Simon Petrus zu ihnen: »Ich gehe hin und fische!« Sie erwiderten ihm: »Dann gehen auch wir mit dir!« So gingen sie denn hinaus und stiegen in das Boot, fingen aber in jener Nacht nichts.
    4 Als es bereits gegen Morgen war, stand Jesus am Ufer; die Jünger wußten jedoch nicht, daß es Jesus war.
    5 Da rief Jesus ihnen zu: »Kinder, habt ihr nicht etwas (Fisch) als Zukost?« Sie antworteten ihm: »Nein.«
    6 Nun sagte er zu ihnen: »Werft das Netz nach der rechten Seite des Bootes aus, so werdet ihr einen Fang tun!« Da warfen sie es aus und konnten es vor der Menge der Fische nicht mehr (aus dem Wasser) herausziehen.
    7 Da sagte jener Jünger, den Jesus (besonders) lieb hatte, zu Petrus: »Es ist der Herr!« Als nun Simon Petrus hörte, daß es der Herr sei, gürtete er sich sein Obergewand um – er hatte nämlich nur ein Unterkleid angehabt – und sprang in den See;
    8 die anderen Jünger aber kamen mit dem Boote hinter ihm her – sie waren nämlich nicht weit vom Lande, sondern nur in einer Entfernung von etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
    9 Als sie dann ans Land ausgestiegen waren, sahen sie ein Kohlenfeuer (am Boden) hergerichtet und Fische darauf gelegt und Brot (daneben).
    10 Jesus sagte zu ihnen: »Bringt noch einige von den Fischen her, die ihr soeben gefangen habt!«
    11 Da stieg Simon Petrus (in das Boot) hinein und zog das Netz ans Land, das mit hundertunddreiundfünfzig großen Fischen gefüllt war und trotz dieser großen Zahl nicht zerriß.
    12 Nun sagte Jesus zu ihnen: »Kommt her und haltet das Frühmahl!« Keiner aber von den Jüngern wagte die Frage an ihn zu richten: »Wer bist du?« Sie wußten ja, daß es der Herr war.
    13 Jesus trat nun hin, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso auch die Fische.
    14 Dies war nun schon das dritte Mal, daß Jesus sich nach seiner Auferstehung von den Toten seinen Jüngern offenbarte.
    15 Als sie nun das Frühmahl gehalten hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?« Er antwortete ihm: »Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe.« Da sagte er zu ihm: »Weide meine Lämmer!«
    16 Darauf fragte ihn Jesus zum zweitenmal: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?« Er antwortete ihm: »Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe.« Da sagte Jesus zu ihm: »Hüte meine Schafe!«
    17 Zum drittenmal fragte er ihn: »Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?« Da wurde Petrus betrübt, weil er ihn zum drittenmal fragte: »Hast du mich lieb?«, und er antwortete ihm: »Herr, du weißt alles; du weißt auch, daß ich dich lieb habe.« Da sagte Jesus zu ihm: »Weide meine Schafe!
    18 Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Als du noch jünger warst, hast du dir dein Gewand selbst gegürtet und bist umhergegangen, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Arme ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich an eine Stätte führen, wohin du nicht willst.«
    19 Dies sagte er aber, um anzudeuten, durch was für eine Todesart Petrus Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: »Folge mir nach!«
    20 Als Petrus sich dann umwandte, sah er den Jünger, den Jesus (besonders) liebhatte, hinter ihnen herkommen, denselben, der sich auch beim Abendmahl an seine Brust gelehnt und gefragt hatte: »Herr, wer ist’s, der dich verrät?«
    21 Als nun Petrus diesen sah, fragte er Jesus: »Herr, was wird aber mit diesem werden?«
    22 Jesus antwortete ihm: »Wenn es mein Wille ist, daß er bis zu meinem Kommen (am Leben) bleibt, was geht das dich an? Folge du mir nach!«
    23 So verbreitete sich denn diese Rede unter den Brüdern: »Jener Jünger stirbt nicht.« Aber Jesus hatte zu ihm nicht gesagt: »Er stirbt nicht«, sondern: »Wenn es mein Wille ist, daß er bis zu meinem Kommen (am Leben) bleibt, was geht das dich an?«
    24 Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und auch diese Schrift verfaßt hat, und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.
    25 Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat; wollte man das alles im einzelnen aufschreiben, so würde nach meiner Überzeugung die Welt die Bücher nicht fassen, die dann zu schreiben wären.


