Johannes 1
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Matthäus fing mit Jesu Stammbaum an. Markus mit dem "Anfang der Heilsbotschaft". Lukas mit sich selbst ("habe auch ich mich entschlossen [...]"). Johannes wiederum beginnt ziemlich kryptisch, irgendwie Genesishaft (). Während im 1. Buch Mose Gott am Anfang Himmel und Erde schuf, war laut Johannes "im Anfang [...] das Wort". Die Frage, welcher Anfang denn der Anfängliche war, stellt sich nur auf den ersten Blick. Denn Gott war das Wort. Substituieren ("Alle Dinge sind durch dieses (Wort) geworden [...]") liefert demnach, dass das Wort Himmel und Erde schuf? Das hat eine gewisse Tiefsinnigkeit (ich denke so in Richtung ~jeder lebt in seiner eigenen Realität, die durch Gedanken und Worte entstehen, aber nicht objektifizierbar sind).
- Meine Fresse ist das direkt dicht. Gott, Wort, Leben und Licht werden stark miteinander verknüpft. Da könnte man direkt nen kompletten Beitrag nur zu den ersten paar Versen schreiben: Wenn das Leben das Licht der Menschen ist, ist der Tod die Finsternis? Oder der Schatten? Und was passiert, wenn das Licht nicht mehr leuchtet - gibt es dann die Schatten auch nicht mehr? Oder lebt die Finsternis weiter? Ist das Licht (V. 4f) jenes, das von Gott geschaffen ward (1. Mose 1, V. 3) oder nochmal ein anderes Licht? Ist das Christentum ein Scheinkult? Kann KI das Wort sein oder generiert es nur Wörter? Etc. etc.
- Bislang war mir Jesus als "Licht der Welt" geläufig. In Vers 4 ist vom "Licht der Menschen" die Rede. Könnte das Gleiche meinen, ergibt aber spannende Interpretationsansätze, wenn ein Licht für die Welt strahlt und eins für ihre Bewohner. Wobei ich Gott als Schöpfer eher in der Rolle des Lichts der Welt verstanden hätte. Oder dieser Welle-Teilchen Welt-Menschen-Dualismus ist 2/3 der Dreifaltigkeit.
- Auftritt Johannes. Ist das derselbe Johannes, der das Buch Johannes geschrieben haben soll? Er wird jedenfalls direkt in die Lichtmetaphorik eingebaut, als "Zeuge". Was zeugt von Licht, außer das Licht selbst? Der Schatten, den es wirft? Die Hand, welche die Fackel trägt?
- Himmel, das wird ja immer kryptischer: "Kinder Gottes [...] [die] aus Gott gezeugt" sind. Also aus Licht bzw. aus dem Wort. Wie durch einen Zauberspruch? Genügt das richtige Wort, um ein Kind Gottes zu werden? Und wie lautet dieses Wort? Hat irgendwie was von einem Passwort
- Jedenfalls wurde es Fleisch. Greift Vers 14 schon die Geburt Jesu vorweg? In Vers 15 kündigt Johannes ihn jedenfalls an. Die Formulierung erinnert an bspw. Markus ("Nach mir kommt der, welcher [...]", Mk 1,7), wird aber in einen Widerspruch gestellt: "Der nach mir kommt, ist [...] vor mir gewesen". Die zeitliche Verkehrung ähnelt dem Ausspruch "die Ersten werden die Letzten sein" (vgl. Mt 19,29-30). Mir ist aber noch nicht klar, was aus der Ähnlichkeit folgt. Jesus ist (verglichen mit Johannes) der Letztere, aber schöpfungsgeschichtlich als Wort~Gott der Frühere. Er dient damit vielleicht als Beleg für diese Behauptung? Falls sie bei Johannes überhaupt noch vorkommt.
- Die Trennung zwischen Mose und Jesus in V. 17 hat was von der Unterscheidung zwischen Recht (Gesetz und Steintafel) und Gerechtigkeit (Gnade und Wahrheit).
- Johannes definiert sich als Erstes dadurch, was er nicht ist (V. 20). Ich finde allerdings V. 23 noch spannender: "Ich bin die Stimme" passt zu seiner Rolle als "Zeuge des Wortes". Was sie genau sagt, erscheint mir vergleichsweise egal (Hauptsache Jesaja zitiert). Das wirkt allerdings wie ein Gedanke, den ich so ähnlich schonmal gehabt haben könnte. Er ist sich jedenfalls seiner Rolle bewusst.
