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Thema: Die letzte Schlacht des Keltenreiches

  1. #136
    Papierchenschweizer Avatar von Aterianer
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    Ich will einen Trigger programmieren, der dir auf jedes Kapitel ein
    schreibt, aber 1. will ich deine 5*-Story nicht zuspammen und 2. kann ich nicht programmieren.
    Deshalb hier nochmal ein grosses für FS!
    Zitat Zitat von Paul McCartney
    And in the end
    the love you take
    is equal to the love
    you make.

  2. #137
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    Danke, danke

  3. #138
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    Kapitel 79 - Blutzoll

    Mit funkelnden Augen betrachtete Thorval das näher kommende Piratenschiff. Ein leises Seufzen entfuhr ihm, was den neben ihm stehenden Collin zu einem Kommentar anregte. "Was ist los? Bist du des kämpfens müde?"
    Gischt peitschte über die Reeling in die Gesichter der Männer, Wind zerrte an ihren Haaren. Ein berauschendes Gefühl der Freiheit, den Naturgewalten so entgegen zu treten. Kurz dachte Throval nacht, dann nickte er. "Ja. Ja, das bin ich tatsächlich." Eine dünne Falte zeigte sich zwischen seinen Augenbrauen, während er mit der rechten Hand über die Axt an seinem
    Gürtel strich. Collin blickte ihn erschrocken an.
    "Mach nicht so ein Gesicht! Ich bin Schmied, kein Krieger! Das ist alles, was ich seien wollte!" Und was hatte er alles schon gesehen. Welche Gefahren hatte er überstanden! Nichts davon hatte er sich erträumen können, als er von seinem alten Lehrmeister aus Lugdunum fort geschickt worden war.
    "Vor einer Schlacht kannst du dir nicht erlauben Trübsal zu blasen", mahnte Collin, dessen Rüstung in der hoch stehenden Sonne glänzte. Er war Krieger, hatte zur Wache in Lugdunum gehört. "Du darfst nicht daran denken,..."
    "Was mir Sorgen macht ist nicht der KampF! Du weißt, dass ich wie alle anderen jederzeit meinen Mann gestanden habe! Ich denke nur darüber nach, dass wir die große Armbrust hätten gut gebrauchen können! Ein paar brennende Lumpen daran gebunden und die Piraten hätten mehr damit zu tun ihr eigenes Schiff zu löschen, als gegen uns zu kämpfen." Das Geschütz am Bug von Denbars Schiff war Thorvals Stolz gewesen. Im Gefecht hatte es hervorragende Leistung erzielt. Ein einziger Treffer hatte die Bordwand eines anderen Piratenschiffes durchbrochen, die Hälfte der dort postierten Seeleute getötet und durch den ausgelösten Trümmerregen jede Menge Schaden und Verwirrung angerichtet.
    Nachdenklich stützte sich Collin mit den Ellebogen auf die Reeling. Er stellte sich jedem Kampf und wurde nicht müde mit seinem Schwert allen Feinde entgegen zu treten. Damit bildete er keine Ausnahme. Auch Seamus und Ronkell waren Krieger mit ganzem Herzen. Viele der Anderen hingegen waren nur aufgrund von Zufällen zum Kampf gekommen. Dennoch verstand Collin
    die Denkweise des Schmiedes.
    Sie befanden sich auf See. Dies war fremdes Territorium. Und Piraten hatte nur die Chance lange auf Kaperfahrt zu gehen, wenn sie auch tatsächlich gut genug waren. Und das bedeutete schlichtweg, dass die Männer auf dem näher kommenden Boot darauf spezialisiert waren, auf den auf und ab wiegenden Planken von Schiffen zu kämpfen. Das gegnerische Schiff in Brand zu stecken, bevor dieses auf Nahkampfdistanz heran war, wäre da sicher hilfreich.
    "Meinst du, dass diese Seldschuken mit Bögen umgehen können?" Collin deutete auf die fünf hühnenhaften Krieger, die seelenruhig ihre Rüstungen anlegten. Ihre gewaltigen Krummschwerter spiegelten das Licht wieder und versprachen ihren Gegnern Tod und Schmerzen. "Frederick und Llionel haben erzählt, sie seien gute Krieger. Ich würde davon ausgehen. Warum fragst du?"
    Ein Glänzen trat in Collins Augen. "Ich bin auch gut mit dem Bogen. Ginny hat ihre Armbrust. Und Llionel kommt mit allen Waffen zurecht - schließlich musste er früher sehr flexibel sein." Ein Grinsen spielte um seine Mundwinkel. "Wir brauchen nur etwas, mit dem wir die Takelage in Brand setzen können."
    Mit wachsender Begeisterung hörte Thorvals zu. Auch wenn die Pfeile nicht unbedingt weit genug fliegen würden, so konnte die Armbrust doch nützlich sein. "Guter Einfall. Wenn die Piraten jedoch auf Bogenlänge sind, werden ihre Schützen uns auch erreichen. Ginny muss das alleine machen. Der Beschuss wird nicht stark - aber wenn sie in die Segel schießt, reichen zwei oder frei Pfeile sicher aus. Wir brauchen nur etwas Brennbares." Schnell lies Thorval
    den Blick über das Deck gleiten. Er hatte sich zu wenig umgesehen, um zu wissen, was alles an Bord gelagert wurde. Mit den Osmanen reden konnte er auch nicht, außer mit dem Efendi.
    Aber würde dieser mit einem einfachen Krieger reden? "Llionel oder Frederick müssen her. Schnell", wies Thorval Collin an. "Ich suchen nach Ginny."
    "War mir klar, dass du dich wieder um das schöne Mädchen kümmern willst. Sie ist am Hauptmast und sichert unser Gepäck."
    "Und mir war klar, dass DU weißt, wo sich dieses hübsche Mädchen befindet! Los, wir haben nicht viel Zeit."
    Beide gingen eilig in unterschiedliche Richtungen. Thorval fand Ginny in der Nähe des Hauptmastes, wo sie versuchte Beras davon abzuhalten, seine Waffen anzulegen.
    "Du kannst kaum laufen, wie willst du dann kämpfen", meinte sie und legte dem jungen Kupfergräber eine Hand auf die unverletzte Schulter.
    "Meine Brüder brauchen mich", antwortete er und griff mit der linken nach einem seiner Dolche, den er dann in seinen Gürtel steckte. Die rechte Hand bewegte er sehr langsam und vorsichtig, griff nach dem zweiten Messer und biss dabei die Zähne zusammen. Dennoch brachte er die Waffe in ihre Position. Der Schmerz hatte sein Gesicht erbleiben lassen und Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Dennoch stand er mit voller Überzeugung vor Ginny
    und versucht sich seine Erschöpfung nicht anmerken zu lassen.
    Wieder wechselten einige Worte zwischen den beiden, diesmal heftiger als zuvor. Und Thorval konnte Ginny nur zustimmen. Beras war zwar ein tapferer Krieger und sein Wille, an der Seite seiner Gefährten zu stehen, war ehrenhaft, aber seine Verfassung würde ihn mehr zu einem Hindernis machen, als zu einer Hilfe.
    "Ich unterbreche nur ungern, aber ich brauche deine Hilfe, Ginny", warf Thorval nüchtern ein. Zwei Gesichter drehten sich zu ihm. Ginny zufrieden und selbstsicher, dass sie auf Hilfe angesprochen wurde - Beras ernüchtert und enttäuscht aus eben dem gleichen Grunde. Thorval erklärte den Plan kurz, bis dahin waren auch Collin und Frederick zugegen.
    "Ich habe mir Kassian Efendi gesprochen. Wir können Pech bekommen. Sie haben etwas davon an Bord, um undichte Stellen im Rumpf abzudichten. Wenn es entzündet wird brennt es wie Zunder - deshalb wird es auch nur dort verwendet, wo viel Feuchtigkeit hin gelangt."
    Kurze Zeit später brachten osmanische Matrosen ein Fass mit Pech auf das Oberdeck. Thorval hatte inzwischen in einer Kohlenpfanne ein Feuer entzündet, Ginny stand bereit, die Armbrust an der Seite.
    "Es wird knapp", murmelte Frederick. "Nicht mehr viel Spielraum. Ich gehe zu den Anderen. Collin, du bleibst hier und hälst Thorval und Ginny den Rücken frei." Etwas missmutig starrte Collin dem Steiner hinterher. Ihm hätte es mehr gefallen, direkt in der ersten Reihe zu stehen.
    Mit stoischer Ruhe wickelte Thorval nun einen Lappen um einen der Bolzen, tauchte diesen in das Fass mit dem Pech und hielt ihn über die Kohlenpfanne. Schnell fing die zähe schwarze Masse Feuer. Ginny legte unter erschwerten Bedingungen den brennenden Bolzen ein, hatte sich aber in weiser Vorassicht ein paar Lederhandschuhe angezogen. Dann gaben die Kelten ihr das Schussfeld frei. Sie zielte hoch, richtete die Armbrust auf den höchsten Punkt des Piratenschiffes aus und drückte den Auslöser.
    Der Bolzen verließ die Armbrust. Tropfen von brennendem Pech fielen auf die Planken und die Reling und hinterließen dort kleine Brandlöcher. Die Kelten waren kaum in der Lage die Flugbahn zu verfolgen, doch ein schwelender schwarzer Fleck an einem der Segel des Piratenschiffes war Zeichen für einen Treffer. Unbekümmert kamen die Piraten näher. Ein einziger Bolzen war einfach unbedeutend, selbst wenn er die Takelage traf. Ein kleines Loch, dass keine Auswirkungen auf die Geschwindigkeit hatte - es war zu vernachlässigen. Auch der zweite und dritte Bolzen zogen noch nicht die Aufmerksamkeit der Piraten auf sich, doch der vierte Bolzen traf in einen Ankerpunkt des Hauptsegels. Brennendes Pech fraß sich durch solide Taue und plötzlich fehlte dem Segel eine Halterung. Das Leinen flatterte im Wind, den Piraten fehlte urplötzlich der Schwung und das ganze Schiff schwenkte nach links aus und somit weiter weg von dem osmanischen Frachter.
    Ginny nahm einen weiteren Bolzen und sandte diesen dem Piratenschiff entgegen. Inzwischen hatte das brennende Pech begonnen zu zündeln und Flammen leckten durch die Takelage. Der fünfte Bolzen unterstützte dies nur noch weiterhin.
    Selbst aus der Ferne war plötzlich die Panik und Unsicherheit auf dem gegnerischen Schiff zu erkennen. Doch die Piraten waren in ihrem Element, trotz des Verlustes an Geschwindigkeit und ihrer Abdrift gingen sie längstseits und wild aussehende Gestalten schwangen sich an langen Seilen über die Reling.
