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Thema: Hast du die Bibel je selbst gelesen?

  1. #5656
    Zurück im Norden
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    Ich bin nicht ganz sicher, ob das so stimmt. In den beiden frühsten bekannten Gralsromanen des Chrétien von Troyes und des Wolfram von Eschenbach ist der Gral ja gar nicht der Abendmahlskelch, sondern entweder eine Art Patene oder sogar ein wundertätiger Stein. In beiden Fällen spielt zwar die konsekrierte Hostie eine Rolle (weil der Fischerkönig sich nur von ihr ernährt bzw. ihre Berührung dem Stein seine Kraft verleiht), aber es handelt sich eben nicht um eine echte Reliquie im christlichen Sinn. Selbst in vielen späteren Versionen, in denen es sich dann eindeutig um einen Kelch handelt, wird die eigentliche Bedeutung des Grals meist eher der Tatsache zugeschrieben, dass Joseph von Arimathäa damit die Bluttropfen Jesu aufgefangen haben soll, die seiner Seitenwunde entströmten. In diesen Versionen bewahren die Gralsritter dann auch häufig noch die Lanze auf, mit der ihm diese Wunde beigebracht worden ist.

    Das hat natürlich schon alles mit dem Lebensopfer Jesu, der Auferstehung und der Eucharistie zu tun, aber in einer eher mystischen und indirekten Weise, nicht wie bei Indiana Jones, wo man einfach nur den Kelch des letzten Abendmahls finden muss.

    Das Auffangen des Blutes und der ganze Legendenkranz um Longinus, Dysmas und Veronika stammt übrigens auch nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der Antike. Die Pilatusakten (die das Ganze nicht unbedingt zum ersten Mal beschreiben, aber eben die älteste bekannte Version darstellen) stammen vermutlich aus der Zeit der konstantinischen Dynastie, also als dem 4. Jh. und entstanden auch nicht im späteren lateinischen Europa, sondern wohl in Kleinasien oder Griechenland.

  2. #5657
    Infrarot Avatar von Der Kantelberg
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    Hältst du diese Heiligenlegende um den Gral und das Auffangen des Blutes von Joseph eigentlich für wahr?
    Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal

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  3. #5658
    Zurück im Norden
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    Wie gesagt, ich gehe nicht einmal davon aus, dass der Gral ursprünglich etwas mit dem Abendmahlskelch oder dem Lanzenstich zu tun hatte. Er war anscheinend auch nie eine Reliquie, sondern mit einem Ort verbunden, den man eben nicht einfach aufsuchen konnte. Reliquien zeichnen sich ja gerade dadurch aus, dass man sie irgendwann entdeckte oder das zumindest glaubte. Man wollte sie - das gilt für die Ost- wie für die Westkirche - vor Ort haben, um von ihrer Heilswirkung zu profitieren. Deshalb wurden sie manchmal sogar regelrecht aufgeteilt, so dass mehrere Städte oder Klöster sie für sich nutzen konnten.

  4. #5659
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Ich hab zurzeit unerhört wenig Bock auf Bibel, aber ich quäl mich mal weiter.

    Lukas 22 (Teil 2)