- Der Text wird zwar durch das Einsetzen der Handlung weniger kryptisch, aber wenn ich das so lese, verstehe ich allmählich, wie man sich ein ganzes Studium mit Theologie beschäftigen kann
Ich könnte zwar noch weiterlesen, aber den Rest des Kapitels nehm ich mir für wann anders vor. Da geht mir sprachlich jetzt schon zu viel ab - und ich bin froh, dass ich vor Johannes Pause gemacht hab
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Da steckt schon viel drin.
Eine Sache, die mich verwirrt, ist: Jo 1:21 sagt Johannes selbst, er ist nicht Elia, aber Mt 17:13 identifiziert ihn als Elia. Muss man da zwischen der Person Elia (der ja auch kurz davor in Mt 17:3 erscheint) und einem Typus Elia (dem dann Johannes der Täufer entspricht) unterscheiden?
Hab aber auch Könige, wo es um Elia geht, noch nicht gelesen, vielleicht versteht man es damit besser.![]()
Johannes 1 (Teil 2/2)
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Die Bezeichnung Jesu als "Lamm Gottes" (Agnus Dei) ist mir geläufig, wenn ich mich nicht täusche begegnet sie uns hier allerdings zum ersten Mal in Form von Johannes' Ausspruch. Der soll sich - laut Menge - auf Jesaja 53 beziehen. Und wir in Vers 36 sogar wiederholt.
- Bei Markus 1 kommt dieser Ausspruch nicht vor. Dafür wird das Folgende ("der Geist wie eine Taube", V. 32) dort so dargestellt, als passiere es in dem Moment, in dem Jesus getauft wird. Bei Johannes wird das Ereignis nur indirekt beschrieben ("Ich habe gesehen [...]").
- Im Gegensatz zu Markus (ich mach mir jetzt nicht die Mühe, alle Ereignisse mit den übrigen Evangelien zu vergleichen und nehme Markus als Stellvertreter) werden Andreas und Simon Petrus von Johannes hinter Jesus hergeschickt. Bei Markus fand er sie selbst "am Ufer des Galiläischen Sees" (Markus 1, 16).
- Ich bin mir nicht sicher, was mir besser gefällt. In Johannes' Variante ist der Übertragungsgedanke stärker ("nach mir kommt ein Mann [...]"), Jesus ist so sehr "vor" Johannes, dass er sogar dessen Jünger "übernimmt". Indem sie Johannes folgten, folgten sie - ohne es zu wissen? - bereits Jesus. Außerdem stärkt es die Figur Johannes. Andererseits fängt Jesus so nicht bei null an, um sie alle zu fangen. Andreas und Petrus sind seine Starterpokémon
- Im Folgenden schart Jesus weitere Jünger um sich, das ist recht unspektakulär. Bemerkenswert sind allerdings die Verse 50 und 51: "Du wirst noch Größeres als dies zu sehen bekommen [...] Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes über dem Menschensohn hinauf- und herabsteigen sehen" - das klingt vielversprechend
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https://www.bibleserver.com/LUT.ELB.MENG.EU/Johannes2
Johannes 2
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Jesus offenbart seine Herrlichkeit bei Johannes, indem er Wasser zu Wein verwandelt. Das Wunder ist hinlänglich bekannt, in den anderen drei Evangelien kam es allerdings nicht vor. Bemerkenswert finde ich den Rahmen, innerhalb dessen das Wunder vollbracht wird: Eine Hochzeit. In den anderen Evangelien wurde Jesus das ein oder andere Mal als Bräutigam inszeniert. Er agiert hier als guter Gastgeber anstelle des eigentlichen Bräutigams.
- Außerdem setzt es den Tonfall, in dem Jesus den Menschen erscheint: Hochzeiten sind landläufig Freudenfeste, das heißt, Jesus ruft eine Art Christenparty aus, indem er sich zu erkennen gibt
- In Vers 4 fährt Jesus seiner Mutter ganz schön übers Maul. Diese Stelle wird aber unterschiedlich übersetzt, in keinem Fall klingt er sonderlich nett, sondern distanziert sich sprachlich von ihr:
- Luther und Elberfelder: "Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?"
- EÜ: Was willst du von mir, Frau?
