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Thema: Hast du die Bibel je selbst gelesen?

  1. #5716
    Reht bitharf Andlūkan. Avatar von Mendelejev
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    Vielleicht, weil Galiläa zur Königszeir im Nordreich Israel (und danach unter assyrischer Knute), nicht im (davidischen) Südreich Judäa war?

  2. #5717
    Infrarot Avatar von Der Kantelberg
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    Zu Galiläa:

    Mendelejev hat teilweise recht. Es gehörte zum Nordreich und damit zur "Sünde Jerobeams". Außerdem hatten sich dort auch wie in Samaria heidnische Völker angesiedelt. Später wohnten wieder mehr Juden dort. Die Leute in Jerusalem und Judäa blickten auf Galiläa herab. (So wie die BRD auf den Osten...) Es hieß bei Jesaja "Galiläa der Heiden". Es ist also nicht ganz so fromm, nicht ganz so gebildet, nicht ganz so jüdisch wie Judäa und Jerusalem. Man erkennt die Galiläer auch an ihrem Dialekt.


    Zu "der heilige Geist war noch nicht da"

    Natürlich existiert er als ewige Person der Trinität längst. Im Alten Testament bekommen wenige ausgewählte Personen diesen Geist verliehen, um in seiner Kraft außergewöhnliches zu schaffen. Später in der Apostelgeschichte wird er "auf alle Menschen ausgegossen" werden. DAs ist das, was Christen am Pfingstfest feiern. Johannes schreibt es hier erklärend zu den Worten Jesu: Wer an ihn glaubt, empfängt den Heiligen Geist und ist durch diesen in der Lage, außergewöhnliche Dinge zu tun.
    Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal

    Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.


  3. #5718
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Johannes 8
    https://www.bibleserver.com/LUT.ELB.MENG.EU/Johannes8

    Achtung Spoiler:
    1 Jesus aber begab sich an den Ölberg.
    2 Am folgenden Morgen jedoch fand er sich wieder im Tempel ein, und das gesamte Volk kam zu ihm; er setzte sich dann und lehrte sie.
    3 Da führten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ergriffen worden war, stellten sie in die Mitte
    4 und sagten zu ihm: »Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.
    5 Nun hat Mose uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst nun du dazu?«
    6 Dies sagten sie aber, um ihn zu versuchen, damit sie einen Grund zur Anklage gegen ihn hätten. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf den Erdboden.
    7 Als sie aber ihre Frage an ihn mehrfach wiederholten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie!«
    8 Hierauf bückte er sich aufs neue und schrieb auf dem Erdboden weiter.
    9 Als aber jene das gehört hatten, gingen sie einer nach dem andern weg, die Ältesten zuerst bis zu den Letzten, und Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die in der Mitte stand.
    10 Da richtete Jesus sich auf und fragte sie: »Frau, wo sind sie? Hat keiner dich verurteilt?« Sie antwortete: »Keiner, Herr.«
    11 Da sagte Jesus: »Auch ich verurteile dich nicht: gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!« 
    12 Nun redete Jesus aufs neue zu ihnen und sagte: »Ich bin das Licht der Welt: wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.«
    13 Da sagten die Pharisäer zu ihm: »Du legst Zeugnis über dich selbst ab: dein Zeugnis ist ungültig.«
    14 Jesus gab ihnen zur Antwort: »Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, so ist mein Zeugnis doch gültig, denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wißt nicht, woher ich komme und wohin ich gehe.
    15 Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte überhaupt niemand.
    16 Doch auch wenn ich richte, ist mein Urteil wahr; denn ich stehe (mit meinem Zeugnis) nicht allein, sondern mit mir ist der, welcher mich gesandt hat.
    17 Nun steht doch auch in eurem Gesetz geschrieben, daß das Zeugnis zweier Personen wahr ist.
    18 Ich lege Zeugnis von mir ab, und der Vater, der mich gesandt hat, legt auch Zeugnis von mir ab.«
    19 Da fragten sie ihn: »Wo ist (denn) dein Vater?« Jesus antwortete: »Weder mich noch meinen Vater kennt ihr; wenn ihr mich kenntet, würdet ihr auch meinen Vater kennen.«
    20 Diese Worte sprach er aus, als er beim Opferkasten im Tempel lehrte; und niemand legte Hand an ihn, weil seine Stunde noch nicht gekommen war. 
    21 Aufs neue sagte er dann zu ihnen: »Ich gehe weg; dann werdet ihr mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen.«
    22 Da sagten die Juden: »Will er sich etwa das Leben nehmen, weil er sagt: ›Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen‹?«
    23 Da sagte er zu ihnen: »Ihr seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid aus dieser Welt, ich bin nicht aus dieser Welt.
    24 Darum habe ich euch gesagt, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.«
    25 Da fragten sie ihn: »Wer bist du denn?« Jesus antwortete ihnen: »Das, was ich von Anfang an (gesagt habe) und auch jetzt euch sage.
    26 Vieles hätte ich über euch noch zu sagen und zu richten; aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und ich – was ich von ihm gehört habe, das rede ich zur Welt.«
    27 Sie verstanden nicht, daß er vom Vater zu ihnen redete.
    28 Da fuhr nun Jesus fort: »Wenn ihr den Menschensohn erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin und daß ich nichts von mir selbst aus tue, sondern so rede, wie der Vater mich gelehrt hat.
    29 Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das tue, was ihm wohlgefällig ist.« 
    30 Als er das sagte, kamen viele zum Glauben an ihn.
    31 Nun sagte Jesus zu den Juden, die an ihn gläubig geworden waren: »Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger
    32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.«
    33 Da entgegneten sie ihm: »Wir sind Abrahams Nachkommenschaft und haben noch niemals jemandem als Knechte gedient; wie kannst du da sagen: ›Ihr werdet frei werden‹?«
    34 Jesus antwortete ihnen: »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: ein jeder, der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde.
    35 Der Knecht aber bleibt nicht für immer im Hause, der Sohn dagegen bleibt für immer darin.
    36 Wenn also der Sohn euch frei gemacht hat, dann werdet ihr wirklich frei sein.« 
    37 »Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Nachkommenschaft seid; aber ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort keinen Eingang bei euch findet.
    38 Was ich beim Vater gesehen habe, das rede ich; dementsprechend tut auch ihr das, was ihr vom Vater gehört habt.«
    39 Sie antworteten ihm mit der Versicherung: »Unser Vater ist Abraham!« Jesus erwiderte ihnen: »Wenn ihr Abrahams Kinder seid, so handelt auch so wie Abraham (gehandelt hat)!
    40 Nun aber geht ihr darauf aus, mich zu töten, einen Mann, der euch die Wahrheit verkündigt hat, wie ich sie von Gott gehört habe: so etwas hat Abraham nicht getan.
    41 Ihr vollbringt die Werke eures Vaters.« Sie erwiderten ihm: »Wir sind keine unehelichen Kinder; wir haben nur einen einzigen Vater, nämlich Gott.«
    42 Da sagte Jesus zu ihnen: »Wenn Gott euer Vater wäre, dann würdet ihr mich lieben; denn ich bin von Gott ausgegangen und (von ihm) gekommen; ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt.
    43 Wie geht es nun zu, daß ihr meine Art zu reden nicht versteht? Weil ihr nicht imstande seid, das, was meine Worte besagen, auch nur anzuhören.
    44 Ihr stammt eben vom Teufel als eurem Vater und wollt nach den Gelüsten eures Vaters handeln. Der ist ein Menschenmörder von Anfang an gewesen und steht nicht in der Wahrheit, weil die Wahrheit nicht in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, dann redet er aus seinem eigensten Wesen heraus, denn er ist ein Lügner und der Vater von ihr.
    45 Weil ich dagegen die Wahrheit rede, schenkt ihr mir keinen Glauben.
    46 Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich die Wahrheit rede, warum schenkt ihr mir keinen Glauben?
    47 Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes; deshalb hört ihr sie nicht, weil ihr nicht von Gott seid.« 
    48 Da gaben ihm die Juden zur Antwort: »Sagen wir nicht mit Recht, daß du ein Samariter und von einem bösen Geist besessen bist?«
    49 Jesus antwortete ihnen: »Ich bin von keinem bösen Geist besessen, sondern ehre meinen Vater; doch ihr beschimpft mich.
    50 Ich aber sorge nicht für meine Ehre: es ist einer da, der (für sie) sorgt und Gericht (für sie) hält.
    51 Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn jemand mein Wort bewahrt, wird er den Tod in Ewigkeit nicht sehen.«
    52 Da entgegneten ihm die Juden: »Jetzt wissen wir sicher, daß du von einem bösen Geist besessen bist. Abraham ist gestorben und (ebenso) die Propheten, und du behauptest: ›Wenn jemand mein Wort bewahrt, wird er den Tod in Ewigkeit nicht schmecken.‹
    53 Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der doch gestorben ist? Und auch die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?«
    54 Jesus antwortete: »Wenn ich mich selbst ehrte, so wäre es mit meiner Ehre nichts; nein, mein Vater ist es, der mich ehrt, derselbe, von dem ihr behauptet, er sei euer Gott;
    55 und dabei habt ihr ihn nicht erkannt. Ich aber kenne ihn; und wenn ich sagen wollte, daß ich ihn nicht kenne, so würde ich euch gleich sein, nämlich ein Lügner. Doch ich kenne ihn und bewahre sein Wort.
    56 Euer Vater Abraham hat darüber gejubelt, daß er meinen Tag sehen sollte, und er hat ihn gesehen und sich darüber gefreut.«
    57 Da sagten die Juden zu ihm: »Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?«
    58 Jesus antwortete ihnen: »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ehe Abraham (geboren) ward, bin ich.«
    59 Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen; Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.




