Vielleicht, weil Galiläa zur Königszeir im Nordreich Israel (und danach unter assyrischer Knute), nicht im (davidischen) Südreich Judäa war?
Vielleicht, weil Galiläa zur Königszeir im Nordreich Israel (und danach unter assyrischer Knute), nicht im (davidischen) Südreich Judäa war?
Zu Galiläa:
Mendelejev hat teilweise recht. Es gehörte zum Nordreich und damit zur "Sünde Jerobeams". Außerdem hatten sich dort auch wie in Samaria heidnische Völker angesiedelt. Später wohnten wieder mehr Juden dort. Die Leute in Jerusalem und Judäa blickten auf Galiläa herab. (So wie die BRD auf den Osten...) Es hieß bei Jesaja "Galiläa der Heiden". Es ist also nicht ganz so fromm, nicht ganz so gebildet, nicht ganz so jüdisch wie Judäa und Jerusalem. Man erkennt die Galiläer auch an ihrem Dialekt.
Zu "der heilige Geist war noch nicht da"
Natürlich existiert er als ewige Person der Trinität längst. Im Alten Testament bekommen wenige ausgewählte Personen diesen Geist verliehen, um in seiner Kraft außergewöhnliches zu schaffen. Später in der Apostelgeschichte wird er "auf alle Menschen ausgegossen" werden. DAs ist das, was Christen am Pfingstfest feiern. Johannes schreibt es hier erklärend zu den Worten Jesu: Wer an ihn glaubt, empfängt den Heiligen Geist und ist durch diesen in der Lage, außergewöhnliche Dinge zu tun.
Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal
Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.
Johannes 8
https://www.bibleserver.com/LUT.ELB.MENG.EU/Johannes8
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Macht Jesus eigentlich noch was anderes, als zwischen Berg und Tempel zu pendeln?
- Zu Vers 5 s. 3. Mose 20,10: "Wenn ferner ein Mann Ehebruch mit einer verheirateten Frau treibt, wenn er mit der Ehefrau seines Nächsten Ehebruch treibt, so sollen beide, der Ehebrecher und die Ehebrecherin, unfehlbar mit dem Tode bestraft werden. –" (eigentlich müssten also beide gesteinigt werden)
- Der-erste-Stein-Vers
- Hat ein bisschen was von der "Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist" Szene in den anderen Evangelien. Jesus wieselt sich raus
- Ist Jesus Cotton Eye Joe?
(V. 14)
- Moment, war eines der "Axiome" nicht, dass Jesu Zeugnis tatsächlich unbezeugt ist? Am Vorwurf der Pharisäer (V. 13) wäre somit was dran. Oder werden die "Axiome" erweitert: Jesus ist der einzige, der unbezeugt gültiges Zeugnis ablegen kann? Die Verse 17ff legen das nahe (In Vers 17 wird 5. Mose 17,6 referenziert: "Auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin soll ein solcher, der sterben muß, den Tod erleiden; auf die Aussage eines einzigen Zeugen hin darf er nicht getötet werden.")
- Irgendwie wirkt Jesu Argumentation mit Gott als zweitem Zeugen auf mich trotzdem fischig. Das wirkt wie ein Ausnutzen der Dreifaltigkeit. Macht aber nachvollziehbar, warum die Multifaltigkeit auch "juristisch" relevant ist
- Die folgenden Verse klingen irgendwie alle nach altem Wein in neuen Schläuchen. Zumindest mir als Leser ist inzwischen mehr als klar, dass Jesus vom Himmel ("von oben") kommt, gerichtet werden soll etc. blabla
Aber es scheint immer noch Leute zu überzeugen (V. 30)
- Die Verse 31 bis 36 finde ich wieder interessanter, weil es mir etwas über das damalige ~Rechtsverständnis erzählt und ich einen Zusammenhang mit diesem leidigen Ursündenthema der Katholiken erkenne: "Ein jeder, der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde". Wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der Knechte unfrei sind, ist nur folgerichtig dass es einen Herrn (den Vater oder an seiner statt den Sohn, V. 36) braucht, der ihn "wirklich frei" macht. Wenn man, wie ich, ein demokratisches Gesellschaftsverständnis hat und Sklaverei bzw. Knechtschaft nicht kennt (höchstens im Sinne der Lohnarbeit oder "modernen Sklaverei", bspw. als DHL-Fahrer
), leuchtet es noch viel weniger ein, warum man sich frei machen muss. Ich stehe gleichberechtigt neben der Sünde.
