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12. September 2024, 12:56
#451
11.-16. September 1706: Die Eidgenössischen Fest- und Wettkampfspiele in Bern bringen wieder einmal die Gemeinschaft des Bundes zum Ausdruck und ermöglichen einzelnen Siegern ein besseres Leben dank der hohen Preisgelder, welche der Bund zur Verfügung stellt. Bundesammann Frisching ist erneut stark präsent und zeigt deutlich, dass er das Oberhaupt der Eidgenossenschaft ist. Da er bislang nicht angekündigt hat, nochmals zu kandidieren, dürfte es im Oktober wohl zu einer Neuwahl kommen.
13.-30. September 1706: Im Heiligen Römischen Reich tauchen Spottlieder auf, in welchen Kaiser Benedikt I. Eitelkeit, Gefräßigkeit und Selbstgefälligkeit vorgeworfen wird. Allerdings werden Männer, die ein solches Lied anstimmen, in aller Regel aus Wirtshäusern geworfen, und zwar meist durch die anwesenden Gäste selbst. Auch die im Balduinsbund organisierten Schausteller weigern sich für gewöhnlich, diese Spottgesänge vorzutragen. Nur einige „freie“ fahrende Künstler erklären sich bereit, sie ins Programm zu nehmen, ohne jedoch viel Erfolg damit zu haben. Eine Ausnahme ist allerdings das Herzogtum Burgund, wo einige harmlose Varianten auf Feiern des Landadels zum Besten gegeben werden. Möglicherweise schreibt man hier dem Kaiser die Flugschriften zu, die den französischen König mit Kritik überzogen haben und will sich auf diese Weise revanchieren.
14. September 1706: Zum Jahrestag der Schlacht vor Porto Maurizio findet in Genua der Tag des Seemanns statt, der bereits zu einer festen Tradition geworden ist. Wenige Tage darauf wird dann der Handwerkerwettstreit in Pisa eröffnet, den erneut ein einheimischer Meister gewinnt. Nach einem Geschützgießer und einem Zuckerbäcker wird beim dritten Sieg der Arnometropole in Folge diesmal ein Glasbläser ausgezeichnet, der vor einigen Jahren aus Venedig nach Italien gezogen war. Zwar sprechen einige ligurische und lombardische Zunftmeister mittlerweile von Schiebung und Betrug, doch die Waren des Glasbläsers werden allgemein als sehr hochwertig anerkannt.
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12. September 2024, 13:11
#452
15. September 1706: Einige Wochen nach der ersten englisch-galicischen Hochzeit geben sich Prinzessin Xoana von Galicien und Prinz Jakob von England in Santiago das Jawort. Die meisten Gäste der großen Jakobuswallfahrt sind zwar bereits wieder auf dem Heimweg, doch viele befreundete Delegationen blieben für dieses Ereignis noch vor Ort. Sie können erneut von einer sehr schönen Feier berichten, und Kronprinz Ahmad von Cordoba rührt demonstrativ keinen Tropfen Wein an, um die kritischen Rechtsgelehrten zu versöhnen.
15. September 1706: In Rom sind eine Woche vor dem Konklave die meisten Kardinäle, die an der Wahl teilnehmen werden, eingetroffen oder haben ihre baldige Ankunft angekündigt. Es werden höchstens noch einzelne Nachzügler erwartet, die vielleicht aufgehalten worden sind, ohne sich zu melden. Aus den europäischen Ländern sind alle Purpurträger anwesend, nur zwei (ein italienischer Erzbischof und ein Kurienkardinal) mussten erkrankt absagen. Aus den Großkhanaten fehlen hingegen einige Wahlberechtigte. Während Dagomys mit 31 und Melaka mit 7 Oberhirten die Mehrzahl ihrer Vertreter entsandt haben, sind aus Shikawo mit 5 und aus Quito mit 7 Männern nur eine Minderheit des dortigen Kollegiums anwesend, was sicherlich mit den Aufständen zusammenhängt. Der Kardinal aus Negübeihafen hat sich entschuldigt, aus Debul sind hingegen alle drei Wahlberechtigen angereist.