    Bevor die Ersten auch nur das Deck des Schiffes erreicht hatten, waren die Seldschuken vorgestürmt und hatten ihre langen Krummsäbel geschwungen. Die getroffenen Piraten schlugen hart auf die Planken auf. Die glücklicheren von ihnen waren sofort tot, andere wanden sich in einem Pfuhl von Blut und Gedärmen. Die Seldschuken waren präzise Killer.
    Collin und Thorval hatten jedoch nicht lange Zeit, die Kampfkünste der hochgewachsenen Krieger zu bewundern. Zwei Piraten landeten in ihrer Nähe und griffen sie an. Collin schwang sein gewaltiges Schwert, drängte seinen Angreifer mehrere Schritte zurück und sah sich dann urplötzlich einem zweiten Gegner gegenüber. Thorval hatte seine Axt fest im Griff und wartete auf den Angriff. Der Pirat grinste hähmisch, als er einen dünnen Säbel vorschnellen lies und dem Schmied einen blutigen Striemen auf dem linken Oberarm zufügte.
    "Hey", rief dieser. "Das hat weh getan!"
    Verwirrung stand in den Augen des Piraten, dann schmetterte Thorval seine Axt wie einen Schmiedehammer auf sein Ziel. Der dünne Säbel zerbrach, als der Pirat versuchte den Schlag zu blocken. Der nächste Hieb zielte auf den Hals des Piraten. Als Thorvals Axt sich in dessen Kehlkopf bohrte, stieß der Getroffene einen glucksenden Laut aus. Blut rann ihm aus Mund und Nase, dann sackte er tot zu Boden.
    Collin hatte weniger Glück mit seinen Gegnern - und das war ihm ganz recht so. Mit ausholenden Kreisen führte er sein Schwert, zwang beide Piraten regelmäßig zu panikartigen Paraden und stieß immer wieder gefährlich nach vorne. Zwar war es ihm noch nicht gelungen, einen kritischen Treffer anzubringen, doch seine Gegner hatten schon einige Schnittwunden zu beklagen, die teilweise heftig bluteten und sie in ihrer Beweglichkeit einschränkten. So trat Collin auf die beiden Männer zu, schlug nach rechts aus, drehte sich auf der Ferse, zog den rechten Arm zurück und traf in einer Rückwärtsdrehung den Unterkiefer eines Piraten. Der Stahl drang durch die dünne Haut, brach den Unterkiefer und trat durch dessen Zahnreihe wieder hinaus. Dabei wetzte die Klinge dem Piraten noch eine Hasenscharte in die Oberlippe.
    Dieser taumelte zurück, griff mit beiden Händen in sein Zerschmettertes Gesicht. Blut quoll aus der Wunde und der Mann musste sich übergeben. Innerhalb von Sekunden sank er zu Boden.
    Collin wirbelte herum, wandte sich wieder seinem anderen Gegner zu, doch er erstarrte mitten in der Bewegung. Seine Hände begannen zu zittern, Schaum trat auf seine Lippen - aus seiner Hüfte ragte ein spitzer Metallschaft. Der zweite Pirat hatte sich von den Treffer zu schnell erholt und zugeschlagen, als Collin ihm den Rücken zugedreht hatte. Mit mörderischer Genugtuung drehte er sein Dolchmesser in der Wunde herum, Collin sank auf die Knie, der Schock der Verwundung lies ihn beinahe erstarren. Seine Augen wurden trübe und suchten nach Thorval, stumm sandte er einen Hilferuf zu seinem Freund, während der Schmerz durch seinen Körper peitschte.
    Der Schmied war beinahe so gelähmt wie Collin und die Zeit schien zähflüssig zu verlaufen, es dauert Stunden bis Collins Knie das Deck berührten, bevor die Blutstropfen durch sein Kettenhemd drangen - so jedenfalls empfang es Thorval. Er stpfte vorwärts, sah zwei weitere Piraten hinter Collin, die sich an dem Leid seines Freundes ergötzten. Dann bewegte sich die Zeit wieder normal. Thorval begann zu rennen, drei, vier schnelle Schritte ließen ihn die Distanz zu den Piraten überbrücken. Er sprang zwischen sie, griff dabei mit der linken Hand nach seinem Schmiedehammer Nummer drei, der ebenfalls an seinem Gürtel hing und traf sowohl mit der Axt als auch mit dem Hammer je einen Piraten. Die beiden Männer taumelten, während Thorval sein Gleichgewicht suchte. Der Pirat, der Collin schwer verwundet hatte, lies von seinem Opfer ab und zückte zwei weitere Messer. Ein billiger Abklatsch von Llionel, dachte Thorval. Er riss beide Arme nach vorne - der Kopf des Schmiedehammers klatschte auf die Stirn des Piraten. Das Geräusch von hundert zerplatzenden Eiern erklang, als dessen Schädeldecke zerbrach. Dann traf die Axt in den linken Unterarm des Mannes, bohrte sich zwischen Elle und Speiche und riss den Arm am Ellebogen ab. Weitere Gegner näherten sich.
    Thorval zog seine Axt zurück, den blutigen Unterarm immer noch an der Klinge verkeilt und warf diese in die graue Masse der Piraten.
    Vor seine Augen senkte sich ein blutig-roter Vorhang, Einzelheiten verschwommen in seinem Blickfeld, doch er packte seinen massiven Schmiedehammer mit beiden Händen und stellte sich seinen Feinden. Wo immer das Werkzeug niederging, hinterlies es zerschmetterte Knochen und blutige Wunden. Klingen fuhren über Thorvals Haut, doch er bemerkte die Verletzungen kaum. Drei, vier oder fünf Gegner standen vor ihm, dennoh wirbelte er weiter mit dem Hammer um sich.
    Unerwartet traf ihn ein Tritt in die linke Kniekehle. Plötzlich fehlte ihm der sichere Halt, er stolperte nach vorne, stürzte dem Gewicht seiner Waffe hinterher - direkt in zwei Piraten hinein. Im Nahkampf war der Hammer absolut unnütz, also zwang sich Thorval von seinem geliebten Werkzeug Abschied zu nehmen. Er lies den Hammer los und griff nach einem Schabeisen, dass er dazu benutzte die Ösen von Kettenhemden wieder zu lösen, wenn sie sich nach einem Treffer verbogen hatten. Ein krummer Gegenstand von zehn Zentimeter Länge, fast wie ein Dolch. Doch bevor er ihn benutzen konnte, schlug einer der Piraten eine Faust in Thorvals Gesicht. Sterne tanzten vor seinen Augen, durchdrangen den Vorhang aus Blut, dann prallte er auf das Deck. Mit dem Rücken zum Feind auf dem Boden zu liegen erschien ihm als denkbar schlechte Möglichkeit, also warf er sich herum, in der Hoffnung einem tödlichen Streich zu entgehen. Doch er wurde nicht Ziel eines Angriffes. Eilige stemmte sich der Schmied auf die Beine, spieh Blut und einen Zahn aus und sah erschrocken, wer ihm zu Hilfe geeilt war.
    Zwei lebende Tote schienen zwischen die Piraten getreten zu sein, deren Zahl inzwischen auf fünf angestiegen war. Collin und Beras stachen und schlugen mit ihren Waffen auf ihre Gegner ein - ein unglaublicher Anblick.
    Aus Collins Bauch ragte immer noch das Dolchmesser des Piraten, doch er kümmerte sich nicht darum, schwang sein Schwert und erschlug einen Feind. Wieder und wieder warf er sich herum, wurde dabei jedes Mal etwas langsamer. Thorval war wie versteinert. Sein bester Freund hatte ein Chance zu überleben - aber nicht wenn er seine letzte Kraft einsetzte, um sich in die Schlacht zu werfen! Collin wurde immer blasser. Wieder sank er auf die Knie, direkt vor einem zum Zuschlagen bereiten Piraten.
    Dieser kam jedoch nicht dazu. Beras war zur Stelle! Den rechten Arm an den Rumpf gepresst wirbelte der Kupfergräber zwischen den Piraten. Mit einem Dolch riss er tödliche Wunden - Llionel hatte ihm alles über die Schwachstellen am menschlichen Körper beigebracht. Wenn Beras traf, dann um zu töten. Doch auch seine Kräfte schwanden.
    So raffte sich Thorval wieder hoch. Er warf den Kopf wild hin und her, auf der Suche nach seinem Schmiedehammer. Dieser war nur zwei Schritte weit entfernt, hatte eine Planke des Decks zerschmettert und ragte griffbereit in die Luft . Ein Pirat stand direkt davor, doch das Schabeisen bohrte sich zwischen dessen Schulterblätter. Collin warf den linken Arm um den Hals des Mannes und rückte weiter zu, zog seine Waffe aus der Wunde und stach noch drei Mal zu. Leblos ging der Pirat zu Boden.
    Beinahe gierig griff er nach seinem Schmiedehammer, fühlte das gewaltige Gewicht des Werkzeugs in seinen Händen. Er roch die glühende Luft der Schmiedeöfen, Holzkohle und Rauch.
    Endlich hatte er wieder eine richtige Waffe!
    Mit mächtigen Schlägen brachte er den letzten beiden verbliebenen Piraten den Tod und starrte auf seine beiden Leichenblassen Freund hinab. Beras schien nur erschöpft, doch Collin...
    Inzwischen lag der Frostfuchs auf dem Rücken, beide Fäuste um das Eisen geschlugen, dass aus seiner Hüfte ragte. Seine Lippen bebten, aber kein Wort drang hervor. Dann senkte sich die Schwärze über sein Gesicht und Collin sank in sich zusammen. Er starb, so kurz vor dem Ziel! Thorval fühlte sich, als müsse er das Essen der letzten drei Tage wieder ausspucken. Seine Augen brannten, ein gequälter Schrei brandete von seinen Lippen und der Schmied wirbelte um seine eigene Achse. Auf dem Hauptdeck wogte immer noch der Kampf hin und her und mit schnellen Schritten war Thorval plötzlich mitten unter den Kämpfenden. Er brüllte seinen Schmerz in die Welt hinaus, schlug mit dem Schmiedehammer um sich und schickte die Piraten im Dutzend in den Tod. Als der letzte Feind tot auf dem Deck lag, sank der Schmied ebenfalls auf die Knie. Er übergab sich und hielt sich nur mit Hilfe seines Schmiedehammers halbwegs aufrecht, den er als Stütze benutzte.
    Der Tag hatte gut angefangen, die letzten Wochen waren friedlich gewesen und jetzt... DAS! Mit den letzten Kräften stemmte sich Thoval wieder auf die Beine, blickte umher und fand Fredericks Blick. Dieser hatte sich über Vortis gebeugt, aus dessen Hals ein Pfeil ragte. Eine Blutlache unter dem Kelten kündete auch von dessen Ableben. Die beiden Männer tauschten in einem Blick so viel Schmerz aus, das ihnen beiden Schwindelig wurde.
    Wieder zwei Kelten weniger. So kurz vor dem Ziel! Unter welchem schlechten Stern musste ihr Schicksal stehen?
    Das waren die letzten Gedanken, die Thorval hatte, dann sackte er erschöpft zusammen und ein blutiger Traum zermarterte seine Gedanken. Er sah Collin fallen. Immer und immer wieder.
    Geändert von Frederick Steiner (22. März 2010 um 22:03 Uhr)