- Interessant finde ich auch, dass Abraham in diesem Abschnitt (und bis ~Vers 40) eine zentrale Rolle spielt und die Jünder als "Abrahams Nachkommenschaft" vereint. Das verbindet die (späteren) Christen mit den Juden und im Prinzip auch mit den Muslimen. Dann wiederum wird in Vers 41 Gott als "einziger Vater" benannt - aber Abraham und Gott sind nicht gleich
- Vers 41ff ruft nach einem Vaterschaftstest
Der Vaterbegriff ist hier sehr vieldeutig. Erst bezeugen die Juden, Abraham sei ihr Vater. Dann Gott. Dann hält Jesus ihnen vor, der "Teufel" sei ihr Vater. Der Vaterbegriff gibt eine gewisse Endgültigkeit vor (man kann sich seinen Vater weder aussuchen, noch ihn ändern). Wenn man es im übertragenen Sinne liest, wäre ein Vaterwechsel möglich und es geht eher darum, wen man als "geistigen (Stief-)Vater" akzeptiert. Das muss man, schätze ich, sonst hätte man ja keine Möglichkeit, an Jesus~Gott zu glauben
- Jesus von einem bösen Geist besessen? That escalated quickly
- Der Ehrbegriff gegenüber Vater/ Familie spielt gegen Ende noch eine wichtige Rolle. Das kennt man heutzutage u.a. noch vom Islam.
- Am Ende fliegen Steine. Sind die Juden damit alle ohne Sünde?
- Wobei im Text nur steht "um sie auf ihn zu werfen". Möglicherweise fliegen sie also gar nicht.
Zu Kap 8:
Textkritik: Die Geschichte mit der Ehebrecherin findet sich nicht in den ältesten Handschriften. Also Johannes 7,53 bis 8,11, ja auch den Vers mit dem "wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein". Dies ist neben dem Schluss des Markusevangeliums die umfangreichste und gravierendste Textabweichung im Neuen Testament. Wenn man also behaupten wolle, jemand habe nachträglich etwas zur Bibel hinzugefügt: Hier wäre Kandidat Nummer 1 (oder 2 je nachdem, wie man den Markusschluss einsortiert). Alles anderem Textabweichung im NT sind dann meines Wissen nach sowas wie der Schlussvers beim Vaterunser: ein Vers der fehlt oder ein paar Wörter die anders sind. Hier haben wir aber eine ganze Geschichte, die auch wichtig ist, über die oft gepredigt wird, an der sich Theologie und Gemeindepraxis orientieren.
Warum weise ich darauf hin? Um zu zeigen: Der Rest ist safe. Wir können durch die ganzen Handschriften und Textvarianten das sehr gut nachvollziehen. Und ich bin mir sehr sicher, dass wir heute im Neuen Testament genau den Text vorliegen haben, den die Apostel verfasst haben. Eben bis auf den Schluss des Markusevangeliums oder diese Geschichte mit der Ehebrecherin. Die Gesamtaussage des Neuen Textaments änderte sich kein Stück, wenn man diese beiden Kapitel wegließe.
Das zweite Ich-bin-Wort in Vers 12: Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt: wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben." Mongke feiert den Steine-Vers, ich das Ich-bin-Wort.
Die Juden: Ich erinnere daran: Damit ist im Johannesevangelium nicht das gesamte jüdische Volk gemeint. Jesus selbst war ja ein Jude, die Apostel auch und alle ersten Christen waren Juden. Jesus sagt hier, sie seien Kinder des Teufels. Das ist vermutlich so geistig übertragen gemeint, wie Mongke es vermutet. Durch Mord- und Rachepläne werden die Juden, die Jesus umbringen wollen, zu Kindern des Satans. In Kapitel 1 haben wir gelesen, wie Menschen zu Kindern Gottes werden: Durch den Glauben an Jesus Christus. Diese Menschen hier tun das Gegenteil, sie wollen Jesus töten. "Die Juden" bezeichnet im Johannesevangelium genau diese führenden Juden, die sich gegen Jesus stellen und ihn beseitigen wollen.
