I. Meine Kindheit bestand aus Büchern, Blut und Eisen.
Am Tag unterrichteten mich unzählige Stunden lang die größten Gelehrten des Imperiums, und in der Nacht brach mir die Purpurgarde die Knochen, falls ich während Kampfübungen oder in Militärwissenschaft versagte.
Meine Mutter Aikatarina – besser bekannt unter den Namen Usurpatorin oder die Abtrünnige – hatte den Vorsitz des Regentschaftsrates inne.
In der Nacht vor meiner Krönungszeremonie weckten mich Männer der Purpurgarde und befahlen mir mich eiligst einzukleiden.
Noch halb im Delirium vernahm ich wie sie mich Imperator und nicht Basileios nannten, was höchst unangemessen und völlig verfehlt war.
[Damit wir zumindest einen griechischen Begriff nutzen, wird als Titel des Thronfolgers Basileios und nicht Prinz etc. genutzt.
Stellt euch einfach die römische Tetrarchie unter Diokletian mit den jeweils zwei Titeln des Augustus´ und Untertiteln des Caesars vor.]
Während ich versuchte Ordnung in diese Farce zu bringen, warfen sie mir meinen Degen und meine Muskete zu. Kampfeslärm vermischten sich mit Schmerzensschreien als wir aus den Palast Richtung Hafen flohen.
Dort wartete bereits unser erst kürzliches konstruiertes Flaggschiff die Areus III.
Erst nach der kurzen, aber intensiven Seeschlacht von Thessaloniki erfuhr ich den Grund für all dieses Chaos.
Die Abtrünnige ernannte sich selbst zur Imperatorin!
Ihre erste Amtshandlung war es mein Todesurteil zu unterschreiben, nur dank des Kommandanten der Purpurgarde, der seine Agenten in jeder Gasse, auf jeder Straße und in jedem Hinterzimmer in Imperatoropolis installieren konnte,
überlebte ich diesen Anschlag nur äußert knapp.
II. Wir flohen mit unserer Flotte Richtung Westen.
Während die loyalen Sturmtruppen an den Grenzen zu Indien, Südafrika oder Mecklenburg gebunden waren,
konnte die Abtrünnige über eine Dekade lang eine eigene loyale Streitmacht aufstellen,
die insbesondere im Kernland des Imperiums ihr armseliges Dasein mit bspw. Botengängen und der Sicherung des Nachschubes für die Front fristete.
Somit blieb ein Unterschlupf in Europa zu finden keine Option.
Wir durchquerten die Säulen des Imperators, wappneten uns gegen die stürmische See des Atlantiks, darauf hoffend einen sicheren Heimathafen für unsere verlorenen Seelen zu lokalisieren.
Auf St. Helena, eine strahlende Insel erfüllt mit reinem und purem Licht, inmitten rauer See, umgeben von nichts als roher Gewalt
- wie einst Hellas, die einzige Bastion der Vernunft, der Wissenschaft, der Forschung, der Philosophie, der Kultur, der Musik und der Rhetorik,
umzingelt vom Barbarentum, Häresie und noch schlimmere Freveleien - wurde der Keim der neuen Hoffnung mit mir an der Spitze für das Imperium gesät.
Mit Hilfe der Satellitenstaaten, denen ich eine vorläufige sowie zeitlich begrenzte Autonomie versprach
– die Rohstoffe des Kongobeckens allein sind für die Fabriken des Imperiums essenziell, und mit meinem angehenden Agentennetzwerk,
beeinflusste ich über eine Dekade die Offiziersriege der wahren Sturmtruppen, Männer und Frauen, die ihr Blut und ihr Leben ließen, damit das Imperium zur einzig wahren Zivilisation der Erde heranwachsen konnte!
III. Im Sommer des Imperators 1818 ernannte die Abtrünnige das Imperium zum Militärhegemon, zur ersten und einzigen Weltmacht der Menschheitsgeschichte.
Dominierend über drei Kontinente, vereint unter der griechischen Kultur, der griechischen Sprache, der Vernunft und der Freiheit unter dem Imperator sein Leben mit Glückseligkeit auszufüllen, war dies der logische nächste Schritt.