  4. #139
    der Gesegnete Avatar von Thalionrog
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    (Um mal Aterianer zu zitieren)

    Das hat mir echt eine Gänsehaut beschert, super geschrieben, wie immer.

  5. #140
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    Danke

    Euch beiden natürlich. ich freue mich sehr, wenn Euch diese Geschichte gefällt. Da steckt ne Menge Herzblut drin (und Whisky )

  6. #141
    anarchische Grünhaut Avatar von Kermit
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    Zitat Zitat von Des Pudels Kern Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Der Falke Beitrag anzeigen
    Weil so weit ich weiß sind in D auch Lügen meistens von der Meinungsfreiheit erfasst.
    Man kann dich auf diesen Nebensatz durch "weil" Konjunktion reduzieren, Falke. Immer wenn son Ding vom Stapel läuft, weiß selbst der nachsichtigste Leser, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich zurückzulehnen, kurz in sich zu gehen und wichtige andere Tagesgeschäfte zu evaluieren. Mir fiel beispielsweise plötzlich ein, dass ich schon seit geraumer Zeit mal einen abseilen wollte, ohne abzukneifen.

  7. #142
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    Kapitel 80 – Kampfrausch

    Zwei blaue Augenpaare starrten sich an. Verwüstung und Tod herrschte um Frederick und Thorval, beide Männer waren blutverschmiert und es war nicht nur Feindesblut, das an ihren Händen und Rüstungen klebte. Das Blut keltischer Krieger brannte auf ihrer Haut. Vergossen durch Feindeshand. Ein Schmerz schlimmer als jeder noch so tiefe Schnitt. Vortis und Collin, erschlagen von Seeräubern, von Plünderern! Ehrlosen Banditen!
    Die Münder der beiden Männer öffneten sich Zeitgleich, während ihre Augen begannen abzukühlen. Blaues Feuer, angefacht durch Wut und Gewalt eines Kampfes, erlosch. Kälte durchdrang ihre Pupillen, Muskeln verzogen sich kaum merklich, Eis kroch in ihre Blicke.
    "Rache..."
    Es war kaum mehr als ein Flüstern, doch es verstärkte sich Tausende Male. Thorval stellten sich die Nackenhaare auf und als er von seinem gefallenen Freund abließ, stellte er fest, dass alle Kelten über die Reling starrten. Dort lag das Piratenschiff längsseits. Ihre Entermannschaft war geschlagen worden, die Seldschuken mähten soeben den letzten Piraten nieder und jetzt versuchten die Seeräuber Abstand zu gewinnen.
    Thorval nahm seinen Schmiedehammer und schob seinen Arm durch eine Lederschlaufe, die am unteren Ende des Stiels herabhing. Es war eine einfache Hilfe für junge Schmiedegesellen. Selbst bei einem unpräzisen Schlag würde der Hammer dem Schmied nicht aus der Hand rutschen, auf seine Füße fallen oder einen anderen Schmied treffen können. Einen Sekundenbruchteil wunderte er sich, warum er diese noch nicht entfernt hatte, doch jetzt war er dankbar dafür. Der Hammer hing nun in seiner rechten Armbeuge - schwer aber gesichert. Das Piratenschiff war nur wenige Meter entfernt und immer noch hingen deren Enterhaken an der Reling. Ein Sprung – vier Meter maximal. Hitze stieg in dem Schmied empor, heißer als jedes Feuer in der Esse. Das Glühen erfasste seinen ganzen Körper, er zögerte noch einen Moment, dann nahm er Anlauf und hechtete über die Reling.
    Unter ihm ging es fast sechs Meter in die Tiefe, eiskaltes Wasser peitschte zwischen den Rümpfen der beiden Schiffe empor, Wellen ließen sie gegeneinander stoßen und dann wieder abdriften. Ein Sturz wäre tödlich und Thorval war sich nicht sicher, was ihn dann eher töten würde. Das Eiswasser und das Gewicht seines Schmiedehammers oder die Rümpfe, die ihn zerquetschen würden.
    Es kam nicht dazu.
    Gerade als Thorval dachte, er hätte zu wenig Schwung geholt, krachten unter ihm die beiden Rümpfe wieder aneinander, die Entfernung verkürzte sich schlagartig, das Deck des Piratenschiffes war auf einmal direkt vor ihm. Hart schlug er auf die Planken auf, doch das Gewicht des Schmiedehammers, der ein klaffendes Loch im Holz hinterließ, verhinderte dass sich Thorval überschlug. Benommen raffte er sich auf, um sich ein Bild von der Situation zu machen, in die er sich soeben gebracht hatte.
    Chaos herrschte auf dem Piratenschiff. Noch mehr als an Bord des osmanischen Schiffes. Über ihm flatterten die schwelenden und brennenden Segel im Wind, eines davon war bereits auf das Deck gefallen und bisher war noch niemand dazu gekommen, es zu löschen. Rauch wallte empor und brannte in Augen und Nase. An der Reling standen verwildert aussehende Männer, die verzweifelt versuchten mit kleinen Beilen die Enterseile zu kappen. Auf der niedrigen Kommandobrücke brüllte ein bärtiger Mann mit dunkler Haut wütend Befehle, die Thorval nicht verstand.
    Er konnte nicht sagen, ob die Piraten ihn nicht gesehen hatten oder einfach nur verwirrt waren, dass nun tatsächlich sie selber geentert wurden. Er trat dem ersten Mann entgegen, den er fand. Der Pirat war dabei ein Seil zu kappen, als plötzlich der schwere Schmiedehammer in seinen Rücken krachte. Er flog einen Meter nach vorne, dann endete seine Bewegung an der Schiffswand. Dabei rammte er sich die eigene Axt in den Bauch, kippte nach hinten und blieb liegen. Arme, Beine und Rücken in unnatürlichem Winkel verbogen. Nur die Muskeln zuckten noch ein letztes Mal. Der Schlag hatte ihm die Wirbelsäule gebrochen. Bevor sich die Muskeln des Toten entspannen konnten und die unangenehmeren Körpersäfte – zu denen Thorval Blut schon nicht mehr zählte – austreten konnten, war er schon über die Leiche geschritten und hatte sich den nächsten Mann ausgesucht.
    Diesem war das Schicksal seines Gefährten nicht entgangen, er brüllte eine Warnung und versuchte dem Kelten mit seinem Beil entgegen zu treten. Es blieb bei dem Versuch. Ungeschickt sprang der Pirat vor und sein Schlag verfehlte Thorval. Der Schmied musste nicht einmal ausweichen. Dann riss er den Hammer von unten nach oben, schmetterte den massiven Kopf seiner Waffe auf die Hüfte seines Gegners. Als das Metall den Körper traf, zerbarst der Beckenknochen und der Oberschenkelhals des Piraten. Alleine diese Verletzung war schon nahezu tödlich, doch Thorval setzte nach. Als der Mann in Richtung Deck sackte wirbelte er den Hammer erneut herum und zertrümmerte den Schädel des Piraten, bevor dieser überhaupt vollends auf den Planken lag. Blut spritzte aus dessen Ohren und Nase und Thorval hatte Mühe seine Waffe aus dem aufgeplatzten Schädel seines Gegners zu ziehen.
    Wieder blickte er sich um, Mordlust hatte ihn nun erfasst. Er suchte sich ein neues Ziel, doch der entsprechende Pirat wurde von einem Bolzen in den Bauch getroffen, bevor Thorval ihn erreicht hatte.
    Er war nicht alleine.
    Noch vom osmanischen Schiff aus beschoss Ginny die Piraten, mit dumpfen Schlägen landeten auch Frederick, Llionel, Seamus und Ronkell auf dem Deck und suchten nach Opfern.
    Die Kelten wüteten zwanzig Minuten auf dem Piratenschiff. Auf dem Oberdeck bildeten sich blutige Pfützen, die das Gehen schwierig machten, bei jedem Schritt lösten sich die Stiefel der Kelten nur schmatzend von den Planken. Keinen Piraten ließen sie am Leben. Dann suchten sie sich Holztrümmer, entzündeten diese an den brennenden Segeln und steckten das gesamte Schiff in Flammen. Erst dann kehrten sie zu den Osmanen zurück, die mit offenen Mündern das Massaker beobachtet hatten.
    Noch immer von einem mörderischen Blutrausch besessen, stand Thorval kurz davor, auch die Osmanen anzugehen, weil diese nicht mitgeholfen hatten die Piraten zu erledigen, doch als er sah, dass sie sich um den verletzten Beras gekümmert hatten, beruhigte er sich allmählich.
    Er ließ seinen Schmiedehammer – blutig und klebrig – auf das Deck sinken, ging in die Knie und lehnte sich an die Reling. Das Adrenalin klang ab, er fühlte sich nur noch ausgebrannt. Zwei weitere Kameraden waren gefallen. Collin war sein bester Freund gewesen. Er konnte kaum seine Gedanken ordnen, sie zerfaserten immer wieder, während eisige Schauer über seinen Rücken brandeten.
    So kurz vor dem Ziel!