Ich vermute, dass in der Vergangenheit mit solchen Textstellen häufig Antisemitismus gerechtfertigt wurde. Mir fällt bloß grade kein konkretes Beispiel ein.
Der Vater zeugt von Jesus: Naja, wie bezeugt Gott denn, dass Jesus von Gott gekommen ist: Durch die Zeichen (=die Wunder). Wer macht den sonst Wasser zu Wein, heilt Gelähmte durch ein Wort oder vermehrt das Brot auf wunsersame Weise?
Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal
Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.
Ich finde zusätzlich noch 8:58 sehr spannend. Die Präexistenz hat Johannes zwar schon direkt in Kapitel 1 aufgegriffen, aber das Beispiel mit Abraham macht es noch etwas konkreter.
An irgendeiner Stelle sagte Jesus ja auch "niemand hat den Vater je gesehen". Müssen wir also Theophanien im alten Testament wie zB die etwas bizarre Rauferei mit Jakob (Gen 32:25ff) auf Jesus beziehen?
Jesus argumentiert halt schon wie so ein Sektenführer: glaubt mir, denn ich kenne die Wahrheit und ihr nicht.
Zumindest will er nicht, dass alle mit ihm schlafen, sondern ihn nur essen, um sich mit ihm zu vereinigen
Johannes 9
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Ich finde ja schön, dass Jesus weder dem Blinden noch seinen Eltern eine Schuld für dessen Blindheit zuschreibt (#Erbsünde). Es steht auch im Widerspruch zur Meinung des Volkes (V. 34). Aber zu Behinderung "auserkoren" (~ V. 3) sein fände ich an der Stelle des Blinden auch eher unbefriedigend
- Mhm, lecker Spucketeig :cz: - Wimre war das an den korrepondieren oder vergleichbaren Stellen in anderen Evangelien auch so, dass Jesu Speichel Dinge heilt. Leuchtet ein, wenn er das Lebenswasser ist (andere Flüssigkeiten aus Jesus wären noch unangenehmer
)
- Wieder ein Zeichen
- und das an einem Sabbat
Das gibt wieder Ärger, darüber hat sich Jesus ja schonmal mit den Pharisäern gestritten.
- Ich finde es nett, dass Johannes einen Einblick in die Gedankenwelt des Geheilten gibt und ihn zu Wort kommen lässt. Sogar die Pharisäer tun es. Jemand, der ein Zeichen aus nächster Nähe gesehen hat, wäre vor Gericht ein wertvoller Zeuge. Aber so wirklich überzeugt oder einer Meinung ist das Volk nicht. Erst sind die, die den Bettler kannten, erstaunt. Dann kommt er vor die Pharisäer. Dann fragen die Juden seine Eltern aus. Dann ihn. Entlang aller gesellschaftlicher Schichten entzündet sich Streit darüber, ob Jesus der Messias ist, an ihm. Es steht Moses gegen Jesus. Rechts gegen links
- Interessant finde ich, wie in Vers 27 Jesus auf den ehemals Blinden abgefärbt zu haben scheint: "Ich habe es euch schon einmal gesagt, doch ihr habt nicht darauf gehört; warum wollt ihr es noch einmal hören?" hätte auch von Jesus kommen können.
- Jesus ist ein wahrer Augenöffner (V. 30)
- Der Blinde nimmt bei Johannes sehr viel Raum ein und steht als (starkes) pars pro toto dafür, wie auf Jesus reagiert wird und was das für Konsequenzen hat. Die Verse 35ff fassen das zusammen, Vers 39 bringt es auf den Punkt: "die Nichtsehenden sollen sehen können und die Sehenden blind werden"
- Wer blind ist, kann das Licht der Welt nicht sehen.
