"Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust, mit Idioten zu diskutieren…"
"In the beginning the Universe was created. This has made a lot of people very angry and been widely regarded as a bad move."
The Restaurant at the End of the Universe, 1980, Douglas Adams
Individuelle Interessen in einer Organisation (oder Mannschaft) sind nicht von Belang. An oberster Stelle steht natürlich das Kollektiv, sonst muss man halt Tennis spielen gehen.
Es geht mir um die Einhaltung gewisser Grundregeln, die halt die Bayern nicht achten. Außerdem laufen da Fans wie Trondheimer rum.
Dieses Rumgeseier und dieses "Irgendwie hab ich ja auch Verständnis" ist doch behindert, wenns um "To be or not to be" geht. Der BVB soll da morgen einfach rausgehen und die bekackten Bayern niederwalzen. Ich drück euch die Daumen.
Close your eyes ladies! I'm comin' in!
"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast ;)" (LazyJay)
Ob einer Fan oder Sympathisant ist, hängt mE davon ab, ob einer mit dem Herz dabei ist oder nicht. Fansein ist mE per se irrational. Klar, man kann das anders definieren, aber das trifft, denke ich, den Kern der Sache nicht. Wenn einer sich etwas rational heraussucht, ist er zunächst mal Sympathisant, denn er hätte sich ja ohne Probleme anders entscheiden können. Er kann sich dann in die Sache quasi hineinsteigern und zum Fan werden. Dabei wird er dann aber eben irrational, wie du selbst schreibst. Sympathisant vs. Fan ist bei mir keine qualitative Frage, keine Herabsetzung. Das muss jeder selber wissen. Aber es sind eben zwei sehr deutlich unterschiedliche Ausprägungen desselben Prinzips.
PS: Ich hoffe, aus meinen Aussagen geht hervor, dass mir durchaus bewusst ist, dass es Leute gibt, die sich ihren Verein bewusst heraussuchen, das ist dann aber eben wie beschrieben zunächst mal kein Fansein, das kommt ggf. später mit wachsender Irrationalität.
Völlig richtig. Dieser Spagat ist nicht auf den Fußball begrenzt, aber hier tritt die Diskrepanz am krassesten hervor.
Ansonsten muss man meinetwegen den Fußball keineswegs unsachlich und emotional sehen. Man kann wie ein Opernpublikum (keine Herabsetzung intendiert), zum Spiel gehen, das Spiel bewundern (oder bei einem 0:0 von Aue gegen SV Meppen auch mal nicht), sich daran erfreuen und wieder heimgehen. Aber wenn es nur solche Leute gäbe, wäre der Fußball nicht, was er heute ist. "Fußball ist religion" ... auf Schalke oder in Südamerika bspw. Fußball als das Massenphänomen, das er heute ist mit Milliarden von Zuschauern, Millionen von Fans, Milliarden von umgesetztem Geld, das geht nur mit emotionalen Fans, die sich jedes Jahr ein Trikot kaufen und in Vereinsbettwäsche schlafen. Mit dieser Tatsache spielen alle Verantwortlichen, weil davon ihr Wohlstand abhängt. Vereinsfunktionäre, Spieler, Berater usw. Daran appellieren sie, wenn sie auf das Vereinswappen auf dem Trikot klopfen. Aber wenn sie urplötzlich auf ein anderes Wappen klopfen wollen, muss man das natürlich akzeptieren, völlig klar. Nein, tut mir leid, beides geht nicht. Entweder man ist dann so rational, dass man vorher merkt, dass das Geklopfe nur Show und Verarsche ist oder man ist hinterher fuchsteufelswild und total enttäuscht.
