JA, die Story gefällt mir sehr gutIst auch super geschrieben, macht Lust auf mehr. Wann gehts weiter?
Ist die Story aus einem DSA Roman oder hast du sie dir selbst ausgedacht?
Er war nicht allein, sondern sie waren insgesamt zu dritt. Alle trugen sie schwarze Ledermäntel, Armbrüste mit Schalldämpfer und natürlich ganz coole, stylische Sonnenbrillen, deren Gläser allerdings aus Holz waren.![]()
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danke für die Links, da muß ich nicht suchen. hm..werd ich glatt mal Civ3 rauskramen müssenZitat von Ghaldak
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Kapitel 23 - Lupus
Die Fahrt auf der noch nicht existierenden Reichsstraße von Neetha nach Vinsalt war holprig, und nach kurzer Zeit tat ihm sein Hintern von der harten Sitzbank weh. Gorn fluchte und verzweifelte bei dem Versuch, seine Pfeife zu füllen. Es wollte ihm nicht gelingen, und schließlich gab er auf. Verdammter Tag. Alles ging schief heute. Erst diese Sache mit dem Schiff. Dann diese Sache mit der Kutsche. Und nun der Tabak. Super Sache. Fehlte nur noch, dass es regnen würde.
Miesepetrig hing sein Blick aus dem Fenster hinaus, hinter dem sich wie auf Kommando die Regenwolken zusammenzogen. Wie konnte es alles so weit kommen? Das Schiff war doch wirklich eine gute Sache gewesen. Doch dann, irgendwo vor der Küste, war der Kapitän plötzlich durchgedreht. Er hatte "Für Thargunitot" gebrüllt und mit einer Axt den Rumpf des Schiffes zu Brei geschlagen. Das Schiff war daraufhin schnell gesunken, und Gorn hatte er mit seinen kurzen Beinen gerade noch in ein Beiboot geschafft, bevor schon alles vorbei war. Er fand sich wenige Zeit später alleine im Wasser, um ihn herum schreiende und flehende Menschen, die ihn um Hilfe baten. Doch keiner von ihnen machte auch nur den Versuch, auf das Boot des Zwerges zu kommen, und so ließ er sie sterben. Die Spielleitung wollte es scheinbar so.
Was danach kam, war schnell erzählt. Er war irgendwie ans Ufer gekommen und hatte dort eine Kutsche gefunden, die ihn in die Hauptstadt bringen würde. Billig war sie nicht, das musste er seufzend zugeben, und der Kutscher wirkte auf ihn auch nicht wirklich vertrauenserweckend. Außerdem war ihr Dach nicht dicht, die er nun gerade merkte, und schnell waren seine Schuhe vollkommen durchweicht, so sehr regnete es.
In seiner Heimat nannte man es Elfenwetter. Und solche Tage wie diesen nannte man da 'Verdammte Montage'. Es war wirklich nicht fair.
Der Kutscher war ein vernarbter Holberker mit ziemlich schrecklichen Atem, kam es Gorn wieder in den Sinn. So etwas konnte man leicht vergessen, wo er doch draußen und außer Sichtweite war. Doch in diesem Moment fiel es ihm wieder ein. Warum es ihm in den Sinn kam, war klar. Denn die Kutsche hatte angehalten. Mit einem Quietschen öffnete sich die Tür, und Gorn zuckte unmerklich zusammen. War nun der nicht vertrauensvoll aussehende Fahrer gekommen, um schlimme Dinge mit ihm zu tun?
Die Tür riss auf, und ein nasser Sturmwind pfiff ihm entgegen. Draußen stand eine einsame Person, doch wenn es der Fahrer war, hatte er sich stark verändert. Die Person, die sich nämlich gerade durch die Tür zwängte und dann schnell hinter sich die Tür schloss, war ohne Zweifel weiblich. Eine Menschenfrau, etwas größer als Gorn und alles in allem pitschnass. Hastig setzte sie sich auf die Bank gegenüber von ihm, während die Kutsche langsam wieder an Fahrt aufnahm. "Entschuldige bitte mein Hereinplatzen", begann die Frau, während sie sich von ihrem nassen Mantel löste. "Der Regen hat mich überrascht und dein Kutscher war so freundlich, mich ein Stück mitzunehmen. Du hast doch nichts dagegen, oder?"
Gorn knurrte nur etwas, dann nickte er. Zu sehr war er noch damit beschäftigt, die Frau genau zu mustern. Schön war sie, das musste man ihr lassen. Sie mochte vielleicht zwanzig Sommer alt sein, doch ihre Natur hatte sich bereits voll entfaltet. Sie hatte langes, kastanienbraunes Haar, war für einen Menschen klein, aber nicht zierlich. Als sie hereinkam, hatte sie noch einen weißen Mantel getragen, offensichtlich eine umgeschneiderte Magierrobe. Doch dieser Mantel hing nun in einer Ecke zum Trocknen und enthüllte dem Zwerg, dass ihre Kleidung darunter vielleicht dem Wetter angebracht war, aber von keiner Magierakardemie geduldet worden wäre. Ihr knappes Oberteil war aus feinem Stoff und versprach mehr, als dass es verdeckte. Gorn kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Wenn es die Magierin störte, wie er sie anstarrte, ließ sie es sich nicht anmerken. In aller Ruhe hatte sie auch ihren dünnen Magierstab verstaut und auch ihre andere Versicherung abgeschnallt, ein Kurzschwert, dass an ihrem Gürtel baumelte. Sie legte es neben sich auf die Bank, nicht drohend, aber doch offensichtlich. Und Gorn verstand. Mühsam richtete er seinen Blick wieder auf ihre blau-grün-seltsam-gesprenkelten Augen.
"Es freut mich, dass ich hier willkommen bin", sagte sie schelmisch lächelnd. "Ich bin übrigens Freya. Weißmagierin und Absolventin einer Akardemie, die es heute nicht mehr gibt." Sie streckte ihm die Hand entgegen.
"Gorn. König des Königreiches Zwergnasien", knurrte er mürrisch, weil sie ihn ertappt hatte. Doch schließlich überwand er sich dazu, ihr die Hand zu geben. "Freut mich, dich kennenzulernen." Und sie schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln.
Keep your eyes on me, now we're on the edge of hell.
Kapitel 24 - Die Fliege im Netz
Rhian hatte sich alles ganz einfach vorgestellt. Sie war aufgebrochen, mehr mit sich selbst als mit dem Weg beschäftigt, und hatte gedacht, sie könnte Carro einfach so finden. Immerhin war er doch ein Diener, er musste doch irgendwo durch das Schloss streichen. Wenn sie nur fragte und die Augen offenhielt, würde ihn sie sicher schnell finden. Dachte sie.
"Carro? Ich glaube, der ist in der Waschküche."... "Nein, hier ist er nicht, er ist sicher auf dem Dach, die Goldschindeln polieren."... "Hier oben? Nein, bestimmt ist er in der Stadt. Oder im Weinkeller."
Nach einer halben Stunde Irrweg durch das steinerne Labyrinth war Rhian angekommen, wo sie gestartet war. Sie war traurig und enttäuscht. Der Palast war einfach so unübersichtlich gewesen, und sie stand nun am Ende mit leeren Händen da.
Doch sie wollte noch nicht aufgeben. Sie wollte ihn finden. Und wenn er ihn aus dem Quartier der Kaiserin jagte, wo man ihn zuletzt gesehen hatte.
Als eine ältere Frau des Weges kam, beschloss sie, einen neuen Versuch zu wagen. "Entschuldigen Sie", fragte sie zaghaft, "Ich suche nach Carro. Ihr wisst nicht vielleicht, wo er ist?"
Die Frau drehte sich jäh zu Rhian um und musterte sie streng. "Zufällig weiß ich es. Warum fragst du?"
Rhian zuckte etwas zurück. Eine solche Kälte hatte sie nicht erwartet. "Ich muss... mit ihm reden.", antwortete sie schwach, als ihr nichts Besseres einfiel. "Würden Sie mir helfen?"
