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Thema: [Semi-Blog] Die Ghalerie

  1. #1456
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Kandidatin Nummer 1: Die Banshee

    Darquie entstand als Gegencharakter zu NYON, weswegen ich ihnen zwei Reibepunkte mit auf den Weg gab: Darquie sollte während dessen Zeit bei der Geheimorganisation für einige Vorfälle verantwortlich sein, bei denen der Wahrheitssucher NYON übertölpelt wurde, und Darquie war irgendwie mit NYONs tot geglaubter Schwester verbunden. Tatsächlich setzte ich diese Schwester für ein (alptraumhaftes) Con-Abenteuer um, wodurch sie als SC zählt, doch bruchstückhafte Informationen verschiedener Zeiten ohne einen festen Kern ergeben nur offene Fragen.
    a.) Dass NYON später lernte, dass sein ziviles Leben nur als Konstrukt auf einem Band existierte, wurde nie bis zur tot geglaubten Schwester weitergedacht.
    b.) Zwischen allen Beteiligten bestehen gewisse Altersunterschiede: 2060, wenn die Handlung in den Schatten einsetzt, ist Darquie 45 Jahre alt, NYON Mitte Zwanzig und die Schwester gerade einmal Zwanzig. Da fällt es schwer, zu glauben, dass sie einige Jahre zuvor im Problemlöser-Spezialteam und Darquie gegenüber eine Position einigermaßen auf Augenhöhe einnahm.
    c.) Von der Macht her ist es stemmbar, da die Schwester zum Vampir wurde (was ich bei der SC-Version herausließ und wobei sich Shadowrun zu diesem Zeitpunkt selbst nicht einig war, wie sehr das hinderte).

    Die Schwester spielte in späteren Versionen keine Rolle mehr. Wenn ich also aus den Fakten etwas zusammenzimmere, dann bedeutet dies einen ganz neuen Charakter.
    1.) Ich möchte davon ausgehen, dass es bei der Produktion der künstlichen Erinnerungen für das NYON-Projekt die üblichen Schwierigkeiten gab: Die Deadline wurde bereits zur Würgeschlinge, die Chefetage kam noch auf Änderungswünsche - und so wurde in den Abteilungen einmal nachgesehen, ob es nicht jemanden gäbe, der mal eben schnell für die Schwester-Rolle einspringen könnte.
    2.) Somit gehörte die Schwester schon in jungen Jahren der Geheimorganisation in einer Lehrlingsposition an, was sich damit erklären lässt, dass diese zur Minimierung möglicher offener Stellen und Steigerung der Verbundenheit gerne Familienangehörige rekrutiert.
    3.) So erkläre ich Darquies Chef in seiner Problemlöser-Zeit zu ihrem Vater.
    4.) Das ermöglicht eine interessante Dynamik: Der Chef bittet Darquie, eine Mentorenrolle für seine Tochter zu übernehmen, doch wenn das Verhältnis der Schwester zu ihrem Vater unter der Oberfläche angespannt ist, dann können Darquie mit seiner eigenen komplizierten Familiengeschichte und sie an diesem Punkt binden.
    5.) NYONs Schwester "starb", indem sie vergewaltigt und ermordet wurde. Die vorgebliche Schwester musste sich auf eine solche Inszenierung einlassen und weil ihr Vater sicher auch für eine "Batmans Eltern"-Geschichte mit weniger Haut hätte sorgen können, stimmte sie dem letztlich freiwillig zu. Sie tat dies, um entweder ihrer sexuellen Seite etwas Luft zu verschaffen und/oder um (Papi) zu schocken. Dies stärkt auch ihre Dynamik durch den Kontrast mit dem "Stock im Arsch"-Darquie.
    6.) Vermutlich kann sie zaubern. Das wertet sie zum einen als Person auf eine Stufe weit jenseits ihres Alters auf und erklärt, warum bei NYON Vampirgerüchte aufkommen. Diese halten schließlich fern und erklären von der Chip-Erinnerung abweichende Phänomene.
    7.) Das doppelt auch Darquies Mentoren-Rolle und lässt sie wohl eher in eine schamanistische Richtung gehen.