  8. #143
    anarchische Grünhaut Avatar von Kermit
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    Zitat Zitat von Des Pudels Kern Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Der Falke Beitrag anzeigen
    Weil so weit ich weiß sind in D auch Lügen meistens von der Meinungsfreiheit erfasst.
    Man kann dich auf diesen Nebensatz durch "weil" Konjunktion reduzieren, Falke. Immer wenn son Ding vom Stapel läuft, weiß selbst der nachsichtigste Leser, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich zurückzulehnen, kurz in sich zu gehen und wichtige andere Tagesgeschäfte zu evaluieren. Mir fiel beispielsweise plötzlich ein, dass ich schon seit geraumer Zeit mal einen abseilen wollte, ohne abzukneifen.

  9. #144
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    Kapitel 81 – Die grünen Weiten

    So waren es nur noch sieben Kelten, die gemeinsam den Weg in die Fremde suchten.
    Eine depressive Stimmung herrschte unter ihnen, kaum ein Wort wurde gewechselt, Gesichter blieben ausdruckslos, sogar Kassian Efendi hatte es nicht geschafft Frederick oder Llionel zum Reden zu bringen. Beinahe fühlten sich die beiden Kelten schuldig, weil sie dem dankbaren und freundlichen Osmanen die kalte Schulter zeigten, doch er hatte ihre Trauer und ihre Verbitterung verstanden. Und er hatte sie in Ruhe ihre Rituale durchführen lassen. Neugierig, wie die Kelten ihre Toten betrauerten und welche Zeremonien sie abhielten, war er stets im Rande ihres Blickfeldes geblieben und hatte aufmerksam zugesehen.
    Tapfere Krieger - große Helden - waren stets mit Flößen auf See geschickt worden. Lampenöl wurde zuvor über sie gegossen und entzündet. Sie trieben wie Fanale in die Unendlichkeit der See, leuchteten bis in die tiefe Nacht, damit selbst die Götter wussten, dass ein stolzer Kelte, mutig und bereit sich für sein Volk zu opfern, vor ihre Pforten trat.
    Um ihren Sitten einigermaßen gerecht zu werden, hatten die Kelten ein kleines Beiboot vom sinkenden Piratenschiff gelöst - sie waren gründlich vorgegangen und das feindliche Schiff in Brand gesteckt und Löcher in den Rumpf geschlagen - und sowohl Collin als auch Vortis darauf gebettet. Jedem Krieger hatten sie die Köpfe zweier erschlagener Piraten an die Seite gelegt, dazu Waffen und persönliche Gegenstände. Danach war jeder Kelte heran getreten, hatte sich mit einem von Llionels scharfen Dolchen in den Arm geschnitten und sein Blut auf den toten Gefährten vergossen. Dies war keine althergebrachte Sitte, doch es schien nur wert zu sein, ein Teil seines Lebenssaftes für die Männer zu opfern, die ihr Leben für ihre Brüder gegeben hatten.
    Schlussendlich, bevor Ronkell und Seamus das Beiboot mit Teer und Lampenöl begossen, hatte Frederick noch Gares Axt und Opems verbeulten Helm neben die Toten gelegt. Sie hatten ihre Toten nicht bestatten können, doch wenn die Götter mit offenen Augen die Herzen von Gare und Opem sahen, würden sie auch ihnen den Weg zum Nachleben weisen - trotz der wenigen Dinge, die noch von ihnen geblieben waren.
    Im blutigen Abendrot ließen die Kelten das Beiboot zur See. Kurz mussten sie verharren, denn Kassian Efendi eilte zu ihnen, eine gefaltete Flagge in den Händen. "Dies ist das Banner des osmanischen Reiches, der Traum Osman Gazis. Es nur eines einziges an Bord jeden Schiffes geben - und ich werde Sultan erklären müssen, warum dieses verloren gegangen", verkündete er in recht sicherem Keltisch. "Doch den selbstlosen Einsatz dieser Männer, auch Allah soll erkennen." Die Kelten musterten Kassian kurz skeptisch. Die Osmanen waren tolerant, was den Glauben anging. Sie sahen in ihrem einen Gott zwar den wahren Gott, doch sie wiesen den Glauben der Kelten nicht zurück oder missachteten ihn. Bei den Kelten hingegen war der Glauben einem Dogma gleich - sie konnten nur schwer akzeptieren, dass es noch andere Götter geben sollte, als die Ihren. Doch der wortgewandte Osmane konnte auch diese Bedenken schnell zerstreuen.
    "Allah werden gutes Wort einlegen für Eure Gefallenen. Zumal sie haben gerettet seine Kinder vor großem Schaden."
    So wichen die Kelten bei Seite und gestatteten dem Osmanen, das Banner seines Volkes an das Fußende des Bootes zu legen. Seamus und Ronkell vollzogen ihre Aufgabe und Beras und Ginny entzündeten die Flammen. Langsam sank das Beiboot den Wellen entgegen.
    Ohne eigene Segel, war es dem Seegang ausgesetzt und das Schiff der Osmanen entfernte sich rasch von dem brennenden Grab der Kelten, doch waren die Flammen noch Stunden lang zu sehen. Bis zu ihrem Erlöschen hielten die Kelten abwechselnd Wache an der Reling, sprachen kurze Gebete oder sangen traurige Lieder.
    Jetzt hockten sie alle stillschweigen um eine von Thorvals Kohlepfannen herum, starrten in die Flammen und wirkten apathisch - kaum ansprechbar. Ginny kauerte zusammen mit Beras unter einer rauen Steppdecke, die sie sich um die Schultern geworfen hatten. Ronkell und Seamus stocherten abwechseln mit Stöcken in der Glut und warfen hin und wieder ein Stück Holz nach. Thorval hatte sich auf das Deck gesetzt, die Knie angezogen und die Arme um diese geschlungen. Frederick und Llionel warfen sich hin und wieder Blicke und einzelne Worte zu.
    Sieben Kelten - von elfen, die aufgebrochen waren.
    "Collin hatte eine Tochter", brummte Llionel nuschelnd. Er sah zu Frederick hinüber, seufzte und senkte das Haupt. "Und seine Frau war wieder schwanger."
    Eine grausame Situation. Kinder, die ihren Vater nie kennen lernen würden. Aber war es besser, dass er nie zurück kehrte und für sie immer eine Heldengestalt darstellen würde? Wie würden die beiden Kinder empfinden, wenn ihr Vater in vielen Jahren wieder zurück auf ihre Insel kam und sie feststellen mussten, dass sie trotz der vielen Geschichten über ihn, nur einen Menschen vorfinden würden? Einen bis dahin vielleicht alten Menschen. Mit unverständlichen Angewohnheiten, durch Krieg und Tod abgestumpft. Was war besser für diese Kinder? Ein Fremder an ihrer Seite oder das ruhmreiche, vertraute Bild eines Vater, den sie nie gekannt hatten und der für ihre Zukunft heldenhaft sein Leben gab?
    "Wenigstens werden die O´Byrnes nicht aussterben."
    Collin McHugh O´Byrne vom Clan der Frostfüchse. Er hatte ein großes Erbe getragen. War er ihm gerecht geworden? Frederick konnte diese Frage nicht mit Sicherheit beantworten. Collin hatte oft tapfer gekämpft, aber um zu einem Helden zu werden, wie einst sein Ahn, war er zu früh gestorben.
    "Kassian sagte, dass wir noch sieben oder zehn Tage brauchen werden“, warf Frederick in die Runde und richtete die Worte an alle Kelten. Es dauerte lange, bis jemand darauf reagierte. Sie alle hatten die Ereignisse des Tages noch nicht verarbeitet.
    Sieben bis zehn Tage? Warum so ungenau“, fragte Seamus trotzig. Er zog die Nase hoch und starrte feindselig in die Flammen. Dann spie er in die Glut.
    Es kommt darauf an, wie der Wind steht.
    Die Unterhaltung erstarb. Um die Kästen und Aufbauten wehte ein frischer Wind heran und die Kelten zogen ihre Mäntel enger um die Schultern. Über ihnen leuchteten fahle Sterne und der Mond war nur eine dünne Sichel. Ein lautes Knacken durchbrach die Stille, Holz barst in der Glut und Funken stoben in die Höhe.
    Erinnert ihr euch an die grünen Weiten“, fragte Frederick plötzlich. Er hatte den Kopf geneigt und die Planken des Schiffes angestarrt. Nichts deutete darauf hin, dass er das Wort erheben wollte, darum wandten sich die Köpfe der Kelten erstaunt zu ihm, bevor sie auch nur über das nachdachten, was er gesagt hatte.
    Ich sehe sie nachts immer noch vor Augen – die schroffen Berge um Duran. Das Gras, offenes freies Land. Und ich sehe unsere Brüder, die an unserer Seite gefallen sind. Sie werden dieses Wunder nie wieder sehen. Unsere Heimat. Nie wieder – stellt Euch das vor! Und wenn wir nicht auf uns aufpassen wird keiner von uns zurückkehren!
    Stille und Bedrückung folgte seinen Worten, doch der Steiner stand auf und schritt im Kreis um die sitzenden Kelten.
    „Keiner von uns – und keiner unserer Nachfahren! Keltia für immer in den Händen der Rosanen – können wir das zulassen? Können wir das ertragen?“ Seine Stimme schnitt wie ein Messer in die Herzen der Kelten, doch sie kam nicht um zu töten. Sie kam, um auf Stahl zu schlagen. Auf den Stahl, aus dem die Herzen der Kelten sind. Um Funken zu schlagen, um Feuer zu entfachen. Um die erlöschende Glut wieder anzufachen.
    Und es funktionierte. Schultern strafften sich, gesenkte Blicke hoben sich von den Flammen und fixierten Frederick, der weiter Kreise um seine Gefährten zog. Er legte Beras eine Hand auf die Schulter, gab Seamus einen Klaps auf den Rücken. Kleine Gesten, doch wichtig und wirkungsvoll. „Wir können es nicht zulassen! Niemals! Und deshalb sind wir hier! Deshalb sind wir ausgezogen und haben das Risiko auf uns genommen! Wir haben alle gewusst, dass wir nur Menschen sind – dass wir einmal sterben werden und das die Reise ins Ungewisse für mehr als nur einen von uns das Ende bedeuten würde! Aber wir sind dennoch aufgebrochen!
    Frederick verharrte zwischen Thorval und Llionel. Er sah auf die beiden Männer herab, die aus so unterschiedlichen Leben gekommen waren und nun an seiner Seite standen. Ein Strauchdieb und Mörder als sein bester Krieger und ein Schmiedelehrling, der inzwischen ein Meister an der Esse geworden war und sowohl mit Waffen als auch mit Werkzeug selber in den Kampf zog. Mit einer langsamen und deutlich sichtbaren Bewegung zog Frederick seine Axt aus dem Waffengurt und präsentierte sie seinen Gefährten.
    Weil wir Kelten sind! Weil wir nicht in Furcht verharren! Weil wir nicht erdulden, was geschehen ist! Und weil wir nie davor gescheut haben, für unsere Brüder und Schwestern in den Tod zu gehen!“ Er riss die Axt in die Höhe, während Funken aus der Kohlepfanne um ihn herum aufstiegen.
    Also trauert nicht um unsere Freunde – sie sind tapfer gestorben! Sie sitzen an der Tafel der Götter und werden dort einen Ehrenplatz sicher haben! Ein Hoch auf Opem!
    Opem!“ riefen die Kelten. Zaghaft aber mit festen Stimmen.
    Ein Hoch auf Vortis!
    Vortis“, donnerten die Stimmen der Kelten in der Nacht. Die osmanischen Seeleuten warfen beunruhigte Blicke zu ihnen hinüber.
    Ein Hoch auf Gare“, forderte Frederick.
    Gare“, kam die schallende Antwort. Inzwischen waren die meisten Kelten aufgesprungen, rissen ihre Waffen in die Höhe und die Glut der Flammen schien in ihren Augen wieder. Sie war bis in ihre Herzen gedrungen.
    Ein Hoch auf Collin!
    Collin!“ Besonders Thorvals Stimme war zu hören, als der Name seines besten Freundes fiel.
    Einige Augenblicke verstrichen, in denen die Kelten sich wieder sammelten, ihre Benommenheit endgültig abschüttelten und wieder aufrecht standen.
    Und da wir Kelten sind – da wir nicht weichen werden, bis wir siegreich oder bei den Göttern sind“, begann Frederick. „Ein Hoch auf den Nächsten der stirbt!
    Ein Orkan aus Stimmen schwoll an und riss unter Deck die Osmanen aus den Betten. Die Kelten fielen sich in die Arme, lauthals die Namen ihrer Gefallenen wiederholend. Die immer geringer werdenden Vorräte an Bier und Whiskey machten die Runde. Die Kälte in ihnen war vergangen. Ihre Verluste waren hart gewesen, gute Freunde waren nicht mehr bei ihnen, doch sie würden immer weiter leben, wenn auch nur einer der verbliebenen Kelten mit einer Armee nach Keltia zurückkehrte und die Rosanen in die Flucht schlug!