    Bemerkungen/ Gedanken:

    • Macht Jesus eigentlich noch was anderes, als zwischen Berg und Tempel zu pendeln?
    • Zu Vers 5 s. 3. Mose 20,10: "Wenn ferner ein Mann Ehebruch mit einer verheirateten Frau treibt, wenn er mit der Ehefrau seines Nächsten Ehebruch treibt, so sollen beide, der Ehebrecher und die Ehebrecherin, unfehlbar mit dem Tode bestraft werden. –" (eigentlich müssten also beide gesteinigt werden)
    • Der-erste-Stein-Vers
    • Hat ein bisschen was von der "Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist" Szene in den anderen Evangelien. Jesus wieselt sich raus
    • Ist Jesus Cotton Eye Joe? (V. 14)
    • Moment, war eines der "Axiome" nicht, dass Jesu Zeugnis tatsächlich unbezeugt ist? Am Vorwurf der Pharisäer (V. 13) wäre somit was dran. Oder werden die "Axiome" erweitert: Jesus ist der einzige, der unbezeugt gültiges Zeugnis ablegen kann? Die Verse 17ff legen das nahe (In Vers 17 wird 5. Mose 17,6 referenziert: "Auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin soll ein solcher, der sterben muß, den Tod erleiden; auf die Aussage eines einzigen Zeugen hin darf er nicht getötet werden.")
    • Irgendwie wirkt Jesu Argumentation mit Gott als zweitem Zeugen auf mich trotzdem fischig. Das wirkt wie ein Ausnutzen der Dreifaltigkeit. Macht aber nachvollziehbar, warum die Multifaltigkeit auch "juristisch" relevant ist
    • Die folgenden Verse klingen irgendwie alle nach altem Wein in neuen Schläuchen. Zumindest mir als Leser ist inzwischen mehr als klar, dass Jesus vom Himmel ("von oben") kommt, gerichtet werden soll etc. blabla Aber es scheint immer noch Leute zu überzeugen (V. 30)
    • Die Verse 31 bis 36 finde ich wieder interessanter, weil es mir etwas über das damalige ~Rechtsverständnis erzählt und ich einen Zusammenhang mit diesem leidigen Ursündenthema der Katholiken erkenne: "Ein jeder, der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde". Wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der Knechte unfrei sind, ist nur folgerichtig dass es einen Herrn (den Vater oder an seiner statt den Sohn, V. 36) braucht, der ihn "wirklich frei" macht. Wenn man, wie ich, ein demokratisches Gesellschaftsverständnis hat und Sklaverei bzw. Knechtschaft nicht kennt (höchstens im Sinne der Lohnarbeit oder "modernen Sklaverei", bspw. als DHL-Fahrer ), leuchtet es noch viel weniger ein, warum man sich frei machen muss. Ich stehe gleichberechtigt neben der Sünde. Emoticon: wiwi
    • Interessant finde ich auch, dass Abraham in diesem Abschnitt (und bis ~Vers 40) eine zentrale Rolle spielt und die Jünder als "Abrahams Nachkommenschaft" vereint. Das verbindet die (späteren) Christen mit den Juden und im Prinzip auch mit den Muslimen. Dann wiederum wird in Vers 41 Gott als "einziger Vater" benannt - aber Abraham und Gott sind nicht gleich
    • Vers 41ff ruft nach einem Vaterschaftstest Der Vaterbegriff ist hier sehr vieldeutig. Erst bezeugen die Juden, Abraham sei ihr Vater. Dann Gott. Dann hält Jesus ihnen vor, der "Teufel" sei ihr Vater. Der Vaterbegriff gibt eine gewisse Endgültigkeit vor (man kann sich seinen Vater weder aussuchen, noch ihn ändern). Wenn man es im übertragenen Sinne liest, wäre ein Vaterwechsel möglich und es geht eher darum, wen man als "geistigen (Stief-)Vater" akzeptiert. Das muss man, schätze ich, sonst hätte man ja keine Möglichkeit, an Jesus~Gott zu glauben
    • Jesus von einem bösen Geist besessen? That escalated quickly
    • Der Ehrbegriff gegenüber Vater/ Familie spielt gegen Ende noch eine wichtige Rolle. Das kennt man heutzutage u.a. noch vom Islam.
    • Am Ende fliegen Steine. Sind die Juden damit alle ohne Sünde? - Wobei im Text nur steht "um sie auf ihn zu werfen". Möglicherweise fliegen sie also gar nicht.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  4. #5719
    Infrarot Avatar von Der Kantelberg
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    Zu Kap 8:


    Textkritik: Die Geschichte mit der Ehebrecherin findet sich nicht in den ältesten Handschriften. Also Johannes 7,53 bis 8,11, ja auch den Vers mit dem "wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein". Dies ist neben dem Schluss des Markusevangeliums die umfangreichste und gravierendste Textabweichung im Neuen Testament. Wenn man also behaupten wolle, jemand habe nachträglich etwas zur Bibel hinzugefügt: Hier wäre Kandidat Nummer 1 (oder 2 je nachdem, wie man den Markusschluss einsortiert). Alles anderem Textabweichung im NT sind dann meines Wissen nach sowas wie der Schlussvers beim Vaterunser: ein Vers der fehlt oder ein paar Wörter die anders sind. Hier haben wir aber eine ganze Geschichte, die auch wichtig ist, über die oft gepredigt wird, an der sich Theologie und Gemeindepraxis orientieren.