- Die sprachliche Distanz könnte man auch auf eine Bräutigam-Rolle übertragen: Seine Mutter ist für ihn nur eine "Frau", da er als Bräutigam mit einer anderen vermählt ist?
- Das Versprechen vom Ende von Johannes 1 geht somit in Erfüllung. Das bestätigt der Autor in Vers 11. Es klingen weitere Zeichen an.
- In den anderen Evangelien hat seine Mutter ihn nicht begleitet (vgl. V. 12). Die Mutter ist bei Johannes in seine Schar deutlich enger eingebunden
- Huch, Jesus randaliert hier schon im Tempel (V. 13ff)?
Bei den anderen war das irgendwie deutlich später. Mein erster Gedanke war, dass er vielleicht ein weiteres Mal randalieren wird, aber der Ausspruch in V. 19 ("in drei Tagen wieder erstehen") klingt sehr eindeutig. Damit überspringt Johannes ganz schön viel World-Building.
- Jesu Tod wird in V. 22 eiskalt vorweggenommen.
- Ich bin, ob der Chronologie dieses Kapitels, einigermaßen verwundert als hätte ich Zeichen gesehen
Johannes 3
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Das Wunderwirken bleibt nicht unbemerkt. Wobei er bislang nur Wasser in Wein verwandelt hat. Frage mich, ob das ein kleiner Seitenhieb gegen die Pharisäer ist, dass Nikodemus ausgerechnet durch dieses Wunder auf Jesus aufmerksam wird.
- In den anderen Evangelien taucht(e) Nikodemus nicht auf. Sein Name bedeutet so viel wie "Sieger aus dem Volk", fast wie Nikolaus. Laos ist aber (Quelle: Internet) eher das Volk als Masse oder als Kriegsvolk, während demos eine politische Komponente hat.
- Das "von oben" geboren werden in V. 3ff ist sehr kryptisch. Elberfelder und Luther übersetzen "von Neuem", was mich vage ans Taufen erinnert (V. 5 ergänzt das "von oben" geboren werden um Wasser und Geist). Also in dem Sinne, dass die fleischliche Geburt ("Was aus dem Fleisch geboren ist [...], V. 6) nur die Hülle liefert, in welcher der Geist lebt, der noch einmal gottgerecht geboren werden muss ("aus Wasser und Geist", V. 5). Im übertragenen Sinne finde ich es jedenfalls nicht so schwer zu verstehen, wie es Nikodemus offenbar fällt ("Wie ist das möglich?", V. 9). Außer, ich liege komplett daneben oder habe rund 2000 Jahre kulturellen und aufklärerischen Vorsprung
- In gewisser Weise macht das Johannes für mich zu einer Vaterfigur von Jesus: Was Maria für den fleischlichen Teil von Jesu ist, ist Johannes für den geistlichen Teil. Es braucht beides, bevor Jesus gänzlich in Erscheinung treten kann. Joseph spielt dabei keine Rolle.
- Wurde Jesus von Maria und Johannes in die Welt gepair-programmiert?
- "Aus dem Geist geboren" klingt wiederum so, als hätte man selbst keinen Einfluss darauf. So, wie man sich nicht aussuchen kann, aus welchem Uterus man krabbelt.
- Vers 13 finde ich auf eine schöne Weise kryptisch. Hat was von einem Rätsel: Der, der hinabgestiegen ist, ist hinaufgestiegen und außerdem immer noch da. Die Antwort wird gegeben (Menschensohn), die drei Zustände (hinauf, hinab, oben) lassen eine irgendwie geartete Dreifaltigkeit anklingen. Bislang spricht Jesus bei Johannes mehr in Rätseln, als in Gleichnissen.
- Die in Vers 14 erwähnte Begebenheit (Mose und die (eherne) Schlange) hatte ich, bis ich es gerade eben nachgelesen habe), komplett vergessen.
- Die Verse 16 bis 21 scheinen mir von zentraler Bedeutung zu sein. Zusammengefasst sagt Jesus Folgendes, was sich wie eine Sammlung von Axiomen anliest:
- Wer an [Jesus] glaubt, geht nicht verloren.
- Wer an [Jesus] glaubt, hat ewiges Leben.
- [Jesus] richtet nicht die Welt.
- Die Welt wird durch [Jesus] gerettet.