Du hast schon recht, wenn du sagst, dass das nicht bipolar strukturiert ist, sondern mehr einem Kontinuum ähnelt, aber je mehr man sich dem rationalen Pol annähert, desto weniger wird man durch die Show geblendet, desto weniger wird man bereit sein, Fanartikel zu kaufen und mit Werder Bremen zum Auswärtsspiel nach Limassol zu fahren und desto weniger wird man für den "Betrieb" Fußball als Kunde interessant. Und je mehr man sich dem emotionalen Pol annähert, desto eher gilt das Gegenteil. Desto eher glaubt man oder will glauben (für die, die eigentlich nicht naiv genug sind, die Show abzukaufen, aber daran quasi romantisierend glauben wollen), dass einer der heute auf das BVB-Wappen klopft, eben nicht morgen zu Schalke oder Bayern wechselt. Man kann eine Mischung sein, aber niemals beides gleichzeitig.
PS: Ich sage nicht, dass ich es gut finde, dass massiv emotionale Fans brüllen "Wenn ihr absteigt, bringen wir euch um" oder Shitstorms auf FB lostreten etc. etc. Ich beschreibe das nur. Was ich meine ist: wenn man sagt, dass diese Fans gefälligst die Realität erkennen sollen (bloß Arbeitgeberwechsel etc.), dann erkennt man selbst die Realität nicht, nämlich dass diese Fans so wie sie Fan sind, das niemals mit dieser Eigenschaft vereinbaren können. Und es sind nicht die Fans wie du und ich, die alle Nase lang mal ins Stadion gehen und sich ansonsten in Foren darüber theoretisch unterhalten, sondern es sind die Fans, die zum Auswärtsspiel ans Ende der Welt reisen, um ihre Helden spielen zu sehen, von denen der Fußball so wie er heute ist lebt. Muss das so sein? Nein, aber es ist so: Der professionalisierte Fußball, der Milliarden von Geld umsetzt, lebt davon, emotionale Fans anzusprechen und gleichzeitig ihre Emotionalität mit Füßen zu treten. Das ist ein Spagat, der mE immer komplizierter wird und werden wird und der mE irgendwann nicht mehr realisierbar ist.
Ja, schön, du bist intelligent genug, diesen Spagat hinzubekommen - mit ein bisschen Verdrängung, aber es geht -, aber die meisten Fans sind das eben nicht.
Zu 100% emotional? Das heißt, du schaltest während des Spiels dein Gehirn völlig aus? Mit Verlaub, das glaube ich dir nicht.
PS: Kühler Norddeutscher, hm. Da ist zwar was dran, aber ich glaube, wenn ich darauf jetzt auch noch eingehe, führt das zu weit vom Thema weg.![]()
V f B e i n L e b e n l a n g
"Kein Mensch hat seinen Freunden so viel Gutes erwiesen und seinen Feinden so viel Böses angetan, dass ich, Sulla, ihn nicht noch übertroffen hätte."
Lucius Cornelius Sulla (138-78 v.Chr.) Dictator von Rom
"Sonst ein gar stiller Mann, doch wenn er angreift, wie der böse Teufel..."
über König Rudolf I. von Habsburg aus Grillparzer - König Ottokars Glück und Ende
Nö, die Jungs sind absolut in Ordnung. Ich spiele nun seit 25 Jahren Fußball und das hilft, nicht den Kontakt zur "Basis" zu verlieren und sich für nichts Besseres zu halten. Wenn du u.a. Philosophie studierst, hilft es ungemein, nebenher auf dem Bau zu arbeiten und mit Menschen aus verschiedensten Schichten Fußball zu spielen. Außerdem kommt aus dem aktiven Sport meine distanzierte Einstellung, wenn das Spiel vorbei ist. Selbst die Leute, die bei uns unterm Intellektradar fliegen, unterscheiden zwischen "Alles oder Nichts" auf dem Platz und einem "Sind zwar Asis, aber zocken können se, die Penner!". Und genau das ist mein Punkt: Auf dem Platz, während des Spiels als Fan oder bei Verbalangriffen von z.B. Blauen gibt es kein Dazwischen. Da ist emotional für mich alles außer dem BvB Verrat an allem, was mir heilig ist. Aber wie Bob schon schrieb, kann ich mit einem gewissen Abstand nicht z.B. den HSV hassen, nur weil die zwei Mal gegen uns gewonnen haben und ich während des Spiels Son mit den Augen die Beine brechen wollte.