  10. #145
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    Kapitel 82 - Iskenderun

    Sieben Augenpaare starrten gebannt über die Reeling des osmanischen Handelsschiffes. Eine kühle Briese blies den Kelten in die Gesichter, deren langen Haarmähnen im Wind flatterten. So weit das Auge reichte, erstreckte sich eine gewaltige Stadt am Fuße eines einsamen Bergmassivs. Ein prächtiger Strom teilte die Ansiedlung in zwei Hälften und schon aus der Ferne waren die Brücken erkennbar, die sich in eleganter Pracht über die Wasser des Flusses schwangen. Im Zentrum der Stadt ragte ein gewaltiges Gebäude mit Zwiebeltürmen empor und kündete vom Reichtum und der Größe des osmanischen Reiches. Der Hafen war gefüllt mit Schiffen, bunte Segel leuchteten im Lichte der gerade aufgehenden Sonne und exotische Gerüche wehten zu den Kelten hinüber.
    "Das ist Iskenderun", erklang die melodische Stimme von Kassian Efendi hinter ihnen. Der Osmane trat näher zu ihnen heran, seine rote und goldgelbe Kleidung stand im krassen Kontrast zu den Lederkleidern und Rüstungen der Kelten. Aber sie passte genau zu der gewaltigen Stadt, die den Horizont füllte.
    "Die Eisperle - größtes Hafenstadt in osmanisches Reich!" In der Stimme des Osmanen klang Sehnsucht mit. "Ich schon viel zu lange nicht mehr hier gewesen bin", fuhr er fort. Nach beinahe einem Mondlauf der gemeinsamen Seefahrt, hatte sich sein keltisch noch weiter verbessert und auch die Kelten verstanden einige Satzteile der osmanischen Sprache. Daraus ergab es sich, dass eine Unterhaltung nie vollständig in einer Sprache geführt wurde, sondern dass auch Worte aus dem jeweils anderen Idiom einflossen. Selbst die Kelten untereinander banden osmanische Wörter ein. Zuerst nur für Speisen und Getränke oder gebräuchliche Gegenstände, doch das Zusammenleben begann einfacher zu werden.
    "Hier gibt es den größten Basar außerhalb von Istanbul - Pelze aus dem Osten, Weihrauch aus dem Norden und feinste Seide aus dem Westen." Mit gewisser Genugtuung strich Kassian über seinen Umhang. "Dieser bittersüße Geruch, der die Luft erfüllt - das ist Weihrauch. Dieser wird hier gelagert, um verarbeitet und weiter im Reich verteilt zu werden. Die Tongruben von Stralüman liefert hierher schönste Gefäße, Goldschmiede aus Halys liefern Tabernakel für heilige Messen in großer Moschee." Bei diesem Wort deutete Kassian Efendi eine Verbeugung an, dann zeigte er zu dem alles überragenden Gebäude mit den vielen Zwiebeltürmen.
    "Vom höchsten Minarett der Moschee der Iman ruft osmanische Gläubige zum Gebet. Gott Allah hält seine gütige Hand über uns! Möge sein Glanz den Erdkreis erhellen. Allah akbar!" Einige Seeleute, die in der Nähe Kisten umluden und an den Segeltauen arbeiteten hielten kurz inner und wiederholten die letzten Worte.
    "Sobald wir festgemacht in Hafen, ich werde Treffen vereibaren mit Emir von Iskenderun, um Reise nach Istanbul auszurüsten. Der Emir ist der Statthalter des Sultans und verfügt über absolute Befehlsgewalt in Iskenderun." Eine rasche Geste Kassians galt einem schlichten aber massiven Gebäude im Stadtzentrum. Dieses glich einer kleineren Feste und über den schon aus der Ferne sichtbaren Mauer ragten die Banner des osmanischen Reiches empor. An den Sitz des Emirs gliederte sich eine vom übrigen Iskenderun abgetrennte Siedlung an, die deutlich als Kaserne zu erkennen war. Flache, schmucklose und einheitliche Gebäude - die Kelten wussten sofort, was sie dort sahen. In Keltia hatten die Kasernen nicht anders ausgesehen.
    "Kassian Efendi, verzeiht", begann Ginny und warf dem Osmanen ein Lächeln zu, das dieser gütig erwiderte. "Wenn der Stadthalter absolute Macht hat, wie wollt Ihr dann unsere Reise nach Istanbul veranlassen?"
    "Darüber müsst Ihr Euch keine Sorgen machen", antwortete Kassian. "Der Emir hier hat Befehlsgewalt, aber ich spreche mit der Stimme des Sultans. Er wird jeden Wunsch erfüllen - außerdem werde ich Euch nach Istanbul begleiten. Innerhalb der nächsten sieben Tage sollten wir dort sein. Istanbul ist eine noch größere Stadt, als Iskenderun. Prächtig und atemberaubend, die Wiege unseres Volkes!"
    "Noch größer als Iskenderun? Wie viele Menschen leben hier? Und in Istanbul?" Frederick wandte sich mit ungläubiger Mine zu Kassian um. Dieser legte die Stirn in Falten und dachte nach.
    "Nun, in Iskenderun leben etwa vierhunderttausend Menschen. Eher mehr. In Istanbul fast siebenhunderttausend."
    Fassungslos starrten die Kelten Kassian Efendi an. In Entremont hatten gerade einmal die Hälfte der Menschen gelebt, wie in Iskenderun - und Istanbul sollte noch größer sein!
    Langsam näherte sich das Schiff dem Pier. Geschäftige Matrosen warfen Taue zu wartenden Hafenarbeitern. Diese machten das Schiff an massiven Eisenringen fest. Eine Planke wurde ausgelegt und ehe die Kelten sich versahen, standen sie mit beiden Füßen auf festem Land.
    Von allen Seiten drangen unbekannte Geräusche auf die ein. Sie waren nicht mehr weit von ihren Brüdern entfernt. Dies war das Osmanische Reich. Iskenderun. Die Eisperle.