Wieder Schweigen und eisige Blicke. "Reden, soso.", erwiderte sie schließlich verächtlich, "Aber ich denke, das kann ich nicht zulassen. Carro ist im Dienst, und du, Schätzchen, bist es sicher auch. Ich schlage vor, du kehrst wieder zurück, von wo du kamst, und dort wartest du bis Feierabend. Dann vergessen wir beide diesen Vorfall, ja?" - "Dienst, aber...?", stammelte Rhian unsicher, "Aber ich gehöre nicht zu Eurer Dienerschaft. Ich bin..." - "Es ist nicht meine Dienerschaft, sondern die der Kaiserin.", schnitt sie sich wie mit einem Messer durch Rhians weiche Stimme. "Und wer du bist, interessiert mich nicht. Das einzige, was mich interessiert, ist, dass du für die Kaiserin arbeitest." Ja, das tat sie irgendwie. Aber sie spürte auch, dass sie so nicht weiterkam. Vielleicht hätte sie anders an die ganze Geschichte herangehen sollen? "Wo sind denn... Wo sind denn die Gemächer der Kaiserin?", fragte sie schließlich vorsichtig, um nicht zuviel Schärfe bei der Frau zu erwecken.
Doch funktionieren tat es nicht. Im Gegenteil, jetzt kam sie erst richtig in Fahrt. "Junges Fräulein, was glaubst du eigentlich, wer du bist? Wenn du nicht weißt, wo die kaiserlichen Gemächer sind, dann hast du da auch ganz entschieden nichts verloren. Da könnte ja jeder kommen. Und außerdem...", sie machte eine Pause, in der sie Rhian ganz demonstrativ von Kopf bis Fuß musterte, "und außerdem, wenn Carro der Kaiserin zu Diensten sein kann, dann wird er garantiert weder Zeit noch Lust auf dich haben. Also sei so gut und warte noch bis Feierabend, bevor du dir deinen Korb abholst. Sonst bekomme ich am Ende noch Ärger wegen dir, und das...", ihre Augen funkelten Rhian böse an, "... willst du wirklich nicht."
Immer mehr drückte sich Rhians Rücken an die Wand, instinktiv wollte sie dieser Frau entfliehen. "Bitte", sagte sie nun, fast flehend, "Ich bin keine einfache Dienerin, ich bin..." - "Oh", schnitt ihr die Frau das Wort ab. "Dann bist du also schon eine große Dienerin. Genug." Die Verachtung der Frau war offenkundig. "Ich habe dir schon einmal gesagt, dass es mich interessiert, wer du bist. Du gehörst nicht zu meiner Mannschaft, und ich sage dir nur, sei froh! Aber genug mit dir. Du verschwendest Zeit. Deine eigene und meine. Und das kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Also, sag, Kleines." - Sie sprach dieses Wort mit einer solchen Verachtung aus, dass es Rhian nicht gewundert hätte, hätte sie auf den Boden gespuckt. "Hast du das Laufen verlernt oder weißt du nur nicht mehr, wo du bist?" - "Verlaufen...", stammelte sie nur noch, nun ganz in den Zement getreten. "Na gut", sagte die Dienerin, "Dann möchte ich mal ein Auge zudrücken. Du bist diese neue Tempeldame, richtig?" Rhian nickte. Mit dem Tempel hier hatte sie zu tun, im weitesten Sinne. "Dann musst du hier die Treppe herunter, den Gang weiter und die zweite Tür rechts. Und trödle nicht, die Priesterschaft will saubere Kutten haben."
Innerlich seufzte Rhian. Sie gab nun ganz auf, wollte nur noch weg. Still eilte sie in die Richtung, die die Frau gemeint hatte. "Anderer Gang", schallte es ihr hinterher, doch sie drehte sich nicht mehr um. Zuviel.
Keep your eyes on me, now we're on the edge of hell.
Kapitel 25 - Und Freya wünschte sich, sie wäre tot
"Achtung, eine wichtige Durchsage. Die Eilkutsche S11 nach Vinsalt hat wegen noch nicht erfundener Gleise eine voraussichtliche Verspätung von fünf bis zehn Dekaden, ich wiederhole, die S11 nach Vinsalt hat fünf bis zehn Dekaden Verspätung. Wir bitten um Ihr Verständnis."
Rufus fluchte, als er die Durchsage hörte. Er saß auf einer unbequemen Bahnhofsbank in einem unbequemen Bahnhof, der mangels offizieller Vorbilder sehr an den Frankfurter Hauptbahnhof erinnerte, und verzweifelte. Sein Buch, die "Abenteuer von Lilly, der Waldfee", war stumpfsinnig und langweilig, und an die Ab-18-Version dieser Geschichte kam er nicht heran. Auch war sein Pausenbrot schon aufgegessen, sein Schwert poliert und Dey ebenso vergessen worden wir Rebnuk in Kapitel 23. Kurzum, ihm war langweilig.
"Menno, mir ist langweilig", jammerte er vor sich hin, "Jetzt könnte mal was passieren."
Jetzt könnte mal was passieren. Und wie es der Zufall so wollte, waren gerade nicht weit entfernt Alrik und Belrik dabei, für dieses dämliche Kapitel den Autor zusammenzuschlagen. Und was das hieß, sollte jedem klar sein.
"Schönes Wetter heute, oder?", fragte Joachim sehr originell, als er sich dezent unauffällig neben Rufus auf die Bank setzte. Auch Rufus war begeistert. "Ja, bestimmt", sagte er trocken, als es auf einmal wie auf Kommando ganze Regenschübe vom Himmel stürmten. "Wer bist du und was willst du?"
Joachim lächelte nur und holte tief Luft. „Also, ich bin der Eine und einzige, der… ach, kürzen wir es ein wenig ab. Ich bin der Spielleiter und möchte mit dir reden.“ Und Rufus schwieg. Einen Moment lang blickte er angestrengt nachdenkend drein, dann sah er ein, dass es keinen Zweck hatte und antwortete: „Ich weiß. Du warst auch schon bei diesem Zwerg, und sicherlich wird dein nächstes Ziel diese Magierin sein. Ich ahne auch schon, was du mir anzubieten hast… deshalb beantworte mir nur eine Frage: Warum?“
Stille. Für einen Moment, in dem der Spielleiter Rufus nur schockiert anstarrte, passierte wirklich gar nichts. Kein Regentropfen, keine dummen Kommentare von Alrik oder Belrik und auch nicht der Lärm fliegender Tauben. Nichts.
Dann brach Rufus wieder die Stille. „’tschuldige, das war OOC“, sagte er zerknirscht, „Ich meine natürlich: Spielleiter? Hääääää?“ Und auch Joachim war wieder versöhnt. „Das passiert jeden von uns mal. Und deshalb musst du nicht genau wissen, was ich bin. Es reicht, wenn du weißt, dass ich die Kaiserin loswerden will. Hilf mir dabei, und ich werde dich gut belohnen.“ - „Die Kaiserin loswerden?“, echote Rufus erstaunt. „Aber was hat sie dir denn getan?“
„Ach, es geht nicht darum, was sie getan hat. Es geht darum, was der Autor getan hat. Er hat mir das Herz gebrochen.“ Rufus wirkte nicht überrascht. „Das klingt jetzt irgendwie schwul.“, kommentierte er trocken.
Joachim wurde rot. „Es… es ist nicht das. Es ist nur so. Meine Tamara… sie ist mein absoluter Lieblingscharakter. Halb Firnelfe, halb Dunkelelfe, Prinzessin ihres Volkes. Sie ist so wunderschön, so stark und mutig. Ich hatte den Autor gebeten, sie mit in diese Geschichte einzubauen. Immerhin, sie ist Stufe 218 und das wäre endlich mal eine Gelegenheit gewesen, ihre Kräfte richtig zu zeigen. Sonst bin ich ja immer Spielleiter und kann sie nur mitlaufen lassen, aber nun… Das wäre ihre große Chance gewesen. Diese Vesta und ihre kleine Teenie-Clique könnten echt gegen sie einpacken. Das wäre alles so cool gewesen. Und er… er streicht sie einfach raus.“ – „Gaaaanz ruhig, nicht weinen.“, versuchte Rufus, ihn zu trösten. „Ich kann dich ja verstehen. Immerhin hat er meiner Mutter nicht einmal einen Namen gegeben. Aber du solltest es nicht zu ernst nehmen… Hey, da vorne ist sie doch.“ Und tatsächlich lief Tamara, eine wunderschöne Elfenkriegerin, durch das Bild, um die Mülleimer zu leeren.