15.-20. September 1706: In Heidelberg findet in diesem Jahr das Bartmannballturnier nach neu entwickelten Regeln – dem so genannten Ken-D’Ogan-System – statt. Sieger des sehr gut organisierten Sportwettkampfes ist die aus dem Khanat Baiern stammende Mannschaft „Freising Fighting Bairisch“, die im Finale den brandenburgischen Vertreter FBV Kiesewitz bezwingt. Da die Turniere recht viel Aufwand für die gastgebende Nation mit sich bringen, sollen sie künftig eher unregelmäßig stattfinden.
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12. September 2024, 13:12
#453
16. September 1706: Nach einer außerordentlich schnellen Reise auf einem sehr modernen Schiff trifft ein hochrangiger schottischer Gesandter an der Mündung des St.-Xystus-Stromes ein und bittet um eine möglichst rasche Audienz bei einem Mitglied des Kronrates, um über die Möglichkeit militärischer Unterstützung durch die britischen Mächte zu sprechen.
16. September 1706: Nach einer wilden Fahrt um die Erde kehren die nordischen Prinzen Björn und Harald mit ihren beiden 50-Mann-Schiffen nach Kopenhagen zurück, wo das Volk sie frenetisch feiert. Beide Fahrzeuge sind mit Wikingerzubehör geschmückt, was offenbar die Begeisterung sogar noch weiter anfacht. Der Begegnung mit ihrem Vater Erik sehen die beiden Edelmänner aber dennoch mit einer gewissen Sorge entgegen, denn immerhin haben sie seinen Befehl zur Rückkehr missachtet und eine diplomatische Krise mit dem Kalifat von Cordoba verursacht.
19.-26. September 1706: In London findet das erste wissenschaftliche Symposion für beide großen englischen Universitäten unter der Schirmherrschaft der Krone statt. Dabei werden die Ergebnisse der Nordamerikagesandtschaften Englands und Schottlands diskutiert und mit den Kenntnissen der englischen Gelehrten verglichen. Das Treffen wird von den beiden Universitätsleitungen unterstützt und von hochrangigen Dozenten besucht. Einige Wochen darauf stellt der Hof die wichtigsten Ergebnisse dann im französischen Mercure galant dar, um sie der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Geändert von Jon Snow (17. Oktober 2025 um 17:19 Uhr)
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13. September 2024, 11:10
#454
22. September 1706: In Rom beginnt mit einem großen Gottesdienst das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes. Anders als zu mongolischer Zeit handelt es sich um eine „echte“, nicht von einer Designation des Großkhans geprägte Abstimmung. Dennoch haben auch weiterhin mehrere Staatsoberhäupter einen gewissen Einfluss auf einige Kardinäle. Insgesamt fanden 106 Purpurträger den Weg nach Rom, davon 40 aus Europa und 13 Kurienkardinäle.
23. September 1706: Wie versprochen hat der Kronrat des Großkhanats Shikawo einen mit allen nötigen Vollmachen ausgestatteten, hochrangigen Diplomaten den St.-Xystus-Strom hinabgesandt, wo er nach wenigen Tagen auf die Delegation auf Schottland trifft, die sich stromaufwärts bewegte. Die Gespräche werden noch am selben Tag begonnen.
24. September 1706: Angesichts der fast aussichtslosen militärischen Situation hebt Kabul I. die Leibeigenschaft in den östlichen Satrapien seines Reiches per Dekret auf und verspricht in der Region Cundinamarca, im andinen Hochland und auf den karibischen Inseln eine sehr deutliche und spürbare Senkung der Arbeitspflichten. Es ist aber nicht ganz klar, ob dieses Versprechen noch etwas nutzen wird. Zudem hat sich der junge Monarch offenbar nicht mit den betroffenen Adligen oder Satrapen abgesprochen, sondern auf eigene Faust reagiert, was natürlich deren Unmut anfachen dürfte.