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  11. #146
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  12. #147
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    Kapitel 83 - Istanbul

    Eine Woche war die Karawane unterwegs. Es ergaben sich außer einem gebrochenem Rad keine Probleme. Trotz hoher Schluchten und dichten Wäldern gab es keine Banditen oder Räuber. Die Straßen im osmanischen Reich waren sicher. An größeren Kreuzungen gab es Feldposten der osmanischen Armee. Krieger mit eindrucksvollen Krummschwertern standen dort, hin und wieder waren auch Reiter zu erkennen, die in der Ferne ihre Pferde zu Höchstleistungen trieben.
    "Die Reiter bringen schnelle Nachrichten über Hauptstraßen in die entfernten Regionen des Landes. Jedes Jahr kluge Köpfe aus ganzes Reich denken nach, wie Produktion und Landwirtschaft optimiert werden können. Zwar sind Statthalter sehr fähig, aber Sultan Hömerüglü", bei dem Namen verbeugte sich Kassian Efendi leicht im Sattel seines Pferdes. "Lässt diese Entscheidung von Diwan-Staatsrat treffen. Dort viele weise Männer vertreten, die sind gelehrt in allen Bereichen."
    Aufmerksam hörten die Kelten zu und versuchten alle Hinweise schnell aufzunehmen. Zwar waren sie sehr beharrlich darin, ihre Kultur - und vor allem ihr reiches Pantheon - zu behalten, doch wollten sie keine offensichtlichen Fehler machen und gute Gäste sein.
    Als sie um eine Hügelkuppe zogen, war in der Ferne eine Stadt zu sehen. Frederick schätzte die Entfernung ab und riss die Augenbrauen in die Höhe. Wenn sie von hier aus schon zu erkennen war, musste die Stadt gewaltige besitzen!
    Ich sehe das Erstaunen in Eure Augen! Ja, dies ist Istanbul, die Hauptstadt unseres Landes, goldene Metropole und Sitz seiner Heiligkeit des Sultan!“ Wieder verbeugte sich Kassian. „Wenn wir erreichten die Stadt, ich werde vor Diwan-Staatsrat treten und eine Audienz mit Sultan erbitten. Ich denke, wir werden in den Abendstunden oder morgen einen Termin bekommen. Ihr könnt währenddessen erkunden die Stadt. Ich werde Euch auf dem Marktplatz verlassen, dieser ist in Zentrum. Wenn ihr wollt nach Galatea, ihr nur müsst gehen nach Westen. Es ist einfach zu finden. Dort gibt es eine Taverne die heißen Schild von Keltia – dort viele Kelten treffen sich während der heißen Mittagsstunden um zu löschen ihren Durst. Ihr könnt sie nicht verfehlen, ein großes Rundschild ist das Tavernenschild.
    Begierig nickten die Kelten. Ihre Reise schien sich dem Ende zu nähern.
    Der Karren, auf dessen Kutschbock Frederick neben dem Fahrer saß, passierte einen gewundenen Bogen im Mauerwerk, der reich verziert worden war. Fresken stellen Menschen dar, die Tiere jagten. Die filigranen Arbeiten waren ausgezeichnet. Frederick hätte es als Steinmetz kaum besser machen können. „Dieser Bogen ist ein Teil der alten Stadtmauer, bevor Istanbul zu groß wurde und wir diese weiter ausdehnen mussten. An einigen stellen ist sie abgetragen worden, doch hier, kurz vor dem Markt, sie wurde weitgehend intakt gelassen. Jetzt ist sie Rückwand für Lagerhäuser und Basarstände. Außerdem der letzte Verteidigungsring gegen Invasoren, wenn angegriffen werden sollte.
    Ein zweiter Ring? Das war eine gute Idee. Selbst wenn die Verteidiger auf den äußeren Mauern zurückweichen mussten und dezimiert wurden, konnten sie hier mit weniger Männern immer noch aushalten. Osmanien war groß und bildete eine starke Einheit. Sicher würde der Sultan sofort Hilfe erhalten und müsste nicht lange warten.
    Immer noch in Gedanken über Belagerungen und die kunstvollen Fresken, wurde Frederick von dem regen Trubel, der ihm vom Marktplatz entgegen drang nahezu erschlagen. Ein Chaos aus Stimmen, die unterschiedlichste Waren feil boten. Bunte Zelte, rot, gelb, blau – der ganze Regenbogen schien vertreten zu sein. Die Gassen zwischen den Ständen waren schmal, die Menschen kamen nur langsam voran und selbst die unwilligsten Käufer waren so gezwungen, sich mit den Auslagen zu beschäftigen. Ein heilloses Durcheinander, fand Frederick, doch der Kutscher fädelte seinen Karren ohne Probleme durch die engen Gassen. Menschen machten bereitwillig Platz. Oder sie wollten einfach nicht von den Hufen der Pferde niedergetrampelt werden. Kassian Efendi auf seinem braunen Wallach ritt schnurgerade durch die Menge, die sich vor ihm teilte wie Wasser.
    So viele Menschen“, raunte Ronkell von der Ladefläche des Karren aus. „Ich wüsste nicht, wo ich anfangen soll zu zählen!
    Als wenn du weiter zählen könntest, als du Finger hast“, feixte Seamus lauthals und erntete einen mehr oder weniger freundlich gemeinten Schlag auf die Schulter.
    Die Karren gelangten schließlich auf einen zentralen Platz, an dem Kassian Efendi diese anhalten lies.
    Hier könnt ihr absteigen. Galatea ist dort“, er deutete in die entsprechende Richtung und ritt an die Spitze der Karawane, ohne den Kelten einen weiteren Blick zu widmen.
    Nun, das war eindeutig“, meinte Llionel, der von einem anderen Karren absprang, auf dem Boden landete und in etwas Weichem landete.
    Während er noch lauthals fluchte und seinen linken Stiefel an einem nicht ganz so besudelten Pflasterstein abwischte, stiegen die anderen Kelten lachend – und deutlich vorsichtiger von den Karren herunter. So große Städte waren sie nicht gewohnt – und Istanbul hatte wohl noch einige unschöne Überraschungen zu bieten. Jedenfalls was die Sauberkeit der Straßen anging.
    Lacht nicht so dämlich“, knurrte Llionel, beendete seine Säuberungsversuche und straffte den Rücken. Sein dunkler Umhang wehte um seine Schultern und binnen von Sekunden hatte er seine autoritäre Würde zurück.
    Lasst uns aufbrechen. Kauft nichts – und passt auf Eure Füße auf“, belehrte Llionel seine Begleiter und ging voran. Er schien fast in der Menge zu verschmelzen, während Frederick und die anderen Kelten immer wieder gegen Passanten stießen. Nach einem besonders heftigen Rempler, tastete Frederick besorgt seine Taschen ab, doch es schien nichts zu fehlen. In diesem Moment wurde ihm auch klar, warum Llionel sich in der Menge so unbekümmert bewegte – ein Dieb konnte sich hier wie zu Hause fühlen. Dieser Gedanke schärfte seine Sinne und so bemerkte er die seichte Berührung an der Hüfte, die nach etwas griff, das Frederick gehörte.
    Mit einem markerschütternden Schrei griff der Kelte nach der diebischen Hand, riss deren Besitzer zu sich heran und zückte gleichzeitig seine Axt. Vor seinen Augen erschien ein dürrer Junge mit schmutzigem Gesicht, der am ganzen Körper zitterte und die Zähne schmerzerfüllt zusammenbiss. Einige Sekunden lang hatte Frederick das Bedürfnis dem Dieb eine Abreibung zu verpassen, die ihn für immer von seinem Treiben geläutert hatte, doch er hatte von Kassian Efendi gehört, dass die Osmanen ihre Kinder verbissen schützten und jeden Angriff mit Gewalt vergelten würden. Kaum in der Stadt angelangt und schon für eine Schlägerei oder eine Fehde verantwortlich zu sein, würde keinen guten Eindruck machen.
    Also kratzte Frederick sein bestes Osmanisch zusammen, fletschte die Zähne und präsentierte dem Jungen dabei die glitzernde Klinge seiner Axt, die an einigen Stellen schon von Feindesblut dunkel gefärbt war.
    Du gehen nach Hause.... Oder du gehen zu Allah“, spie er hervor. Die Aussprache war sicher nicht perfekt und an die Grammatik wollte er gar nicht denken, doch der Junge verstand. Entsetzen stand in dessen Augen und als Frederick seinen Arm los lies, war innerhalb von Sekunden nur noch der schwarze Haarschopf des Jungen zu sehen.
    Den Rest des Weges über den Marktplatz, wurden die Kelten nicht belästigt.
    Als Frederick neben Beras aus der Menge trat und auf einen weiteren Bogen im Mauerwerk zusteuerte, der gemäß Kassian Efendis Angabe nach Galatea führte, wartete Llionel bereits im Schatten des Bogen und grinste Frederick an.
    Du scheinst dich ja bestens zu amüsieren“, beschwerte sich Frederick.
    Da war ich offenbar nicht der Einzige“, gab der Waldwolf zurück. „Aber glaub mir, der Junge wird nicht so schnell kuriert, wie du hoffst. Das sind Erfahrungswerte.
    An deiner Stelle wäre ich da nicht so stolz drauf“, antwortete Frederick.
    Nun, immerhin habe ich alle meine Besitztümer noch. Außerdem noch diesen Armreif – bitte Ginny, das war deiner. Diesen Dolch – hier Seamus - und das hier“, er reichte Frederick einen kleinen Wasserschlauch. „War deins, Frederick. Ich glaube du hattest gesagt, der Tropfen stammt noch aus den Kellern von Entremont.
    Entgeistert starrten die Kelten ihren Gefährten an, während sie ungläubig ihre Taschen abklopften.
    Mehr fehlt nicht. Das haben mir die Jungs versprochen. Wollen wir jetzt Galatea besuchen oder muss ich gleich noch eine Runde über den Marktplatz machen?
    Ohne weitere Worte zu verlieren stampfte Frederick vorwärts.
    Galatea – die Heimat der Kelten in Osmanien. Wie würde es dort wohl sein?