Nebenbei: Ich find Studententruppen, die "nur so zum Spaß und ohne Stress" spielen wollen und sich gegen die erste aggressive Mannschaft in die Hose machen, zum Kotzen.
Individuelle Interessen sind in einer Mannschaft nicht von Belang? An oberster Stelle steht das Kollektiv... ...befiehl und wir folgen... Sag mal, hast du mal gespielt? Das klingt wie der Heroenfußball der 60-90er Jahre. Eine Mannschaft besteht aus Individuen, die im Optimalfall ein Ziel verfolgen, aber das heißt doch noch lange nicht, dass alle gleichgeschaltet sind. Frag mal Micoud
Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Gefühl habe, du liest die Beiträge nicht. Das Niederwalzen habe ich vor Seiten schon gefordert und alles andere als ein Sieg wäre furchtbar, aber du verwechselst hier die Ebenen. Morgen geht es sportlich um alles. Da gibt es keine Differenzierungen und auch kein Verständnis für irgendwas.Es geht mir um die Einhaltung gewisser Grundregeln, die halt die Bayern nicht achten. Außerdem laufen da Fans wie Trondheimer rum.
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Die andere Ebene ist die des finanziellen Umgangs/Verhaltens in geschäftlichen Bereichen. Du forderst Einhaltung der Grundregeln, ich auch, aber ich sehe eben, dass auch der BvB diese nicht immer einhält und find es affig, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn man gerade die Leichen in den Keller schafft. Ich glaube nicht daran, dass irgendjemand, der im höheren Management arbeitet, NICHT Dreck am Stecken hat.
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OK, ich hab verstanden, was Du sagen wolltest, und stimme Dir zu. Nur mit Typen wir mir wäre die Stimmung im Stadion lange nicht so fantastisch, wie sie zur Zeit wohl in den meisten Bundesligastadien wäre.
Vielleicht haben wir auch ein wenig aneinander vorbei geredet. Ebenso, wie Du in den Raum stellst, dass irgendwer fordert "dass diese Fans gefälligst die Realität erkennen sollen" (was meines Erachtens niemand getan hat, für mich persönlich kann ich das auf alle Fälle ausschließen), hatte ich das Gefühl, dass Du die rational veranlagten Fans für ihre mangelnde Emotionalität kritisierst, oder ihnen gar das Fan-Sein absprichst. Da hab ich mich wohl geirrt.
Letzten Endes gilt es eben nicht nur, einen eigenen, inneren Spagat hinzubekommen, sondern auch den zwischen den unterschiedlichen Fangruppierungen. Ich lasse mich gerne anstecken von der Stimmung, die die Hardcore-Emo-Fans im Stadion fabrizieren, aber wenn sie anfangen, Spielerbusse zu belagern oder ähnliches, distanziere ich mich deutlich von ihnen. Und Du hast wohl Recht, es ist schlechterdings nicht möglich, dass eine zu haben, ohne auch mit dem anderen leben zu müssen.
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@Atze
Bei der Fangeschichte reden wir dann im Grunde in dieselbe Richtung und es geht letztlich nur noch um Begriffsdefinition. Für die einen gibt’s halt die einen Fans und die anderen. Du trennst dort und bezeichnest den Erfolgsfan (denn um nichts anderes geht es da ja – es kommt nur darauf an wie man den Erfolg letztlich definiert) als Sympathisant. Dass, was man dem Erfolgsfan vorwirft ist ja gerade seine rationale Entscheidung bezüglich seines Fanseins. Hierbei geht es aber explizit um die Entscheidung und nicht um das Ausleben des Fanseins an sich. Das ist eine andere Geschichte, denke ich. Denn ansonsten würde das ja bedeuten, dass sich auch der Fan, der von Beginn an emotional verhaftet war, inhaltlich Richtung Erfolgsfan bewegt, wenn er anfängt sich rational mit dem Gegenstand zu beschäftigen.