Geändert von Jon Snow (17. Oktober 2025 um 17:19 Uhr)
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13. September 2024, 11:16
#455
26. September 1706: Die bairische Schwester Anna Katharina trifft nach ihrem recht langen Aufenthalt beim brandenburgischen Markgrafen in Stockholm ein, um mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens zu sprechen. Louis-Thomas von Savoyen nimmt sie sehr freundlich in Empfang und erkundigt sich natürlich auch nach dem Befinden seines Bruders, der im Dienst des Kaisers steht.
26. September 1706: Kalif Yaqub I. lädt den Rechtsgelehrten Ismail Ibn Muhammad ein, der ihn im Sommer so sehr gelobt hatte. Dies gilt einerseits als Anerkennung seiner Loyalität, soll aber auch der religiösen Bildung des Herrschers dienen, dem ohnehin ein gutes Verhältnis zu den islamischen Klerikern bescheinigt wird.
27. September 1706: Vor dem Ende der sicheren Seefahrt im Mittelmeerraum begeben sich auch die vor der südfranzösischen Küste gegen Piraten operierenden hellenischen (1*100 II, 2*50 III), merinidischen (1*100 III, 1*50 III, 4*25 III), schottischen (6*100 III) und englischen (1*100 II und 6*50 III) Schiffe auf Heimatkurs. Die seit Mitte 1705 erbrachte Hilfe begrenzte die dortige Piraterie offenbar sehr effektiv und sorgte dafür, dass der Barbadoskrieg nicht für Verluste im Handel der südfranzösischen Vasallen führte. Dies könnte bei den Landtagen im Spätherbst von Vorteil sein, denn dort soll über die Homagiumsgelder gesprochen werden.
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13. September 2024, 20:45
#456
1.-9. Oktober 1706: In Athen wird erneut die Handelsmesse Afrikanikí Agorá ausgerichtet, bei der exotische Waren aus dem Osten Afrikas und aus Indien angeboten werden. Sie wird auch in diesem Jahr von Kaufleuten aus dem westlichen Mittelmeerraum und aus anderen Regionen Europas besucht, da man dort besonders gute Geschäfte zu machen hofft und auch von den hellenischen Verbindungen zur Satrapie Sansibar profitieren kann.
1.-31. Oktober 1706: Der lokale Adel im Osten des Großkhanats Quito versammelt sich in Provinziallandtagen und auf Satrapiekuriltai, um über die Bauernbefreiung zu beraten. Da Kabul I. seinen Vorstoß nicht abgesprochen hat, gerät die Situation rasch außer Kontrolle, und die Satrapien erklären nacheinander ihre Unabhängigkeit unter lokalen Adelsräten, angesehenen Satrapen oder sogar gut vernetzten Bischöfen. Die unabhängig gewordenen Khanate versuchen nun auf eigene Faust oder in enger Absprache untereinander, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Auch in Nordamerika erklären einzelne Regionen und Städte sich im Lauf des Monats für unabhängig, wobei hier vor allem die Handwerkerschicht eine bedeutende Rolle spielt, die offenbar schon länger unter der Dominanz des traditionellen Landadels leidet. Mittlerweile könnte es also zum Zerfall beider amerikanischer Teilreiche kommen, wenn es den Monarchen nicht rasch gelingt, eine Wende herbeizuführen. In den nordamerikanischen Satrapien kommt noch hinzu, dass Großkhan Tohtu V. nicht im Land weilt und daher nicht selbst reagieren kann.
3. Oktober 1706: Der junge Landarbeiter Teskem, der bereits beim Aufstand auf Barbados im April 1705 eine wichtige Rolle gespielt hat, trifft auf einem der gemieteten Schiffe mit einigen Anhängern auf den Kanaren ein. Anders als die meisten anderen Leibeigenen, die sich mittlerweile vollständig vom kanarischen Khanat abgewandt haben, scheint Teskem weiterhin am Bündnis festzuhalten, das Kronprinz Schinab mit den Bauern von Rockfield Ende Juni 1705 geschlossen und mit einer Freiheitserklärung bekräftigt hatte.