  13. #148
    anarchische Grünhaut Avatar von Kermit
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    Zitat Zitat von Des Pudels Kern Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Der Falke Beitrag anzeigen
    Weil so weit ich weiß sind in D auch Lügen meistens von der Meinungsfreiheit erfasst.
    Man kann dich auf diesen Nebensatz durch "weil" Konjunktion reduzieren, Falke. Immer wenn son Ding vom Stapel läuft, weiß selbst der nachsichtigste Leser, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich zurückzulehnen, kurz in sich zu gehen und wichtige andere Tagesgeschäfte zu evaluieren. Mir fiel beispielsweise plötzlich ein, dass ich schon seit geraumer Zeit mal einen abseilen wollte, ohne abzukneifen.

  14. #149
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    Kapitel 84 - Das Banner des Königs

    Unverkennbar bestimmte keltische Architektur das Stadtbild in Galatea. Je weiter die Kelten vordrangen, umso mehr erinnerte die Umgebung an ihre Heimat. Aus einer Seitenstraße stürmten drei blonde Jungen, vielleicht fünf oder sechs Sommer alt und jagten einem Hund hinterher, aus der Ferne drang das dröhnen von Metall auf Metall an ihre Ohren. Thorval hob den Kopf, nahm einige tiefe Atemzüge und ein Strahlen umgab sein von Sorgenfalten zerfurchtes Gesicht.
    "Eine Schmiede! Ich rieche das Feuer in der Esse!"
    Er deutete nach links und tatsächlich stieg über den Häusern eine dünne Rauchfahne empor. Auf der anderen Seite der Gasse musste sich eine Schmiede befinden. Urplötzlich riss jemand unmittelbar neben ihnen die Tür eines Hauses auf. Ein Mann, der nur mit seinen Hosen bekleidet war hastete hinaus, während im ersten Stock ein Fenster aufsprang und ein Tonkrug dem Flüchtenden folgte. Eine Frau mit hochrotem Kopf erschien am Fenster und beleidigte den Mann aufs heftigste. Lachen drang aus den Kehlen von einigen Passanten und auch die sieben Neuankömmlinge stimmten lauthals mit ein. Keltische Sprache! Keltische Flüche! Es war eine Freude dem Treiben beizuwohnen und trotz der unzähligen Gefechte die Frederick nun schon erlebt hatte, musste er sich eine Träne der Freude aus dem Augenwinkel wischen.
    "Dort ist die Taverne", rief Ronkell zielstrebig und deutete auf einen massiven Bau aus rohen Steinen. Über einer Tür aus dunklem Holz hing an zwei Ketten ein massiver Rundschild, der einst einem keltischen Stammesoberhaupt oder Kriegsfürsten gehört haben musste. Das Metall war erlesen verarbeitet, die Holzeinfassung wies Spuren von Gebrauch im Kampfe auf, doch im Gegensatz zu den Ketten, hatte sich auf dem Schild kein Flugrost gebildet.
    "Man könnte ihn abnehmen und sofort wieder in die Schlacht ziehen", murmelte Beras mit geschultem Blick. Die Wunde an seinem Arm war inzwischen gut verheilt. Bis zur vollständigen Genesung würden sicher noch einige Monde vergehen, doch er konnte sich fast schmerzfrei bewegen. Llionel und auch einer der osmanischen Heiler waren zuversichtlich, dass nur einer Narbe zurückbleiben würde. Eine sehr imposante Narbe.
    Stumm starrten die Kelten abwechselnd auf den Schild und den Eingang zur Taverne, bis endlich Seamus die Initiative ergriff, einen Schritt nach vorne trat und die Tür öffnete. Stimmengewirr drang auf die Straße heraus, der Geruch von Bier hing in der Luft, vermisch mit dem Süßen Aroma von Met und brennenden Holzscheiten.
    Dunkles Holz bestimmte das Innere der Taverne, Schwerter, Äxte und Streitkolben hingen an den Wänden, nur wenige Oberlichter ließen Tageslicht hinein. Kerzen und ein offenes Kaminfeuer spendeten das meiste Licht. Im hinteren Teil der Taverne, nahe dem Tresen, fand ein lautstarkes Streitgespräch statt, während im vorderen Teil ein junger Kelte von vielleicht achtzehn oder zwanzig Sommern zwei Tische zusammenschob, auf diese kletterte und zum Takt einer Trommel begann ein trauriges Lied anzustimmen. Aus irgend einer Ecke stimmte ein klagendes Horn mit in den Takt ein und untermalte den Gesang mit Bitterkeit.

    "Die Heimat ist fern, voll Tod und Verderben,
    der ewige Feind brachte Kummer und Leid.
    'Gar der mächtigste Krieger von allen musst' sterben,
    doch sein Name lebt ewig: lobpreis ihn mein Freund!

    Brennus Berserkir, vom Clane der König'
    vereinte die Stämme - stand hoch über alln.
    Doch Frohsinn erstarb und Hoffnung blieb wenig,
    also selbst unser Herrscher im Kampfe gefalln!

    Schon zu viele Sommer sah ich keinen mehr kommen,
    der sich aus der Ferne zu uns hat gesellt.
    Keltia einst werden wir wieder kehren,
    befreien die Heimat auf dem Schlachtenfeld!
    "