„Es reicht“, sagte daraufhin Joachim, der alte Miesmacher, „Dafür wird er bezahlen. Ich mache dir ein Angebot. Hilf mir, die Kaiserin abzuschießen, und ich erfülle dir einen Wunsch nach deiner Wahl, was immer es auch sei. Ich kann das. Ich bin nämlich Spielleiter, weißt du?“ Mit diesen Worten überreichte er Rufus einen Stein. „Das hier ist übrigens ein magischer Stein. In Aventurien nennt man ihn den Stein der Weisen… bei uns in der Heimat nennt man es Handy. Drücke einfach drauf, dann kannst du mit mir reden. Wo immer ich auch bin…“
Rufus nickte. „Ist schon gut. Ich schaue mal, was ich tun kann.“ Doch in Gedanken überlegte er sich schon einmal, was sein Wunsch sein könnte. Macht? Nein, bestimmt nicht, immerhin würde er dann ja von alleine Kaiser werden. Vielleicht Frauen… aber dann dachte er an Tamara und zauderte. Nein, ganz so schlimm sollte es doch nicht werden.
In diesem Moment hielt die Kutsche vor dem Bahnhof, und Freya stieg aus. Sie konnte einfach nicht mehr. Dieser Zwerg hatte ihr die letzten vier Stunden von seinem Talent zur Orchideenzucht erzählt, während er ihr auf den Busen starrte. Nein, König oder nicht, es war zuviel. Sie war freundlich und höflich geblieben und hatte sogar geschafft, interessiert zu wirken… aber doch hatte sie sich gewünscht, sie wäre tot.
Keep your eyes on me, now we're on the edge of hell.
Kapitel 26 - Regeneration
Langsam und ziellos wanderte Freya durch die Bahnhofshalle. Endlich frei. Endlich Luft. So nett dieser Zwerg sonst auch sein mochte, sie war sich vorgekommen wie eine Fliege im Spinnennetz. So als hätte er irgendetwas mit ihr vor, so wie im Wald anhalten und sie danach in feuchtem Waldboden vergraben. Ein schrecklicher Gedanke, auch wenn ihre Magierrobe sicherlich ein wenig davor schützte. Ihre Robe... Moment.
In dem Moment, als Freya wirklich auffiel, dass ihre Robe immer noch in der Kutsche hing und dort auch Schwert und Stab verharrten, und sie vor Entsetzen verharrte, ertönte plötzlich eine Stimme durch die volle Bahnhofshalle. "Hey, Freya!"
Moment, dachte sie und hielt ein. Neugierig sah sie sich um, und plötzlich erkannte sie einen jungen Krieger, der ihr entgegengerannt kam. Schweigend sah sie ihm zu, wie er immer näher kam. "Hallo, Freya.", sagte er, "Ich bin Rufus. Schön, dich ausgerechnet hier zu treffen." Sie atmete erleichtert auf. "Freut mich, dich kennenzulernen", antwortete sie erleichtert, denn ihre Spieler kannten sich. "Wie wäre es, wenn wir einen Kaffee trinken gehen?" - "Klar, und dann erzählst du mir von deinen bisherigen Abenteuern, okay? Habe gehört, deine Vergangenheit wäre mächtig wichtig für die Story hier."
"Haaaaaaaaaaalt!" Ein auffällig unauffälliges Männchen, dass schon zwei Meilen gegen den Wind als Joachim mit Schal und Hut zu erkennen war, trat den beiden in den Weg. "Was soll das denn? Was ist das denn für ein Mist? Könnt ihr denn nicht einmal ernsthaft spielen? Halloooo? Ihr kennt euch nicht! Ihr habt nie voneinander gehört! Also stellt es gefälligst so dar. Und jetzt nochmal von vorne."
Beide murrten. Doch als der Spielleiter drohend den Radiergummi an die AP-Spalte ansetzte, sahen sie es doch ein. Und alles begann von vorne.
Die Praiosscheibe war langsam dabei, Borons Sichel und Phexens Mantel die Herrschaft über Dere zu überlassen. Ein eisiger Wind spukte durch den riesigen Bahnhof, der sich von Passanten immer mehr leerte, und flüsterte leise Worte in die Ohren zweier Wesen, die an ganz unterschiedlichen Enden warteten. Der eine war ein junger Krieger namens Rufus, ein Wanderbündel an das Schwert geknotet und eine Tasche in der anderen, eine matt glänzende Rittersgestalt in der aufziehenden Dunkelheit. Die andere war eine Magierin, die ganz schockiert am Ausgang stand und vollkommen von Verzweiflung beherrscht war. Wie ängstlich musste sie gewesen sein? Sie hatte nicht nur ihren Mantel in der Kutsche vergessen, sondern auch ihre Waffen und ihr Gepäck. Alles, was ihr geblieben war, war ihre eigene knappe Kleidung, die immer mehr die Blicke des nächtlichen Gesocks anzog, und der Beutel mit ihren Geldreserven: Etwas über sieben Heller, gerade genug für eine Nacht.
Immer tiefer in der Dunkelheit hoffte sie, eine Kutsche zu sehen. Der Zwerg musste wiederkommen. Er würde bestimmt gemerkt haben, was sie alles vergessen hatte, und dann würde er umkehren. Er war doch eigentlich kein schlechter Kerl gewesen. Und er war ja außerdem ein König. Da würde er wohl...
Nein. Die Stunden waren verstrichen und Freya, die sich auf eine Mauer nahe dem Haupteingang gesetzt hatte, hatte keine Erlösung gefunden. Dafür war ihr aber kalt geworden. Die Nächte hier in Nostria konnten wirklich kalt werden. Sie sehnte sich nach etwas Warmes im Magen, und vielleicht nach einem trockenen Schlafplatz. Aber was dann? Mit sieben Hellern in einer fremden Stadt zu landen war nicht leicht. Ohne ihren Stab konnte sie kaum zaubern, und ohne Ausrüstung nicht wandern. Das war doch wirklich nicht leicht.
"Brauchen Sie vielleicht Feuer?" Eine Stimme durchdrang die Dunkelheit, ganz plötzlich, dass Freya nur verdutzt "Was?" fragen konnte. Der Bahnhofsvorplatz war dunkel. Die Nacht war nun wirklich angekommen, und die Laternen waren noch nicht erfunden worden. So konnte Freya die Gestalt nicht erkennen, bevor sie nicht durch eine Antwort auf sich aufmerksam machte: "Ich meine, brauchen Sie Feuer? So sagt man doch, oder? Wenn jemand eine rauchen möchte und gemerkt hat, dass auch die Zündhölzer noch nicht erfunden sind."
Alles, was Freya erkennen konnte, war das Schimmern einer Rüstung, und so plapperte sie nervös vor sich hin: "Ach, Herr Gardist. Haben Sie mich erschreckt. Nein... Brauche kein Feuer. Ich warte nur halt auf meine Kutsche. Aber die kommt wohl nicht mehr. Ganz schön blöd von mir, einfach meine Sachen liegenzulassen, nicht wahr..." Verlegen lachte sie...
...und war ganz überrascht, als der Gardist einstimmte. "Ich bin kein Gardist", sagte er schließlich. "Aber Ihr scheint wirklich eine Maid in Nöten zu sein. Wie wäre es, wenn wir zurück ins Licht gehen. Drinnen ist es wärmer. Und ich glaube, einen Kaffee könnten wir beide gut vertragen. Na, was ist?"
Verlegen nickte sie. Das Gefühl war wieder da. Wie ein Lämmchen zur Schlachtbank folgte sie dem Krieger. Ein seltsamer Genosse musste er sein.
Aber drinnen war es nicht so gefährlich. Und etwas Warmes im Magen, das war auch nicht das Schlechteste. "Wer bist du?", fragte sie, um nicht schweigend laufen zu müssen. "Ich bin Rufus, Krieger auf Reisen. Und du?" - "Freya, Antimagierin und Abenteurerin, zu Ihren Diensten" Sie deutete einen eleganten Knicks an. "Und momentan wirklich eine Maid in Nöten. Sag' mal, du bist nicht zufällig auf dem Weg nach Vinsalt, oder?"
