30. Vers
1 Und die Weite Ehôs waren ihre Heimat; sie taten was ihnen von ihrer Mutter aufgetragen und hüteten und pflegten was Ehô geboren hatte. 2 Mit Bedacht und Weisheit verrichteten die Hijrpar ihr Tagwerk und pflanzten Gärten an, dort die Jüngeren Kinder Ehôs leben konnten und lehrten sie vieles von ihrem Wissen. 3 Es wurden Kinder geboren und Generationen vergingen. 4 Doch kam kein Zwist auf zwischen den Alten und den Jungen noch zwischen Hijrpar und deren Schützlingen. 5 In diesen Tagen konnte eine Ziege verloren gehen und es geschah diesem nichts, nicht Wolf noch Adler rissen es. 6 Auch in jenen Tagen gab es Sommer und Winter, Kommen und Gehen des Lebens, doch fiel immer genügend Regen und dieser fiel zur rechten Zeit. 7 Ein Bauer war angesehen gleich einem König und ein König arbeitet am Webstuhl, sinnend auf das Wohl seines Volkes.
31. Vers
1 Viele tausend Jahre kamen und zogen vorüber, eine lange Zeit da Friede ward zwischen Jedermann und der Reisende immer einen freundlichen Ort fand, der ihn gerne aufnahm und einen Herd der ihn wärmte. 2 Die Hijrpar waren allenthalben gerne gesehene Gäste bei den jüngeren Kindern, welche sich langsam auf den Brüsten Ehôs ausbreiteten und von ihrer Muttermilch lebten. 3 Sie wurden von den Anderen geehrt und waren deren Wächter sowohl, als auch deren Lehrer. 4 So lernten die Jüngeren Abkömmlinge Ehôs von den Hijrpar im Leben einen guten und gerechten Pfad zu wählen, auf das sie zuletzt sich fänden im Lycijn. 5 Auch Gardvaen der Wanderer ward oft gesehen an den verschiedensten Orten. 6 So kam es, dass die Sicaqua, wie die Jüngeren genannt wurden, stark und ihre Herden fett wurden, die Lagerstätten boten auch im Winter Schutz vor der Kälte und die Früchte des Feldes gediehen alle Jahre gut. 7 Ehô erfreute sich am munteren Treiben ihrer Geschöpfe und es schien kein Ende der guten Tage. 8 In dieser Zeit ward den Sicaqua ein gutes und langes Leben vergönnt, welches nicht selten siebenhundert Sommer und mehr währte. 9 Wenn am Ende ihres Lebens endlich Rodesh sein Recht an den Sicaqua einforderte, so gingen sie mit ihm ohne Zögern, in Erwartung des Lycijn. 10 Sähen unsere Augen doch nur wieder solch gesegnete Friedenstage heraufziehen!
32. Vers
1 Doch dann folgten Tage in welchen den Hijrpar schien, alles sei getan und nun sei es Zeit sich auszuruhen, da alles gut ward. 2 Herrschte nicht aller Orten Friede und die Pflanzen hatten alle ihren Platz und einen Namen, so auch die Tiere und die Sterne des Alls. 3 So also gaben sich viele der Hijrpar dem Müßiggang hin und fanden es oft nicht einmal Wert über die Dinge aus Ehôs Schoß zu staunen. 4 Langsam interessierten sie sich nur noch für ihre eigenen Belange 5 Nicht mehr kümmerte sie die einfache Arbeit und überließen es den Sicaqua darüber zu wachen, dass alles seinen Gang und Weg gehe. 6 Cijendan ging nun immer öfter alleine auf den Pfaden welche zu den äußersten Enden der Weite Ehôs führten und ward immer seltener bei den anderen Hijrpar gesehen. 7 Seine Seele ließ im keine Ruhe und er sehnte sich nach neuen Aufgaben und tiefe Unzufriedenheit bemächtigte sich seines Innersten. 8 Um ihres Kindes wegen machte sich daher Ehô nun Gedanken und ersann noch einen weiteren Funken, welchen sie gebar; Und so gebar sie diejenigen welche bei den Hijrpar als die Erdgeborenen bekannt wurden.