    Achtung Spoiler:
    47 Während er noch (zu ihnen) redete, erschien plötzlich eine Volksschar, und der mit dem Namen Judas, einer von den Zwölfen, ging an ihrer Spitze und trat auf Jesus zu, um ihn zu küssen.
    48 Jesus aber sagte zu ihm: »Judas, mit einem Kuß verrätst du den Menschensohn?«
    49 Als nun die Begleiter Jesu sahen, was da kommen würde, sagten sie: »Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?«,
    50 und einer von ihnen schlug (wirklich) nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab.
    51 Jesus aber antwortete: »Laßt ab! Bis hierher und nicht weiter!« Dann rührte er das Ohr an und heilte ihn.
    52 Zu den Hohenpriestern aber und den Hauptleuten der Tempelwache und den Ältesten, die gegen ihn hergekommen waren, sagte Jesus: »Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knütteln ausgezogen.
    53 Während ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich ausgestreckt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis!«
    54 Als sie ihn dann festgenommen hatten, führten sie ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters; Petrus aber folgte von weitem.
    55 Als sie dann mitten im Hof ein Feuer angezündet und sich zusammengesetzt hatten, nahm auch Petrus mitten unter ihnen Platz.
    56 Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen; sie blickte ihn scharf an und sagte: »Dieser ist auch bei ihm gewesen.«
    57 Petrus aber leugnete mit den Worten: »Weib, ich kenne ihn nicht!«
    58 Nach einer kleinen Weile bemerkte ihn ein anderer und sagte: »Du gehörst auch zu ihnen!« Petrus aber entgegnete: »Mensch, ich nicht!«
    59 Nach Verlauf von etwa einer Stunde versicherte ein anderer bestimmt: »Wahrhaftig, dieser ist auch mit ihm zusammen gewesen, er ist ja auch ein Galiläer!«
    60 Da entgegnete Petrus: »Mensch, ich verstehe nicht, was du sagst!«; und unmittelbar darauf, während er noch redete, krähte der Hahn.
    61 Da wandte der Herr sich um und blickte Petrus an; und Petrus dachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm gesagt hatte: »Ehe noch der Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.«
    62 Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
    63 Die Männer aber, die Jesus zu bewachen hatten, trieben ihren Spott mit ihm und schlugen ihn;
    64 sie verhüllten ihm das Gesicht und richteten dann die Frage an ihn: »Weissage uns: Wer ist’s, der dich (eben) geschlagen hat?«
    65 Auch noch viele andere Schmähungen stießen sie gegen ihn aus.
    66 Als es dann Tag geworden war, versammelte sich der Rat der Ältesten des Volkes, Hohepriester und Schriftgelehrte; sie ließen ihn in ihre Versammlung führen
    67 und sagten: »Wenn du Christus bist, so sage es uns!« Doch er erwiderte ihnen: »Wenn ich es euch sage, werdet ihr es mir doch nicht glauben,
    68 und wenn ich Fragen an euch richte, werdet ihr mir keine Antwort geben.
    69 Aber von nun an wird der Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen!«
    70 Da sagten sie alle: »So bist du also der Sohn Gottes?« Er antwortete ihnen: »Ja, ihr selbst sagt es: ich bin’s.«
    71 Da erklärten sie: »Wozu haben wir noch weitere Zeugenaussagen nötig? Wir haben es ja selbst aus seinem Munde gehört!«


    Bemerkungen/ Gedanken:

    • Judas verrät Jesus - Im Gegensatz zu den anderen Übersetzungen macht Lukas, wenn er schreibt "Judas, mit einem Kuß verrätst du den Menschensohn" (mir) sehr bewusst, dass ein Kuss als Erkennungszeichen für den Verratenen das genaue Gegenteil von dem ist, was Küsse bedeuten
    • Wieso brauchen die Pharisäer überhaupt wen, der ihnen zeigt, wer Jesus ist? Der sollte doch bekannt sein wie ein bunter Hund
      • Jesus weist in V. 53 sogar darauf hin. Vielleicht waren die Pharisäer so selten im Tempel, dass sie nur die Unruhen mitbekamen, aber nicht, wer dahinter steckt
      • Eine random Magd erkennt sogar Petrus wieder (56). Wieso sollte Petrus erkennbar sein, Jesus aber nicht?

