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Thema: Fragen zur Geschichte

  1. #3901
    Rübennase Avatar von Arminius
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    Als die Muslime angefangen haben, oströmisches Gebiet zu erobern, sollen sie Unterstützung von nicht-reichskirchlichen Christen (Nestorianer etc.) gekriegt haben. Zumindest spukt mir das irgendwo im Hinterkopf rum. Ist da irgendwas dran bzw. weiß jemand Details dazu? Und falls ja, hatte das irgendwelche besonderen Auswirkungen in Ägypten (wo ja die koptische Mehrheitsbevölkerung nicht zur Reichskirche gehört hat)?
    Knick, knack.

  2. #3902
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    Nach der Eroberung Syriens und Palästinas unter dem zweiten Kalifen Omar wurde den Christen eine Reihe vertraglich festgehaltener Priviliegien zugesagt. Ähnliche Regelungen gab es dann einige Jahre später für Ägypten. Das dürfte sicher dazu beigetragen haben, die islamische Oberhoheit über eine in ihrer großen Mehrheit nichtmuslimische Bevölkerung zu festigen.

    Für die Eroberung selbst ist das Ganze hingegen weniger eindeutig. Bei der Schlacht am Jarmuk (636) sollen nach (allerdings uneinheitlichen) byzantischen Quellen Streitigkeiten zwischen den Armeniern und den syrischen Hilfstruppen oder zwischen beiden und den loyalen arabischen Verbänden oder zwischen all diesen Gruppen und dem Oberbefehlshaber Theodorus (einen Bruder von Kaiser Herakleios) ausgebrochen sein, so dass die Araber schließlich zu ihren Stammesbrüdern überliefen. Dabei werden aber persönliche Ehrverletzungen als Erklärung herangezogen, keine religiösen Differenzen. Ob das Ganze überhaupt stimmt und nicht eher ein Topos ist (die Römer verlieren Schlachten gegen Barbaren nur, wenn ihre Heerführer sich nicht einig sind und die Auxiliarverbände untreu werden), sei einmal dahingestellt.

    Falls es stimmt, dass die Loyalität der syrischen und ägyptischen Bevölkerung zum Reich eher gering war, muss dies auch nicht unbedingt auf religiöse Konflikte zurückgehen. Die Byzantiner hatten diese Gebiete ja erst nach gut 20jähriger persischer Herrschaft zurückgewonnen und erhoben angeblich wegen ihrer eigenen Kriegskosten hohe Kontributionen und Steuern von der Bevölkerung. Kurz nach dem Sieg am Jarmuk schlugen die Araber übrigens auch die Sassaniden bei Kadesia, und deren Herrschaft zerfiel danach sogar noch deutlich schneller als die byzantinische Oberhoheit über Ägypten und die Levante.

  3. #3903
    Blue Heeler Genießer Avatar von Baldri
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    Galt Ungarn nach WK 1 auch als mitverantwortlicher Aggressor? Oder waren hier nur die ethnische Fragen im Vordergrund die die Verkleinerung verursachten?
    Zitat Zitat von Mondkalb Beitrag anzeigen
    Stimmt, ich habe da so eine Art Phantomschmerz, den ich kaum noch merke ... ^^

  4. #3904
    Rübennase Avatar von Arminius
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    Ja, tat es. Es gab in Art. 161 des Vertrags von Trianon auch eine Kriegsschuldklausel.

    Links:
    * Vertragstext. Ist so eine alte Internetseite mit Einbindung einer Unterseite, die man zwar verlinken kann, aber dann die Navigation ausblendet. Trotzdem separat:
    * Art. 161
    Knick, knack.