    Warum weise ich darauf hin? Um zu zeigen: Der Rest ist safe. Wir können durch die ganzen Handschriften und Textvarianten das sehr gut nachvollziehen. Und ich bin mir sehr sicher, dass wir heute im Neuen Testament genau den Text vorliegen haben, den die Apostel verfasst haben. Eben bis auf den Schluss des Markusevangeliums oder diese Geschichte mit der Ehebrecherin. Die Gesamtaussage des Neuen Textaments änderte sich kein Stück, wenn man diese beiden Kapitel wegließe.



    Das zweite Ich-bin-Wort in Vers 12: Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt: wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben." Mongke feiert den Steine-Vers, ich das Ich-bin-Wort.



    Die Juden: Ich erinnere daran: Damit ist im Johannesevangelium nicht das gesamte jüdische Volk gemeint. Jesus selbst war ja ein Jude, die Apostel auch und alle ersten Christen waren Juden. Jesus sagt hier, sie seien Kinder des Teufels. Das ist vermutlich so geistig übertragen gemeint, wie Mongke es vermutet. Durch Mord- und Rachepläne werden die Juden, die Jesus umbringen wollen, zu Kindern des Satans. In Kapitel 1 haben wir gelesen, wie Menschen zu Kindern Gottes werden: Durch den Glauben an Jesus Christus. Diese Menschen hier tun das Gegenteil, sie wollen Jesus töten. "Die Juden" bezeichnet im Johannesevangelium genau diese führenden Juden, die sich gegen Jesus stellen und ihn beseitigen wollen.

    Ich vermute, dass in der Vergangenheit mit solchen Textstellen häufig Antisemitismus gerechtfertigt wurde. Mir fällt bloß grade kein konkretes Beispiel ein.



    Der Vater zeugt von Jesus: Naja, wie bezeugt Gott denn, dass Jesus von Gott gekommen ist: Durch die Zeichen (=die Wunder). Wer macht den sonst Wasser zu Wein, heilt Gelähmte durch ein Wort oder vermehrt das Brot auf wunsersame Weise?
    Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal

    Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.


  5. #5720
    Reht bitharf Andlūkan. Avatar von Mendelejev
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    Ich finde zusätzlich noch 8:58 sehr spannend. Die Präexistenz hat Johannes zwar schon direkt in Kapitel 1 aufgegriffen, aber das Beispiel mit Abraham macht es noch etwas konkreter.
    An irgendeiner Stelle sagte Jesus ja auch "niemand hat den Vater je gesehen". Müssen wir also Theophanien im alten Testament wie zB die etwas bizarre Rauferei mit Jakob (Gen 32:25ff) auf Jesus beziehen?

  6. #5721
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    Jesus argumentiert halt schon wie so ein Sektenführer: glaubt mir, denn ich kenne die Wahrheit und ihr nicht.

  7. #5722
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Zumindest will er nicht, dass alle mit ihm schlafen, sondern ihn nur essen, um sich mit ihm zu vereinigen

  8. #5723
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Johannes 9
    Achtung Spoiler:
    1 Im Vorübergehen sah er alsdann einen Mann, der von Geburt an blind war.
    2 Da fragten ihn seine Jünger: »Rabbi, wer hat gesündigt, dieser Mann oder seine Eltern, daß er als Blinder geboren worden ist?«
    3 Jesus antwortete: »Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern; sondern (dazu ist es geschehen) damit das Wirken Gottes an ihm offenbar würde.
    4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, in der niemand wirken kann.
    5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.«
    6 Nach diesen Worten spie er auf den Boden, stellte mit dem Speichel einen Teig her, legte dem Blinden den Teig auf die Augen
    7 und sagte zu ihm: »Gehe hin, wasche dich im Teiche Siloah!« – Das heißt übersetzt ›Abgesandter‹. – Da ging er hin, wusch sich und kam sehend zurück.
    8 Nun sagten die Nachbarn und die Leute, die ihn früher als Bettler gesehen hatten: »Ist dieser nicht der Mann, der früher dasaß und bettelte?«
    9 Die einen sagten: »Ja, er ist’s«; andere meinten: »Nein, er sieht ihm nur ähnlich«; er selbst aber sagte: »Ja, ich bin’s.«
    10 Da fragten sie ihn: »Auf welche Weise sind dir denn die Augen aufgetan worden?«
    11 Er antwortete: »Der Mann, der Jesus heißt, stellte einen Teig her, strich ihn mir auf die Augen und sagte zu mir: ›Gehe hin an den Siloahteich und wasche dich dort!‹ Da ging ich hin, wusch mich und konnte sehen.«
    12 Sie fragten ihn nun: »Wo ist der Mann?« Er antwortete: »Das weiß ich nicht.« 
    13 Man führte ihn nun zu den Pharisäern, ihn, den ehemals Blinden.
    14 Es war aber (gerade) Sabbat an dem Tage gewesen, an dem Jesus den Teig hergestellt und ihm die Augen aufgetan hatte.
    15 Da fragten ihn nochmals auch die Pharisäer, wie er sehend geworden sei, und er antwortete ihnen: »Er hat mir einen Teig auf die Augen gelegt, ich habe mich dann gewaschen und kann nun sehen.«
    16 Da sagten einige von den Pharisäern: »Der betreffende Mensch ist nicht von Gott her, weil er den Sabbat nicht hält«; andere dagegen meinten: »Wie könnte ein sündiger Mensch derartige Wunderzeichen tun?« So bestand eine Meinungsverschiedenheit unter ihnen.
    17 Sie fragten also den Blindgeborenen aufs neue: »Was sagst du denn von ihm? Dir hat er doch die Augen aufgetan.« Jener antwortete: »Er ist ein Prophet.« 
    18 Die Juden wollten nun von ihm nicht glauben, daß er blind gewesen und sehend geworden sei, bis sie schließlich die Eltern des Sehendgewordenen riefen
    19 und sie fragten: »Ist dies euer Sohn, der, wie ihr behauptet, blind geboren worden ist? Wie kommt es denn, daß er jetzt sehen kann?«
    20 Da antworteten seine Eltern: »Wir wissen, daß dies unser Sohn ist und daß er als Blinder geboren worden ist;
    21 wie es aber kommt, daß er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht, und wer ihm die Augen geöffnet hat, wissen wir auch nicht. Befragt ihn selbst darüber: er ist alt genug; er wird selbst Auskunft über sich geben.«
    22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten bereits miteinander abgemacht, daß, wenn jemand Jesus als den Messias anerkenne, er in den Bann getan werden solle.
    23 Aus diesem Grunde sagten seine Eltern: »Er ist alt genug: fragt ihn selbst!« 
    24 So ließen sie denn den Mann, der blind gewesen war, zum zweitenmal rufen und sagten zu ihm: »Gib Gott die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.«
    25 Da antwortete jener: »Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht; eins aber weiß ich, daß ich blind gewesen bin und jetzt sehen kann.«
    26 Da fragten sie ihn noch einmal: »Was hat er mit dir vorgenommen? Auf welche Weise hat er dir die Augen aufgetan?«
    27 Er antwortete ihnen: »Ich habe es euch schon einmal gesagt, doch ihr habt nicht darauf gehört; warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden?«
    28 Da schmähten sie ihn und sagten: »Du bist ein Jünger von ihm, wir aber sind Jünger von Mose.
    29 Wir wissen, daß Gott zu Mose geredet hat; von diesem aber wissen wir nicht, woher er stammt.«
    30 Der Mann gab ihnen zur Antwort: »Darin liegt eben das Verwunderliche, daß ihr nicht wißt, woher er stammt, und mir hat er doch die Augen aufgetan.
    31 Wir wissen, daß Gott Sünder nicht erhört, sondern nur wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den erhört er.
    32 Von der Weltzeit an hat man noch nicht vernommen, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan hat.
    33 Wenn dieser Mann nicht von Gott her wäre, so vermöchte er nichts zu tun.«
    34 Sie antworteten ihm: »Du bist ganz in Sünden geboren, und du willst uns Lehren geben?« Und sie stießen ihn (aus der Gemeinde der Gesetzesfrommen) aus. 
    35 Jesus erfuhr von seiner Ausstoßung und sagte zu ihm, als er ihn antraf: »Glaubst du an den Sohn Gottes?«
    36 Jener gab zur Antwort: »Herr, wer ist denn das? Ich möchte gern an ihn glauben.«
    37 Jesus antwortete ihm: »Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es!«
    38 Jener sagte: »Ich glaube, Herr!« und warf sich vor ihm nieder.
    39 Nun sagte Jesus: »Zu einer Scheidung bin ich in diese Welt gekommen: die Nichtsehenden sollen sehen können und die Sehenden blind werden.«
    40 Dies hörten einige von den Pharisäern, die sich in seiner Nähe befanden, und fragten ihn: »Sind wir etwa auch blind?«
    41 Jesus antwortete ihnen: »Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber behauptet: ›Wir sind sehend‹, so bleibt eure Sünde!«