    • Schwert und Ohr kommen auch bei Matthäus vor, da heilt Jesus Judas aber nicht.
    • Das Judasohr ist ein Pilz:
    • Petrus leugnet Jesus dreimal
    • Jesus wird gemobbt
    • Jesus wird als Sohn Gottes als Häretiker verurteilt
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  5. #5660
    Zurück im Norden
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    Zitat Zitat von Mongke Khan Beitrag anzeigen
    [*]Wieso brauchen die Pharisäer überhaupt wen, der ihnen zeigt, wer Jesus ist? Der sollte doch bekannt sein wie ein bunter Hund
    [LIST][*] Jesus weist in V. 53 sogar darauf hin. Vielleicht waren die Pharisäer so selten im Tempel, dass sie nur die Unruhen mitbekamen, aber nicht, wer dahinter steckt [*]Eine random Magd erkennt sogar Petrus wieder (56). Wieso sollte Petrus erkennbar sein, Jesus aber nicht?
    Die Frage wurde tatsächlich schon bei den Kirchenvätern ab und zu angeschnitten. Meist nimmt man an, dass die beauftragten Knechte ihn in einem dunklen Garten bei Fackellicht vielleicht hätten verwechseln können, zumal sie ihn sicher höchstens wenige Male in einer größeren Gruppe gesehen hatten. Der Hohe Rat wusste ja auch nicht, ob ein Jünger sich vielleicht als er ausgeben würde. Judas verriet ihnen also nicht nur, wo die Gruppe übernachtete, sondern half auch, ihn zweifelsfrei zu identifizieren.

    Petrus wird von der Magd übrigens nicht identifiziert, sondern einfach nur als einer aus dieser verdächtigen Gruppe renitenter Galiläer erkannt. Der Hohe Rat wollte aber Jesus als Person, nicht einfach einen aus der Jüngergruppe.

  6. #5661
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    Ich glaub, ich hatte dazu schon mal bei den anderen Evangelien was geschrieben. Prinzipiell, was Jon sagt.

    Man muss sich die 200.000 Pilger vorstellen, von denen zehntausende einfach wild auf dem Ölberg pennen. Wie sollst du in den Menschenmassen im Dunkeln ohne Scheinwerfer Jesus und die Jünger finden? Da sind tausende ähnliche Pilgergruppen - viele von ihnen Sympathisanten von Jesus. Man müsste sich von Gruppe zu Gruppe durchfragen. Judas kennt den Schlafplatz. Ebenso könnte Jesus vermutlich leicht im Dunkeln untertauchen, wenn er wollte.

    Im Tempel verhaften sie ihn nicht, weil sie den Volksaufstand fürchten. Jesus ist beliebt. Die Leute glauben, er sei der Messias. Volksaufstand bedeutet, dass die Römer unruhig werden - das ist alles schlecht für die führenden Juden. Also versuchen sie, Jesus in einer Nacht- und Nebelaktion zu verurteilen, um das Volk und seine Fans vor vollendete Tatsachen zu stellen.


    Wenn du keinen Bock hast auf Bibel, könntest du ja ein paar Wochen Pause machen. Sich da durch zu quälen, bringts ja auch nicht.
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  7. #5662
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Das vierte Evangelium soll strukturell ja etwas anders werden?

  8. #5663
    Registrierter Benutzer Avatar von GoodOldErin
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    Zitat Zitat von Mongke Khan Beitrag anzeigen
    Das vierte Evangelium soll strukturell ja etwas anders werden?
    Oh, weiß man schon Genaueres? Klingt spannend. Wann ist das Veröffentlichungsdatum?

  9. #5664
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    Zitat Zitat von Mongke Khan Beitrag anzeigen
    Das vierte Evangelium soll strukturell ja etwas anders werden?
    Das kommt drauf an, was du darunter verstehst.