Geändert von Jon Snow (17. Oktober 2025 um 17:20 Uhr)
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13. September 2024, 20:47
#457
4.-10. Oktober 1706: In Cordoba beginnt die neue, vom Kalifen persönlich eröffnete und aus Steuergeldern finanzierte Handwerkermesse. Gäste aus dem In- und Ausland sollen dort die Vielfalt und Qualität der Handwerkskunst aus Marokko und Südspanien kennenlernen. Dazu sorgt Yaqub I. für ein buntes Rahmenprogramm: Die Straßen werden bei Nacht festlich und geschmackvoll beleuchtet, während man bei Tage zahlreiche Musiker und Schausteller ihre Kunst vorführen. Auch der Kalif selbst nutzt die Gelegenheit, sich über die Erzeugnisse seines Landes zu informieren und zwanglos mit seinen Untertanen in Kontakt zu kommen. Am Ende der mehrtägigen Veranstaltung gibt der Befehlshaber der Gläubigen dann noch ein großes Festmahl für die ganze Stadt. Im Vorfeld waren bereits Berichte im Mercure galant und in weiteren westeuropäischen Zeitungen erschienen, um die Menschen anzulocken. Da die Jahreszeit bereits weit fortgeschritten ist, dürften die meisten Besucher im Kalifat bleiben, falls sie nicht nur eine kurze Reise im Mittelmeer vor sich haben. So können sie den milden Winter Südwesteuropas genießen und das oftmals als fremd empfundene Merinidenreich besser kennenlernen.
4.-12. Oktober 1706: Das englische Parlament tagt in London, um die königliche Zivilliste für das kommende Jahr zu besprechen. Sie wird nach eher zähen Verhandlungen auf 300 000 S festgelegt, was angesichts der leichten Prestigeeinbußen des Königs als Erfolg gilt. Zudem wird fast keine Kritik an Eduard VI. laut, da man vorwiegend die kanarische Hinterlist für die Ereignisse im Garonnetal verantwortlich macht.
4.-31. Oktober 1706: Zahlreiche europäische Zeitungen erhalten einen Bericht zugesandt, wonach Kabul I. von Quito völlig verständnislos auf die Revolten seiner Leibeigenen reagiert habe. So habe er seine Lakaien gefragt, ob die Bauern überhaupt rechtmäßig rebellierten und ob sie nicht einfach Kuchen essen könnten, wenn es ihnen an Brot mangle. Allerdings verzichten die bedeutenderen Blätter – darunter die Klosterbothin und der Mercure galant – zunächst auf eine Veröffentlichung der Geschichte, da sie diplomatische Verwicklungen mit den Mongolen fürchten und der Bericht offenbar auch nicht aus einer sehr seriösen Quelle stammt. In den Hansestädten und größeren Metropolen wie Cordoba, London, Paris, Tanger, Genua, Athen, Barcelona, Antwerpen, Mailand, Bordeaux und Lissabon lassen sich viele der in starkem Konkurrenzkampf stehenden kleineren Blättern diese „Sensation“ nicht entgehen und machen sie zumindest dort bekannt.
Geändert von Jon Snow (17. Oktober 2025 um 17:20 Uhr)
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13. September 2024, 21:22
#458
5.-28. Oktober 1706: Kabul I. entsendet einige seiner Vertrauten in die Krisengebiete seines Reiches, um vor Ort für Ordnung zu sorgen. Es handelt sich fast ausnahmslos um junge und oft unerfahrene Hochadlige, die zudem mit recht geringen militärischen Mitteln auskommen müssen. Der Erfolg ihrer Bemühungen ist daher höchst unsicher. Der Großkhan ernennt sie aber dennoch zu Generälen mit dem Recht, Satrapen und Gouverneure ein- und abzusetzen und das Kommando über lokale Aufgebote und Söldnerregimenter zu übernehmen.