    Bemerkungen/ Gedanken:

    • Ich finde ja schön, dass Jesus weder dem Blinden noch seinen Eltern eine Schuld für dessen Blindheit zuschreibt (#Erbsünde). Es steht auch im Widerspruch zur Meinung des Volkes (V. 34). Aber zu Behinderung "auserkoren" (~ V. 3) sein fände ich an der Stelle des Blinden auch eher unbefriedigend
    • Mhm, lecker Spucketeig :cz: - Wimre war das an den korrepondieren oder vergleichbaren Stellen in anderen Evangelien auch so, dass Jesu Speichel Dinge heilt. Leuchtet ein, wenn er das Lebenswasser ist (andere Flüssigkeiten aus Jesus wären noch unangenehmer )
    • Wieder ein Zeichen - und das an einem Sabbat Das gibt wieder Ärger, darüber hat sich Jesus ja schonmal mit den Pharisäern gestritten.
    • Ich finde es nett, dass Johannes einen Einblick in die Gedankenwelt des Geheilten gibt und ihn zu Wort kommen lässt. Sogar die Pharisäer tun es. Jemand, der ein Zeichen aus nächster Nähe gesehen hat, wäre vor Gericht ein wertvoller Zeuge. Aber so wirklich überzeugt oder einer Meinung ist das Volk nicht. Erst sind die, die den Bettler kannten, erstaunt. Dann kommt er vor die Pharisäer. Dann fragen die Juden seine Eltern aus. Dann ihn. Entlang aller gesellschaftlicher Schichten entzündet sich Streit darüber, ob Jesus der Messias ist, an ihm. Es steht Moses gegen Jesus. Rechts gegen links
    • Interessant finde ich, wie in Vers 27 Jesus auf den ehemals Blinden abgefärbt zu haben scheint: "Ich habe es euch schon einmal gesagt, doch ihr habt nicht darauf gehört; warum wollt ihr es noch einmal hören?" hätte auch von Jesus kommen können.
    • Jesus ist ein wahrer Augenöffner (V. 30)
    • Der Blinde nimmt bei Johannes sehr viel Raum ein und steht als (starkes) pars pro toto dafür, wie auf Jesus reagiert wird und was das für Konsequenzen hat. Die Verse 35ff fassen das zusammen, Vers 39 bringt es auf den Punkt: "die Nichtsehenden sollen sehen können und die Sehenden blind werden"
    • Wer blind ist, kann das Licht der Welt nicht sehen.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  9. #5724
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    20.602
    Johannes 10
    Achtung Spoiler:
    1 »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in die Hürde der Schafe hineingeht, sondern anderswo hineinsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber;
    2 wer aber durch die Tür hineingeht, der ist der Hirt der Schafe.
    3 Diesem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die ihm gehörenden Schafe mit Namen und führt sie hinaus.
    4 Wenn er dann alle Schafe, die ihm gehören, hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.
    5 Einem Fremden aber würden sie nicht folgen, sondern vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.«
    6 Dies sagte Jesus ihnen in bildlicher Rede; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagen wollte.
    7 Da sagte Jesus von neuem zu ihnen: »Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ich bin die Tür für die Schafe!
    8 Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
    9 Ich bin die Tür: Wenn jemand durch mich eingeht, wird er gerettet werden, wird ein- und ausgehen und Weide finden.
    10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und Unheil anzurichten; ich aber bin gekommen, damit die Schafe Leben haben und Überfluß haben.«
    11 »Ich bin der gute Hirt! Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe hin.
    12 Der Mietling (aber), der kein Hirt ist und dem die Schafe nicht zu eigen gehören, sieht den Wolf kommen, verläßt die Schafe und flieht; und der Wolf fällt sie an und zerstreut sie:
    13 er ist ja nur ein Mietling, und ihm ist an den Schafen nichts gelegen.
    14 Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
    15 ebenso wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben für die Schafe hin. –
    16 Ich habe auch noch andere Schafe, die nicht zu dieser Hürde gehören; auch diese muß ich führen, und sie werden auf meinen Ruf hören, und es wird eine Herde, ein Hirt sein.
    17 Um deswillen hat der Vater mich lieb, weil ich mein Leben hingebe, damit ich es wieder an mich nehme;
    18 niemand nimmt es mir, sondern ich gebe es freiwillig hin. Ich habe Vollmacht, es hinzugeben, und ich habe Vollmacht, es wieder an mich zu nehmen; die Ermächtigung dazu habe ich von meinem Vater erhalten.«
    19 Da entstand wegen dieser Worte wieder eine Meinungsverschiedenheit unter den Juden.
    20 Viele von ihnen sagten nämlich: »Er ist von einem bösen Geist besessen und ist von Sinnen: was hört ihr ihn noch an?«
    21 Andere aber sagten: »Das sind nicht Worte eines Besessenen; kann etwa ein böser Geist Blinden die Augen auftun?«
    22 Damals fand das Fest der Tempelweihe in Jerusalem statt; es war Winter,
    23 und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab.
    24 Da umringten ihn die Juden und sagten zu ihm: »Wie lange läßt du uns noch in Ungewißheit schweben? Bist du Christus, so sage es uns frei heraus!«
    25 Jesus antwortete ihnen: »Ich habe es euch gesagt, doch ihr glaubt (es) nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, die legen Zeugnis von mir ab;
    26 aber ihr glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.
    27 Meine Schafe hören auf meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach;
    28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in alle Ewigkeit nicht umkommen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
    29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand vermag sie der Hand meines Vaters zu entreißen.
    30 Ich und der Vater sind eins!«
    31 Da holten die Juden wieder Steine herbei, um ihn zu steinigen;
    32 Jesus aber sagte zu ihnen: »Viele gute Werke habe ich euch vom Vater her sehen lassen: welches von diesen Werken ist es, wegen dessen ihr mich steinigen wollt?«
    33 Die Juden antworteten ihm: »Nicht wegen eines guten Werkes wollen wir dich steinigen, sondern wegen Gotteslästerung, und zwar weil du, der du doch (nur) ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.«
    34 Jesus antwortete ihnen: »Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben: ›Ich habe gesagt: Ihr seid Götter‹?
    35 Wenn die Schrift schon jene (Männer), an die das Wort Gottes erging, Götter genannt hat – und die Schrift kann doch ihre Gültigkeit nicht verlieren –:
    36 wie könnt ihr da dem, welchem der Vater die Weihe erteilt und den er in die Welt gesandt hat, Gotteslästerung vorwerfen, weil ich gesagt habe: ›Ich bin Gottes Sohn‹?
    37 Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht;
    38 wenn ich sie aber tue, so glaubt, wenn auch nicht mir selbst, so doch meinen Werken, damit ihr immer gewisser zu der Erkenntnis gelangt, daß der Vater in mir ist und ich im Vater bin.«
    39 Da suchten sie ihn wiederum festzunehmen, doch er entkam aus ihren Händen.
    40 Er zog nun wieder in das Ostjordanland an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte, und blieb dort.
    41 Da kamen viele zu ihm und sagten: »Johannes hat zwar keinerlei Wunder getan, alles aber, was Johannes über diesen Mann gesagt hat, ist wahr gewesen.«
    42 Und viele kamen dort zum Glauben an ihn.