Beim zweiten Teil sind wir auch nicht weit auseinander. Natürlich wäre der Fußball etwas anderes, wenn es andere Fans gäbe. Aber das bedeutet nicht, dass nur die –ich sage mal – völlig Verrückten emotionale Fans sind. Die extremsten Werderfans in meiner Bekanntschaft, sind Leute die zu jedem Spiel fahren und in der Richtung alles mit machen, aber gleichzeitig vieles kritisch hinterfragen und zB keine Unmengen an Fanartikeln kaufen. Zur Fankultur gehört es da eben auch sich kritisch mit dem Laden auseinander zu setzen und ganz rational zu beurteilen, was da passiert. Die Spiele Werders fungieren da auch eher als sozialer Treffpunkt, insbesondere die Spiele der Nachwuchsmannschaften. Vielleicht ist das auch etwas, was mich da anders denken lässt: Für mich ist die erste Herren Werders nicht der Mittelpunkt des Vereins, das Aushängeschild natürlich, aber den Mittelpunkt stellt eben der soziale Treffpunkt Weserstadion mit all seinen Nebenplätzen usw dar. Und da trifft man dann am Sonntagnachmittag zum Bierchen und Plaudern über den Nachwuchs, die Fans, die den Verein emotional am Leben halten. Obwohl sie keine Trikots kaufen. Diese Leute wissen schon woran sie sind, wenn da einer auf das Wappen klopft, aber trotzdem heulen sie wie die Schlosshunde, wenn Thomas Schaaf den Verein verlässt. Mit anderen Worten: Ich glaube, du unterschätzt den ein oder anderen Fan da gewaltig.
Nebenbei bemerkt, ist das wohl auch ein Grund, warum viele eher mit Schaaf in die zweite Liga gegangen wären als sich nun von Leuten regieren zu lassen, die soviel Mit Werder zu tun haben, wie Willi Lemke mit Flamengo Rio de Janeiro – sie fürchten um die Identität des Vereins.
Aber ich schweife ab. Grundsätzlich sind wir uns da schon einig. Meiner Meinung überziehst du einfach ein wenig in deiner Betrachtung. Die TV-Zuschauer, die ja unzweifelhaft das meiste Geld einbringen sind zB zum Großteil nicht der harte Kern der Fanschaft. In Spanien gehen sie zu sehr großen Teilen quasi mit dem Opernglas ins Stadion. Überhaupt wird das große Geld eben eher nicht mit den kleinen Hardcore-Fans verdient, sondern mit der Masse an Kunden und dem kleinen betuchten Teil in der Loge (remember Hoeness). Der Hardcorefan gehört vielmehr zur Ausstattung. Im Grunde müsste er für seine Dienste bezahlt werden. Insofern drückt es Bob mit seinem Schlusssatz tatsächlich sehr treffend aus.
@Papillon
Beim nochmaligen Lesen fällt mir auf, dass es vielleicht etwas großkotzig klang. Das war aber so nicht gemeint. Du hast nur schon so oft von deiner "Asitruppe" erzählt...
Zu dem Studententruppen bist du etwas zu hart. Ich habe nie dauerhaft in einer reinen Studententruppe gespielt, aber während meines Studiums (übrigens tatsächlich u a Philo) ab und an mal ausgeholfen und auch dort gibts Truppen die ordentlich zulangen können. Aber ich weiß, was du meinst. Ich hatte nach meiner "Laufbahn" schon zu Bremer Zeiten immer ganz nette "alternative" Truppen, die im normalen Zirkus mitmischten. In Berlin spiele ich jetzt bei ner Alte Herren Truppe in nem 80er Jahre Kreuzberg Klub, aber im regulären Spielbetrieb und da bekommste genug Realität "ab", wenn du in Lichtenberg, Neukölln, Wedding oder Rahnsdorf antrittst. Da finde ich es dann schon sehr angenehm, dass über den Verein dann auch noch anderen Projekte laufen (momentan trainieren bei uns zB Abschiebe-Flüchtlinge mit, die nirgendwo anders zocken könnten) und man sich nach dem Spiel in der Vereinskneipe über vernünftige Dinge unterhalten kann.