    Bemerkungen/ Gedanken:
    • Diesen Abschluss gibt es bei den anderen Evangelien nicht. Das Fangen der Fische würde ich so interpretieren, dass die Jünger nach Jesus Tod weitere von dessen Lehre überzeugt haben oder werden, zumindest, solange sie es mit Jesus halten und das tun, was er ihnen sagt ("das Netzt nach der rechten Seite des Bootes aus[werfen]" (V. 6) Dann reißt auch das Netz nicht (V. 11), die Gemeinschaft ist stark genug, um 153 große Fische (also "alle") zu halten.
    • Petrus erinnert mich in der Szene an Forrest Gump, als er Lutenant Dan sieht. Der wiederum, mit langen Haaren und "auferstanden" vom Krieg/ dem Siechtum etwas Jesushaftes hat. Wenig später fordert Dan im Sturm Gott heraus und sie haben eine reiche Shrimp-Ernte. Da stellt sich mir die Frage, wie stark das von Johannes 21 inspiriert war
    • Petrus hat Jesus dreimal verleugnet, ihn nach seinem Tod dreimal erkannt und beteuert dreimal seine Liebe. Einmal für jedes Drittel der Dreifaltigkeit, wenn man so will. Er soll (zum Dank?) auf drei Weisen die Herde behüten. Das liest sich wie eine Inauguration.
    • Johannes schließt wieder mit sich selbst und gibt sich als der besondere Jünger zu erkennen. Er wechselt allerdings erst im letzten Vers auf die erste Person. Den Schluss finde ich dadurch etwas schwächer, als bei den anderen Evangelien.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
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  11. #5756
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    Das war es dann auch mit den vier Evangelien. Mein vorläufiges Fazit: Johannes fand ich am besten geschrieben und am konsistentesten. Markus war schön kurz, aber zum Lesen hab ich Lukas besser in Erinnerung. Matthäus ist fad.
    Alle vier zusammen machen rund die Hälfte des Neuen Testaments aus. Als nächstes kommt die Apostelgeschichte, die ist nochmal ein größerer Brocken (ungefähr wie eines der Evangelien vom Umfang her).
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  12. #5757
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    Aah, die letzten beiden Kapitel sind schon da, das ging ja schnell.

    Maria Magdalena
    Die Begegnung mit ihr und Jesus am Grab gibt es so nicht in den anderen Evangelien. Dieses "Rühre mich nicht an" habe ich immer als "Lass mich los" interpretiert. Ich weiß aber nicht, ob das nicht doch falsch ist.
    Bemerkenswert ist: Sie hat eigentlich schon die Engel am Grab gehört und gesehen und das leere Grab auch. Sie glaubt nicht, dass Jesus lebt, sie sucht immer noch einen Toten.