    Bemerkungen/ Gedanken:
    • @V. 2f: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit (es kommt die Braut voll Herrlichkeit - sie hat gehurt, sie hat geklaut... ) Emoticon: musik
    • Ich wollte schon über die Juden lästern, weil "sie [nicht] verstanden" (V. 6), aber ich hätte selbst Jesus als Hirten gesehen und nicht als Tür (V. 7). Bei genauerem Überlegen macht das aber Sinn: Der Herr ist Hirte*, die Rolle ist schon besetzt. Der Türsteher ist er offensichtlich auch nicht. Als Tür beschreibt er den Übergang: Jeder kann in seinem Namen als "Hirte" (bzw. "Herr") in Erscheinung treten. Gleichzeitig kann man nicht an der Tür vorbeigehen, Herrlichkeit ist nur wortwörtlich durch Jesus möglich.
    • *nvm, in Vers 11 (und 14) ist Jesus dann der Hirte (:
    • Den Mietling (V. 12) kann man bei Munchkin töten
    • Vers 16 finde ich interessant: "Ich habe auch noch andere Schafe [...]". Welche anderen Schafe? Die schwarzen Schafe? Emoticon: holmes Oder die Anwesenden (s. Vers 26: "weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört")
    • Auch Vers 18 ist bemerkenswert: "Ich habe Vollmacht, es hinzugeben, und ich habe Vollmacht, es wieder an mich zu nehmen". Das ist irgendwie ein sehr ermutigender Gedanke, auch als Nicht-Jesus. Hat was von Gandalf. Im übertragenene Sinne eine Art "Jeder ist seines Glückes Schmied". Gefällt.
    • Angesichts der Reaktion der Juden auf Jesus und seines erneuten Auftretens im Tempel hab ich ein kleines Dejavu. Wobei mir hier der Hinweis auf den Winter (V. 22) auffällt. Bin zwar zu faul, die anderen Termine rauszusuchen, aber es könnte grob das ganze Jahr abdecken. Damit würde Jesus zu jeder (Jahres-)Zeit das gleiche sagen; in zeitlicher Dimension stärkt es damit seine Position und Aussage. Auch in räumlicher Dimension schließt sich in Vers 40 ein Kreis. Jesus hat es also überall und jederzeit versucht.
    • Vers 30 dürfte eine der direktesten "Belege" bzw. Behauptungen für die Trinität (oder 2/3 davon) sein.
    • Jesus bezieht sich in Vers 34 auf Psalm 82,6: " Wohl hab’ ich selber gesagt, daß ihr Götter seid und Söhne des Höchsten allesamt;"
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  10. #5725
    Zurück im Norden
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    Zitat Zitat von Mongke Khan Beitrag anzeigen
    [*]Vers 16 finde ich interessant: "Ich habe auch noch andere Schafe [...]". Welche anderen Schafe? Die schwarzen Schafe? Emoticon: holmes Oder die Anwesenden (s. Vers 26: "weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört")
    Jesus spricht hier zu Menschen aus dem Volk Israel, dem auserwählten Volk des Herrn. Die anderen Schafe sind in dem Kontext wohl Nichtjuden, die durch Jesus künftig ebenfalls in die Gottesbeziehung hineingenommen werden.