6.-31. Oktober 1706: Einige Zeit nach dem Einbringen der Ernte beginnen auch in Europa die Leibeigenen und städtischen Unterschichten mehrerer Länder zu rebellieren. Betroffen sind zunächst vor allem Regionen, die über Handel, Diplomatie oder Söldnerdienste eng mit den amerikanischen Großkhanaten verbunden waren. Erste Schwerpunkte der Revolten werden daher Südengland mit London und Bristol, Südschottland mit Glasgow, Edinburgh und Duns, Flandern mit Gent, Antwerpen, Breda und Brügge, die französischen Kronlande um Paris, die englischen Festlandslehen Touraine, Maine, Anjou, Bretagne und Normandie mit Brest und Rouen, die ligurische Küste mit Genua, Katalonien mit Barcelona, die Regionen um Lissabon und Sevilla, mehrere Inseln Dänemarks mit Kopenhagen, Norwegen mit Oslo und Trondheim sowie Santa Cruz de Tenerife. Niedersachsen bleibt zunächst ruhig, die Grafen und Barone melden ihrem westfälischen Suzerän aber eine deutliche Zunahme alltäglicher bäuerlicher Renitenz. Die Unruhen gehen in der Regel von recht jungen Leibeigenen aus, die Burgen und Schlösser ihrer Grundherren besetzen, dort verwahrte Dokumente zerstören, in Ställe und Gestüte einbrechen, Vieh stehlen und manchmal sogar Beamte und Verwalter angreifen. Fast überall werden bei lokalen Scharmützeln mit den Rebellen auch einzelne Grundherren getötet. In vielen Städten beteiligen sich die Handwerkerzünfte an den Aufständen, und auf dem Land nehmen nicht selten wohlhabende Bauern eine führende Rolle ein. Mancherorts wenden sich die Aufständischen sogar an ihre Landesherren, die sie grundsätzlich auf ihrer Seite wähnen und als Verbündete gegen den Adel ansehen, vor allem im Kalifat, auf den Kanaren und in Schottland. Auffällig ist die Rolle des Klerus: Während die Bischöfe immer recht klar auf der Seite der Grundherren stehen, versuchen einfache Geistliche und lokal verwurzelte Klostergemeinschaften nicht selten zwischen den Parteien zu vermitteln, und einige sehr radikale Priester führen die Bauern sogar regelrecht an. Im Kalifat gelingt es den Kadis und Vorbetern in den meisten Städten, die Handwerker und Arbeiter zu besänftigen, was man zum Teil auch der Mildtätigkeit der Meriniden zuschreibt. Daher bleiben Städte wie Cordoba, Málaga, Valencia und Tanger ruhig. Bei der Hanse könnten die starke kommunale Tradition und die Macht der Handelsgilden Schlimmeres verhindert haben, und in Finnland und Irland sind die Unterschichten in Stadt und Land offenbar kaum zum Aufruhr geneigt. Ganz Europa schaut nun sorgenvoll darauf, wie sich die Dinge entwickeln werden, denn die Hoffnung auf Freiheit und Land dürfte auch andernorts auf einige Resonanz stoßen, so dass man eine Ausbreitung der Unruhen nicht ausschließen kann.
7. Oktober 1706: Der neue italienische Khan Urus I. erwirbt demonstrativ Waren des Pisaner Glasbläsers, der in diesem Jahr den Handwerkerwettbewerb für sich entschieden hat. Damit nimmt er nach Einschätzung vieler Zunftmeister auch elegant Stellung zu den unbelegten Betrugsvorwürfen aus anderen Städten und stärkt den Organisatoren den Rücken.