    Der zweifelnde Thomas
    Diese Redewendung stammt von hier. Thomas war bei einer ersten Erscheinung der Jünger nicht dabei und lässt sich (natürlich) nicht überzeugen. Das zeigt uns, dass die Jünger nicht leichtgläubig waren, wie manch Kritiker vermutet so nach dem Motto: Die haben damals jeden Scheiß geglaubt mit ihren Sagengestalten. Nein haben sie nicht. Thomas sagt: Wenn ich nicht meine Hand in die Seite lege (nämlich da, wo der Speer durchgegangen ist) und in die Hände (da wo die Nägel bei der Kreuzigung durchgingen) - dann glaube ich das nicht", dass der jetzt wieder leben soll. Das finde ich eine wunderbare naturwissenschaftliche Herangehensweise.
    Johannes selbst ist der Einzige, der anhand des leeren Grabes glaubt. Maria sucht ne Leiche, Petrus sieht auch nur das leere Grab - die sind alle nicht leichtgläubig, sondern skeptisch - und Thomas will ihn erst anfassen.
    Als Jesus ihm das erlaubt sagt er: "Mein Herr und mein Gott" - dies ist eine schöne Stelle für Menschen, die behaupten, dass Jesus in der Bibel nicht Gott genannt wird. Hier wird er es nämlich.
    Jesus sagt ihm: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Das "Selig" ist kein besonderer Glaubensstand wie evtl. nach der Seligsprechung in der katholischen Kirche. Es steht hier das selbe Wort wie am Anfang der Bergpredigt "Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Himmelreich" - Makarios. Es bedeutet einfach nur, dass jemand zu beneiden ist, weil er etwas besonders Gutes bekommen hat. Mit diesem selig können sich alle Christen angesprochen fühlen, die Jesus niemals selbst gesehen haben und doch an ihn glauben - anders als Thomas. Also eigentlich alle ab dem zweiten Jahrhundert.

    Petrus:
    Ja, das ist eine Inauguration. Dieses drei mal: Liebst du mich? Drei mal, weil er drei mal verleugnet hat, gut beobachtet. Und diese erneute Inauguration brauchte es genau wegen der Verleugnung. Jesus hatte Petrus hat schon "den Schlüssel gegeben" nach dem Petrusbekenntnis: "Du bist der Christus, der Sohn des Lebendigen Gottes". Jetzt hat der designierte Leiter einer kleinen Jüngergruppe aber am meisten von allen Jesus verleugnet. Also muss zuerst eine Umkehr passieren, bevor er wieder die Jüngergruppe führen kann. Dies ist hier der Fall.

    Johannes selbst und die Autorenfrage:
    Man könnte argumentieren, dass das Evangelium nur bis Kapitel 20 von Johannes selbst verfasst wurde. Am Ende von Vers 20 finden wir etwas, das so aussieht wie ein Schluss: Es gäbe noch viel mehr zu sagen, aber jetzt ist auch genug.
    Am Ende von Kapitel 21 finden wir die Aussage: "Dies ist der Jünger, der Zeugnis ablegt und diese Schrift verfasst hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist" - Wer ist "Wir"? Wer schreibt diesen Satz? Meine Theorie ist folgende: Johannes ist der letzte lebende Apostel am Ende des ersten Jahrhunderts. Alle anderen sind schon tot, er war vielleicht damals der jüngste, evtl. ein Teenager, jetzt hat er alle überlebt. Es bildet sich eine Legende: Jesus kommt, bevor Johannes stirbt. Und zwar anhand des mündlich überlieferten Satzes von Jesus: "Wenn ich will, dass er lebt, bis ich komme, was geht es dich an!" - Jetzt ist Johannes gestorben. Sein Evangelium ging bis Kapitel 20, zu sehen am vorläufigen Schluss. Es gibt auf einmal das Problem, dass die Leute denken, dass eine Prophetie nicht erfüllt wurde. Und so schreiben seine engsten Vertrauten die Geschichte, die sie so oft gehört hatten und stellen richtig: Jesus hat nicht gesagt, dass Johannes lebt bis Jesus kommt. Er hat nur Petrus gesagt, es geht ihn nichts an, falls es so wäre. - das ist aber nur meine Theorie.
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  13. #5758
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    Ein Abschluss zum Johannesevangelium - Mongke hat schön erkannt, dass Johannes hier die vierte Wand durchbricht und so will ich es auch tun.

    "Diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, daß Jesus der Gesalbte, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben in seinem Namen habt" - Der Sinn der Bibel und der Evangelien ist nicht, dass wir ein schönes Zeitzeugnis haben oder einen wirkungsmächtigen Text, der die Kultur prägt. Der Sinn ist, dass du zum Glauben an Jesus Christus kommst und anfängst, ihm nachzufolgen.