  11. #5726
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    Johannes 11
    Achtung Spoiler:
    1 Es lag aber ein Mann krank darnieder, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorfe, in welchem Maria und ihre Schwester Martha wohnten –
    2 es war die Maria, die den Herrn mit Myrrhenbalsam gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hat –: deren Bruder Lazarus lag krank darnieder.
    3 Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: »Herr, siehe, der, den du lieb hast, der ist krank!«
    4 Als Jesus das vernahm, sagte er: »Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherrlichung Gottes, weil der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werden soll.«
    5 Jesus hatte aber die Martha und ihre Schwester und auch den Lazarus lieb.
    6 Als er nun von dessen Krankheit gehört hatte, blieb er zunächst noch zwei Tage an dem Orte, wo er sich befand;
    7 dann erst sagte er zu seinen Jüngern: »Wir wollen wieder nach Judäa ziehen!«
    8 Die Jünger erwiderten ihm: »Rabbi, soeben erst haben die Juden dich steinigen wollen, und nun willst du wieder dorthin gehen?«
    9 Jesus antwortete: »Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn man am Tage wandert, stößt man nicht an, weil man das Licht dieser Welt sieht;
    10 wenn man aber bei Nacht wandert, stößt man an, weil man kein Licht in sich hat, um zu sehen.«
    11 So sagte er und fuhr dann fort: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen; aber ich gehe hin, um ihn aus dem Schlaf zu wecken.«
    12 Da erwiderten ihm die Jünger: »Herr, wenn er eingeschlafen ist, wird er wieder gesund werden.«
    13 Jesus hatte den Tod des Lazarus gemeint, sie dagegen waren der Meinung, er rede vom gewöhnlichen Schlaf.
    14 Da sagte Jesus ihnen denn mit klaren Worten: »Lazarus ist gestorben,
    15 und ich freue mich euretwegen, daß ich nicht dort gewesen bin, damit ihr glauben lernt. Doch nun laßt uns zu ihm gehen!«
    16 Da sagte Thomas, der auch den Namen ›Zwilling‹ führt, zu seinen Mitjüngern: »Laßt uns hingehen, um mit ihm zu sterben!«
    17 Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon seit vier Tagen im Grabe liegen.
    18 Bethanien lag aber in der Nähe von Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien von dort entfernt;
    19 darum hatten sich viele von den Juden bei Martha und Maria eingefunden, um sie über den Tod ihres Bruders zu trösten.
    20 Als nun Martha von der Ankunft Jesu hörte, ging sie ihm entgegen; Maria aber blieb im Hause (bei den Trauergästen) sitzen.
    21 Da sagte Martha zu Jesus: »Herr, wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben!
    22 Doch auch so weiß ich, daß Gott dir alles gewähren wird, um was du Gott bittest.«
    23 Jesus erwiderte ihr: »Dein Bruder wird auferstehen!«
    24 Martha antwortete ihm: »Ich weiß, daß er bei der Auferstehung am jüngsten Tage auferstehen wird.«
    25 Jesus entgegnete ihr: »Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch stirbt,
    26 und wer da lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben! Glaubst du das?«
    27 Sie antwortete ihm: »Ja, Herr, ich habe den Glauben gewonnen, daß du Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.«
    28 Nach diesen Worten ging sie weg und rief ihre Schwester Maria, indem sie ihr zuflüsterte: »Der Meister ist da und läßt dich rufen!«
    29 Sobald jene das gehört hatte, stand sie schnell auf und machte sich auf den Weg zu ihm;
    30 Jesus war aber noch nicht in das Dorf gekommen, sondern befand sich noch an der Stelle, wohin Martha ihm entgegengekommen war.
    31 Als nun die Juden, die bei Maria im Hause waren und sie zu trösten suchten, sie schnell aufstehen und hinausgehen sahen, folgten sie ihr nach in der Meinung, sie wolle zum Grabe gehen, um dort zu weinen.
    32 Als nun Maria an die Stelle kam, wo Jesus sich befand, und ihn erblickt hatte, warf sie sich ihm zu Füßen und sagte zu ihm: »Herr, wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben!«
    33 Als nun Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, fühlte er sich im Geist heftig bewegt und erschüttert.
    34 Darauf fragte er: »Wo habt ihr ihn beigesetzt?« Sie antworteten ihm: »Herr, komm und sieh es!«
    35 Jesus weinte.
    36 Da sagten die Juden: »Seht, wie lieb hat er ihn gehabt!«
    37 Einige von ihnen aber sagten: »Hätte dieser, der dem Blinden die Augen aufgetan hat, nicht auch machen können, daß dieser hier nicht zu sterben brauchte?«
    38 Da geriet Jesus in seinem Innern aufs neue in heftige Erregung und trat an das Grab; es war dies aber eine Höhle, vor deren Eingang ein Stein lag.
    39 Jesus sagte: »Hebt den Stein weg!« Martha, die Schwester des Verstorbenen, erwiderte ihm: »Herr, er ist schon in Verwesung; es ist ja schon der vierte Tag seit seinem Tode.«
    40 Jesus entgegnete ihr: »Habe ich dir nicht gesagt, daß, wenn du glaubst, du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst?«
    41 Da hoben sie den Stein weg; Jesus aber richtete die Augen (zum Himmel) empor und betete: »Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast!
    42 Ich wußte wohl, daß du mich allezeit erhörst; aber um des Volkes willen, das hier rings (um mich) steht, habe ich’s gesagt, damit sie zum Glauben kommen, daß du mich gesandt hast.«
    43 Nach diesen Worten rief er mit lauter Stimme: »Lazarus, komm heraus!«
    44 Da kam der Gestorbene heraus, an den Beinen und Armen mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Jesus sagte zu ihnen: »Macht ihn los (von seinen Hüllen) und laßt ihn (frei) gehen!«
    45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und zugeschaut hatten bei dem, was Jesus getan hatte, wurden an ihn gläubig;
    46 einige von ihnen aber gingen weg zu den Pharisäern und berichteten ihnen, was Jesus getan hatte.
    47 Infolgedessen beriefen die Hohenpriester und Pharisäer eine Versammlung des Hohen Rates und sagten: »Was sollen wir tun, da dieser Mensch so viele Wunderzeichen vollführt?
    48 Lassen wir ihn so weiter gewähren, so werden (schließlich) noch alle an ihn glauben, und dann werden die Römer kommen und uns die Stätte und unser Volkstum beseitigen.«
    49 Einer aber von ihnen, nämlich Kaiphas, der in jenem Jahre Hoherpriester war, sagte zu ihnen: »Ihr seid ganz ohne Einsicht
    50 und bedenkt nicht, daß es besser für euch ist, daß ein einzelner Mensch für das Volk stirbt, und nicht das ganze Volk zugrunde geht.«
    51 Dies sagte er aber nicht von sich selbst aus, sondern als Hoherpriester jenes Jahres weissagte er (unbewußt), daß Jesus (zum Heil) für das Volk sterben würde,
    52 und zwar nicht für das (jüdische) Volk allein, sondern auch, damit er die (unter den Völkern) zerstreuten Gotteskinder zu einem einheitlichen Ganzen vereinigte.
    53 So beratschlagten sie denn von diesem Tage an miteinander in der Absicht, ihn zu töten.
    54 Daher ging Jesus nicht mehr öffentlich unter den Juden umher, sondern zog sich von dort in die Gegend nahe bei der Wüste nach einer Stadt namens Ephraim zurück und verweilte dort mit seinen Jüngern längere Zeit.
    55 Es stand aber das jüdische Passah nahe bevor, und viele Leute zogen aus dem (ganzen) Lande schon vor dem Passah nach Jerusalem hinauf, um sich zu heiligen.
    56 Sie suchten nun dort nach Jesus und besprachen sich miteinander, während sie auf dem Tempelplatze standen: »Was meint ihr? Er wird doch wohl nicht zum Feste kommen?«
    57 Die Hohenpriester und Pharisäer aber hatten mehrfach die Verfügung ergehen lassen, wenn jemand seinen Aufenthaltsort in Erfahrung bringe, solle er Anzeige erstatten, damit sie ihn festnehmen könnten.