Mit dieser Ausrufung ging der Anspruch die Souveränität über alle übrigen Reiche der unterschiedlichsten Zivilisationen zu erlangen einher,
was insbesondere ein Affront hinsichtlich der verbündeten Mächte, wie etwa die Maya in der Neuen Welt darstellte.
Folgerichtig war bereits im Herbst des Imperators 1818 das Imperium von seinen Verbündeten verlassen worden.
Selbst die Satellitenstaaten – die bereits meinem Einfluss unterlagen – stellten sich mit erhobenem Haupte gegen die Abtrünnige.
Diese Isolierung des Imperiums auf dem außenpolitischen Parkett war der Startschuss der dritten und letzten Revolution!
Mit einer Macht die stärker war als die erste und zweite Revolution kombiniert, erhoben sich die Bürger, vereint in ihrem Glauben das Imperium in eine Republik transformieren zu können,
gemeinsam mit den Nationalisten, welche selbstverständlich ihre eigene Agenda verfolgten, bestrebt die Macht der Abtrünnigen zu brechen und zu stürzen.
Ohne die absurde Wahrsagerei zur Rate zu ziehen, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch gewesen, dass so bald Imperatoropolis gefallen wäre, sich diese zwei Gruppierungen selbst zerfleischt und das Imperium in einen totbringenden Bürgerkrieg geführt hätten.
Freudestrahlend erfuhr ich vom Sieg der Truppen der Abtrünnigen – besser bekannt unter ihren späteren geläufigeren Namen Tourkosiner –, das Primat des Imperators muss für alle Zeit den Hellen und insbesondere der Menschheit erhalten bleiben! Leider musste ich zu meinem Bedauern erfahren, dass die Revolutionäre bei Weitem zu rasch von den Armeen der Tourkosiner - jedoch nur mit Hilfe von abscheulichen und unaussprechlichen Gräueltaten - die revolutionären Umtriebe - wie die Sensen das erntereife Weizen - niedermähten, gleichwohl wurden Ihre Armeen bis auf den letzten Mann oder auf die letzte Frau getrieben und eliminiert, dazu mehrere Städte sowie Dörfer einfach niedergebrannt.
An diesem Punkt sei erwähnt, dass meine loyalen Sturmtruppen – die Loyalisten – sich nicht an diesen ungeheuerlichen Missetaten beteiligten, sie sicherten die Grenzen des Imperiums in Indien, in Afrika und auf Indonesien.
IV. Während also die Tourkosiner erfolgreich die Revolution bekämpften, war für mich die Zeit gekommen meine geliebte Insel St. Helena zu verlassen
und mit der Flotte der Areus III. in See zu stechen, wohl wissend, dass die Sturmtruppen und die Satellitenstaaten mich in meinem rechtmäßigen Kampf um den Thron unterstützen werden.
Im Frühling des Imperator 1819 war die Küste unser aller geliebtes Vaterland Hellas bereits in Blickweite!
Wir waren über die ruhige Seefahrt verblüfft, rechneten wir doch vor den Säulen des Imperators mit einem Gefecht mit einer Flotte der Tourkosiner, aber weit gefehlt.
Während also unsere Sturmtruppen den wichtigen Bosporus besetzen und Imperatoropolis vom Norden her abschotteten, bereitete sich die Purpurgarde mit mir an der Spitze auf die Seeinvasion vor.
Just in diesem Moment griff einer der tourkosineschen Flotten an! Unsere Kriegsflotte deckte die Seeinvasion, schütze die Truppentransporter vor Artilleriebeschuss, doch war dies ein verlustreiches Unterfangen.
Trotz allem konnte sich die Purpurgarde neuformieren und in einem epischen Kampf die 1. Armee Constantinople – was für ein Frevel den Namen der größten Metropole aller Zeiten in der alten Sprache der Thraker zu verwenden – der Tourkosiner bezwingen!
Unter dem Dauerbeschuss der Artillerie konnte nach kurzer Zeit ein Riss in das Bollwerk des Regierungsviertels geschossen werden!