    Viele große Gestalten in der Weltgeschichte haben das getan und durch ihren Glauben die Welt verändert. Die 12 Apostel zuerst, aber in ihrer Linie stehen viele: Die alten Heiligen, Franz von Assissi, Hildegard von Bingen, Nikolaus Kopernikus, Bartholome de las Casas, Florence Nightingale, Nelson Mandela, Martin Luther King, Werner Heisenberg, Johannes Rau und Millionen mehr, die niemand mehr kennt.

    Und jeder, der es ebenso tut, dieses Buch liest, an Jesus glaubt, der wird leben. Am Anfang vom Johannesevangelium hieß es in Kap 1,12: "Wer Jesus aufnahm, dem gab er das Recht, Gottes Kind zu werden, jedem, der an seinen Namen glaubt". Wer diesem Jesus glaubt und nachfolgt, so wie Johannes - der hat ewiges Leben. Lieber Mongke und lieber Leser: du hast jetzt fast die ganze Bibel durch - Es ist an der Zeit, dich zu entscheiden, ob du leben oder sterben willst.
    Geändert von Der Kantelberg (09. Oktober 2026 um 21:20 Uhr)
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  14. #5759
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    Das klingt so nach Terminator



    Ich will sterben.
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  15. #5760
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    Apostelgeschichte 1
    Achtung Spoiler:
    1 Meinen ersten Bericht habe ich, lieber Theophilus, über alles das verfaßt, was Jesus getan und gelehrt hat von Anfang an
    2 bis zu dem Tage, an dem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist seine (letzten) Aufträge erteilte und dann (in den Himmel) aufgenommen wurde.
    3 Ihnen hatte er sich auch nach seinem Leiden durch viele Beweise als lebendig bezeugt, indem er sich vierzig Tage lang vor ihnen sehen ließ und mit ihnen über das Reich Gottes redete.
    4 Als er so mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, sich von Jerusalem nicht zu entfernen, sondern (dort) die (Erfüllung der) Verheißung des Vaters abzuwarten, »die ihr« – so lauteten seine Worte – »von mir vernommen habt;
    5 denn Johannes hat (nur) mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit heiligem Geist getauft werden, und zwar nicht lange nach diesen Tagen.«
    6 Da fragten ihn die dort Versammelten: »Herr, stellst du in dieser Zeit das Königtum[ für (das Volk) Israel wieder her?«
    7 Er antwortete ihnen: »Euch kommt es nicht zu, Zeiten und Fristen zu wissen, die der Vater vermöge seiner eigenen Machtvollkommenheit festgesetzt hat.
    8 Ihr werdet jedoch Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch kommt, und ihr werdet Zeugen für mich sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde.«
    9 Nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen emporgehoben: eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken;
    10 und als sie ihm noch unverwandt nachschauten, während er zum Himmel auffuhr, standen mit einemmal zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen,
    11 die sagten: »Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel empor? Dieser Jesus, der aus eurer Mitte in den Himmel emporgehoben worden ist, wird in derselben Weise kommen, wie ihr ihn in den Himmel habt auffahren sehen!«
    12 Darauf kehrten sie von dem sogenannten Ölberge, der nahe bei Jerusalem liegt und nur einen Sabbatweg entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
    13 Als sie dort angekommen waren, gingen sie in das Obergemach (des Hauses) hinauf, wo sie sich aufzuhalten pflegten, nämlich Petrus und Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Eiferer und Judas, der Sohn des Jakobus.
    14 Diese alle waren dort einmütig und andauernd im Gebet vereinigt samt (einigen) Frauen, besonders auch mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.
    15 In diesen Tagen nun trat Petrus im Kreise der Brüder auf – es war aber eine Schar von ungefähr einhundertundzwanzig Personen versammelt – und sagte:
    16 »Liebe Brüder, das Schriftwort mußte erfüllt werden, das der heilige Geist durch den Mund Davids im voraus ausgesprochen hat über Judas, der denen, die Jesus gefangen nahmen, als Führer gedient hat;
    17 und er gehörte doch zu unserer Zahl und hatte Anteil an diesem Dienst mit uns empfangen!
    18 Dieser hat sich nun zwar von seinem Sündenlohn einen Acker gekauft, ist aber kopfüber zu Boden gestürzt und mitten auseinander geborsten, so daß alle seine Eingeweide herausgetreten sind.
    19 Dies ist allen Einwohnern Jerusalems bekannt geworden, so daß auch jener Acker in ihrer Sprache den Namen Hakeldamach, das heißt ›Blutacker‹, erhalten hat.
    20 Denn im Psalmbuch steht geschrieben: ›Seine Behausung soll öde werden und kein Bewohner darin sein‹, und ferner: ›Sein Aufseheramt soll ein anderer übernehmen.‹
    21 Es muß also einer von den Männern, die mit uns zusammen gezogen sind während der ganzen Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein- und ausgegangen ist,
    22 nämlich von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tage, an dem er aus unserer Mitte hinweg (zum Himmel) emporgehoben worden ist – einer von diesen muß ein Zeuge seiner Auferstehung im Verein mit uns werden.«
    23 So stellten sie denn zwei Männer auf: Joseph, genannt Barsabbas, der den Beinamen Justus führte, und Matthias.
    24 Dann beteten sie mit den Worten: »Du, o Herr, der du die Herzen aller kennst, zeige du (uns) den einen an, den du von diesen beiden erwählt hast,
    25 damit er die Stelle in diesem Dienst und Apostelamt übernehme, aus welchem Judas abgetreten ist, um an den ihm gebührenden Platz zu kommen!«
    26 Hierauf teilte man ihnen Lose zu, und das Los fiel auf Matthias, der nunmehr den elf Aposteln zugeordnet wurde.