    Ich stelle mir somit eine Person vor, die trotz ihrer Sozialisation und Teilnahme in der Geheimorganisation weder reine Schuld noch reine Unschuld verkörpert. In der Vergangenheit war sie wohl eine für Darquie vor allem angenehme Erinnerung, doch ob dies bei einem Zusammentreffen in der Gegenwart noch so bleibt, nachdem die Jahre beide veränderten, müsste sich zeigen. Nach dem Tod ihres Vaters und dem Zerfall der Geheimorganisation könnte sie als gedämpftere und heimatlose Person in den Schatten auftauchen. (Von ihren Werten her würde sie, Augenrollen bitte, wohl die Rolle einer zaubernden Fernkämpferin einnehmen.) Gegenüber NYON wäre die Beziehung völlig irre, denn nicht nur kennt er sie als fremde Schwester, sondern sein Team sorgte auch für den Tod ihres Vaters.
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  2. #1457
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Kandidatin Nummer 2: Die Deckerin mit dem Stangennamen

    Wenn ich nach dem Pistolenschützen-KI-Adepten/-Magier und dem möglicherweise implantatreichen Schwertschwinger in die Breite gehen möchte, bietet sich eine Deckerin an. Leider bleibt mir dabei eine wenig beeindruckende Hand.
    In den langen Jahren, in denen Darquie abseits der Elite für die Geheimorganisation stempelte (als Sicherheitschef einer wenig bedeutenden Fabrik), war seine Lieblingskollegin und beste Freundin die Verantwortliche für das Computersystem, die Deckerin Nova. Diese mochte fähig sein, besaß aber kein inneres Wissen und war... da. Nach seinem Aufstieg erklomm sie noch einige Sprossen, wurde von den Geheimnissen jedoch in den Widerstand getrieben und übernahm die Rolle einer Informantin. Das ging jedoch nur eine Weile lang gut, denn sie endete, wie es Decker tun, mit einem Hirnschaden in einem Krankenhauszimmer mit nur seltenen klaren Momenten.
    Selbst wenn ich die Episode einbeziehe, in der sie den unter einem Gedächtnisverlust leidenden NYON als ihren Bruder ausgab, ist nicht viel Markantes dabei. Als Person mit einem langjährigen Vollzeitjob wird sie ein klar strukturiertes Arbeiten bevorzugen, wobei ihre Loyalität mehr Gesichtern als Institutionen gilt. Sie besitzt ein gewisses Maß an Umgänglichkeit, wobei das bei einer Deckerin nicht viel sein muss und mich die Idee, sie als Mauerblümchen zu lesen, förmlich anlacht. Dann will sie einfach nur das Beste für ihr Umfeld, soweit es eben geht.
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  3. #1458
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Kandidat Nummer 3: Das fehlende Gesicht

    Für lange Zeit war mir die Antwort nach dem dritten Platz sonnenklar: Nach Darquies Moral und NYONs Leidenschaft muss anschließend Tara'chys Rationalität mit Übergang zum Wahnsinn im Zentrum stehen. Das wirft jedoch einige ganz eigene Fragen auf.
    Doch der Reihe nach: Tara'chy wurde von einem Drachen am Rande der Geheimorganisation zum Agenten ohne Gesicht herangezogen, zum perfekt formbaren Körper, der sich in jeder denkbaren Gestalt, nach jeder denkbaren Behandlung und in jeder denkbaren Rolle zurechtfinden und dort die Mission erfüllen soll, die sein Meister ihm diktiert. Nebenher wurde er dazu ausgebildet, als eine Mischung von Schieber und Teamanführer nicht nur einzelne Runs, sondern ganze Kampagnen gegen ein Ziel organisieren zu können. Er ist erschreckend gut darin, Schwachstellen zu finden, gegnerische Mannschaften zu spalten und rauchende Ruinen zu hinterlassen.
    Der Drache hoffte, dass diese Behandlung Tara'chy wütend machen und ihn diese Wut zur Loyalität zwingen würde, denn nur durch Folgsamkeit könne er mehr durch das Ziel erfahren. Außerdem stattete er ihn mit einem Unwillen im Umgang mit der Matrix aus, um ihn zur Zusammenarbeit mit der von ihm vorgeschlagenen Deckers zu zwingen. Beider Punkte ist sich Tara'chy bewusst.
    Ob er dieser Sache folgt, ist nicht bekannt, dafür befindet sich das Wesen ohne Namen und ohne Gesicht auf der Suche nach dem Echten, nach einer Seele. Man kann auch bei manchen seiner Aktionen fragen, ob es denn mit seiner geistigen Gesundheit noch sonderlich gut bestellt ist, doch letztlich lässt sich kaum von außen sagen, was Tara'chy aus welchem Grund tut.