    Es startet natürlich auch mit Johannes dem Täufer, dann kommen Geschichten wie Jesus gewirkt und gepredigt hat und am Ende die Passion, Kreuzigung und Auferstehung.
    Johannes hat allerdings viele Begebenheiten und Dialoge, die in Matthäus, Markus, Lukas nicht vorkommen. Würde aus dem Bauch raus behaupten 2/3 bis 3/4 des Inhalts finden sich nur bei Johannes.
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  10. #5665
    Hat einen Plan Avatar von Mongke Khan
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    Lukas 23
    Achtung Spoiler:
    1 Nun erhob sich ihre ganze Versammlung, und sie führten ihn dem Pilatus vor.
    2 Dort erhoben sie folgende Anklagen gegen ihn: »Wir haben festgestellt, daß dieser Mensch unser Volk aufwiegelt und es davon abhalten will, dem Kaiser Steuern zu entrichten, und daß er behauptet, er sei Christus, ein König.«
    3 Pilatus fragte ihn nun: »Bist du der König der Juden?«, und Jesus antwortete ihm: »Ja, ich bin es!«
    4 Da sagte Pilatus zu den Hohenpriestern und der Volksmenge: »Ich finde keine Schuld an diesem Manne.«
    5 Sie aber versicherten immer heftiger: »Er wiegelt das Volk auf, indem er seine Lehre im ganzen jüdischen Lande verbreitet: in Galiläa hat er damit begonnen und bis hierher es fortgesetzt!«
    6 Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer wäre;
    7 und als er vernahm, daß er aus dem Machtbereich des Herodes sei, sandte er ihn dem Herodes zu, der in diesen Tagen ebenfalls in Jerusalem weilte.
    8 Herodes aber war sehr erfreut darüber, Jesus zu sehen; denn er hätte ihn längst gern gesehen, weil er viel über ihn gehört hatte; er hoffte auch, ein Wunderzeichen von ihm vollführt zu sehen.
    9 So richtete er denn mancherlei Fragen an ihn, doch Jesus gab ihm keinerlei Antwort;
    10 die Hohenpriester und Schriftgelehrten aber standen dabei und verklagten ihn leidenschaftlich.
    11 Da behandelte ihn denn Herodes samt den Herren seines Gefolges mit Verachtung und Hohn und sandte ihn, nachdem er ihm ein Prachtgewand hatte anlegen lassen, zu Pilatus zurück.
    12 An diesem Tage wurden Herodes und Pilatus miteinander befreundet, während sie vordem in Feindschaft gegeneinander gestanden hatten.
    13 Pilatus ließ nun die Hohenpriester und die Mitglieder des Hohen Rates und das Volk zusammenrufen
    14 und sagte zu ihnen: »Ihr habt mir diesen Mann als einen Volksverführer vorgeführt. Nun, ihr seht, ich habe ihn in eurem Beisein verhört, habe aber an ihm durchaus nicht die Schuld gefunden, deren ihr ihn anklagt.
    15 Ebensowenig auch Herodes, denn er hat ihn an uns zurückverwiesen. Ihr seht also: nichts, was die Todesstrafe verdient, ist von ihm begangen worden.
    16 Darum will ich ihn geißeln lassen und dann freigeben.«
    17 [Er war aber verpflichtet, ihnen an jedem Fest einen (Gefangenen) freizugeben.]
    18 Da schrien sie aber allesamt: »Hinweg mit diesem! Gib uns dagegen Barabbas frei!« –
    19 dieser saß nämlich wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt vorgekommen war, und wegen Mordes im Gefängnis.
    20 Da redete Pilatus zum zweitenmal auf sie ein, weil er Jesus gern freigeben wollte;
    21 sie aber riefen ihm dagegen zu: »Kreuzige, kreuzige ihn!«
    22 Zum drittenmal fragte er sie dann: »Was hat denn dieser Mann Böses getan? Ich habe keine todeswürdige Schuld an ihm gefunden! Ich will ihn also geißeln lassen und dann freigeben.«
    23 Sie aber bestürmten ihn mit lautem Geschrei und verlangten seine Kreuzigung; und ihr Geschrei drang durch.
    24 So fällte denn Pilatus das Urteil, ihr Verlangen solle erfüllt werden.
    25 Er gab also den Mann frei, der wegen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis geworfen worden war, wie sie es verlangten; Jesus dagegen gab er ihrem Willen preis.
    26 Als sie ihn dann (zur Richtstätte) abführten, griffen sie einen gewissen Simon aus Cyrene auf, der vom Felde heimkam, und bürdeten ihm das Kreuz auf, damit er es Jesu nachtrüge.