Inâccahs Trauer
33. Vers
1 In diesen Tagen saß am Fuße des Carh Athlan eine junge Frau. 2 Diese war noch hilflos und ohne Hoffnung wie zu Anfang, als Ehôs Schöpfung dem Säuglingsalter nicht entwachsen war. 3 Niemand hatte sie gelehrt wie sie sich gegen Wind und Kälte, Regen und Schnee schützen konnte, wie sie ein Feuer entfachen oder welche Pflanzen sie ohne bedenken essen konnte. 4 Der Name dieser Frau war Inâccah und sie war die erste der Intsha’ar. 5 Sie grämte sich sehr wegen ihres Loses. 6 Tränen rannten ihr über ihr Gesicht, so zahlreich, dass bald der Boden zu ihren Füßen feucht war und daselbst Bäume zu sprießen begannen. 7 Noch mehr Tränen fielen wie silberne Tautropfen zu Boden und der Boden war satt von Inâccahs Tränen und so flossen diese den Carh Athlan hinab. 8 Bis zu den tiefsten Senken reichte bald der Strom und es entstand daraus das Meer. 9 Wohin aber die Tränen reichten wuchsen alsbald dichte Wälder und spross Gras; darin weideten sodann anmutige Gazellen und vieles anderes Getier. 10 Das Meer gewann an Größe. Und es blühte Mohn und auch viele Kräuter und Gräser; es ward ein Garten voller Früchte. 11 Dies blieb auch Shama nicht verborgen und sie wunderte sich sehr darüber als sie die Gärten sah und das weite Meer. 12 Und sie sprach bei sich selbst: 13 Woher nun aber mag diese Fülle kommen und das Wasser das all diese Tiere und die Pflanzen nährt? 14 So machte sie sich auf die Suche ach der Quelle dieses Reichtums.
34. Vers
1 Shama entdeckte alsbald den Strom aus Tränen und da er silbermatt in der Sonne glänzte wie ein Seidentuch nannte sie ihn Anôr-Lan, den Silberfluß. 2 Und den Gärten links und rechts des Anôr-Lan gab sie den Namen Caldira (…..) und das Meer nannte sie Lahon ……. (Teich der tausend Tränen), denn offenbar war, woher er seine Kraft und Schönheit nahm. 3 Nun wanderte sie den langen Weg am Lauf des Anôr-Lan hinauf nach Norden um die Quelle selbst zu finden und das Rätsel zu lösen welches sie vorgefunden hatte. 4 Nach vielen Tagen und Nächten hörte sie in der Ferne ein Klagen und Schluchzen, welches Shamas Herz erweichte und sie schwor bei sich selbst, wer auch immer diese arme Kreatur sein möge, die solchen Kummer hatte, sie diese schützen und unterweisen wollte. 5 Noch zwei Tage vergingen bis Shama am Horizont eine kleine Gestalt auf einem Felsen sitzen sah, das Gesicht in den Händen vergraben und zitternd vor Furcht. 6 Verwunderung überkam Shama, als sie erkannte, dass dieses Wesen die Quelle des Anôr-Lan war und das Wasser aus dessen Augen hervorkam. 7 Inâccah jedoch wurde nicht gewahr, dass sich ihr eine der Hijrpar näherte und sie klagte laut ihr Leid: 8 Oh Weh, sollte dies nun mein Los sein? Zu sterben ohne wirklich gelebt zu haben? 9 Verhungert bin ich, ohne je etwas gegessen zu haben und verdurstet ohne getrunken zu haben. 10 Der kalte Nordwind zerrt an mir, vor den dunklen Regenwolken habe ich keinen Schutz. Nichts von der Welt weiß ich und niemand weiß von mir; nicht wüsste ich wo ich suchen sollte nach Hilfe, oh ich unglückseliges Ding. 11 Bald werde ich vergehen und nichts wird an mich erinnern außer dem Strom meiner Tränen und auch er wird ja versiegen. 12 So also wird es sein als wäre ich nie gewesen. Dass doch Hilfe käme mich zu retten vor dem Tod der schon anklopft; das Leben fürchte ich, es weicht schon von mir.



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