Rufus' Spieler lächelte nur. "Besser?", fragte er seinen Spielleiter. Joachim nickte. In der Zeit schliefen Rhian und Flaim bereits tief und fest... outplay natürlich, während Vesta und Carro verliebt Händchen hielten. "Ich denke, wir machen erst einmal eine Pause hier. Wo machen wir weiter?"
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Kapitel 27 - Heiße Luft
"... und dann hast du wirklich den Fürsten in eine Kröte verwandelt?", wiederholte Rufus beeindruckt. "Aber geht das denn so einfach?" - "Klar geht das so einfach.", antwortete Freya lächelnd. "Ich hatte damals einen Fürst-zu-Frosch-Ring, weil meine Spielerin den Spielleiter geküsst hat. Aber sag' mal, Rufus, wie spät ist es eigentlich?"
"Hmm" Der Krieger schüttelte seine Sonnenuhr. "Ich schätze, kurz nach neun. Beziehungsweise Kapitel 27. Moment... du meinst..." - "Ja, genau, das meine ich. Sie ist nun endlich da. Und du weißt, was nun zu tun ist?" Der Krieger nickte nur ernst. "Gehen wir es an?", fragte er noch einmal, nur um sicherzugehen, und Freya nickte. "Ja, wir müssen."
Dann standen beide auf. Freya fuhr sich noch einmal durchs Haar, Rufus nahm seinen Schwertgriff in die Hand, dann traten beide einen Schritt vor.
"Liebes Publikum", begann der Krieger. "Wie es aussieht, müssen wir uns erst einmal von ihnen verabschieden. Wichtige Dinge stehen nun an, die größer sind als wir beide."
"Die Siebenundzwanzig ist eine besondere Zahl.", stimmte Freya mit einem mystischen Unterton ein, "Sie entsteht, wenn man die Drei dreimal mit sich multipliziert. Und die drei ist eine Glückszahl. Dreimal drei ist dann ganz besonders viel Glück. Ein besonderes Datum quasi. Und so ein Datum muss man nutzen..."
"... für eine Krönung." Rufus hatte den Blick der Magierin richtig gedeutet und fuhr nun mit dem Reden fort. "Von diesem Kapitel an bis Kapitel Dreiunddreißig wird die Handlung nur noch im Palast spielen. Denn immerhin ist unsere baldige Herrin noch nichts weiter als eine Thronanwärterin. Es fehlt ihr noch der Glanz eines schmucken Metallringes auf dem Haupt, und diesen Glanz möchten wir nun nachliefern."
Freya lächelte. "Der kaiserliche Palast liegt nämlich immer noch in den Morgenstunden. Das ist wegen der Zeitverschiebung, müsst ihr wissen. Doch genug der Worte. Sie werden selbst sehen."
Freya und Rufus deuteten noch eine Verbeugung an, dann verließen sie gemeinsam den Raum. Die Szene wurde dunkel. Doch aus der Ferne konnte man noch hören: "So, das wäre überstanden. Nun lasse uns die Eintrittsgelder des Publikums versaufen, ehe der Zwerg es für Nutten verprasst."
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Story des Jahrzehnts
update 05.11.2025
Schreibt endlich weiter...
"Ich habe nach dem Spiel in der Kabine viele verwirrte Menschen getroffen."
Kiel-Trainer Ole Werner am 13.01.21 nach dem Sieg gegen Bayern München
Kapitel 28 – Stahl
Der Anfang von allem war ein Kampf. Doch war es nicht sie, die gegen Freya kämpfte, um diese für ihre Vergesslichkeit zu strafen (immerhin hatte sie nicht erwähnt, dass sie und Rufus in Kapitel 34 Fragen des Publikums beantworten werden), sondern es waren zwei andere Personen, die mit scharfen Klingen tanzten. Rhian, die nur schweigend zusah, kannte beide der Kämpfer. Es waren jene beiden Personen, die sie als erstes im Palast getroffen hatten und die ihr Schicksal hätten werden können, wäre nicht ein Kater in ihr Leben getreten. Sie traten in diesem Kampf auch als ein seltsames Paar auf. Die zierliche, junge Halbelfe, gekleidet in einen viel zu weiten Panzer, fühlte sich offensichtlich nicht wohl. Gerade schlug sie eine Serie von Attacken, die Carros Stahl jedoch mit Leichtigkeit abzuwehren vermochte. Der Diener wirkte durch und durch konzentriert, und auch wenn er ebenfalls nur eine leichte Rüstung trug, erinnerte er Rhian doch in diesem Moment sehr an einen silbergepanzerten Streiter.
Vesta hingegen hatte überhaupt nichts Kriegerhaftes an sich. „Du, Carro? Warum müssen wir denn hier kämpfen?“, klagte sie lautstark, „Sieh’ her, ich bin schon ganz verschwitzt, und meine Frisur ist auch ruiniert. Und mal ehrlich, ich habe doch überhaupt kein Talent als Kämpferin. Können wir es also nicht lassen und lieber etwas Sinnvolles machen?“ Mit einem flehenden Kleinen-Mädchen-Blick sah sie zu Carro hinüber. Dieser seufzte und setzte zu einer Antwort an, die er dann herunterschluckte. Er war unschlüssig, das konnte Rhian deutlich erkennen. Zwar war er sich sicher, dass das, was er tat, richtig und notwendig war, aber er wollte dieses Mädchen auch zu nichts zwingen. Und so siegte langsam sein Herz. Die Klinge entglitt achtlos seinen Händen und fiel scheppernd auf den Fliesenboden, während Carro langsam auf seine elfische Gegnerin zuging. „Vesta“, sagte er schwach, um ihre Vernunft bittend, „Du verstehst doch, worum es hier geht. Warum du lernen musst, zu kämpfen. Schon morgen wirst du die gekrönte Kaiserin eines großen Reiches sein, mit ebensolcher Macht, aber auch mit ebensolchen Feinden. Was soll nur passieren, wenn der Garether oder der Al’Anfaner auf die Idee kommt, dich auszulöschen? Kannst du dich immer darauf verlassen, dass deine Leibgarde zur Stelle ist?“ Der Diener blieb vor Vesta stehen, und Rhian konnte ein beachtliches Mienenspiel bei ihrer neuen Herrin bewundern. Zunächst hatte sie den Kopf gesenkt, gleich einer getadelten Schülerin. Doch dann riss sie blitzschnell ihre Klinge hoch, die vor Carros Hals zum Stehen kam. „Jetzt wärst du tot.“, kicherte sie, „Das hättest du von deiner Kämpferei.“ Doch wenn sie ihn damit überraschte, ließ er es sich nicht anmerken. Stattdessen drückte er ihre Klinge weg und umarmte sie sanft. „Ach, Vesta“, klang seine Stimme flüsternd „Das ist doch alles gar nicht böse gemeint. Ich möchte doch nur, dass es dir gut geht…“
Rhian sah schweigend dem Ganzen zu. Dann entschied sie, dass zehn Herzschläge genug Zeit für ein frischverliebtes Paar seien, und begann, zu applaudieren. „Ein schöner Kampf, das muss ich sagen. Beeindruckend in Stil und Ausgang. Aber erzählt, Carro, können alle Küchendiener so gut fechten wie Sie?“
Ein Moment der Stille. Vesta bedachte sie für diese Frage mit ein paar eisigen Blicken, Carro indes lächelte nur. „Ein alter Freund hat es mir beigebracht. Es war sein Dank dafür, dass ich ihn mit seiner Frau zusammenbrachte. Bin aber ehrlich gesagt nie so gut gewesen, wie er mich hatte haben wollen. Ich meine, für einen Hofkampf reicht es, aber vor einem Rondra-Geweihten würde ich die Waffen strecken.“
Rhian nickte nur und schwieg. Selbst wenn sie sich mit Carro gerne noch ein wenig unterhalten hätte, so spürte sie doch Vestas ablehnende Blicke deutlich auf ihrer Haut. Was hatte sie sich auch einfach so eingemischt? Und die beiden einfach gestört, wo sie doch allein sein wollten? Die peinliche Stille wurde immer unerträglicher, bis es Rhian nicht mehr aushielt. „Entschuldigt bitte mein Eindringen. Ich wollte euch gar nicht stören. Ich hörte nur von draußen die Waffen klingen, und mich übermannte meine Neugier. Ich denke, ich sollte…“ – „Nein, Augenblick einmal.“ Es war Carro, der ihren immer panischer werdenden Redefluss unterbrach. „Du störst uns hier nicht. Wir wollten ohnehin gerade eine Pause machen. Und mit dir möchten wir ohnehin reden. Aber da fällt mir ein, ich habe euch noch gar nicht offiziell bekannt gemacht: Das ist unsere Hofgeweihte, Rhian von Galahan – Vesta di Baltari“. Der Diener hatte es nicht für nötig befunden, Vesta loszulassen, und so sandte diese der Geweihten ein Nicken und ein wärmeres Lächeln hinüber. Rhian indes verbeugte sich. „Freut mich, zu sehen, dass Sie sich so gut hier eingelebt habt“, sagte sie so neutral wie möglich und ohne allzu offensichtlichen Blick auf Carro, „Wie kann ich Ihnen zu Diensten sein?“ – „Nun, alles, was mir noch fehlt, ist eine offizielle Krönung.“ Die Worte der Halbelfe kamen betont langsam. „Am besten möglichst bald. Nun bitte ich Euch, Rhian, würdet Ihr so etwas gerne für mich organisieren?“ Carro übernahm das Wort: „Ich hoffe, Ihr versteht, wie wichtig das ist. Nicht nur für uns hier, sondern für das ganze Reich. Wären Sie so freundlich?“
Rhian schluckte. Einen Moment lang sprang ihr Blick von einem der Gesichter zum anderen. Vestas Lächeln war freundlich, doch ihre Augen durchleuchteten sie misstrauisch, während Carro den Eindruck vermittelte, ihr die bittere Pille möglichst angenehm zu machen. Rhian wusste, dass sie nicht ablehnen konnte. „Ich kenne mich mit Zeremonien nicht so gut aus…“, versuchte sie ein letztes Mal, doch Carro ließ sie nicht entkommen. „Niemand erwartet von dir Wunder“, erklärte er in einem möglichst beruhigenden Ton, „Es soll nur irgendwie klargemacht werden, dass Vesta von nun an die einzige echte Herrscherin ist. Ansonsten hast du freie Hand. Nimm dir, was du brauchst, und spanne ein, wen du möchtest.“ – „… außer ihn“, fügte Vesta ganz unverblümt hinzu, einen siegessicheren Blick zu Carro werfend.