Geändert von Jon Snow (17. Oktober 2025 um 17:21 Uhr)
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14. September 2024, 20:25
#459
8.-14. Oktober 1706: In Frauenchiemsee treffen sich mehrere Äbtissinnen der bairischen Kongregationen und Ordenszweige, um über spezielle Fragen der Gebetspraxis und des adventlichen Fastens zu sprechen. Kaiser Benedikt I., der beide Themen nicht besonders intensiv verfolgt, genießt derweil einige herbstliche Sommertage in seinem Jagdschloss Khansruh bei Feldafing.
9.-15. Oktober 1706: Nach den ersten Meldungen über die Revolten in Lissabon, Sevilla und den umliegenden Landgebieten reagiert Kalif Yaqub I. rasch und entschieden. 1500 LR aus den Berbergebieten, die ohnehin seit der Krise im Frühjahr in Spanien weilen, werden samt 1000 DR bei Cordoba zusammengezogen. Zugleich schickt der Befehlshaber der Gläubigen Eilboten nach Sevilla, um einen Landtag des örtlichen Adels zusammenzurufen und lädt die Rebellen zu Gesprächen ein, für die es freies Geleit geben soll. Während der Vorbereitungen dieser Maßnahmen trifft sich der Monarch überdies mit den Zünften der Hauptstadt. Die schnelle, effektive Reaktion scheint den Loyalisten im Land einigen Auftrieb zu geben.
10. Oktober 1706: Auch der Kronprinz der Kanarischen Inseln reagiert rasch. Er ernennt den kürzlich eingetroffenen Landarbeiter Teskem aus Barbados zum Kontaktmann und bietet den Rebellen Gespräche zur Zukunft der Leibeigenschaft an. Zudem sollen sie sogar in den Inselhauptstädten für ihre Interessen demonstrieren dürfen, solange sie dies friedlich tun. Da auf allen Inseln weiterhin LI-Söldner stehen, hofft man offenbar, dass die Ruhe ohne zusätzliche Einberufungen aufrechterhalten werden kann.
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14. September 2024, 20:26
#460
11. Oktober 1706: Pfalzgraf Balduin ruft die führenden Mitglieder des nach ihm benannten Bundes in Heidelberg zusammen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass er damit auf die aus Westeuropa gemeldeten Revolten reagiert.
11. Oktober 1706: Urus I. von Italien ruft den Kronrat zusammen und entsendet einen Reiter nach Genua, um mit den Rebellen zu verhandeln. Da keine zusätzlichen Truppen einberufen werden, dürfte Italien also wie sein kanarischer Verbündeter auf eine friedliche Lösung der Krise setzen.
11. Oktober 1706: Der nordische König Erik setzt hingegen auf ein hartes Vorgehen. Die in Kopenhagen weilenden Prinzen Harald und Björn erhalten den Oberbefehl über die vor Ort verfügbaren loyalen Truppen, die den Aufstand militärisch niederschlagen sollen. Zugleich erklärt der Herrscher, dass die norwegischen Einkünfte in diesem Jahr ganz der Krone zur Aufstandsbekämpfung zur Verfügung gestellt werden sollen und fordert die Bischöfe der beiden betroffenen Königreiche dazu auf, indifferente Klöster aufzuheben und illoyale Kleriker zu exkommunizieren.
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14. September 2024, 20:27
#461
13. Oktober 1706: König Robert IV. von Schottland, der auf der Heimreise aus Galicien von den Aufständen erfährt, kündigt Gespräche mit den Rebellen an und beruft den Kronrat für den Tag seiner Rückkehr ein. Zugleich werden aber auch sämtliche Reiter aufgeboten, wobei die Niederadligen angesichts der Bedrohung für 1706 kein Handgeld einfordern.