Johannes 10
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- @V. 2f: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit (es kommt die Braut voll Herrlichkeit - sie hat gehurt, sie hat geklaut...
)
- Ich wollte schon über die Juden lästern, weil "sie [nicht] verstanden" (V. 6), aber ich hätte selbst Jesus als Hirten gesehen und nicht als Tür (V. 7). Bei genauerem Überlegen macht das aber Sinn: Der Herr ist Hirte*, die Rolle ist schon besetzt. Der Türsteher ist er offensichtlich auch nicht. Als Tür beschreibt er den Übergang: Jeder kann in seinem Namen als "Hirte" (bzw. "Herr") in Erscheinung treten. Gleichzeitig kann man nicht an der Tür vorbeigehen, Herrlichkeit ist nur wortwörtlich durch Jesus möglich.
- *nvm, in Vers 11 (und 14) ist Jesus dann der Hirte (:
- Den Mietling (V. 12) kann man bei Munchkin töten
- Vers 16 finde ich interessant: "Ich habe auch noch andere Schafe [...]". Welche anderen Schafe? Die schwarzen Schafe?
Oder die Anwesenden (s. Vers 26: "weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört")
- Auch Vers 18 ist bemerkenswert: "Ich habe Vollmacht, es hinzugeben, und ich habe Vollmacht, es wieder an mich zu nehmen". Das ist irgendwie ein sehr ermutigender Gedanke, auch als Nicht-Jesus. Hat was von Gandalf. Im übertragenene Sinne eine Art "Jeder ist seines Glückes Schmied". Gefällt.
- Angesichts der Reaktion der Juden auf Jesus und seines erneuten Auftretens im Tempel hab ich ein kleines Dejavu. Wobei mir hier der Hinweis auf den Winter (V. 22) auffällt. Bin zwar zu faul, die anderen Termine rauszusuchen, aber es könnte grob das ganze Jahr abdecken. Damit würde Jesus zu jeder (Jahres-)Zeit das gleiche sagen; in zeitlicher Dimension stärkt es damit seine Position und Aussage. Auch in räumlicher Dimension schließt sich in Vers 40 ein Kreis. Jesus hat es also überall und jederzeit versucht.
- Vers 30 dürfte eine der direktesten "Belege" bzw. Behauptungen für die Trinität (oder 2/3 davon) sein.
- Jesus bezieht sich in Vers 34 auf Psalm 82,6: " Wohl hab’ ich selber gesagt, daß ihr Götter seid und Söhne des Höchsten allesamt;"
Johannes 11
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Die Szene mit den Haaren und den Füßen (V. 2) gab es bei Johannes noch gar nicht. Kurzes Vorausblättern zeigt, dass die erst im nächsten Kapitel kommt. Das verwundert mich insofern, als dass Johannes damit die Nichtlinearität der Erzählung offenlegt oder vom Leser erwartet, dass dieser die anderen Evangelien/ Geschichten kennt. Beispielsweise von Matthäus oder Markus, die aber nicht Marias Namen nannten. Lazarus' Namen auch nicht und dass er Marias Bruder war. Und Martha ihre Schwester. Die kriegt hier ja voll die Backstory.
- Jesus bleibt zwar, aber macht nichts...? (V. 6)
- Jesus ist ja das Licht der Welt. In V. 9 wird vom Licht dieser Welt gesprochen. Das könnte ein Unterschied sein, um eher auf den Umstand "Tageslicht" hinzuweisen. Es könnte aber auch auf subtile Weise klarer stellen, was Jesus als Licht der Welt auszeichnet: Er ist sehr wörtlich das Licht in der Welt. Das passt zu Moses 1, da war Licht das erste was Gott schuf (und es war gut) und er nannte es Tag. Jesus ist (jeder/n) Tag.
- Bei Vers 12 musste ich kurz lachen
- Thomas
- Martha bringt in Vers 24 zum Ausdruck, dass sie Jesus bislang zugehört hat. In Vers 27 (klingt wie ein universelles Glaubensbekenntnis, das noch heute benutzt werden kann) bestätigt sie das selbst. Dieser Glaube wird belohnt. Bisschen kitschig.