Dort versteckte sich nach unserem damaligen Wissen die Abtrünnige und dort hätte der Bürgerkrieg direkt ohne größeren Verlust an Menschenleben beendet werden können.
Alsbald die Purpurgarde das Regierungsviertel durchsuchte, wurden von Tourkosiner Feuer gelegt, die innerhalb von Stunden die Oberstadt in ein Flammenmeer verwandelten!
Viele tapferen Männer und Frauen der Purpurgarde ließen in der Hitze der Glut ihr Leben, ich selbst überlebte nur knapp. Das Wüten der Feuersäule forderte nicht nur auf unserer Seite Opfer.
Ohne Kompromisse und Skrupel wurden weite Teile des Regierungsapparates, durch den Tod unzähliger Beamten sowie Diplomaten auf Order der Abtrünnigen, der Feuersbrunst überreicht.
V. Gleichzeitig marschierten die über die Revolutionären siegreichen Armeen der Tourkosiner in Griechenland ein und forderten die Sturmtruppen zum offenen Kampf heraus!
In diesem Moment wurde mir eklatant bewusst, dass die Schlacht um Imperatoropolis nicht wie geplant die Usurpation beendet,
sondern sich das Gefecht zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg entwickelt, welche das Imperium in seinem Fundament erschüttern und möglicherweise selbst zu seinem Fall führen wird.
Auch in Anatolien kam es zu heftigen Gefechten,
sollte der Bosporus fallen, würden unsere Sturmtruppen in Griechenland umzingelt sein.
In einer Nacht und Nebel Aktion konnten die Sturmtruppen die Festungen der Säulen des Imperators besetzen, so gelangte der benötigte Nachschub aus den Satellitenstaaten nach Griechenland.
Die Tourkosiner rückten ebenfalls in Iberien vor, um ihr taktisches Missgeschick zu beheben.
Nur am Suezkanal blieb es überraschenderweise ruhig.
VI. Die restlichen Sturmtruppen, die nicht in direkten Kämpfen in Europa involviert waren, sicherten die Inseln, die wiederum großartige Vorposten waren und als Nachschubzentrenten fungierten,
sowohl im Atlantik,
Im Indischen Ozean und
Auf Indonesien.
VII. Während also das Imperium im Bürgerkrieg sich selbst zerfleischte, war es außenpolitisch – insbesondere durch den idiotischen Schachzug der Ausrufung des Militärhegemons – gelinde geschrieben, nicht ruhiger geworden.
Die Koalition verbündete sich aufs Neue, wohl wissend, dass dieses Mal keine Sturmtruppen direkt an der Grenze stehen, welche wie die totbringenden Erinnyen in ihr Reich einfallen konnten.
So erklärte Ruthenien – obwohl dort selbst ein entfernter Zweig der Agiad-Hellas-Dynastie sich an die Macht usurpierte - im Namen der Koalition dem Imperium den Krieg.
Nominell waren sie uns „nur“ knapp 3-1 überlegen, aber in diesen Zahlen flossen ebenfalls die Soldaten der Satellitenstaaten mit hinein und sie erdreisteten sich ihre Neutralität zu deklarieren.
Und somit marschierte Ruthenien ohne nennenswerte Gegenwehr in ihren erst vor kurzen verlorenen Territorien ein.
Dasselbe Bild war im Norden Europas zu sehen als Mecklenburg ohne Widerstand ihre alten Städte einnahm.
In der langen Geschichte des Imperiums gab es nicht eine so allumfassende militärische Niederlage wie die, die sich im Frühling des Imperators 1822 abzeichnete.
Mit den Sturmtruppen an den neuralgischen Punkten des Reiches stationiert konnten die Grenzen nicht gehalten werden.
Aus allen Himmelsrichtungen fielen die Armeen der Koalitionäre in das Imperium ein und eroberten Gebiet um Gebiet.
Alsbald standen sie vor Hellas im Angesicht der Sturmtruppen und wagten mit einer schwindelerregenden Überzahl einen Sturmangriff.
Das nachfolgende Gemetzel ging in die Annalen des Imperiums als das Massaker von Thrakien ein!