13. Oktober 1706: Die französisch-burgundische Allianz setzt ähnlich wie die drei nordischen Reiche und anders als das benachbarte Italien auf ihre militärische Stärke. Die bäuerlichen Rebellen erhalten Gelegenheit, an den „Morden“ beteiligte Männer auszuliefern und sich den eintreffenden Reitern zu ergeben, danach soll rücksichtslos von der Waffe Gebrauch gemacht werden. Bei den städtischen Unruhen signalisieren König und Herzog hingegen Verhandlungsbereitschaft und wollen zunächst die Forderungen der Handwerker und einfachen Arbeiter erfahren. Da beide Länder zusammen bereits seit Jahresbeginn etwa 4500 Reiter aufgeboten haben, dürfte die Reaktion recht schnell erfolgen.
14. Oktober 1706: Das Treffen von Frauenchiemsee wird wegen der Nachrichten aus dem Norden und Westen Europas nicht aufgelöst, sondern unter Beteiligung Benedikts I. und mehrerer hochrangiger Adliger fortgeführt. Zugleich kommt es in Stockholm zu intensiven Gesprächen des Deutschordenshochmeisters mit der bairischen Gesandten.
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21. September 2024, 20:56
#462
16. Oktober 1706: Der galicische Kronrat tritt in Vigo zusammen, um über die Unruhen auf der iberischen Halbinsel zu beraten. König Fernando IV. hat ausnahmsweise auch einige Vertreter der Jakobusbruderschaft hinzugebeten, da er hofft, dass diese eine gewisse Verbindung zu den Unterschichten aufbauen können.
17. Oktober 1706: Als der genuesische Aufstand in Süditalien bekannt wird, beruft Hellas 1000 Mann SR ein, um auf mögliche Unruhen rasch reagieren zu können. Die SI-Söldner werden hingegen sukzessive in die größeren Städte verlegt, wo sie für Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Da der Niederadel sich erkennbar um seine Güter sorgt, verzichtet er auf eigene Initiative auf die Handgelder für 1706, obwohl der Khan dies nicht verlangt hatte.
17.-31. Oktober 1706: Die Prinzen Björn und Harald berufen wie von ihrem Vater gefordert alle als loyal eingeschätzten LI-Verbände aus Kopenhagen und der Umgebung sowie die dort verfügbaren Reiter ein und holen zudem einige der Kämpfer herbei, die man zur Bewachung der Strafgefangenen eingesetzt hatte. Die Handgelder für neu einberufene Kämpfer werden überraschend vom Bistum Roskilde übernommen, das auf diese Weise vermutlich seine Loyalität gegenüber Krone und Reich demonstrieren möchte. Der norwegische Adel ruft zudem alle Reiterkrieger zusammen und verspricht, die Handgelder selbst zu tragen.
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21. September 2024, 20:58
#463
18.-31. Oktober 1706: Der englische König reagiert von Caen aus auf die Unruhen, die ganz in seiner Nähe ausgebrochen sind, sich aber auch auf die Insel ausgebreitet haben. Es wird kolportiert, dass es im Kronrat zunächst zu heftigen Meinungsverschiedenheiten darüber kam, ob man sich der eher milden schottischen oder der harten französisch-burgundischen Linie anschließen soll. Letztlich setzt sich aber die Fraktion der „Falken“ durch, so dass der Monarch auf dem Festland die sofortige Niederlegung der Waffen fordert, während er in England noch Gesprächsbereitschaft signalisiert.
19. Oktober 1706: Das Konklave wählt nach fast vier Wochen und vielen Gesprächen unter den verschiedenen Fraktionen schließlich Giovanni Francesco Albani aus dem Patrimonium Petri zum neuen Papst. Er ist mittlerweile 57 Jahre alt, hat gute Kontakte in Oberitalien und gilt als profranzösisch. Albani wird wohl in Kürze seinen Papstnamen bekanntgeben, der in der Vergangenheit häufig ein gewisses Programm oder auch eine geistliche Ausrichtung des Pontifikats andeutete.