Rhian schluckte noch einmal. „Ich… werde Sie nicht enttäuschen.“, sagte sie schwach, während sie langsam nur noch weg wollte, „… und ich denke, ich fang’ dann gleich an. Vielleicht kann mir ja der Kater helfen… Nein, eher nicht.“ Ein weiterer entmutigender Gedanke, so absurd. „… und gehe dann mal besser. Ihr hört von mir.“
Etwas zu schnell verließ Rhian den Raum, und etwas zu hastig schloss sie die Tür hinter sich. Dann verharrte sie, immer noch gegen die Tür gelehnt. Von drinnen glaubte sie, die Stimmen der Beiden zu hören, doch sie folgte sich den Worten. Immer mehr wurde ihr Herz mit der Gewissheit erfüllt, dass dies heute ihre dritte Niederlage war. Den schwarzen Peter in der Hand und Carro in den Armen einer anderen Frau… Rhian fühlte sich schwach und einsam, vollkommen fremd in diesem Haus, dessen Bewohner es ihr angenehm, aber nicht leicht machten. Und doch… in diesem Moment wollte sie nicht zweifeln. Sie musste irgendetwas tun, um sich abzulenken. Vielleicht sollte sie wirklich erst einmal ihren Tempel besichtigen, bevor sie sich dann an die Arbeit setzte. Dann würde sie sich vielleicht ein wenig heimischer fühlen, und wer weiß, vielleicht gab es da unten noch einen Geweihten, der ebenso einsam war wie sie.
Keep your eyes on me, now we're on the edge of hell.
Kapitel 29 - Neun
Der Tempel bestand aus einer großen, marmornen Halle, tief unter dem Palast. Zwölf Nischen an der Wand beherbergten zwölf Schreine, die von insgesamt vierundzwanzig marmornen Säulen flankiert wurden, die die hohe Decke trugen. Die Luft hier drin war kalt und gefüllt mit dem Geruch von Weihrauch, Staub und noch irgendetwas anderem, süßerem. Rhian fröstelte, während sie immer noch an der Eingangstür bestand und sich mit einem flauen Gefühl im Magen umsah. Ein seltsamer Ort, ohne Frage. Nicht verfallen und nicht alt, aber irgendwie vergessen. Deutlich konnte sie spüren, dass etwas fehlte. Zwar war die Macht der Götter immer noch zu spüren, aber es schien bloß noch ein Schatten der alten Kraft zu sein. "Hallo? Ist hier jemand?", fragte die Geweihte nervös und blieb angespannt stehen, während ihre Frage durch die marmorne Kammer hallte.
Stille. Dann Schritte von irgendwoher. Und eine Stimme. "Geduld. Iss komme ja schon. Nur nicht hetschen." Von irgendwoher fanden diese Worte zu ihr, und gleich darauf hörte sie das Knarren einer Tür. Eine Pforte, die sie auf den ersten Blick für eine einfache Wand gehalten hatte, öffnete sich langsam, und eine Gestalt trat Rhian gegenüber in die Halle. Diese konnte ihren Augen nicht trauen. Denn der Neuankömmling war kein einfacher Tempeldiener, womit sie eigentlich gerechnet hatte. Vielmehr war diese Gestalt etwas kleiner als Rhian, doch damit hörten die Gemeinsamkeiten auf. Wo nämlich Rhian Stoff trug, da war diese Person nackt, und wo bei Rhian Haut zu sehen wäre, sah man bei ihr nur eine türkisblaue Schuppenhaut. Das Gesicht war auch nicht menschlich mit den großen, gelben Augen und dem Maul voller spitzer Zähne, und als Krönung des Ganzen hatte sie auch noch einen ebenso geschuppen Schwanz, dessen Spitze über den Boden schleifte. Fassungslos starrte Rhian sie an und realisierte nur langsam, dass sie sich einer echten Echsenfrau gegenübersah.
"Überrrassscht? Nun, iss bin esss nisst. Doch den Schwölfen schum Grussse, oder wie man bei euss sssagt. Wasss kann iss für diss tun?" Rhian fuhr ganz plötzlich aus ihrer Erstarrung. "Oh, entschuldige. Ich wollte dich nicht so anstarren. Ich bin Rhian, Geweihte der Hesinde und neue Hofgeweihte hier. Sag', bist du eine Tempeldienerin?" - "Die einschige, die noch übrig issst. Die anderen sssind alle den H'Ranga gefolgt. Nur iss bin noch hier, und ein Diener der Radscha issst esss auch." Rhian nickte. Sie hatte nicht viel anderes erwartet. "Und wer bist du?", fragte sie die Echse, "Ich wusste nicht, dass wir..." - "Iss bin S'srah, Priesssterin der H'szint und Aussstauschgeweihte ausss den Eschsssensssümpfen. Freut miss, Sssie kennenschulernen." Sie bot Rhian eine Hand an, und diese schüttelte sie. "Nun gut, Sizra, danke für den Empfang. Wie lange bist du schon hier?"
"Man spricht es nicht 'Sssischra', sssondern S'srah. Aber wenn du keine Schunge hassst, dann geht Sssischra auch. Und lange bin iss noch nisst hier, drei Götternamen vielleisst. Habe schon viel gelernt." - "Das ist gut", sagte sie und lächelte. Aus irgendwelchen Gründen war ihr diese kleine Echse sympathisch. "Was ist hier die letzten Tage passiert?" - "Oh, nisst viel.", gab S'sra verlegen zu, "Die H'Ranga sind weg, und niemand meint mehr, sssie besssämpftigen schu müsssen. Und wenn doch Leute kommen, dann wollen sssie alleine sssein. Dessshalb bin iss meissstensss im Garten und sssonne miss. Hier unten ist es schu kalt." Rhian lächelte. Dieses Unbehagen in dem Blick der Echse. "Das liegt nur daran, dass kaum mehr Menschen im Palast sind.", versuchte Rhian, sich selbst zu beruhigen, "Die Götter sind in ihren Herzen wie eh und je. Wir müssen sie nur wieder wecken." Sie machte eine kleine Pause, bevor ihr eine Idee kam. "Sag' mal, S'srah, würdest du mir vielleicht dabei helfen, eine kleine Zeremonie auszuarbeiten? Eine Krönung für unsere Kaiserin. Würdest du mir vielleicht dabei helfen? Wir können auch gerne nach draußen gehen."
