Um den tiefsitzenden Hass von Dervahl zu verstehen, muss man tief in die blutige Geschichte des Sonnenreichs eintauchen, lange bevor Aloy ihre Reise begann. Es ist eine Geschichte von religiösem Fanatismus, technologischem Missbrauch und dem unvorstellbaren Leid, das unter der Herrschaft des 13. Sonnenkönigs, Jiran, über die Welt hereinbrach.
Der alte Sonnenkönig Jiran war davon überzeugt, dass die zunehmende Aggressivität der Maschinen – die sogenannte „Maschinenstörung“ – eine Strafe der Sonne war. Sein wahnsinniger Lösungsansatz war so simpel wie grausam: Um die Sonne zu besänftigen, benötigte sie Blut. Dies leitete die Ära der Roten Raubzüge ein. Die Carja fielen in die Gebiete der Nachbarstämme ein, um Sklaven und Opfer für ihre rituellen Hinrichtungen im Sonnenring von Meridian zu verschleppen.
Dervahls Volk, die Oseram, traf es besonders hart. Die Oseram sind ein Volk von Tüftlern und Handwerkern, doch gegen die organisierte militärische Macht der Carja-Phalanxen hatten sie zunächst wenig auszurichten. Dervahl selbst musste zusehen, wie seine Familie und viele seiner Freunde wie Vieh zusammengetrieben und nach Meridian geschleift wurden. Dort starben sie einen grausamen Tod zur Belustigung des verrückten Königs. Für einen Mann wie Dervahl, dessen Verstand auf Logik und Konstruktion basiert, war dieser sinnlose, religiös motivierte Mord an seinen Liebsten der Funke, der einen lebenslangen Flächenbrand des Hasses entfachte.
Der Fall des Tyrannen und Dervahls Radikalisierung
Es war schließlich Jirans Sohn, Avad, der das Grauen beendete. Er verbündete sich mit den Oseram – angeführt von Erends Schwester Ersa – und stürmte Meridian, um seinen Vater zu stürzen. Doch für Dervahl war Avads Thronbesteigung kein Grund zum Feiern. In seinen Augen war Avad immer noch ein Carja, ein Spross desselben Blutes, das die Erde getränkt hatte.
Dervahl konnte nicht akzeptieren, dass Ersa und andere Oseram Frieden mit dem "Sonnenschlächter-Sohn" schlossen. Er empfand Ersas Loyalität zu Avad als den ultimativen Verrat an ihrem eigenen Volk. Sein Hass richtete sich nun nicht mehr nur gegen die Krone, sondern gegen die gesamte Stadt Meridian. Er wollte nicht nur Gerechtigkeit; er wollte, dass die Stadt brennt, so wie seine Welt einst brannte.