19.-22. Oktober 1706: Im Nordatlantik brechen heftige Stürme herein, so dass Kaufleute und Fischer sich möglichst in die Winterquartiere begeben. Im Mittelmeerraum dürften hingegen noch zwei oder drei Wochen mit geringem Risiko vor den Seeleuten liegen. Auch hier sucht man aber bereits geeignete Häfen auf, um im Frühjahr rasch wieder lossegeln zu können. Die Fischereisaison war übrigens wie erhofft weit überdurchschnittlich, wie man aus Schottland, den norddeutschen Hansestädten, Norwegen und anderen Meeresanrainern erfährt.
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21. September 2024, 21:00
#464
20. Oktober 1706: Ein italienischer Eilbote trifft in Genua ein, um mit den Anführern der dort regierenden Rebellen zu sprechen und ihre Forderungen anzuhören. Zugleich bewegen sich die ungarischen Reiter teilweise in Richtung der ligurischen Küste, um militärische Stärke zu demonstrieren, aber auch, um eine Ausbreitung der Revolte zu verhindern. Dies scheint zunächst zu gelingen, denn in den übrigen Städten bleibt es weiterhin ruhig.
20.-31. Oktober 1706: Die rebellierenden Bauern und Städter in Europa beginnen, sich etwas enger zu koordinieren, um ihren jeweiligen Landesherren konkrete Forderungen vorlegen zu können. In Frankreich, Burgund und den englischen Festlandslehen, wo bloß die Stadtbürger als Ansprechpartner anerkannt worden sind, verlangen die Aufständischen die Aufhebung der Leibeigenschaft im ganzen Reich, eine geringere Besteuerung lebensnotweniger Güter und einen Anteil an der Stadtregierung. Ganz ähnliche Forderungen werden in Katalonien, Italien, auf den Kanaren, im Kalifat und auf den britischen Inseln erhoben, jeweils ergänzt von einer großzügigen Landvergabe an die befreiten Bauern und (außer auf den Kanaren) einer gewissen dörflichen Selbstverwaltung. Im Kalifat erwarten die offenbar vorwiegend christlichen und jüdischen Handwerker Lissabons und Sevillas zudem eine Reihe religiöser Zugeständnisse Cordobas. In den nordischen Reichen wird bislang nicht direkt verhandelt, aber die Prinzen Björn und Harald bemühen sich, die Aufrührer in Kopenhagen zu spalten und die Stadt auf diese Weise kampflos zurückzugewinnen.
21. Oktober 1706: Mitten in die zahlreichen weltbewegenden Neuigkeiten aus Amerika und Europa und aus dem Konklave geht die Nachricht fast unter, dass der römische Konvent der Zisterzienser vom Heiligen Nikolaus, den noch Siricius III. vereinbart und finanziert hatte, eingerichtet worden ist. Das Stadtkloster könnte dazu führen, dass die mächtige Flotte künftig etwas stärker im Mittelmeerraum präsent ist.
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22. September 2024, 11:32
#465
22. Oktober 1706: Das Khanat Baiern beruft 100 Mann SR ein, was zwar eher symbolische Bedeutung haben dürfte, aber zumindest eine sehr schnelle Reaktionsfähigkeit des Landes signalisiert und dem Adel die Unterstützung der Generaloberin deutlich macht. Wie in den meisten anderen europäischen Reichen trägt auch in Baiern der Hochadel die Kosten der Mobilisierung.
22. Oktober 1706: Während sich der irische Föderationsrat versammelt, um über die aus England und Schottland gemeldeten Revolten und deren Folgen für Irland zu beraten, wird aus Galway die Ankunft eines merinidischen Gesandten gemeldet. Hochkönig Arbogast I. bittet den Gast, nach Limerick zu kommen und sein Anliegen dort vorzutragen.
22. Oktober 1706: Die Wiederwahl des eidgenössischen Bundesammanns Samuel Frisching, der damit in seine dritte Amtszeit geht, wird ein wenig von den Berichtenaus mehreren Ländern Europas überschattet, wonach Leibeigene und städtische Unterschichten sich gemeinsam erhoben haben sollen. Die Kantone melden aber noch keine Unruhen.
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