  5. #3905
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    Wir wollen mit dem Kampf um die Ukraine beginnen, dem – wie schon der Name sagt – Grenzland zwischen Ost und West. Er weist eine lange Geschichte auf. Die erste große Konfrontation spaltete die orthodoxe Bevölkerung von Polen-Litauen, die im 16. Jahrhundert vom heutigen Weißrussland im Westen bis zur Dnjepr-Insel Chortyzija bei Saporischschja im Osten lebte. Von Rom entsandte Jesuiten predigten gegen die „Ungläubigen“ des Moskauer Patriarchats und bauten jenen Druck auf, der mithilfe des polnischen Adels im Jahr 1596 zur „Union von Brest“ führte. Mit diesem Vertrag unterwarfen sich orthodoxe Priester mitsamt den ihnen anvertrauten Seelen und Kirchenhäusern dem Recht der katholischen Kirche. Die orthodoxe Liturgie durfte beibehalten werden, der Papst in Rom bestimmte aber fürderhin über Priesterschaft und Kirchengüter. Griechisch-katholisch bzw. uniert nannte man in den folgenden Jahrhunderten die Christen im Westen der späteren Ukraine. Volksaufstände gegen die polnische Herrschaft und die aufoktroyierte Kirchenunion gipfelten im Kosaken-Hetmanat des Bogdan Chmelnizkij in der Mitte des 17. Jahrhunderts.

    Bis zur ersten modernen ukrainischen Staatlichkeit sollten noch 250 Jahre vergehen. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges überstürzten sich die Ereignisse. Die Februar-Revolution von 1917 fegte die zaristische Herrschaft hinweg, die im Westen bis an die habsburgischen Kronländer Galizien und Bukowina reichte. In Kiew bildete sich sogleich eine Zentralna Rada (Zentralrat), die am 12. Januar 1918 die „Ukrainische Volksrepublik“ als unabhängigen Staat ausrief. Einen Monat zuvor, am 12. Dezember 1917, wurde in der Arbeiterhochburg Charkow/Charkiw die Gründungsurkunde der „Ukrainischen Sowjetrepublik“ unterzeichnet. Damit standen einander Volksrepublik und Sowjetrepublik gegenüber. Beide beanspruchten eine territorial umfassende Staatlichkeit für sich. In Kiew war man bäuerlich-bürgerlich, in Charkow proletarisch-revolutionär orientiert. Dazu kam noch die bakunistisch-anarchistische Machnowschtschina, benannt nach ihrem Führer Nestor Machno, der zwischen 1917 und 1921 einen freien Rajon in der Größe von 80.000 Quadratkilometern mit sieben Millionen Einwohnern im Süden und Osten der späteren Ukraine verwaltete.

    Parallel zu den von Leo Trotzki als Vertreter der Sowjets geführten Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk schlossen die bereits arg in Bedrängnis geratenen Monarchien der Hohenzollern und der Habsburger am 27. Januar 1918 einen Separatfrieden mit der Kiewer Rada, den sogenannten Brotfrieden. Für die Anerkennung der bürgerlichen „Ukrainischen Volksrepublik“ verlangten Berlin und Wien Getreidelieferungen, um damit die Hungernden zu Hause ernähren zu können. Zur militärischen Absicherung dieses gegen die Sowjetrepubliken in Charkow und Donezk-Kriwoj-Rog gerichteten Separatabkommens marschierte die österreichisch-ungarische Armee bis Odessa, während die Preußen ihre Interessen von Kiew aus kontrollierten. Das Ende der deutsch bzw. österreichisch geführten Ukraine näherte sich im Juni 1920 mit dem Vormarsch der Bolschewiken. Die „Ukrainische Sowjetrepublik“ beließ vorerst ihre Hauptstadt in Charkow, erst 1934 verlieh man Kiew diesen Status.

    Der nächste deutsche Vorstoß kam am 22. Juni 1941. Drei Millionen Wehrmachtssoldaten überrannten die Ukraine und hinterließen verbrannte Städte und fünf Millionen Tote. Das hastig eingerichtete „Reichkommissariat Ukraine“ plante die Vernichtung großer Teile der slawischen und jüdischen Bevölkerung und deren Ersetzung durch die Ansiedlung von 20 Millionen Deutschen. Der fruchtbarste Boden Europas, die ukrainische Schwarzerde, sollte in Zukunft den deutschen „Herrenmenschen“ ernähren. Dazu wurden an vielen Stellen des Reiches Bauern zu Verwaltern von landwirtschaftlichen Gütern im Osten ausgebildet. Der Autor dieser Zeilen war mit einem solchen präsumtiven Verwalter befreundet, der als junger Bauer auf waggonweise herbeigeschaffter Schwarzerde im damals ostmärkischen Waldviertel den Anbau von Getreidesorten übte. Vier Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion endete der deutsch-nationale Traum von einem „Raum ohne Volk“ im bislang schrecklichsten Albtraum. Die Spitzen der Wehrmacht-freundlichen „Organisation ukrainischer Nationalisten“ (OUN) wie Stepan Bandera und sein Stellvertreter Jaroslaw Stezko zogen mit den deutschen Truppen ab und fanden in München politisches Asyl.

