Barbsich schwöre ich beginne morgen zu reflektieren
Stimme dir da zu. Die meisten hier sind bestimmt seit Jahrzehnten dafür, dass Videospiele als Kunstform ernst genommen werden, aber sobald jemand von außen mal drauf schaut und sie beispielsweise als Kunst analysiert und auch unterschwellige Aussagen interpretiert, drehen die Leute teilweise durch und gatekeepen wie verrückt.
Der Artikel ist vielleicht nicht besonders gut ausgearbeitet, aber ich habe beispielsweise mal eine kunstwissenschaftliche Analyse zur Darstellung von Frauen in der Soulsreihe gesehen, wo ich bestimmt nicht mit allem mitgehe (muss man bei einer Analyse ja nicht, man kann zu einem anderen Ergebnis kommen), aber ich fand die Sichtweise interessant und man kann es auf jeden Fall so sehen.
Wenn Videospiele dann aber halt wie Filme, Bücher etc. mal ernst genommen und dementsprechend auch kritisch betrachtet werden, werden meiner Meinung nach die Leute, die vorher was von Kunstfreiheit gesagt haben, ganz schnell zu denen, die sagen, dass das ja nur Spiele zum Abschalten und dem Alltag entfliehen sind, die gar nichts aussagen und keine tiefere Bedeutung haben. Also doch keine Kunst?![]()
Da finde ich die Paradox Spiele im Vergleich zumindest durchaus problematischer.
In EU gibt es keine Sklaverei, sondern nur als Handelsgut und die Eingeborenen hören auf einen anzugreifen wenn man sie einfach assimiliert, was keine wirklichen sonstigen Konsequenzen hat.
Im Vic ist es meine ich nicht besser.
Und Hoi hat natürlich die allermeisten Kriegsverbrechen und sonstigen Verbrechen an der Menschheit außen vor gelassen.
Insbesondere problematisch wenn man weiß wie beliebt Hoi bei politisch rechten ist.
Beide Spiele versuchen aber die Geschichte zu simulieren. Nur halt irgendwie nicht die negativen oder kontroversen Themen.
Natürlich, Kritik von ausserhalb des Genres ruft häufiger Abwehrreflexe hervor. Und ich bin durchaus der Meinung, dass man sich auch mal aus dieser Sicht mit dem Thema befassen kann, ob Anno 1800 mit seiner Kolonialgeschichte oder Anno 117 mit der fehlenden Sklaverei vielleicht zu viele Auslassungen macht. Mein Hauptproblem mit dem Artikel ist, dass er halt schon im Titel mit Ragebait anfängt (Rassismus! Nein, staatlich geförderter Rassismus!). Da unterstelle ich, dass erst mal mit Empörung Klicks generiert werden sollen und es nicht darum geht einen ernsthaften Diskurs über das Thema anzustossen. Da helfen Relativierungen im Text selber dann auch nicht mehr.
Crying: Acceptable at funerals and the Grand Canyon.
Fish: For sport only, not for meat. Fish meat is practically a vegetable.
Mir ging es auch gar nicht um diesen sehr ähm kontroversen Artikel. Das ist echt nicht ausreichend recherchiert und da verstehe ich den Ärger total.
Grundsätzlich finde ich das interessant. Habe selbst mehr Erfahrung mit 1701 und 1404 und da sehe ich definitiv, dass man das so sehen kann, dass "Entdeckung", Kolonisation etc. sehr unkritisch und sauber dargestellt wird. Einheimische sind entweder nicht da oder Handelspartner in ihren kleinen, abgesteckten Bereichen. Das Land ist komplett frei und verfügbar für die Begehrlichkeiten der Entdecker.
Bei EU geht's ja sogar noch tiefer: Menschen und Gruppen abseits der Staatlichkeit sind im Grunde unsichtbar, weil fast nicht darstellbar.
Das ist alles nicht unbedingt immer schlimm, aber man darf halt drüber reden und es auch kritisieren, auch wenn das vielleicht manchmal übertrieben erscheinen mag.
@Shakka: Ich finde aber, dass das bei Videospielen halt extrem auffällt, dass diejenigen, die wollen, dass man sie als Kunst ernst nimmt, schon die Besprechung auf dem Niveau anderer Kunstform sehr oft ablehnen. Das Medium ist ja eh aufgrund so Sachen wie Remaster/Remakes, die aufgrund neuerer Technik selbst für Journalisten das Originalwerk ersetzen, weil "besser", immer noch etwas infantil. Bei Filmen oder Gemälden wird sowas nie bzw. fast nie gemacht und wenn Filme neu gedreht werden, ersetzen sie das Original nicht. Irgendwie behandeln selbst wir als Enthusiasten Videospiele nicht wie Kunst.
Dawn of War IV wird auch mit unseren Steuergeldern bezahlt. Ist zwar kein Anno, aber wenn es eh schon Thema ist...![]()
Das stimmt, aber abseits von ziemlich gesichtslosen Rebellenstacks gibt es nicht viel. Es ist halt praktisch ausschließlich auf der Staatsebene. Irgendjemand hatte mal eine sehr interessante Abhandlung dazu, die ziemlich in die Tiefe gegangen ist, verlinkt. Vielleicht habe ich das noch irgendwo.
Ist ja auch per se nicht schlimm, wenn es um die Entwicklung der Staaten geht, aber schon gut, wenn man sich der Abstrahierung der Realität bewusst ist. Einfach ein interessantes Thema. Jede Darstellung ist ja eine gewisse Verzerrung, weil man der Komplexität der Realität auch in der besten Simulation nie gerecht werden kann, denke ich.
Weiß nicht, ob das ist, was du meinst, aber A collection of unmitigated pedantry hat eine ganze Reihe von historischen Analysen zu Paradox-Spielen, die ich ziemlich interessant finde.
Sie/Ihr
Storys:
(Civ 4 BASE 5.0): Die Geschichte des römischen Reiches (abgeschlossen)
(Civ 4 BASE 6.0): Das Reich der Mitte auf dem Weg durch die Geschichte (abgebrochen)