1718 begründet Khan Urus die
Fiera del Mediterraneo, eine jährlich wiederkehrende Handelsmesse in Genua. Diese Messe gibt dem Khanat einen festen Ort und Termin, an dem italienische Erzeugnisse und (auswärtige) Händler planbar zusammentreffen. Die Grundlagen für die Fiera wurden dabei längst geschaffen, mittels der
Borsa di Genova samt Lagerhaus, der Zünfte-Reform im vergangenen Jahr, sowie der steten Förderung des italienischen Handwerks. Bisher fehlte jedoch der Markt, um das Angebot der Nachfrage zuzuführen.
Während die
Borsa das ganze Jahr über handelt, ist die
Fiera der eine Termin, an dem sich das Geschäft verdichtet und nicht der Wechselzettel im Mittelpunkt steht, sondern die Ware selbst - geprüft, gewogen, in die Hand genommen. Wodurch sich diese Warenschau jedoch von einem gewöhnlichen Jahrmarkt unterscheidet, ist die Börse in ihrem Rücken, die einzigartige Vorteile bietet:
- Lagerhaus: Waren können hier das ganze Jahr über eingelagert und während der Fiera geprüft werden, bevor überhaupt ein Kontrakt zustande kommt. Der Meister bleibt bis zum Verkauf Eigentümer seiner Ware, der Händler bindet kein Kapital im Voraus - eine Teilnahme am Markt ohne Vorleistung. Erst dieser Umstand erlaubt es auch kleineren Werkstätten, sich am Exporthandel zu beteiligen.
- Verrechnung: Forderungen werden an der Börse verrechnet, Wechsel treten an die Stelle von Münzen. Händler müssen also keine Silberdinare nach Genua führen.
- Saisonkontrakte: Mengen und Preise für das kommende Handelsjahr werden im Voraus vereinbart. Damit ersetzt ein Zusammentreffen im Jahr einen monatelangen Briefverkehr - das größte strukturelle Hindernis des Fernhandels entfällt.
- Preisfeststellung: Die erzielten Preise werden nach jeder Messe verzeichnet und ausgehängt. Wer künftig den Wert von Werkzeug, Tuch oder Seide im Mittelmeer bestimmen will, bezieht sich auf die genuesische Notierung.
Genua ist das Tor Kontinentaleuropas zum Meer. Die Fiera steht ausdrücklich jenen Ländern offen, die keinen eigenen Zugang zur See besitzen. Kaufleute aus beispielsweise Ungarn, Böhmen, der Pfalz oder der Eidgenossenschaft benötigen für den Weitertransport weder Schiff noch Flotte: Sie hinterlegen ihre Ware im Lagerhaus der Borsa und finden dort Käufer, die über die nötigen Mittel bereits verfügen. Wer seine Waren einmal über die Alpen geführt hat, kann sie ohne das Risiko einer Rückfracht vertreiben. Für den Kontinent hinter den Bergen gibt es keinen zweiten Ort dieser Art.
Khan Urus erwartet von der Fiera einen erweiterten Absatz für das italienische Handwerk, Standgelder und Gebühren der Borsa, sowie steigende Hafen- und Zolleinnahmen in Genua. Darüber hinaus schafft sie jene Handelsverbindungen und jenen jährlichen Vertragsmarkt, auf denen die für 1720 geplanten Partenariati - gemischte Exportkonsortien aus Zunftmeistern und Kaufleuten - überhaupt erst aufbauen können.
Die feierliche Eröffnung der
Fiera del Mediterraneo erfolgt stets am 24. August, dem Gedenktag des Heiligen Bartholomäus. Zu ihrer Begründung wird sie einmalig vom päpstlichen Nuntius und dem Erzbischof von Genua geweiht. Der gesamte Veranstaltungszeitraum reicht vom 20. August bis zum 12. September, beginnend mit dem Aufbau der Stände, über die Zahltage bis hin zur Preisnotierung. Die
Fiera findet somit nach der sommerlichen Hitze statt, aber noch zur sicheren Reisezeit, vor den Herbststürmen. Der Termin ist dabei bewusst so gewählt, dass er das Handelsjahr des Mittelmeers ergänzt, statt in es hineinzugreifen. Ein Kaufmann, der im Frühjahr in Athen kauft, kann im September in Genua verkaufen, dort italienische Handwerkserzeugnisse erwerben und anschließend zur Handwerkermesse im Kalifat reisen.
In Italien selbst setzt der Termin die
Fiera an die Spitze einer bestehenden Kette: Am 14. September der Tag des Seemanns, Ende September der nationale Handwerkerwettstreit in der Heimatstadt des Vorjahressiegers. Wer im August nach Italien reist, findet genügend Anlässe, bis in den Oktober zu verweilen, während er von der Küste ins Land geführt wird. Aus einzelnen Veranstaltungen wird so ein Zeitraum, den man insgesamt ansteuern kann.
Alljährlich wird das Khanat nun die Kaufleute des Mittelmeeres und der Welt nach Genua einladen, mit besonderem Gruß nach Hellas, dessen
Afrikanikí Agorá der
Fiera del Mediterraneo zum Vorbild dient.
Im westlichen Mittelmeer trägt die
Poste Italiane diese Ankündigung in die Häfen. Ihr wiederum beschert die Fiera eine verlässliche Hochsaison.
Für die Auflage eines Fonds zur Finanzierung der Messe stellt das Khanat
100.000 S zur Verfügung, der ab 1719 mit jährlich 15.000 S wieder aufgefüllt wird. Zusätzlich wird die Messe im Mittelmeer und entlang des Rheins aktiv beworben, wofür
30.000 S aufgebracht werden.