    Bemerkungen/ Gedanken:
    • Die Szene mit den Haaren und den Füßen (V. 2) gab es bei Johannes noch gar nicht. Kurzes Vorausblättern zeigt, dass die erst im nächsten Kapitel kommt. Das verwundert mich insofern, als dass Johannes damit die Nichtlinearität der Erzählung offenlegt oder vom Leser erwartet, dass dieser die anderen Evangelien/ Geschichten kennt. Beispielsweise von Matthäus oder Markus, die aber nicht Marias Namen nannten. Lazarus' Namen auch nicht und dass er Marias Bruder war. Und Martha ihre Schwester. Die kriegt hier ja voll die Backstory.
    • Jesus bleibt zwar, aber macht nichts...? (V. 6)
    • Jesus ist ja das Licht der Welt. In V. 9 wird vom Licht dieser Welt gesprochen. Das könnte ein Unterschied sein, um eher auf den Umstand "Tageslicht" hinzuweisen. Es könnte aber auch auf subtile Weise klarer stellen, was Jesus als Licht der Welt auszeichnet: Er ist sehr wörtlich das Licht in der Welt. Das passt zu Moses 1, da war Licht das erste was Gott schuf (und es war gut) und er nannte es Tag. Jesus ist (jeder/n) Tag.
    • Bei Vers 12 musste ich kurz lachen
    • Thomas
    • Martha bringt in Vers 24 zum Ausdruck, dass sie Jesus bislang zugehört hat. In Vers 27 (klingt wie ein universelles Glaubensbekenntnis, das noch heute benutzt werden kann) bestätigt sie das selbst. Dieser Glaube wird belohnt. Bisschen kitschig.
    • Vers 28 triggert wieder einen Subway-to-Sally-Ohrwurm bei mir
    • Beide Frauen, Maria und Martha, sind davon überzeugt, dass ihr Bruder nicht gestorben wäre, wenn Jesus geblieben wäre (V. 21, V. 32). Das bestätigt Jesu Aussage in V. 25: "Ich bin [...] das Leben; wer an mich glaubt, wird leben". Die bloße Anwesenheit von Jesus scheint belebende Wirkung zu haben, wie auch das (Tages-)Licht für Mensch, Tier und Pflanze.
    • Eine emotionale Reaktion von Jesus (V. 33ff) Das liest man selten. Ein paar der Stellen (Maria rennt gleich zu ihm, durch sie fühlt er sich "im Geist heftig bewegt") könnte man durchaus so lesen, als ob zwischen denen mehr als nur Bekanntschaft oder Freundschaft besteht. Oder zwischen im und Lazarus
    • Bemerkenswert auch, dass der Satz "Jesus weinte" (V. 35) komplett für sich steht. Ich wette, Gott hätte nicht geweint.
    • Vier Tage (V. 39)? Jesus schafft es in 3
    • Ich glaube ja nicht an Jesus und seine Zeichen. Ich lese Vers 44 eher so: Wenn jemand stirbt, soll man gebührend Abschied nehmen, ihn aber bald (nach 4 Tagen; die 4 steht im Judentum scheinbar für Vollständigkeit oder Erlösung) gehen lassen. Erinnert mich ein wenig an den Brauch, im Totenzimmer ein Fenster zu öffnen, damit die ~Seele ungehindert zum Himmel fliegen und frei sein kann. Und (das dichte ich jetzt dazu), damit sich auf Erden niemand mit dem Tod belastet. Lebbe geht weider.
    • Vers 47
    • Jon hat im Posten darüber darauf hingewiesen, dass explizit auch Nicht-Juden (also nicht nur das auserwählte Volk) Teil von Jesu Gemeinschaft sind. Der Autor macht das in Vers 52 explizit als Deutung der Weissagung des Kaiphas und geht sogar weiter: die "(unter den Völkern) zerstreuten Gotteskinder" werden "zu einem einheitlichen Ganzen vereinigt". Das weckt Erinnerungen an den Turmbau zu Babel, bei dem Gott alle zerstreute, weil sie aus sich heraus zum Himmel strebten. Das folgt einer gewissen Logik: Wenn die Zerstreuten an Jesus glauben, gelangen sie auf die "richtige" Art und Weise in den Himmel und folglich wird die Wirkung umgedreht (Vereinigung statt Zerstreuung)
    • Es wird langsam brenzlig.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  12. #5727
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    Johannes 12
    Achtung Spoiler:
    1 Jesus kam nun sechs Tage vor dem Passah nach Bethanien, wo Lazarus wohnte, den Jesus von den Toten auferweckt hatte.
    2 Sie veranstalteten ihm zu Ehren dort ein Mahl, bei dem Martha die Bedienung besorgte, während Lazarus sich unter denen befand, die mit ihm zu Tische saßen.
    3 Da nahm Maria ein Pfund Myrrhenbalsam, echte, kostbare Nardensalbe, salbte Jesus die Füße und trocknete ihm die Füße mit ihrem Haar ab; das ganze Haus wurde dabei vom Duft der Salbe erfüllt.
    4 Da sagte Judas Iskariot, einer von seinen Jüngern, sein nachmaliger Verräter:
    5 »Warum hat man diese Salbe nicht für dreihundert Denare verkauft und (den Erlös) den Armen gegeben?«
    6 Das sagte er aber nicht, weil ihm die Armen sonderlich am Herzen lagen, sondern weil er ein Dieb war und als Kassenführer die Einlagen veruntreute.
    7 Da sagte Jesus: »Laß sie in Ruhe! Sie soll (die Salbe) für den Tag meiner Bestattung aufbewahrt haben.
    8 Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.«
    9 Es erfuhr nun die zahlreiche Volksmenge der Juden, daß Jesus dort sei; und sie kamen hin nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.
    10 Die Hohenpriester aber hielten Beratungen ab in der Absicht, auch Lazarus zu töten,
    11 weil viele Juden seinetwegen dorthin gingen und zum Glauben an Jesus kamen.
    12 Als dann am folgenden Tage von der Volksmenge, die zum Fest gekommen war, ein großer Teil erfuhr, daß Jesus auf dem Wege nach Jerusalem sei,
    13 nahmen sie Palmenzweige, zogen hinaus ihm entgegen und riefen laut: »Hosianna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn und als der König Israels!«
    14 Jesus hatte aber einen jungen Esel vorgefunden und sich daraufgesetzt, wie geschrieben steht:
    15 »Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«
    16 An dies Wort hatten seine Jünger zunächst nicht gedacht; als Jesus aber zur Herrlichkeit eingegangen war, da wurde es ihnen klar, daß dies mit Bezug auf ihn geschrieben stand und daß man dies so an ihm zur Ausführung gebracht hatte.
    17 Die Volksmenge nun, die bei ihm gewesen war, als er Lazarus aus dem Grabe gerufen und ihn von den Toten auferweckt hatte, hatte Zeugnis für ihn abgelegt;
    18 darum waren ihm auch die vielen Menschen entgegengezogen, weil sie erfahren hatten, daß er dies Wunderzeichen getan habe.
    19 Da sagten die Pharisäer zueinander: »Ihr seht, daß ihr nichts erreicht: die ganze Welt ist ja hinter ihm hergelaufen!«
    20 Es befanden sich aber einige Griechen unter denen, die nach Jerusalem hinaufzuziehen pflegten, um dort ihre Anbetung am Fest zu verrichten.
    21 Diese wandten sich nun an Philippus, der aus Bethsaida in Galiläa war, mit der Bitte: »Herr, wir möchten Jesus gern sehen!«
    22 Da ging Philippus hin und sagte es dem Andreas; Andreas und Philippus kamen alsdann und teilten es Jesus mit.
    23 Dieser antwortete ihnen mit den Worten: »Die Stunde der Verherrlichung ist für den Menschensohn gekommen!
    24 Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde hineinfällt und erstirbt, so bleibt es für sich allein; wenn es aber erstirbt, bringt es reiche Frucht.
    25 Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt haßt, wird es zu ewigem Leben bewahren.
    26 Will jemand mir dienen, so folge er mir nach, und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein; wenn jemand mir dient, wird der Vater ihn ehren.
    27 Jetzt ist meine Seele erschüttert, und was soll ich sagen? (Soll ich bitten ›Vater, errette mich aus dieser Stunde!‹? Nein, gerade deshalb bin ich ja in diese Stunde gekommen:
    28 Vater, verherrliche deinen Namen!« Da erscholl eine Stimme aus dem Himmel: »Ich habe ihn (schon) verherrlicht und werde ihn noch weiter verherrlichen!«
    29 Da sagte die Volksmenge, die dabeistand und zuhörte, es habe gedonnert; andere sagten: »Ein Engel hat mit ihm geredet.«
    30 Da nahm Jesus das Wort und sagte: »Nicht um meinetwillen ist diese Stimme erschollen, sondern um euretwillen.
    31 Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen werden,
    32 und ich werde, wenn ich von der Erde erhöht sein werde, alle zu mir ziehen!«
    33 Dies sagte er aber, um anzudeuten, welches Todes er sterben würde.
    34 Da entgegnete ihm die Volksmenge: »Wir haben aus dem Gesetz gehört, daß Christus in Ewigkeit (am Leben) bleibt; wie kannst du da behaupten, der Menschensohn müsse erhöht werden? Wer ist denn dieser Menschensohn?«
    35 Da sagte Jesus zu ihnen: »Nur noch kurze Zeit ist das Licht unter euch. Wandelt (im Licht), solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfällt; denn wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er gelangt.
    36 Solange ihr das Licht noch habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes werdet! « So sprach Jesus, entfernte sich dann und hielt sich vor ihnen verborgen.
    37 Obwohl er aber so viele Wunderzeichen vor ihren Augen getan hatte, glaubten sie doch nicht an ihn;
    38 es sollte sich eben das Wort des Propheten Jesaja erfüllen, das da lautet: »Herr, wer hat unserer Botschaft Glauben geschenkt, und wem ist der Arm des Herrn offenbar geworden?«
    39 Deshalb konnten sie nicht glauben, weil Jesaja an einer anderen Stelle gesagt hat:
    40 »Er hat ihnen die Augen geblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihrem Herzen (nicht) zur Erkenntnis gelangen und sie sich (nicht) bekehren sollten und ich sie (nicht) heile.«
    41 So hat Jesaja gesprochen, weil er seine Herrlichkeit schaute, und von ihm hat er geredet.
    42 Gleichwohl glaubten auch von den Obersten viele an ihn, bekannten es aber um der Pharisäer willen nicht offen, um nicht in den Bann getan zu werden;
    43 denn an der Ehre bei den Menschen lag ihnen mehr als an der Ehre bei Gott.
    44 Jesus aber rief mit lauter Stimme aus: »Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat;
    45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.
    46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.
    47 Und wenn jemand meine Worte hört und sie nicht befolgt, so richte nicht ich ihn; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten.
    48 Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat (damit schon) seinen Richter: das Wort, das ich verkündet habe, wird sein Richter sein am jüngsten Tage.
    49 Denn ich habe nicht von mir selbst aus geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir Auftrag gegeben, was ich sagen und was ich reden soll,
    50 und ich weiß, daß sein Auftrag ewiges Leben bedeutet. Was ich also rede, das rede ich so, wie der Vater es mir gesagt hat.«