Die Echse nickte. "Iss asssissstiere Euch gerne, Meisssterin.", sagte sie fröhlich, "Folgt mir."
Rhian lächelte amüsiert, als S'srah eifrig vorstürmte. "Eine Frage", erwähnte sie beiläufig, "Wie alt bist du eigentlich?"
Keep your eyes on me, now we're on the edge of hell.
Kapitel 30 - Geschichten
Draußen brannte die Mittagssonne auf das ungleiche Paar herab, und ebenso ungleich waren auch ihre Reaktionen. S'srah schien sich des Wetters zu erfreuen, während Rhian froh war, nicht in ihrer dicken Geweihtenrobe zu stecken. Sie begann doch, zu schwitzen. Es war einfach zu heiß.
Die Palastanlage war von einem weitläufigen Park umgeben, in dem sich langsam die Vernachlässigung der letzten Tage bemerkbar machte. Sie hatten den Palast durch einen geheimen Fluchttunnel verlassen, der in einer kleinen Lichtung endete. Ein abgeschiedener Ort. S'srah erzählte, wie sie durch Zufall auf diesen Gang gestoßen war und wie sehr sie ihn zu schätzen wusste. Wenn nämlich drinnen im Tempel etwas passierte, konnte sie es von hier oben hören. Das fand sie sehr praktisch. Rhian allerdings ging nur durch den Kopf, dass schon zu allen Zeiten Priester gerne flüchteten.
S'srah hatte daraufhin geschwiegen und sich in die Sonne gelegt. Rhian betrachtete sie genau, und die Echse schien es nicht zu stören. Im Gegenteil, sie lächelte Rhian mit ihren spitzen Zähnen an und räkelte sich ein wenig im Gras, damit sie sie von allen Seiten sehen konnte.
Was war sie eigentlich? Rhian rätselte einen Moment lang an ihrem Geschlecht. Kein Penis war zu sehen, aber auch keine Brüste... und auch nicht die Andeutungen von solchen. Aber Moment, Echsen waren ja keine Säuger. "Du bist ein Mädchen, oder?", fragte sie schließlich, nur um ganz sicher zu gehen, und S'srah antwortete nur auf betont zischende Weise "Ssso issst esss." Es war gut, das zu wissen. Aber sie war nicht nur ein Mädchen, sie war auch noch ein halbes Kind. Zwar war sie mit fünfzehn Praiosläufen nur etwas jünger als sie und vielleicht ähnlich alt wie Vesta (die wegen ihres Elfenblutes nur schwer zu schätzen war), aber sie glaubte sich an einen Bericht des Geweihten Atharus von Kuslik zu erinnern, der in seinen Büchern "Von den Echsenhäutern" und "Die Stammesstrukturen der Achath" geschrieben hatte, dass Echsenmenschen länger brauchen, um auszuwachsen. Doch wie viel genau machte es aus? Sie erinnerte sich nicht mehr genau daran, hatte sie doch nur einmal in den Büchern gestöbert, weil ihr langweilig war, aber sie schätzte S'srah auf zwölf bis vierzehn, nach menschlichen Maßstäben. Also quasi ein Kind. Was ihren Aufenthalt in diesem Palast noch seltsamer machte.
Verwirrt beschloss sie, sie einfach zu fragen. "Sagt mal, S'srah, wie bist du eigentlich hierher gekommen?" Das Echsenmädchen drehte ihren Kopf zu ihr um. "Dasss", sagte sie lächelnd, "issst eine lange Geschisste." Doch so einfach machte Rhian es ihr nicht. Mit einem schnellen Handgriff hielt sie ihr Buch der Schlange in einer Hand und einen Graphitstift in der anderen. "Ich habe Zeit", sagte sie aufgeregt. Und S'srah begann...
"Iss ssstamme von einem Ssstamm ausss den Echsssensssümpfen, der Name issst Ss'ta'mor..." - "Wie schreibt man das?", unterbrach Rhian sie, bevor sie sich daran erinnerte, wie unhöflich das doch war. "'Sithamor' in eurer Sssprache", erklärte ihr das Echsenmädchen, scheinbar unbekümmert. "Esss issst ein kleiner Ssstamm, der jagt, fischt und lebt und versssucht, ssso wenig Schorn der H'Ranga wie mögliss auf siss schu schiehen. Doch irgendwann kamen Warmblüter schu unsss und sssie erschälten unsss von einer H'Ranga, die sssie Travina nannten. Wir liessen sssie reden, ssso viel sssie wollten, doch natürliss würden wir nie die H'Ranga dadurch beleidigen, dass wir unsss nur einem schuwandten. Und diessse Travina hatte unsss bisssher noch nisst schornig bessstraft, alssso konnte sssie nisst ssso mässtig sssein. Doch wir wollten die Warmblüter auch nisst einfass fortscheussen, um den Hasss ihrer H'Ranga doch herausssschufordern. Ssso waren wir freundliss und geduldiss und warteten darauf, dasss sssie von alleine gingen. Sssie waren auch schon kursch davor, doch dann hatte einer von ihnen eine Idee. Wir sssollten doch einmal Geweihte aussstauschen, um unsss bessser schu verssstehen. Einer von ihnen blieb da, einer von unsss folgte ihnen.
Unssseren Priessstern erschien dasss der letschte Ausssweg. Sssie sssagten ja, bevor die H'Ranga doch merkten, was hier bei unsss vor sssiss ging. Und ssso wurde einer ausss unssserer Mitte bessstimmt, den Menschen schu folgen.
Iss ssstamme von Priessstern ab. Doch haben diessse Priessster versssagt. Sssie wurden davongejagt, alsss unsss die Tiere mieden und die Jäger leer heimkamen. Ssso war iss die bessste Wahl. Iss war Priessster genug, aber iss war auch entbehrliss. Iss folgte."
"Armes Mädchen", sagte Rhian schließlich. "Ich könnte mir eine bessere Behandlung vorstellen."
Doch S'srah lächelte. "Allesss nur halb ssso schlimm. Iss werde ja wiederkehren, wenn dasss Jahr vorbei issst. Und dann habe ich viel gelernt und kann viel berissten. Aber nun ssseid Ihr an der Reihe. Wiessso ssseid Ihr Priesssterin geworden?"
Rhian schluckte. Diese Geschichte. Aber das gespannte Funkeln in S'srahs Augen ließ keine Absage zu.
"Nun gut", sagte sie schließlich, "Auch das ist eine längere Geschichte. Aber wir haben ja etwas Zeit..."
Das Echsenmädchen räkelte sich freudig in der Sonne, und Rhian begann zu überlegen, wo sie anfangen sollte. "Also", sagte sie schließlich, "alles begann am Andergaster Königshof..."
Keep your eyes on me, now we're on the edge of hell.
Kapitel 31 - Blaues Blut
Schweigend stand Vesta auf dem Balkon ihres Palastes und sah hinunter auf den Palasthof, der menschenleer und ruhig, wie ein kostbares Puppenhaus, vor ihr lag. Es dämmerte langsam und finstere Wolken waren aufgezogen, schon begann es leicht, dann immer heftiger, zu regnen. Ebenso waren auch in ihren Gefühlen dunkle Wolken aufgezogen, Erinnerungen aus der Heimat zogen durch ihren Verstand, fast gleich dem Wind, der feuchte, kalte Luft gegen ihren zarten Körper drückte. Sie trug in diesem Moment einen wärmenden, wenn auch schmucklosen Bademantel.
„Vesta? Bist du schon mit dem Duschen fertig? Oder brauchst du noch etwas Zeit?“
Eine Stimme, dumpf durch die geschlossene Tür, fern wie aus einer anderen Welt. Wer es war, das wusste sie. Sie hatte noch vor kurzem mit ihm trainiert, und so viele andere Dinge… Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, doch die dunklen Wolken blieben. Wäre schön, wenn er bei ihr war, fand sie. Doch sie wollte ihm nicht öffnen.
Sie antwortete ihm nicht.