    Seamus und Llionel hatten sich bereits in das Innere geschoben, neugierig von den Gästen im Inneren beobachtet. Frederick und Thorval folgten ihnen auf dem Fuße, dahinter Beras und Ginny, Ronkell bildete den Abschluss. Mit gierigen Augen sogen die sieben Gefährten alle Eindrücke auf, starrten in die Gesichter der Kelten, lauschten dem Klang des Liedes. Als der junge Barde die dritte Strophe beendet hatte, konnte Frederick sich nicht mehr zurückhalten. Anspannung und Entsetzen der letzten Wochen und Monate fielen von ihm ab. Er schlang die Arme um Beras und Ginny, legte den Kopf in den Nacken und stieß aus voller Kehle einen Schrei der Erleichterung aus.
    "KELTIA", donnerte er lauthals, dann sank er auf einen Hocker, den Throval schnell herbeigezogen hatte. Noch bevor er die Sitzfläche berührt hatte, wiederholte er seinen Ausruf. Dieses Mal weniger heiser und mit festerer Stimme und einige der Anwesenden stimmten verlegen oder verwundert mit ein.
    Zwei von ihnen näherten sich neugierig und wandten sich an Llionel, der nun am weitesten in der Taverne stand. Gebannt stellte er fest, dass alle Augen auf ihn, Frederick und die Anderen gerichtet waren. Er mochte solche Situationen nicht. Seine alten Instinkte meldeten sich zu Wort, die ihm mitteilten in dunklen Tavernen besser ungesehen zu bleiben - so konnte man Dolchen entgehen, den einen oder anderen Geldbeutel finden oder nur einige ruhige Stunden Erholung finden.
    Doch hier, so besann er sich, drohte ihm keine Gefahr. Diese Taverne war mit Kelten gefüllt. Sie lag mitten in einer Siedlung, in der noch mehr Kelten lebten, umgeben von einer gewaltigen Stadt ihrer Gastgeber und Freunde. Hier waren sie sicher. Sicherer als zu allen Zeiten in den vergangenen Monaten.
    "Ich grüße Euch, Fremde", sagte einer der beiden Männer, die auf die Gruppe zugegangen waren. Sie hatten einen dritten Mann an ihrem Tisch sitzen lassen und der Geruch von Fischen umgab sie. "Ich bin Aleius Segelmacher und dies ist Reik Holzschlag", stellte er sich und den Mann neben sich vor. Llionel runzelte die Stirn und auch die anderen Kelten schienen beim Klang der Namen im Geiste zu zucken. "Ich scheint neu hier zu sein, wie ist Euer Name?"
    Mit bedächtigem Blick musterte Llionel seinen Gegenüber. "Verzeiht, wenn ich nicht sofort antworte, aber warum sprecht ihre Euren Namen so seltsam?"
    "Nun, das ist Sitte der Osmanen", warf der Mann ein, der als Reik Holzschlag vorgestellt worden war. "Es ist einfacher und kürzer und..."
    "Nun ich bin Llionel", unterbrach dieser den Sprechenden. "Vom Clan Waldwolf." Er legte Missbilligung und einen Hauch von Hochmut in seine Worte. Es gab nur wenige Waldwölfe, der Clan war immer sehr klein gewesen. Nur in Zeiten der Not erschien ein Waldwolf aus den dichten Laubwäldern seiner Heimat und trat an die Seite der Gerechten. Außer für ihre geschickten Schwertkämpfer und ihre Treue waren die Waldwölfe für zwei weitere Dinge bekannt. Sie waren erstens sehr traditionell und zweitens hatten niemand, der sich brüstete ein Waldwolf zu sein lange überlebt, wenn dies nicht der Wahrheit entsprach.
    Die beiden Männer vor Llionel wichen einen halben Schritt zurück und beäugten ihn ungläubig. Niemand würde vorgeben ein Waldwolf zu sein, wenn er keiner war, dafür hatte der Clan selbst gesorgt. Also musste er die Wahrheit sprechen. Außerdem erschienen die nach Fisch riechenden Kelten, als würden sie eher dem weniger gebildeten Teil des Volkes entstammen. Nicht, dass Llionel sie deswegen für weniger wert hielt, aber sie wirkten wie einfache Arbeiter oder Bauern - oder Fischer, korrigierte Llionel Nase ihn - die vor einem ranghohen Adligen standen und nicht wussten, wie sie sich nun verhalten sollten.
    Währenddessen kam auch der dritte Fischer näher und sah sich die Fremden genauer an.
    "Verdammt, ein Waldwolf. Ich glaubs nicht, das ich jemals einen aus Eurem Clan kennen lerne", brachte Aleius vom Clan der Segelmachen hervor. "Wir... es gibt hier noch keinen Waldwolf! Es ist..."
    Reik sprang für seinen Kameraden ein, dem es offenbar die Sprache verschlagen hatte. "Er will sagen, im Konklave der Clans ist der Sitz für den Can Waldwolf nicht besetzt! Bisher sind Kelten aus nur 21 Clans nach Osmanien gelangt! Jetzt - mit dir - sind es schon die Hälfte!" Glücklich wandte sich Reik um und verkündete lauthals, wer der Fremde war, mit dem er sprach und sicherte sich nun auch die Aufmerksamkeit der letzten Kelten, die zuvor noch immer ein heftiges Streitgespräch führten.
    Llionel schlug sich im Geiste vor die Stirn.
    Er hatte gehofft, sich etwas bedeckt halten zu können, doch nun musste er wenigstens einen groben Abriss ihrer Reise erzählen, sonst würden die Fragen Überhand nehmen. Auch wenn er nicht beabsichtigte etwas zu verbergen, so hatte er noch nicht alle Erlebnisse verarbeitet und war noch nicht bereit, sich diesen offen zu stellen. Dennoch berichtete er von ihrer Odyssee. Frederick, der über Entremont nach Norden vorstieß und bei Mountain Watch gefochten hatte. Ihr Zusammentreffen im Wald von Eyifur - nicht ganz im Original - die Schlacht am Stallion. Lugdunum und die Insel vor der Küste Keltias erwähnte er nur kurz, während er von Germanien in blutigen Einzelheiten erzählte. Die Erinnerungen waren noch frisch, ebenso wie die vom Piratenüberfall kurz vor dem Hafen von Iskenderun.
    Gebannt hingen die Kelten an seinen Lippen, doch als er schloss fiel ihm jemand ins Wort.
    "Und dein lautstarker Freund", fragte der neu hinzugekommene dritte Fischer langsam, ohne auf Llionels Bericht einzugehen. "Ist er erschöpft von Euren Taten - oder hat er zu viel getrunken?"
    "Wage es nicht noch einmal in diesem Ton von ihm zu sprechen", zischte Beras, der plötzlich neben Llionel und dem dritten Fischer stand. Der jüngste der fünf Kelten in der Runde warf den drei Fischern einen warnendem Blick zu. "Er ist der Herzog von Duran - und er hat uns hierher geführt!"
    Reik und Aleius rissen die Augen und die Münder weit auf und auch die Kelten in der nächsten Umgebung zeigten deutlich, das sie ihren Ohren nicht trauten. Der dritte Fischer hingegen lachte nur verächtlich.
    "Erzähl mir keinen Blödsinn, Junge! Das hat dein Freund der Waldwolf schon getan! Ich war dabei, als Duran gestürmt wurde! Ich habe den alten Herzog an der Spitze seiner Männer fallen gesehen! Selbst bin ich nur knapp mit dem Leben entkommen! Und dieser dort", er deutete mit einer Hand an der zwei Finger fehlten auf Frederick. "Ist nicht Ryan Steiner!" Er verwendete die osmanische Variante des Namens und sah Llionel dabei finster an. "Zwei tote rosane Häuptling! Das ist lächerlich! Noch verrückter, als deine Märchen vom Herzog von Duran!" Der Fischer brummte einige abfällige und kaum verständliche Worte. Frederick, der auf seinem Hocker saß, seinen Rucksack ablegte und tief Luft holte, ignorierte er dabei völlig.
    "Nun, du scheinst viel zu wissen und unterstellst mir eine Lüge", warf Beras gefährlich knurrend ein. "Ich weiß nicht einmal deinen Namen." Diese Worte ließen den dritten Fischer kurz heftig blinzeln, brachten ihn aber nicht dazu zurück zu weichen. Beras forderte den Namen des Anderen nicht zum Spaß, sondern hatte unverhohlen eine Drohung ausgesprochen, ein Ehrenduell zu verlangen. Der Fischer musterte Beras kurz. Llionel erkannte den abschätzenden Blick eines Mannes, der schon Kämpfe gefochten hatte. Die rechte Hand, an der zwei Finger fehlten, sah auch nicht so aus, als wäre sie einem Unfall zum Opfer gefallen, sondern vielmehr die Klinge eines erbitterten Gegners.
    Mit dem festen Vorsatz nicht schon nach den ersten Minuten unter Kelten einen handfesten Streit ausbrechen zu lassen, wollte Llionel schlichtend eingreifen, doch Frederick kam ihm zuvor. Mit einigen schweren Schritten drängte er zwischen Beras und Llionel hindurch und taxierte den Fischer eingehend. Er sah schütter werdendes Haar, Falten im Gesicht - einige davon schienen nicht natürlichen Ursprungs zu sein - und starke, blaue Augen. Ein Kelte, der bereit war zu kämpfen und zu sterben. Und der es schon bewiesen hatte, als Beras noch nicht auf dieser Welt gewandelt war.
    "Du hast Recht - ich bin nicht Ryan Steiner", meinte Frederick und verwendete ebenfalls die osmanische Nomenklatur, wodurch der Fischer etwas verunsichert schien. "Ich bin Frederick - von Clan Steiner. Mein Großvater war Hermann vom Clan Steiner! Der drittletzte Herzog von Duran. Ryan ist in meinen Armen gestorben." Er starrte dem Mann in die Augen und sein Blick war hart wie Fels, als er ein Knäuel aus seinem Rucksack zog. Er griff nach zwei losen Enden und innerhalb von Sekunden entrollten sich die arg gebeutelten und zerschlissenen Federkränze, die Frederick im Kampfe erobert hatte. Irgendwo in der Taverne schepperte ein Krug zu Boden. Immer mehr Männer drängten heran und bestaunten die Beutestücke mit unverholener Bewunderung.
    "Einen Häuptling erschlug ich in den Ruinen von Entremont, als wir die Rosanen aus der Stadt vertrieben, den anderen tötete ich in Lugdunum." Kurz schwieg er, um seine Worte wirken zu lassen. Dann entnahm er noch etwas aus seinem Rucksack, das er in eine zerschlissene Lederjacke gehüllt hatte. Das ausgeblichene und blutbefleckte Banner König Brennus' entfaltete sich vor den Kelten. Weitere Krüge fielen zu Boden und leise Flüche erklangen. "Es hieß, alle Banner seien verloren gegangen", murmelte eine fassungslose Stimme aus dem Hintergrund. Dutzende Blicke hefteten sich an die ehemals kräftig grüne Flagge mit dem keltischen Knoten darauf.
    "Ich bin Jorgen Kelswa von Clan Steiner, Herr", stammelte der Fischer vor Frederick und sank auf die Knie. "Verzeiht mir meine Worte, ich hätte Euch erkennen müssen." Auch Reik und Aleius taten es ihm gleich, doch Frederick bat sie wieder aufzustehen. Woran hätte Jorgen ihn erkennen sollen? An der Nase vielleicht? Aber die Sippe der Kelswa war schon immer mehr für ihre Kampfkünste bekannt gewesen, als für ihr Taktgefühl. Wenigstens war er doch nicht der letzte von Clan Steiner.
    Während er in die Runde blickte, seinen Freunden einen erleichterten Blick zuwarf, trat ein Mann auf ihn zu.
    Wortlos stand er vor Frederick und auch dem Steiner verschlug es die Sprache.
    Die Haare waren etwas lichter geworden, einige Falten mehr standen in dem wettergegerbten Gesicht, doch den Kelten wieder zu sehen, der nun vor ihm stand, glich einem Wunder. Mehr noch als ihre Ankunft in Galatea.
    "Hawkeye...", brachte Frederick hervor und starrte seinen Onkel und Mentor an, als würde dieser aus einer anderen Welt stammen.

  15. #150
    vom Werwolf gebissen Avatar von Kampfhamster
    Registriert seit
    29.01.09
    Beiträge
    2.513
    Diese jüngste Fortsetzung wird die Integrationsdebatte von neuem anheizen.
    Die aktuelle Story:

    [Col2 Werewolves] Nich lang schnacken, Seesack packen!


    Die Story des Monats Juli 2010:

    Tom Driscoll und seine Gefährten begeben sich in das Testgewölbe.
    letzte Aktualisierung: 31.1.2013, 20:19 Uhr

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