    So verlangt eine Adaption danach, eine Person mit flüchtiger Identität auf ein festes Auftreten herabzubrechen und jenen erschreckenden Schurken auf eine wertemässige Messerklaue mit ein wenig Joberfahrung zu reduzieren, die vom Spiel verlangt wird. Und das wäre ein Verlust.
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  4. #1459
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Liebe Leser,
    ich bin niedergeschlagen - und niedergeschlagen darüber, dass der "Ich bin niedergeschlagen"-Thread zu den großen und ernsten Themen tendiert, weshalb ich hierher ausweichen muss.
    Der Grund ist ein Wort: Bodenständig. So möchte Rattenkind [NF] spielen.
    Dabei hatte ich bereits seit letzter Nacht die perfekte Figur. Adaption, innerer Konflikt, Alienrasse mit der passenden Mischung aus Klischee und Fremdartigkeit, eben meine erwünschte Mischung aus Comic-Fassade und fest-thematischem Kern. Aber leider kein Stück bodenständig.
    Das führt zu weiteren Problemen.
    Bodenständig bedeutet, dass Fachkenntnisse nicht einfach durch ein sirrendes Gerät ersetzt werden können. Und diese Fachkenntnisse fehlen mir so völlig, dass ich sie nicht einmal vortäuschen kann. Ich kann kein Schiff navigieren, keine Verletzungen behandeln und keine Anlagen reparieren. Da müsste ich mich einlesen.
    Bodenständig bedeutet auch, dass menschliche Charaktere aus bekannten Kulturen stammen, und möchte ich nichts Westliches spielen, dann muss ich mich auch dort einlesen.
    Beides verlangt viel Arbeit.

    Ich nutzte diese Spiele ja außerdem, um alten Charakteren oder Ideen in neuer Überarbeitung eine Bühne zu geben (so etwa bei Rhenus geschehen). Ich besitze jedoch nur wenige Charaktere, die in ein bodenständiges Sci-Fi-Setting passen, und keiner davon schreit nach mir...

    So halte ich fest: Viel Arbeit bei wenig Überzeugung. Das ist eigentlich, was man sich von einem Forenspiel nicht wünscht.
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  5. #1460
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    N. F.

    So existiert mein Frontier-Charakter, Steuerfrau Mizuko van der Broek. Sie ist ein neuer Charakter, doch statt die ganzen Anspielungen aufzulösen, möchte ich mich lieber mit dem ursprünglichen Konzept hinter ihr beschäftigen, welches im Verlauf der Entwicklung dem Weichspülgang zum Opfer fiel. So wurde sie dann doch nur noch "Ghaldak-Forenspielcharakter 372B" - und es liegt an euch, zu entscheiden, ob das gut oder schlecht ist.

    Es gab zwei einander bedingende Konzepte, an denen ich diesen neuen Charakter aufspannen wollte.
    a.) Da ich während der Findungsphase noch schrieb, kein Fan des "Papi rettet die Welt durch Arbeit"-Genres zu sein, wollte ich eine Figur erstellen, die genau dessen moralisch fragwürdigen Untertöne entlarvt.
    b.) Rattenkinds Einführung einer Weltkultur ließ mich an die Mass Effect-Romane und ihre ähnlichen Tendenzen denken. So wollte ich eine Figur entwerfen, die in sich trägt, dass die Zerstampfung der Kulturen zu Beliebigkeit und fadem Einheitsbrei etwas Schädliches sein kann.
    Oder kurz: b.) kann Entwurzelte produzieren, die sich in den faschistischen Strukturen wohlfühlen, die a.) propagiert.

    Lasst mich versuchen, euch zu überzeugen:
    Wenn sich Papi also nach Feierabend vor den Fernseher setzt, was sieht er dann? Er sieht Protagonisten bei der Arbeit, deren Arbeit wichtig ist (wie Polizisten/Ermittler) und die sich Woche für Woche zum Erfolg vorkämpfen. Denn diese Arbeit in ihrer geschlossenen Gruppe ist auch den Protagonisten wichtig. Das warme Nest der Abteilung mutiert zur Ersatzfamilie, während schon zur Dramasteigerung aus der zivilen Welt nur Probleme kommen. So ist der "wahre Partner" des Protagonisten bald nicht mehr der Ehepartner, sondern der Ermittlungspartner im Streifenwagen.
    Diese geschlossene Welt der Abteilung legitimiert sich durch ihre selbsterklärte Wichtigkeit, ihren kontinuierlichen Erfolg und ihre Nestwärme. Sie selbst legitimiert sämtliche Mittel gegen die Zivilgesellschaft: Wenn der Verdächtige nach einem Anwalt ruft, wenn der Richter einen Durchsuchungsbeschluss ablehnt, wenn sich eine Person nicht willfährig durchleuchten lässt, dann sind dies keine legitimen Grenzen, sondern zu überwindende Hürden, hinter denen sich Lumpen verstecken, die man nicht gewinnen lassen darf.
    Papi, der zuhause vor dem Fernseher sitzt, gehört natürlich nicht der Exekutive an. Er kann jedoch zwei Nachrichten mitnehmen: Erstens ist es in Ordnung, wenn er sich gerade nicht um seine Familie kümmert, weil er arbeitet und Arbeit wichtig ist, und zweitens gibt es da draußen Lumpen, gegen die jedes Mittel recht ist.