    Bemerkungen/ Gedanken:

    • Jetzt werden Jesus von Maria die Füße gewaschen.
    • Apropos Dinge vorwegnehmen: *hust* Vers 4 *hust*
    • Spannend, bei Johannes wird ein Beweggrund dafür angegeben, dass - in diesem Fall Judas - die Salbe verkaufen will und das moralische Argument (den Armen geben) dadurch entwertet. Gleichzeitig wird er als "Schurke" aufgebaut, weil er "als Kassenführer die Einlagen veruntreute". Cum-Cum-Judas
    • "die Armen habt ihr allezeit bei euch" Herrliche Gesellschaftskritik
    • Lazarus spielt bei Johannes eine ganz schön wichtige Rolle. Er rückt in V. 10 sogars ins Visier der Hohenpriester.
    • Mir deucht, das wird der letzte Einzug nach Jerusalem: Palmenzweigen, Hosianna, Eselfüllen. Diesmal verbirgt er sich ganz und gar nich.
    • Was mir nebenbei auffällt (weil es mir nicht auffällt): Bislang gab es bei Johannes sehr wenige Gleichnisse. Er erzählt eher mit einigen Vorwegnahmen die Geschichte von Jesus Christus. Er streut eher hier und da mal Sinnsprüche wie Weizenkörner, die in die Erde hineinfallen, in seinen Text.
    • So wie in Vers 25, auch wenn ich den Sinn in diesem Spruch nicht so ganz finde: "wer aber sein Leben in dieser Welt haßt, wird es zu ewigem Leben bewahren". Auch Elberfelder und Luther übersetzen mit "hassen", in der Vulgata steht "odit" (hasst). Bemerkenswerterweise steht dort für Leben "anima", das geht iirc eher Richtung Lebenshauch/ ~Seele. Es passt natürlich als Gegenbegriff zum lieben; da steht in der Vulgata amat, was auch Richtung verliebt sein gehen kann. In der EÜ wird hassen mit "gering achten" übersetzt und damit kann ich mehr anfangen: Wenn es darum geht, dass man nicht selbstverliebt, sondern ~demütig sein soll, macht der Spruch für mich Sinn. Den Ratschlag, sein Leben zu hassen, lehne ich. Ich liebe das Leben.
    • Dass Jesus die Worte "Vater, errette mich aus dieser Stunde!" ablehnt, wirkt wie ein Vorgriff oder eine vorauseilende Rechtfertigung dafür, dass er am Kreuz (vielleicht auch bei Johannes?) noch beklagen wird, dass Gott ihn verlassen hat. Er entscheidet sich hier schon dagegen, errettet zu werden. Emoticon: holmes
    • Oh, eine himmlische Stimme mischt sich auch ein. Ich hätte sie Gott zugeschrieben, da der Jesus verherrlicht/ verherrlichen kann. Aber ein Engel? (V. 29)
    • "Von der Erde erhöht" (V. 32) -> Am Kreuz und im Himmel. Checke. War mir vorher noch nicht bewusst, dass die Menschen Jesus mit dem Kreuz bildlich gesehen im Tode aufrichten und in den Himmel erheben.
    • Das Licht ist aus, ich geh nach Haus, ... Emoticon: musik (V. 36)
    • Das Ende dieses Kapitels greift wieder stark das Lichtbildnis auf und mit Jesaja belegt. Paradoxerweise erscheint es bei einem hellen Licht plausibel, das davon "die Augen geblendet" (V. 40) werden. Zentral für Jesu Glaubenslehre scheinen mir folgende Aussagen:
      • An der Ehre bei den Menschen lag ihnen mehr als an der Ehre bei Gott (V. 43) (und Jesus ist das Vehikel, um an Ehre bei Gott zu gewinnen, vgl. 44f und 48ff)
      • Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten (V. 47). Das hat etwas Tröstendes, zumal Jesus den Richter benennt: "das Wort, das [er] verkündet [hat]." Es handelt sich also nicht um einen willkürlichen, unbekannten Richter - jeder Mensch hat es in der eigenen Hand, sich daran zu halten. Juristisch betrachtet erscheint mir das ungemein modern.

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  13. #5728
    Wee Free Man Avatar von Rob Anybody
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    Man kann seine Lebensumstände hassen. Wer damals arm geboren wurde, hatte keine Chance was anderes zu werden. Ein "Tellerwäscher" blieb ein "Tellerwäscher". Da war kein Platz für "vom Tellerwäscher zum Millionär" wie es heutzutage manchmal klappen kann.
    Aber an jenem Morgen war es Magie gewesen. Und es hörte nicht auf, Magie zu sein,
    nur weil man [inzwischen] eine Erklärung dafür hatte ...
    (Terry Pratchett)

  14. #5729
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Die Lebensumstände ja, aber auch das Leben?

  15. #5730
    Wee Free Man Avatar von Rob Anybody
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    Es gibt Menschen die Selbstmord begehen. Aber hassen diese ihr "Leben" oder nicht doch eher ihre "Lebensumstände"? Ich begreife nicht warum du das Wort "Leben" so streng auslegst. Damals war beides für die Menschen dasselbe. Die Geburt bestimmte "wer" man war. Wenn der Vater Gerber war, wurde man als Mann zwangsläufig auch Gerber. Es gab nur wenige Möglichkeiten etwas anderes zu werden.

    Eine Möglichkeit aus seinem "Leben" auszubrechen war als Heide ein Christ zu werden. Oder als Christ Priester oder Mönch zu werden. Eine Frau konnte nur heiraten oder eben Nonne werden, falls sie ein Kloster fand das sie aufnahm ...
    Aber an jenem Morgen war es Magie gewesen. Und es hörte nicht auf, Magie zu sein,
    nur weil man [inzwischen] eine Erklärung dafür hatte ...
    (Terry Pratchett)

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