    Unmittelbar nach der ukrainischen Unabhängigkeitserklärung vom 24. August 1991, die vier Monate vor der Auflösung der Sowjetunion ohne Volksbefragung erfolgte, begann die nächste Runde im Kampf um die Ukraine. Auch diesmal ging es, wie 400 Jahre zuvor, anfangs um die religiös-kulturelle Orientierung und die dazugehörige Hardware, die Kirchenhäuser. Die in der Sowjetunion verbotenen und in den Untergrund getriebenen griechisch-katholischen Kleriker kehrten mit Unterstützung der Benediktiner des Wiener Schottenstiftes auf das Feld Gottes zurück – und kämpften im Westen der Ukraine um materielle Pfründe und menschliche Seelen. Anlässlich des 89. Ökumenischen Symposiums der Kirchenstiftung Pro Oriente, die sich vor allem um die Heimholung östlicher, orthodoxer Gläubiger ins römische Papstreich kümmert, fand eine denkwürdige Konfrontation zwischen Moskauer und römischen Kirchenfürsten statt. Die Veranstaltung, an der im Juni 1998 Hunderte Honoratioren und politisch einflussreiche Persönlichkeiten in den Räumen der Wiener Akademie der Wissenschaften teilnahmen, stand unter dem Titel „Orthodoxe und Griechisch-Katholische in der Westukraine“. Zwei Stunden lang warfen Bischof Avhustin vom Moskauer Patriarchat aus Lwiw/Lwow und der griechisch-katholische Auxiliar Lubomir Husar einander gegenseitigen Mord und Totschlag vor. Die Wiedervereinnahmung der Kirchenhäuser in den römisch-westlichen Orbit forderte ihre Opfer. 20 Jahre später, während der orangenen Revolution am Kiewer Maidan im Herbst 2004, brüstete sich die rechtsradikale Partei Swoboda auf ihrer Homepage damit, schon beim Kirchenkampf der 1990er-Jahre gegen die „Moskowiter“ aktiv gewesen zu sein.

    Könnten hier bitte mal die Historiker drüberschauen ob das alles Korrekt ist
    Ich weiß das ist viel Text....aber da kommt noch mehr....

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=143538

    falls jemand Lust hat könnten wir dann den "Rest" bewerten....

  6. #3906
    kriegstüchtig Avatar von Tohuwabohu
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    Zitat Zitat von Makulator Beitrag anzeigen
    Drei Millionen Wehrmachtssoldaten überrannten die Ukraine...
    Da hab ich beim Überfliegen echt "Weihnachtssoldaten" gelesen. Schätze, es ist der Jahreszeit geschuldet.

  7. #3907
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    Was heißt in diesem Zusammenhang "korrekt" für dich? Das ist ja keine Zusammenstellung von Informationen, sondern eine Deutung von Geschichte. Nehmen wir einmal die Union von Brest. Man könnte auf einzelne faktische Fehler eingehen. So bestimmte sicher nicht der ferne Papst in Rom über "die Priester" und den Kirchenbesitz vor Ort - das war in der FNZ schlicht unmöglich und wäre auch nicht akzeptiert worden - und Kosakenaufstände gab es immer wieder sowohl gegen die russische als auch gegen die polnisch-litauische Herrschaft.

    Was sagt uns das aber für die Legitimität der ukrainischen Unabhängigkeit von Russland? Wir können auch mit der Kiewer Rus beginnen und argumentieren, dass die Großfürstenwürde immer schon der ukrainischen Hauptstadt zukam und Moskau nur durch die mongolische Tributherrschaft und spätere Eroberungszüge der Zaren in eine führende Rolle gelangte. Sollen sich deshalb Westrussland und Weißrussland der Ukraine unterwerfen?