- Vers 28 triggert wieder einen Subway-to-Sally-Ohrwurm bei mir
- Beide Frauen, Maria und Martha, sind davon überzeugt, dass ihr Bruder nicht gestorben wäre, wenn Jesus geblieben wäre (V. 21, V. 32). Das bestätigt Jesu Aussage in V. 25: "Ich bin [...] das Leben; wer an mich glaubt, wird leben". Die bloße Anwesenheit von Jesus scheint belebende Wirkung zu haben, wie auch das (Tages-)Licht für Mensch, Tier und Pflanze.
- Eine emotionale Reaktion von Jesus (V. 33ff)
Das liest man selten. Ein paar der Stellen (Maria rennt gleich zu ihm, durch sie fühlt er sich "im Geist heftig bewegt") könnte man durchaus so lesen, als ob zwischen denen mehr als nur Bekanntschaft oder Freundschaft besteht. Oder zwischen im und Lazarus
- Bemerkenswert auch, dass der Satz "Jesus weinte" (V. 35) komplett für sich steht. Ich wette, Gott hätte nicht geweint.
- Vier Tage (V. 39)? Jesus schafft es in 3
- Ich glaube ja nicht an Jesus und seine Zeichen. Ich lese Vers 44 eher so: Wenn jemand stirbt, soll man gebührend Abschied nehmen, ihn aber bald (nach 4 Tagen; die 4 steht im Judentum scheinbar für Vollständigkeit oder Erlösung) gehen lassen. Erinnert mich ein wenig an den Brauch, im Totenzimmer ein Fenster zu öffnen, damit die ~Seele ungehindert zum Himmel fliegen und frei sein kann. Und (das dichte ich jetzt dazu), damit sich auf Erden niemand mit dem Tod belastet. Lebbe geht weider.
- Vers 47
- Jon hat im Posten darüber darauf hingewiesen, dass explizit auch Nicht-Juden (also nicht nur das auserwählte Volk) Teil von Jesu Gemeinschaft sind. Der Autor macht das in Vers 52 explizit als Deutung der Weissagung des Kaiphas und geht sogar weiter: die "(unter den Völkern) zerstreuten Gotteskinder" werden "zu einem einheitlichen Ganzen vereinigt". Das weckt Erinnerungen an den Turmbau zu Babel, bei dem Gott alle zerstreute, weil sie aus sich heraus zum Himmel strebten. Das folgt einer gewissen Logik: Wenn die Zerstreuten an Jesus glauben, gelangen sie auf die "richtige" Art und Weise in den Himmel und folglich wird die Wirkung umgedreht (Vereinigung statt Zerstreuung)
- Es wird langsam brenzlig.
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Johannes 12
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Jetzt werden Jesus von Maria die Füße gewaschen.
- Apropos Dinge vorwegnehmen: *hust* Vers 4 *hust*
- Spannend, bei Johannes wird ein Beweggrund dafür angegeben, dass - in diesem Fall Judas - die Salbe verkaufen will und das moralische Argument (den Armen geben) dadurch entwertet. Gleichzeitig wird er als "Schurke" aufgebaut, weil er "als Kassenführer die Einlagen veruntreute". Cum-Cum-Judas
- "die Armen habt ihr allezeit bei euch"
Herrliche Gesellschaftskritik
- Lazarus spielt bei Johannes eine ganz schön wichtige Rolle. Er rückt in V. 10 sogars ins Visier der Hohenpriester.
- Mir deucht, das wird der letzte Einzug nach Jerusalem: Palmenzweigen, Hosianna, Eselfüllen. Diesmal verbirgt er sich ganz und gar nich.
- Was mir nebenbei auffällt (weil es mir nicht auffällt): Bislang gab es bei Johannes sehr wenige Gleichnisse. Er erzählt eher mit einigen Vorwegnahmen die Geschichte von Jesus Christus. Er streut eher hier und da mal Sinnsprüche wie Weizenkörner, die in die Erde hineinfallen, in seinen Text.