Während die Sturmtruppen nicht nur die Bollwerke, sondern die umliegenden Gebiete seit über einem Jahr stetig befestigten, war für die Truppen der Koalitionäre das Kernland des Imperiums Neuland.
Kämpften sie doch seit Jahrhunderten gegen die Sturmtruppen immer nur in ihren eigenen schwindenden Grenzen, trotz allem waren sie in Folge ihrer nummerischen Übermacht siegessicher und stürmten in die Todeszonen wagemutig voran.
Da stand ich nun, wie einst Imperator Areus I. der Große, als er das Imperium ausrief, vor den Leichenbergen meiner Feinde
und überlegte mir eine Strategie wie die Sturmtruppen den Krieg gegen die Koalition zumindest in Ansätzen zu unseren Gunsten entscheiden könnte. M
eine Mittel bestanden aus Hellas, den Sturmtruppen und den Nachschubkonvois aus Kongo sowie der Seeüberlegenheit im Mittelmeer.
Dies war sicherlich keine leichte Aufgabe, aber für einen Agiad-Hellas selbstverständlich händelbar!
VIII. Im Sommer des Imperators 1823 als das Kriegsglück in keinerleiweise in eine bestimmte Richtung wogte, flatterten mehrere Aufforderungen am Kiewer Kongress teilzunehmen im Regierungspalast ein.
Jede Faser meines Körpers sträubte sich einem Diktatfrieden zuzustimmen, sollen sie sich doch im Kongress zu Tode debattieren, die Beschlüsse wird das Imperium niemals akzeptieren!
Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass die Abtrünnige – von einigen bereits Tod, von mir zumindest als machtlose Person in einer feuchten Höhle vor sich hinvegetierend geglaubt –
in Namen des Imperiums als Gegenimperatorin alle Forderungen der Koalitionäre nachgab und den anschließenden Friedensvertrag mit ihrem eigenen Blut unterschrieb!
Es ist unnötig zu erwähnen, dass dies ihre letzte Tat war.
Sie starb noch am Konferenztisch mit der Feder in der Hand, damit endete ebenfalls offiziell der Bürgerkrieg.
Mit ihrer Einwilligung jedoch versetzte sie dem Imperium den Todesstoß!
Einige Gebiete an der Grenze zu den Koalitionären mussten abgegeben werden, doch ist dies bei Weitem nicht das Schlimmste.
Bis auf die Regionen, die die Sturmtruppen hielten, wurden selbst Provinzen, die seit Jahrhunderten als Kernland des Imperiums galten, als unabhängige Nationen entlassen!
Ebenfalls wurden die Satellitenstaaten ihres Ranges enthoben und fungieren nun als souveräne Reiche.
Nur der Kongo, gebunden durch die Staatsehe ans Imperium behielt den Rang als Satellitenstaat.
IX. Nordeuropa
Westeuropa
Zentral- und Osteuropa
Restimperium
Afrika
Mittlerer Osten und Indien
[In Indonesien konnte ich keine Satellitenstaaten erstellen, also behalten wir die Inseln einfach.]
Mit diesem Verlust an Land, Bevölkerung und Industrialisierungsgrad brach die Wirtschaft des Restimperiums vollständig zusammen.
Die Arbeitslosenzahl explodierte, die Inflation stieg ins Unermessliche und die lebensnotwendigen Importe konnten nicht mehr bedient werden.
Das Imperium musste anschließend Bankrott anmelden! Damit brach die erste Weltwirtschaftskrise aus!
Kurz darauf flatterte die Unabhängigkeitserklärung des Kongos ein. Ich konnte keine Gegenmaßen einleiten.
Das Imperium war nun auf Hellas und einigen verstreuten Inseln im Atlantik sowie Pazifik umgeben von weit mächtigeren Reichen geschrumpft.
Bis zu meinem Tod werde ich gegen die Schmach, die mir angetan wurde, kämpfen und dafür Sorge zu tragen,
dass das Imperium wie ein Phoenix aus der Asche wiederaufsteigt und der Welt, ja der ganzen Menschheit, seinen überlegenden Willen aufdrückt!
Imperium sine fine! Das Imperium und die Agiad-Hellas-Dynastie werden immer obsiegen!