- Wer an [Jesus] glaubt, wird nicht gerichtet.
- Wer nicht an [Jesus] glaubt, ist schon gerichtet.
- Wesentlich ist der Glaube an [Jesus] (ich schreibe [Jesus], weil Jesus auffällig indirekt von sich spricht). Aus dem Nicht-Glaube folgen allerdings 1., 2. und 5. nicht zwangsläufig. Insbesondere wird man nicht gerichtet - man wurde schon gerichtet (s. 6.). Fragt sich, was das für Auswirkungen hat. Ist dann das Wandeln auf Erden eine Art Hölle für die Betroffenen? Müssen alle, die nicht dran glauben, dran glauben? Und wie ist das, wenn der Ungläubige keine Chance hatte, von Jesus zu erfahren (im Gegensatz zu bspw. mir - ich glaube nicht an Jesus, kenne aber die Lore)? Gibt es einen dritten Zustand neben glauben und nicht glauben? Von den "Axiomen" wird er zumindest nicht erfasst.
- Neben dem Verhältnis Gläubiger <> Jesus beschreiben die "Axiome" auch das Verhältnis "Jesus <> Welt. Jesus richtet nicht, er ist also nicht aktiv. Stattdessen wird durch sein bloßes (passives) Sein die Welt gerettet (salvetur; kann auch heilen oder erlösen bedeuten). Mir erscheint das insofern relevant, als dass die Welt auch in Abwesenheit eines aktiven Jesus heilen kann. Es gibt ja so Sprüche in Richtung ~man stirbt erst dann wirklich, wenn man in Vergessenheit gerät. Eine (in meinen Augen valide) Folgerung aus den Axiomen wäre für mich, dass solange Jesus ist, wird die Welt gerettet. Geheilt trifft es vielleicht besser, weil das mehr nach einem Prozess klingt und weniger nach einer einmaligen Errettung.
- Für richten steht im Lateinischen steht "iudicare", also richten im Sinne von Recht sprechen bzw. ein Urteil bilden. Mir gefällt die Mehrdeutigkeit im Deutschen besser ("richten" kann auch aufrichten im Sinne von reparieren sein).
- Des Weiteren verkündet Johannes früh den Richtgedanken bzw. stellt ein "Gericht" (V. 19) in Aussicht und spielt Licht gegen Finsternis aus (wir erinnern uns an Kapitel 1). Christen sind Motten.
- Der Taufkrieg
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Gefolgt von einer sehr weisen und erschreckend erwachsenen Reaktion Johannes'. Klassischer NPC-Move. Er bezeichnet sich noch nicht einmal als Trauzeuge, sondern einfach nur als "Freund" des Bräutigams.
- "Wer die Braut hat, ist der Bräutigam" wär mal ein lustiger Trauspruch
- Die Antithetik in Vers 30 (einer wächst, der andere nimmt ab) erinnert mich flüchtig an das Ab- und Aufsteigen vom Himmel. Die Gegenläufigkeit und Richtung der Bewegung ist gleich, Johannes wird so zu einer Facette von Jesus
Es hat auch etwas organisches, biologisches. Ein Kreislauf: Pflanze wächst, Blatt fällt runter, wird zu Humus, neue Pflanze wächst.
- Die Verse 31ff klingen wie die "Axiome", nur aus Johannes sicht. Oder ergänzend dazu:
- [Jesus] steht höher als/ über alle/n anderen.
- [Jesus] legt unbezeugtes Zeugnis ab.
- [Jesus] Zeugnis annehmen macht Gott wahrhaftig.
- [Jesus] redet die Worte Gottes.
- Wer an [Jesus] glaubt, hat ewiges Leben.
- Wer nicht an [Jesus] glaubt (ungehorsam bleib) erfährt den Zorn Gottes.
- 2. und 3. definieren, was glauben heißt: unbezeugtes Zeugnis annehmen. Gibt es niemanden, der 3. tut, ist Gott nicht wahrhaftig. Hat was von Pratchett.
- 5. von Johannes ist 2. von Jesus. 6. ist quasi 6. Wobei es bei Johannes so klingt, als ob der Ungläubige noch gerichtet wird, während er es bei Jesus schon ist. Zusammengenommen ist man "von Anfang bis Ende" am Sack, wenn man nicht an Jesus glaubt.