    27 Es folgte ihm aber eine große Volksmenge, auch viele Frauen, die um ihn wehklagten und weinten.
    28 Da wandte Jesus sich zu ihnen um und sagte: »Ihr Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, weint vielmehr über euch selbst und über eure Kinder!
    29 Denn wisset wohl: es kommen Tage, an denen man sagen wird: ›Glücklich zu preisen sind die Unfruchtbaren und die Frauen, die nicht Mutter geworden sind und die kein Kind an der Brust genährt haben!‹
    30 Dann wird man anfangen, den Bergen zuzurufen: ›Fallet auf uns!‹ und den Hügeln: ›Bedecket uns!‹
    31 Denn wenn man dies am grünen Holze tut, was wird da erst am dürren geschehen?«
    32 Es wurden aber außerdem noch zwei Verbrecher mit ihm zur Hinrichtung abgeführt.
    33 Als sie nun an den Platz gekommen waren, der ›Schädel(stätte)‹ heißt, kreuzigten sie dort ihn und die beiden Verbrecher, den einen zu seiner Rechten, den anderen zu seiner Linken.
    34 Jesus aber sprach: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!« Darauf verteilten sie seine Kleidungsstücke unter sich, indem sie das Los darüber warfen;
    35 und das Volk stand dabei und sah zu. Es verhöhnten (ihn) aber auch die Mitglieder des Hohen Rates mit den Worten: »Anderen hat er geholfen; so helfe er nun sich selbst, wenn er wirklich Christus, der Gesalbte Gottes, ist, der Auserwählte!«
    36 Auch die Soldaten verspotteten ihn: sie traten hinzu, reichten ihm Essig
    37 und sagten: »Bist du der König der Juden, so hilf dir selbst!«
    38 Über ihm war aber auch eine Inschrift angebracht [in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift]: »Dies ist der König der Juden.«
    39 Einer aber von den Verbrechern, die da gehenkt waren, schmähte ihn mit den Worten: »Du willst Christus sein? So hilf dir doch selbst und uns!«
    40 Da antwortete ihm der andere mit lautem Vorwurf: »Hast du denn nicht einmal Furcht vor Gott, da dich doch derselbe Urteilsspruch getroffen hat?
    41 Und zwar uns beide mit Recht, denn wir empfangen den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan!«
    42 Dann fuhr er fort: »Jesus, denke an mich, wenn du in deine Königsherrschaft kommst!«
    43 Da sagte Jesus zu ihm: »Wahrlich ich sage dir: Heute (noch) wirst du mit mir im Paradiese sein!«
    44 Es war nunmehr um die sechste Stunde: da kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,
    45 indem die Sonne ihren Schein verlor; und der Vorhang im Tempel riß mitten entzwei.
    46 Da rief Jesus mit lauter Stimme die Worte aus: »Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!«, und nach diesen Worten verschied er.
    47 Als nun der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: »Dieser Mann ist wirklich ein Gerechter gewesen!«
    48 Und die ganze Volksmenge, die zu diesem Schauspiel zusammengekommen war und alles sah, was sich zugetragen hatte, schlug sich an die Brust und kehrte heim.
    49 Alle seine Bekannten aber standen von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren und dies alles mit ansahen.
    50 Und siehe, ein Mann namens Joseph, der ein Mitglied des Hohen Rates war, ein guter und gerechter Mann –
    51 er war mit ihrem Beschluß und ihrer Handlungsweise nicht einverstanden gewesen – aus der jüdischen Stadt Arimathäa, der auf das Reich Gottes wartete:
    52 dieser ging zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam Jesu.
    53 Dann nahm er ihn (vom Kreuz) herab, wickelte ihn in feine Leinwand und legte ihn in ein Grab, das in den Felsen gehauen und in welchem bisher noch niemand beigesetzt worden war.
    54 Es war aber der Rüsttag, und der Sabbat wollte anbrechen.
    55 Die Frauen aber, die ihn aus Galiläa begleitet hatten, waren mitgegangen und hatten sich das Grab und die Beisetzung seines Leichnams angesehen.
    56 Nachdem sie hierauf (in die Stadt) zurückgekehrt waren, besorgten sie wohlriechende Stoffe und Salben und brachten dann den Sabbat nach der Vorschrift des Gesetzes in der Stille zu.