Sie erinnerte sich an ihr Training, noch vor wenigen Stunden. Klingen waren zwischen ihnen gewesen. Sie hatte das Kämpfen nicht gewollt, doch sie hatte seinen Bitten nachgegeben, weil sie mit ihm zusammen sein wollte. Er hatte es ebenfalls nicht gewollt, aber er war der Meinung, es wäre notwendig. Und so waren die Pausen schöner als der Rest.
Dann war es geschehen. Sie hatte ihn angegriffen. Er hatte ihr gesagt, sie solle nicht so zaghaft sein. Da hatte sie schneller angegriffen. Und plötzlich war es zuviel gewesen.
Er hatte nicht geschrieen, aber sie hatte das Blut gesehen, dass plötzlich durch sein Hemd trat. Sie hatte ihn an seinem linken Oberarm getroffen, und die Waffe hatte ihren Dienst getan. Sie hatte ihm einen tiefen Schnitt verpasst, das wusste sie, und als er sie so überrascht ansah, da war es ihr zuviel gewesen. Sie hatte etwas von ‚die Duschen ausprobieren’ gestammelt und war verschwunden.
Drei Stunden mochte es nun her sein. Und sie hatte sich noch nicht getraut, ihn wiederzusehen. Sie hatte ihn verletzt. Das hatte sie nicht gewollt. Was würde er nun zu ihr sagen? Er würde wütend auf sie sein, und dann würde er ihr sagen, dass er mit so jemandem nicht zusammen sein wollte, und dann… Das Gefühl endloser Einsamkeit und Hilflosigkeit überkam sie, und sie begann, zu schluchzen.
„Vesta? Kommst du vom Regen weg? Du wirst noch ganz nass.“ Sie musste ganz überhört haben, wie er die Tür geöffnet hatte. Er war hier. Panik.
„Carro, ich…“, begann sie stammelnd und drehte sich blitzartig zu ihm um. „Es ist…“
„Psst!“, sagte er und legte einen Finger auf seine Lippen. Dann ging er langsam zu ihr hinüber. Vesta sah ihm zu, wie er zu ihr kam und seine Arme um sie legte. Wie warm und trocken er doch war, fand sie, und mit einem Mal wurde ihr bewusst, wie sehr sie fror. „Du fühlst dich an wie eine nasse Katze.“, sagte er mit einem schwachen Lächeln. „Bitte werde mir nicht krank, ja?“ Vesta nickte nur. Ein Kloß hatte sich in ihrem Hals gebildet, und sie fühlte sich unwohl. Carro drückte den durchweichten Stoff nur noch näher an sie. Es war kein schönes Gefühl.
Widerstandslos ließ sie sich von ihm zurück in den Raum führen. Hinter ihnen schoss sich die Türe. Fast hätte sie überhört, was er ihr zuflüsterte. „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Du bist einfach verschwunden. Hast du eine solche Angst?“
Sie nickte schweigend. Ohne zu überlegen. Erst viel später wurde ihr bewusst, was das hieß.
In diesem Moment realisierte sie nur, dass Carro ihr ihren Bademantel abgestreift hatte und sie für einige Herzschläge nackt vor ihm stand. Dann fühlte sie schon die Bettdecke, die er über ihr ausbreitete. „Du musst dich etwas aufwärmen“, sagte er ihr, um die Stille zu vertreiben. „Und dann erzähle mir bitte, was los ist.“
Was sie ihm antwortete, klang schwach. Langsam, fast krächzend, flüsterte sie nur: „Komm’ zu mir.“
Keep your eyes on me, now we're on the edge of hell.
Kapitel 32 – Böses Blut
„Rhian? Hochgeweihte Rhian? Seid ihr hier?“ Die Worte des Dieners waren nach oben geschallt, zu jener Lichtung hinauf, auf der die Geweihte immer noch mit S’srah saß. Diese berieten sich gerade. Von ihren privaten Geschichten waren sie dazu übergegangen, die Zukunft des Reiches neu zu planen und sie überlegten gerade, welche Krone am besten zu Vestas Haaren passte, und so zwangen sie die Rufe des Boten zur Unterbrechung. Wie anders wäre die Geschichte wohl verlaufen, hätten beide nur fünf Minuten mehr Zeit gehabt?
So aber hasteten beide in den Tempel zurück, wo ein junger Bote, der weder einen Namen hat noch einen braucht, gerade dabei war, die Bilder des Rahjaschreines zu inspizieren. Er war davon so hingerissen, dass er die Annäherung der Frauen vollkommen überhörte. Aber zu dessen Entschuldigung konnte man sagen, dass es wirklich schöne Bilder waren.
„Herr Bote?“, fragte Rhian zögerlich, „Wenn Ihr mich sucht… ich bin nicht auf dem Bild.“
Wie von einem Pfeil getroffen, drehte sich der Bote um, um dann zu erstarren… und rot zu werden. „Seid Ihr sicher?“, stammelte er, „Ich hätte schwören können, die Dame hier hinter dem Vorhang…“
„Überprüft Eure Augen. Das ist ein Mann…“, warf Rhian ein, ebenfalls errötend, und Sizra sprang vor, um zu zeigen, was sie gelernt hatte. „Das ist ja wohl sonnenklar zu erkennen. Männliche Menschen zeichnen sich nämlich durch einen Penis aus, den könnt Ihr hier auf dem Bild sehen… einen ziemlich großen sogar, wenn ich das beurteilen kann. Außerdem ist der Bartwuchs ein eindeutiges Merkmal, und auch dieser ist hier recht gut zu erkennen. Daraus schließe ich, dass es sich hier um einen Mann handelt… Etwa nicht?“ Die Blicke der Geweihten und des Boten stimmten die junge Echse ratlos. Sie hatte wieder irgendwas falsch gemacht. Menschen waren doch so schwierig.
„Na gut…“, begann die Geweihte, der das Schweigen peinlich war, „Was gibt es denn? Ich hoffe doch, es ist wichtig.“
„Wichtig… nun ja… Wichtig ist es schon. Es sind die Thorwaler. Sie drohen mit Krieg.“
„Moment. Langsam. Habe ich das richtig verstanden?“ Fassungslos starrte die Geweihte den Boten an. „Warum denn das denn? Und warum kommt Ihr damit ausgerechnet zu mir?“
Diese Antwort zu geben, fiel dem Boten nicht leicht. Er erzählte seine Geschichte, wie er nach der Kaiserin gesucht hatte… doch diese wäre beschäftigt und wünschte keine Störung. Dann fragte er nach dem Militärberater, doch dieser schien noch nicht da zu sein. Und der Minister für Allgemeines schien ein Kater zu sein. „…Und da hatte mir jemand den blöden Rat gegeben, ich sollte mir ein paar hinter die Binde kippen, dann würde der Kater schon von alleine kommen. Aber der käme dann doch erst am nächsten Morgen. Und diese Botschaft musste ich doch schon heute überbringen. Und da kam ich zu Ihnen. Sie wären wichtig, und Sie hätten Zeit, und jetzt sind Sie auch noch böse auf mich, und ich habe wieder niemanden…“ Der Bote begann, zu schluchzen. Ihm kamen die Tränen, als er daran dachte, wie wenig man ihn mochte. „Ist ja gut. Ich habe dich ja gehört. Brauchst nicht weinen. Nur weißt du denn, was die Thorwaler von uns wollen?“
Wieder war es S’srah, die vortrat, denn sie hatte viel gelesen und war mächtig stolz darauf. „Ich denke, das Übliche. Sie beschuldigen uns, ihre Gewässer verschmutzt zu haben… Wir würden beim Bingo betrügen… Sie wollen unser Öl… Captain Thor hat seinen Männern Landurlaub in zivilisierten Landen versprochen… und außerdem sehen unsere Frauen besser aus als ihre. Ja, ich glaube, das wäre alles.“
„Das heißt… Ihnen ist langweilig?“ Die Geweihte dachte nach, während S’srah nur nickte. „Aber warum denn ausgerechnet jetzt? Sie wissen doch genau, dass wir ihnen nicht nachgeben können. Nostria hört nur zögernd auf Vinsalt, zu viele Jahre der Unabhängigkeit sind noch nicht überwunden. Damit unsere Nationen eins werden, müssen wir ihnen zeigen, dass unsere Interessen gleich sind. Da können wir nicht einfach Kompromisse eingehen, nur weil einem halbstarken Hetmann der Sack juckt. Was denkst du, Bote? Könntest du nicht einfach zurückgehen und ihm eine Spieluhr mitbringen? Eine von denen, auf denen sich lustige Figuren drehen? Damit könnten wir ihn beschäftigen.“
Der Bote lächelte nur traurig. „Ich fürchte, dafür ist es inzwischen zu spät.“
Rhian verstand. „Geht zu den Thorwalern zurück und versucht es trotzdem. Lenkt sie ab, haltet sie auf, nehmt die Kaiserliche Baletttruppe mit, wenn es sein muss. Ich werde mich in der Zeit nach Nostria begeben und für unsere Sicherheit sorgen. Wir brauchen eine neue Armee, und bei den Zwölfen, die werde ich bekommen!“
„Aber Frau Geweihte? Müsst ihr nicht eine Krönung vorbereiten?“
„Ach, das Wichtigste ist beschlossen, und den Rest improvisieren wir eben. Vier Stunden haben wir ja noch. Ich verspreche dir, dass ich rechtzeitig zurück sein werde… mit dem Rosenbanner über Thorwal, wenn’s sein muss!“
Der Bote nickte. Rhian nahm S’srah bei der Hand und verließ den Palast, und der Bote blieb ratlos zurück. Heute war wirklich nicht sein Tag. Was für eine Selbstmordmission hatte sie ihm aufgetragen?
