In den eisigen Weiten des Nordens, weit über die schneebedeckten Gipfel hinaus, die das Land der Nora begrenzen, begibt sich Aloy in das Territorium der Banuk: den „Schnitt“. Dieser Ort ist eine Welt für sich, geprägt von beißendem Frost, vulkanischer Aktivität und einer tiefen, fast religiösen Verbindung zwischen Mensch und Maschine. Hier erfährt Aloy von einer Legende, die ebenso faszinierend wie beunruhigend ist – die Geschichte von Ourea und der Blauen Stimme.
Ourea ist eine Schamanin der Banuk, doch sie ist keine gewöhnliche Heilerin. Sie besitzt ein tiefes Verständnis für die „Alte Welt“ und die Relikte, die sie hinterlassen hat. Lange bevor Aloy den Schamanenpfad betritt, entdeckte Ourea tief in einem uralten Berg eine Präsenz, die sie die „Blaue Stimme“ nennt. Diese Stimme ist keine Einbildung; sie ist eine reale, künstliche Intelligenz, die in den verfallenen Systemen einer riesigen Forschungsstation überdauert hat. Für Ourea wurde diese Stimme zu einer Lehrerin, einer Beschützerin und fast schon einer Freundin. Sie kommunizierte mit ihr durch die blauen Lichter der Konsolen und lernte Dinge über die Welt, die keinem anderen Sterblichen zugänglich waren.
Doch die Harmonie zwischen der Schamanin und der Stimme wurde jäh unterbrochen. Eine bösartige Macht, die die Banuk nur den „Dämon“ nennen, drang in die Systeme ein und begann, die Stimme zu unterdrücken und die Maschinen im Schnitt zu korrumpieren. Während die Stimme sanft und hilfsbereit war, ist der Dämon hasserfüllt und zerstörerisch. Er übernahm die Kontrolle über die Brutstätten des Nordens und schuf Maschinen, die weit gefährlicher und aggressiver sind als alles, was Aloy bisher gesehen hat.
Ourea, verzweifelt über den Verlust ihrer Verbindung zur Stimme, zog sich tief in die Berge zurück. Ihr Bruder Aratak, der Häuptling des größten Weraks, konnte ihren Rückzug nicht verstehen und sah in ihrer Besessenheit von der Stimme eine Schwäche. Dies führte zu dem tragischen Bruch zwischen den Geschwistern und dem verlustreichen Angriff auf den Donnerkamm, von dem Burgrend bereits berichtete.
Aloy findet Ourea schließlich in einem versteckten Heiligtum, umgeben von technologischen Überresten. Um ihr Vertrauen zu gewinnen und den Zugang zum Berg zu erhalten, muss Aloy beweisen, dass sie ebenfalls die „Sprache der Metallwelt“ spricht. Ourea erkennt in Aloy und ihrem Fokus eine Gleichgesinnte. Sie offenbart Aloy, dass die Blaue Stimme in Gefahr ist und dass der Dämon sie langsam, aber sicher verschlingt. Die lila leuchtenden Datenströme, die man in dem Bild am Kern sieht, sind die physische Manifestation dieses digitalen Krieges.
Was Aloy bis zu diesem Moment – kurz bevor sie das System mit Strom versorgt – begreift, ist die schiere Größe der Aufgabe. Sie steht vor einem hochkomplexen System der Alten, das als „Firebreak-Projekt“ bekannt war. Ursprünglich wurde dieser Ort gebaut, um eine globale geologische Katastrophe zu verhindern, doch nun ist er das Schlachtfeld zwischen einer wohlwollenden Geisterstimme und einem bösartigen Computervirus.
Die Atmosphäre ist geladen mit elektrischer Spannung und dem Flüstern der Vergangenheit. Ourea ist überzeugt, dass Aloy die prophezeite Retterin ist, die die Blaue Stimme aus ihrem Gefängnis befreien kann. Aloy hingegen sieht die technischen Fakten: Ein gigantischer Server-Kern, der von einer fremden Macht gehackt wurde. Die blinkenden Warnmeldungen des „Daemons“ im Untertitel deuten darauf hin, dass die Sicherheitsmechanismen der Anlage bereits auf Alarmstufe Rot stehen. Aloy bereitet sich darauf vor, den Energiefluss wiederherzustellen, wohlwissend, dass sie damit nicht nur die Stimme weckt, sondern auch die volle Aufmerksamkeit des Dämons auf sich zieht.