Johannes 4
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Jesus hat den Taufkrieg gewonnen
- Vers 2 wirkt unscheinbar, kommt mir aber wichtig vor: Jesus tauft gar nicht selbst. Es wird nur in seinem Namen getauft.
- Der Aufenthalt in Samaria ist mir aus den anderen Evangelien nicht bekannt. Den barmherzigen Samariter kenne ich und mein Bauchgefühl sagt mir, dass der irgendwann noch auftaucht. Die Samariterin, der Jesus am Brunnen begegnet, ist nicht so barmherzig. Aber auch nicht unbarmherzig. Sie wirkt wie ein NPC, in den sich der Leser hineinversetzen kann und das Geschehen hat was von einem Gleichnis, nur dass es "live" passiert:
- Wer aus dem falschen Brunnen trinkt (= den falschen Lehren folgt) wird immer dürsten
- Wer das richtige Wasser trinkt (=Jesu Lehre) wird ~ewig leben (nie mehr dürsten)
- Keinen Mann haben ~ bereit zur Vermählung mit Jesus sein (nachdem sie schon viele Ehen geführt hat, die nicht anhielten)
- Als "Wasser des Lebens" ist mir ein Wunderwasser, wie Jesus es beschreibt, auch aus dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm bekannt.
- "Die Rettung ist aus den Juden" (V. 22) - Jesus erntet die Schellen, die Moses gesät hat
- Im vorigen Kapitel wurde die "Geburt in Geist" beschrieben, substituiert man Geist mit Gott (s. V. 24), wird daraus die Geburt in Gott. Nach der Geburt ist die Geistlichkeit nicht abgeschlossen, auch das Gebet muss in "Geist und [...] Wahrheit" erfolgen. Als ob die Geburt andauert. So, wie man nach der fleischlichen Geburt auch weiterlebt.
- War Jesus Informatiker oder warum waren die die Jünger verwundert, dass er "mit einer Frau" redet (V. 27)?
Sie scheinen nicht daüber verwundert zu sein, dass er mit einer Samariterin redet
- "Meine Speise ist die, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende" (V. 34) klingt unfassbar pathetisch, passt aber zu der Lesart, dass das Wasser (s. "Gleichnis" oben) sinnbildlich für was anderes steht. Der fleischliche Körper braucht Wasser und Nahrung. Der geistige Körper braucht Gebet und Bekenntnis zu Gottes Wille.
- Vers 36 lässt mich den Kreislaufgedanken vom vorigen Post nochmal aufnehmen: Ewiges Leben erfährt, wer an [Jesus] glaubt. Leben wird eingerahmt von Geburt und Tod (Aussaat und Ernte ~ Sämann und Schnitter). Was steckt dann ewiges Leben ab? Gibt es eine Geburt und einen Tod in der Ewigkeit, die beide so gestaltet sind, dass es "Sämann und Schnitter" freut? Oder ist es ein Kreislauf, weil der Tod wieder Platz für eine Geburt macht? Das führt mich jetzt regelrecht auf buddhistische/ Wiedergeburtsgedankengänge
- Die Samariter, mit denen Jesus hier zu schaffen hat, verhalten sich besser, als so mancher Jude sich noch verhalten wird (vgl. V. 41f). Aus Glaube wird Gewissheit. Und wie um diesen Gedanken zu bestätigen, geht Jesus nach Galiläa und sagt, dass "ein Prophet in seiner eigenen Heimat keine Anerkennung" finde (V. 44).
- Zunächst begegnet ihm die Heimat aber gastfreundlich und er vollbringt das zweite Wunderzeichen. Es passt zu dem ganzen Gerede von Geburt und ewigem Leben, dass man es zusammenfassen kann mit: "dein Sohn lebt!" (V. 50).
Ich vermute, es geht um das hier: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Chosen_(Fernsehserie)
Ein bisschen Schrödingers Katze?
Die ist "schon gerichtet" und so gut wie tot. Es sei denn, sie lebt halt doch noch und wird wieder aus der Kiste entfernt.Da gibt es später dann irgendwo bei Paulus das berühmte "wir waren tot in unseren Übertretungen".
Zu welchem Grade "gerichtet" allerdings "verurteilt" impliziert, ist eine andere Frage. Die augustinische Kirchenlehre ist da ja extrem pessimistisch in ihrer Auslegung.![]()
Johannes 5
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Jesus ist schon wieder in Jerusalem
. Es wirkt, als ob er der heiligen Stadt der Juden mehrere Chancen gibt.