- So wie in Vers 25, auch wenn ich den Sinn in diesem Spruch nicht so ganz finde: "wer aber sein Leben in dieser Welt haßt, wird es zu ewigem Leben bewahren". Auch Elberfelder und Luther übersetzen mit "hassen", in der Vulgata steht "odit" (hasst). Bemerkenswerterweise steht dort für Leben "anima", das geht iirc eher Richtung Lebenshauch/ ~Seele. Es passt natürlich als Gegenbegriff zum lieben; da steht in der Vulgata amat, was auch Richtung verliebt sein gehen kann. In der EÜ wird hassen mit "gering achten" übersetzt und damit kann ich mehr anfangen: Wenn es darum geht, dass man nicht selbstverliebt, sondern ~demütig sein soll, macht der Spruch für mich Sinn. Den Ratschlag, sein Leben zu hassen, lehne ich. Ich liebe das Leben.
- Dass Jesus die Worte "Vater, errette mich aus dieser Stunde!" ablehnt, wirkt wie ein Vorgriff oder eine vorauseilende Rechtfertigung dafür, dass er am Kreuz (vielleicht auch bei Johannes?) noch beklagen wird, dass Gott ihn verlassen hat. Er entscheidet sich hier schon dagegen, errettet zu werden.
- Oh, eine himmlische Stimme mischt sich auch ein. Ich hätte sie Gott zugeschrieben, da der Jesus verherrlicht/ verherrlichen kann. Aber ein Engel? (V. 29)
- "Von der Erde erhöht" (V. 32) -> Am Kreuz und im Himmel. Checke. War mir vorher noch nicht bewusst, dass die Menschen Jesus mit dem Kreuz bildlich gesehen im Tode aufrichten und in den Himmel erheben.
- Das Licht ist aus, ich geh nach Haus, ...
(V. 36)
- Das Ende dieses Kapitels greift wieder stark das Lichtbildnis auf und mit Jesaja belegt. Paradoxerweise erscheint es bei einem hellen Licht plausibel, das davon "die Augen geblendet" (V. 40) werden. Zentral für Jesu Glaubenslehre scheinen mir folgende Aussagen:
- An der Ehre bei den Menschen lag ihnen mehr als an der Ehre bei Gott (V. 43) (und Jesus ist das Vehikel, um an Ehre bei Gott zu gewinnen, vgl. 44f und 48ff)
- Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten (V. 47). Das hat etwas Tröstendes, zumal Jesus den Richter benennt: "das Wort, das [er] verkündet [hat]." Es handelt sich also nicht um einen willkürlichen, unbekannten Richter - jeder Mensch hat es in der eigenen Hand, sich daran zu halten. Juristisch betrachtet erscheint mir das ungemein modern.
Man kann seine Lebensumstände hassen. Wer damals arm geboren wurde, hatte keine Chance was anderes zu werden. Ein "Tellerwäscher" blieb ein "Tellerwäscher". Da war kein Platz für "vom Tellerwäscher zum Millionär" wie es heutzutage manchmal klappen kann.
Aber an jenem Morgen war es Magie gewesen. Und es hörte nicht auf, Magie zu sein,
nur weil man [inzwischen] eine Erklärung dafür hatte ... (Terry Pratchett)
Die Lebensumstände ja, aber auch das Leben?
Es gibt Menschen die Selbstmord begehen. Aber hassen diese ihr "Leben" oder nicht doch eher ihre "Lebensumstände"? Ich begreife nicht warum du das Wort "Leben" so streng auslegst. Damals war beides für die Menschen dasselbe. Die Geburt bestimmte "wer" man war. Wenn der Vater Gerber war, wurde man als Mann zwangsläufig auch Gerber. Es gab nur wenige Möglichkeiten etwas anderes zu werden.
Eine Möglichkeit aus seinem "Leben" auszubrechen war als Heide ein Christ zu werden. Oder als Christ Priester oder Mönch zu werden. Eine Frau konnte nur heiraten oder eben Nonne werden, falls sie ein Kloster fand das sie aufnahm ...
Aber an jenem Morgen war es Magie gewesen. Und es hörte nicht auf, Magie zu sein,
nur weil man [inzwischen] eine Erklärung dafür hatte ... (Terry Pratchett)