Sein Name war übrigens Boronlieb.
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Kapitel 33 – Maunz!
Wenn man Flaim fragte, warum es gut war, eine Katze zu sein, dann nannte er gewöhnlich drei Punkte: Erstens wurde man von allen unterschätzt. Zweitens kam man durch jede Ritze. Und drittens, und das war das Wichtigste, ließen Frauen Katzen weit näher an einen heran, als sie es bei einem gewöhnlichen Mann wagen würden. Und besonders dieser letzte Punkt gefiel Flaim, denn er mochte Frauen. Schöne Mädchen, halbwegs jung und möglichst knapp bekleidet, waren ihm allerliebst.
Dies konnte auch der Grund gewesen sein, weswegen er sich in Vestas Schlafzimmer breit gemacht hatte. Er hatte es sich nämlich mit einem Beutel Brekkies auf ihrem Kleiderschrank gemütlich gemacht und einfach nur die Show genossen. Und diese hatte so gut angefangen. Klein-Vesta, allein und durchnässt, und auf einmal taucht ihr Prinz auf. Sie wird ihre nasse Kleidung los, steht nur in ihrer reizenden, knappen Unterwäsche vor ihm, und dann?
Dann reden sie. Ohne auf den Punkt zu kommen. Flaim hätte sich am Liebsten mit seinem Futternapf bewusstlos geschlagen, nur um das nicht mit ansehen zu müssen. Sicher, irgendwas war mit Vesta los, aber in einer solchen Lage musste er doch als Mann handeln. ‚Zeige ihr einfach, was Liebe ist, und dann wird sie dir schon zu Füßen liegen.’, hatte er dem Diener zubrüllen wollen. Und dabei hatte er hier einen der besten Plätze…
Wenn man Flaim fragte, warum es schlecht war, eine Katze zu sein, dann nannte er auch hier drei Punkte. Zum einen waren da Hunde. Zum anderen vertrug man keinen Alkohol. Und zum dritten, und das war das Schlimmste, hatte man auch nur eine Männlichkeit in Katergröße.
Das war schlimm. Und Punkt zwei verhinderte ja auch noch, dass man sich deswegen einen hinter die Binde kippen konnte. Es war wirklich zum Heulen. Da hatte man schon ein weiches Fell und ein sanftes Schnurren, aber für was? Für Katzendamen? Aber Flaim stand doch auf Menschen, besonders auf solche mit großem Charakter.
Leise schlich sich der Kater heran. Da lag sie nun, die kleine Vesta, knapp bekleidet wie zuvor und sich an ihre Bettdecke klammernd. Doch zumindest er war weg. Er hatte ihr versprochen, Tee zu kochen.
Ausgezeichnet. Seine Chance. Mit einem schnellen Satz war er auf das Bett gesprungen. „Flaim?“, rief sie überrascht auf, und er bedachte sie mit seinem süßesten Katzenlächeln: „Hey, Kleine. Schlimm siehst du aus. Lass mich dir Liebe geben, wie sie dir nur ein Kater geben kann.“ Und ehe sie sich versah, hatte er sich schon an sie gekuschelt und blickte sie auffordernd an. ‚Kraul mich!’
„Du hast mich ganz schön erschreckt“, sagte sie, während sie sich doch seinem Blick beugte und ihre Hand über sein Fell gleiten ließ. „Wo hast du die ganze Zeit über gesteckt?“
Ja, wo war er gewesen? Erst hatte er Rhian nachgeschnüffelt, doch hatte er sie den Tag über nicht gesehen. Was er schade fand, denn immerhin war sie auch ein schönes Mädchen, und bestimmt würde sich bei ihr auch ein Blick unter ihr Priestergewand lohnen. Wenn sie ihn nicht so schmerzlich an >sie< erinnern würde…
Da hatte er dann nach Vesta gesehen, ohne sie allerdings zu finden. Doch ihr Bett hatte seiner Katzennase ein paar interessante Dinge verraten. Interessant genug, um hier auf sie zu warten. „Weißt du, Vesta“, erzählte er währenddessen, „Ich wollte einfach nur mal nach dir sehen. Außerdem schickt mich der Regisseur. Uns laufen die Leser davon, weil nur gelabert wird und gelabert wird und nicht passiert… aaaah, das ist gut.“ Genüsslich begann er zu schnurren, während die Kaiserin in spe seinen Bauch kraulte.
„Was soll denn passieren?“, fragte sie ihn, „Carro und ich, wir sind noch nicht so weit. Schon am zweiten Tag, das wäre doch zu schnell. Und überhaupt, was sollen nur die Leute von mir denken…“
„Ach, Vesta“, begann der Kater, „Die Leute denken doch eh, was sie wollen. Viel wichtiger ist doch, was du willst. Aber darüber solltest du lieber mit Carro reden, ich bin immerhin nur der Kater. Wofür die Leute aber kein Verständnis haben werden, ist, wenn du hier grundlos rumzickst. Davon haben unsere Leser einfach schon genug zu Hause. Also sei bitte so gut und erzähle, was dich bedrückt, entweder Carro oder mir. Dann werden wir schon einen Weg finden.“
Vesta erstarrte und dachte nach. Flaim konnte förmlich spüren, wie in ihrem Innersten zwei Seiten miteinander rangen. Aber das war auch in Ordnung. „Weiterkraulen bitte.“
„Oh, entschuldige bitte, Kater.“, antwortete sie schnell, und Flaim konnte förmlich riechen, dass sie gleich reinen Tisch machen würde. Doch eigentlich wollte er es gar nicht hören. „Dein Prinz kommt zurück“, erklärte er und sprang wieder in den Schatten. Vesta, die hinter ihm zurückblieb, hielt indes ihre Hand in der Bewegung erstarrt, weiter den Bauch eines Geisterkaters kraulend. Und in diesem Moment trat Carro durch die Tür.
Brekkies werden kalt. Eine schlimme Eigenschaft an ihnen, dachte Flaim, dem andererseits positiv auffiel, dass man diese ja auch nicht aufwärmte. Es war immer das Gleiche mit den Frauen. Sie streichelten ihn und sie zeigten sich ihm, wie die Zwölfe sie schufen. Er konnte sich durch ihre Unterwäscheschränke wühlen und ihnen beim Duschen zusehen. Doch mehr sollte es niemals werden. Wenn es ernst wurde, dann konnte er mit nichts Besserem rechnen als mit einem Platz in zweiter Reihe, mit einer Schüssel Katzenfutter vor sich und einem schönen Blick auf das Geschehen.
Das war erbärmlich. Aber es war immerhin etwas mehr als nichts.
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Story des Jahrzehnts
update 05.11.2025
Schreibt endlich weiter...
"Ich habe nach dem Spiel in der Kabine viele verwirrte Menschen getroffen."
Kiel-Trainer Ole Werner am 13.01.21 nach dem Sieg gegen Bayern München