- Der Verweis aufs Hebräische in V. 2 fällt mir auf. Zumeist (oder bisher immer?) nimmt die Übersetzung keinen Bezug darauf, dass sie eine Übersetzung ist.
- Was viele nicht wissen: Der Teich hat außerdem Skyrim publiziert.
- Der Teich klingt nach dem Wunderwasser aus dem vorigen Kapitel ("wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird in Ewigkeit nicht wieder Durst leiden")
- Jesus vollbringt ein weiteres Wunder, es wird aber nicht als Zeichen benannt. Ein paar bereits bekannte Motive klingen an:
- Jesus wirkt ursprünglich im Geheimen, wird dann aber von der Menge bemerkt
- Sein Handeln wird in Opposition zu Arbeiten am Sabbat gestellt. Hier irritiert mich V. 17: "Mein Vater wirkt (ununterbrochen) bis zu dieser Stunde" - der hat doch aber am 7. Tag ausdrücklich geruht?
- Jesus wird für sein Tun kritisiert
- In V. 19 bis 23 kommt es zu einer längeren Ausführung über die Beziehung zwischen Vater/[Gott] und Sohn/[Jesus]: Zum einen kann der Sohn nichts, was der Vater nicht auch kann (V. 19), aber durch seine Liebe stellt er "noch größere Werke" in Aussicht. Das finde ich einigermaßen geschickt: Er stellt sich nicht über Gott, sondern inszeniert sich nur als Werkzeug, durch das Gott noch krasseren Shit macht. Erst als Richter stellt sich [Jesus] über [Gott], wobei er diese Hoheit auch nur übertragen bekommen hat. Vers 23 fasst 2/3 der Dreieinigkeit zusammen.
- Diese Aspekte (Jesus ist Gott, Jesus bringt Gericht) werden in V. 26 und 27 sowie in V. 30 wiederholt. Sie sind eingebettet in eine Ausführung über eine Gegenüberstellung von Leben und Tod. Im Kern wird ausgeführt, was es bedeutet, an Jesus zu glauben (denn von den "Axiomen" wissen wir: Wer an Jesus glaubt, hat ewiges Leben). Nämlich: Gutes tun (V. 29). Oder plakativer: Die Guten kommen in den Himmel, die Bösen vor Gericht.
- Anschließend geht es viel um Versetzungen. Also Zeugnisse. Jesus kann nicht über Jesus Zeugnis ablegen. Das Zeugnis eines Menschen nimmt Jesus nicht an (V. 34), wobei ich den zweiten Halbsatz nicht einzuordnen vermag: "[ich] erwähne dies nur deshalb, damit ihr gerettet werdet".
Geht das in die Richtung: An Jesus glauben ~ Zeugnis ablegen ~ ewiges Leben ~ Errettung? Auch wenn Jesus diesen ~Glauben/ Zeugnis nicht annimmt?
- Bleibt nur einer, der glaubhaft Zeugnis über Jesus ablegen kann: [Gott], vgl. V. 36ff. Die Argumentation ist aber reichlich dünn. Es ist ein Zeugnis, dass weder "gehört" noch "gesehen" ward (V. 37) und wird von bzw. durch Jesus bezeugt, der aber über sich selbst kein gültiges Zeugnis ablegen kann (V. 31)
In Kurzform klingt das für mich so: "Mir könnt ihr nicht glauben, aber ich sage euch, was Gott sagt. Dem könnt ihr glauben."
- Als "Beleg" führt Jesus dann noch Moses ins Feld. Menge referenziert einige Stellen im AT:
- 1. Mose 3,15: Da geht es um die Schlange im Paradies
- 1. Mose 49,10: "Nicht wird das Zepter von Juda weichen noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis der kommt, dem er gebührt, und die Völker werden ihm Gehorsam leisten."
- 5. Mose 18,15: " Einen Propheten gleich mir wird der HERR, dein Gott, dir (jeweils) aus deiner Mitte, aus deinen Volksgenossen, erstehen lassen: auf den sollt ihr hören!"
- Alles in allem ein sehr sperriges und theologisierendes Kapitel. Gefällt mir nicht so.
Die nächsten ~7 Tage ist nochmal Pause, da werde ich zu beschäftigt sein.