    Bemerkungen/ Gedanken:

    • Teophilus magister est
    • Ich weiß nicht, was es mit der Apostelgeschichte auf sich hat, außer, was im ersten Absatz von Wikipedia steht. Demnach schließt sie an das Lukas-Evangelium an. Das Ende der vier Evangelien ist ja zum Glück sehr ähnlich, daher blätterte ich nicht nochmal ganz zurück. Ich hab stattdessen Lukas 24 überflogen; da steht zum Beispiel in Vers 49: " Und wisset wohl: Ich sende das Verheißungsgut meines Vaters auf euch herab; ihr aber bleibt hier in der Stadt, bis ihr mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet worden seid!" - daran knüpft hier Vers 4 an
    • Johannes hat nur mit Wasser getauft, Jesus aber mit Heiligem Geist - mieser Flex
    • Vers 7 ist ein cleverer Prophezeiungstrick, um sich nicht festnageln lassen zu müssen
    • Die zwei Männer in weißen Gewändern erinnern - vermutlich nicht zufällig - an die in Jesu Grab. Sieht mir engelig aus.
    • Ich glaube, in Vers 13 werden die Jünger das erste Mal alle in einem Satz namentlich genannt (bis auf den Verräter-Judas, well).
    • Judas findet allerdings auch Erwähnung und einen Abschluss. In einem der Evangelien (nicht Johannes) wurde das "Blutacker" und Judas' Schicksal schon einmal auf ähnliche Weise beschrieben.
    • Petrus zitiert mehrfach die Psalme. Auf diese Weise tritt er ein wenig wie Jesus auf.
    • Matthias wird der Zwölfte Apostel. Finde das ja einerseits konsequent und andererseits seltsam, dass ein 12. Apostel nachrückt. Konsequent, um die von Jesus gewählte Zahl wiederherzustellen und seltsam, weil ein schnödes Los - auch wenn es in Gottes Namen gezogen wird - wertloser erscheint, als Jesus persönlich.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

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