  8. #3908
    esst mehr Teile Avatar von mauz
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    Zitat Zitat von Makulator Beitrag anzeigen
    ...

    falls jemand Lust hat könnten wir dann den "Rest" bewerten....
    was soll man zu so einem zusammengereimten Unsinn vermischt mit realen Ereignissen schon sagen: Kremlpropaganda

  9. #3909
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    2004 ist also 20 Jahre nach 1998

  10. #3910
    Zurück im Norden
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    Ich möchte nicht im RIP-Faden darüber reden, aber hier würde mich schon interessieren, welche "unbequemen" Fragen Däniken denn gestellt haben soll?

    Zitat Zitat von Xenoom Beitrag anzeigen
    Erich von Däniken
    Zitat Zitat von Makulator Beitrag anzeigen
    Er hatte nie Antworten sondern stellte viele unbequeme Fragen.....
    Was wäre denn so schlimm daran, wenn Außerirdische vor Jahrtausenden die Erde erreicht hätten?

  11. #3911
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    Ich hatte vor langer Zeit (voriges Jahrhundert) mal "Erinnerungen an die Zukunft" gelesen.
    Er hat die etablierte Archäologie in Frage gestellt aber nicht seine Thesen als absolute Wahrheit verkauft.
    So nach dem Motto könnte auch anders gewesen sein.
    Er hat sich auch nicht als Wissenschaftler oder als Experte bezeichnet.Das hatte ich ihn immer hoch angerechnet.
    Ist lange her.......

    Evolution gibt es aber nur im begrenzten Ausmaß....der Rest könnten auch Auserirdische gewesen sein.......

  12. #3912
    rogue trader Avatar von Oppenheimer
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    Zitat Zitat von Makulator Beitrag anzeigen
    So nach dem Motto könnte auch anders gewesen sein.
    Ach so! Das ist also die Definition von unbequemen Fragen!

    Gahhhh!
    Die Lösung für das Fermi- Paradoxon: In einer Gesellschaft, die z.B. in der Lage ist eine Dyson-Sphäre zu bauen, dauern Genehmigungsverfahren einfach viel zu lang.

  13. #3913
    Registrierter Benutzer Avatar von TeeRohr
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    Zitat Zitat von Makulator Beitrag anzeigen
    Ich hatte vor langer Zeit (voriges Jahrhundert) mal "Erinnerungen an die Zukunft" gelesen.
    Er hat die etablierte Archäologie in Frage gestellt aber nicht seine Thesen als absolute Wahrheit verkauft.
    So nach dem Motto könnte auch anders gewesen sein.
    Er hat sich auch nicht als Wissenschaftler oder als Experte bezeichnet.Das hatte ich ihn immer hoch angerechnet.
    Ist lange her.......

    Evolution gibt es aber nur im begrenzten Ausmaß....der Rest könnten auch Auserirdische gewesen sein.......
    Däniken war für mich ein sympathischer, aber kaum ernstzunehmender Kauz. Wie du sagst, er hat es nicht als ultimative Wahrheit verkaufen wollen, aber das hat ihn jetzt für mich auch nicht seriöser gemacht.
    Was "alternative Geschichte" angeht, finde ich diesen Graham Hancock und die Doku auf Netflix über seine Theorien schon interessanter. Das sind dann keine Außerirdischen oder Atlanter, sondern generell die Idee einer Voreiszeitlichen Zivilisation.

    "Schlimm" finde ich aber weder Däniken, noch Graham, denn Fragen muss man auch in der Geschichtswissenschaft stellen dürfen und ein bisschen Indiana Jones sind wir ja in diesem Umfeld alle.

  14. #3914
    ChadGT Avatar von GT
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    Der Mystery-Park in Interlaken war ganz witzig, aber mehr als einen Besuch nicht wert

  15. #3915
    rogue trader Avatar von Oppenheimer
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    Zitat Zitat von TeeRohr Beitrag anzeigen
    Graham Hancock
    Graham Hancock ist ein gefährlicher Scharlatan. Er verbreitet nicht nur krasse Desinformation, sondern diskreditiert auch seriöse Wissenschaften.

    Er führt Leute auf dem direktem Weg in die Idiotenbubble.
    Die Lösung für das Fermi- Paradoxon: In einer Gesellschaft, die z.B. in der Lage ist eine Dyson-Sphäre zu bauen, dauern Genehmigungsverfahren einfach viel zu lang.

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