    Bemerkungen/ Gedanken:

    • Der erste Teil der Anklage in Vers 2 ist doch glatt gelogen - Jesus hat sich bei der Frage, wem der Denar zusteht, doch klug herausgehalten?
    • Die zweite Anklage - naja, das gibt Jesus in Vers 3 zu
    • Ich hab nicht mehr in Erinnerung, wie die Interaktion zwischen Jesus/Pilatus/Herodes in den anderen Übersetzungen war; ich weiß noch, dass Pilatus auch bei den anderen keine Schuld fand. Ich kann aber nicht mehr sagen, ob er Jesus auch zu Herodes geschickt hat - und ob der aktiv erfreut (V. 8) war.
    • Zumindest nicht so ausführlich wie hier bei Lukas, wo Herodes und Pilatus miteinander über Jesus bonden (V. 12) - Indirekt wirkt Jesus hier ein Freundschaftswunder
    • Dadurch wird die eigentliche Unschuld Jesu noch einmal unterstrichen. Nicht nur ein weltlicher Herrscher, sondern gleich zwei sehen nicht, was er falsch gemacht haben soll.
    • Umgekehrt erscheinen die Forderungen des Volkes umso vehementer: 23 Verse lang sträubt sich Pontius Pilatus, erst dann gibt er nach.
    • Der Kreuzgang ist einigermaßen gleich, ich glaube aber, so direkt spricht Jesus nicht direkt mit den "Töchter[n] Jerusalems".
    • Bei der Kreuzigung selbst fällt mir nichts Besonderes auf: Zwei andere zu seiner Linken und Rechten, Hilf dir selbst, Essig, INRI.
    • Ich würde aus dem Bauch heraus sagen, dass die Mitgekreuzigten nicht so viel Labern und mehr mit Gekreuzigtsein beschäftigt sind; vgl. V. 42. Auch das paradiesische Versprechen Jesu (V. 43) wäre mir sicher aufgefallen. So direkt wurde das Paradies mit dem Leben nach dem Tod iirc nirgends verknüpft.
    • Keine Klage, warum Gott ihn denn verlassen habe in V. 46. Dann isser hie
    • Jesu Leichnam wird abgehängt, eingewickelt und ins Grab gebracht. Einmal mehr wird auf die Frauen eingegangen.
    Zitat Zitat von Baldri Beitrag anzeigen
    Würfel doch mal für nen Job bevor du hier finanzielle Aussagen triffst die ernstgenommen werden sollen.

  11. #5666
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    Ja, wenn man Matthäus und Markus schon hinter sich hat, ist in Lukas bei der Kreuzigung wenig Neues. Deswegen empfehle ich meist, die Synoptiker nicht hintereinander zu lesen. Herodes kommt z.B. nur hier vor.

    Das Bemerkenswerte ist eben die Geschichte an sich, nicht immer so sehr der Vergleich zwischen den 4 Evangelien.


    Ich weiß nicht, ob ich das bei den andern beiden Evangelien schon mal geschrieben habe: Man kann die Kreuzigung Jesu als Inthronisation deuten.

    Er bekommt einen Königsmantel
    Er bekommt eine Krone
    Er bekommt ein Szepter
    Er bekommt Huldigungen
    Er wird gefragt: "Bist du der König der Juden" und "Bist du der Hochgelobte" - Ja, ist er. Die Leute begreifen es bloß nicht.
    Er bekommt eine Prozession durch die Stadt
    Er wird erhöht, so dass jeder ihn sieht
    Über ihm steht sein Titel angeschrieben: Jesus der Nazoräer, König der Juden

    All dies geschieht zum Spott oder ist Teil der Hinrichtung. Weil die Menschen es nicht begreifen und verblendet sind. In Wirklichkeit aber wurde Jesus dadurch König der ganzen Welt. Der Satan hatte ihn anfangs versucht: "Wenn du mich anbetest und vor mir niederkniest, werde ich dir alle Reiche der Welt geben." Aber Jesus widerstand. Und er blieb Gott dem Vater gehorsam bis zu seiner Hinrichtung. Dadurch wurde er nicht nur zum König der Juden, sondern auch zum (geistlichen) König der Welt und zum Regenten im Himmel.
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