    Mizuko, so wie ich sie plante, wäre eine entwurzelte, beziehungsunfähige Space-Faschistin geworden. Nun sieht sie Marshmellows als hart, kantig und irgendwie verwegen an.
    Entscheidet ihr, was besser ist.
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  6. #1461
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    B. S.

    Bei dem zweiten von mir erstellen P&P-Rollenspiel, über das ich hier noch gar nichts schrieb, handelte es sich ebenfalls um ein SciFi-System mit dem Namen "Beyond Stars". Ich stellte es nie fertig, doch eine Handvoll Seiten existiert - leider nur Regeln.
    Damals, mit siebzehn Jahren oder so, hatte ich die fixe Idee einer Emailspiel-P&P-Runde. Darum ging es um die Abenteuer einer Raumschiffbesatzung, die (geplant, meine ich) in einen unerforschten Sektor der Galaxie geschossen wird und sich auf einem Aufklärungs- und Rückflug befindet. Sie trifft dabei auf eine Alienrasse, die sich (meine ich) als "amphibischere Protoss" beschreiben lässt und die sie in ihre eigenen Querelen verstrickt. Der Kommandant des Schiffes, auf das sie zuerst treffen, hätte eine größere Rolle gespielt - nicht zuletzt, weil er eine halb-menschliche Tochter hatte (mit Namen Loreley).

    Alle weitergehenden Hintergrunddetails vergaß ich inzwischen. So kann ich von dort nicht mehr weiterführen.
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  7. #1462
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    S. T.

    Irgendwann in meiner Jugend kam ich auch soweit, dass ich mir Gedanken darüber machte, wie eine von mir erstellte Star Trek-Serie auszusehen hätte. Dies geschah nach Corsaia, dessen Ursprung über dieses Gesicht nicht herauskam, und vor meiner Shadowrun-Zeit, in der ich Gesichter daraus weiterverwendete. Lasst mich also fünfzehn Jahre alt gewesen sein...

    ... und stellt euch einmal ein klassisches Föderations-Raumschiff vor, welches überraschend von einer Alienrasse überrannt, geentert und ins Unbekannte verschleppt wird. Ein Großteil der Besatzung wird umgebracht, doch da gelingt es dem Rest, doch noch die Kontrolle zurückzuerlangen. So liegt es in den Händen einer Rumpfmannschaft, ein beschädigtes Schiff durch fremdes Land irgendwie nach Hause zu führen.

    Anders als bei Voyager, das alles jenseits von "Wir fahren zurück statt vor" zum Fluff degradiert, sollten der Brain Drain und die Charaktere selbst eine gewichtige Rolle einnehmen: Dieses Schiff befindet sich nicht in der Hand kompetenter Spezialisten, sondern überforderter Jugendlicher (also eigentlich junger Erwachsener, aber ihr wisst, was ich meine). Der Protagonist beginnt in bester Klischee-Umkehrung als frischer Fähnrich bei der Sicherheit, der während des Überfalls sein Händchen für eine kreative und effiziente Nutzung der Technologie entdeckt. Nach der Rückeroberung steigt er so zum Sicherheitschef und einer gehörten Stimme auf der Brücke auf.
    Als ranghöchster Charakter verblieb eine blonde Lieutenant Commander von der Wissenschaftsabteilung. Da ihr die Erfahrung und der Drang zur autoritären Führung eines Raumschiffs fehlen, entsteht eher eine Konsensführung, bei der das Redshirt und sie als Team auftreten.
    Ich plante mit fünf Charakteren in der Verteilung des Modernen Quintetts, meine ich (also zwei Männer, drei Frauen), weiß jedoch nur noch einen: eine grauhäutige Weltraumelfe namens Telys übernimmt den Part der Chefingenieurin.

    Ideen für einige Folgen kamen hinzu - und eine blieb mir im Gedächtnis: Ich wollte den "Ein Charakter erleidet einen Höhenflug, hält sich für zu gut für seine Umgebung und kommt letztendlich zurückgekrochen"-Typus umkehren und erdachte ein Szenario, in dem das Redshirt sich tatsächlich im Streit absetzt und schließlich zurückkommt, weil alle erkennen müssen, dass das Schiff ohne ihn nicht funktionieren kann.
    Dies ist, weswegen es mir im Gedächtnis blieb, eine astreine Mary Sue-Geschichte, die in dieser Konzeption jedoch zufällig entstanden wäre. Natürlich besitzt er schon vorher die Veranlagung und die Möglichkeit, ihn zum Mittelpunkt eines Liebesdreiecks mit der Lisa und der Telys werden zu lassen, lässt erschaudern, aber... nicht so.
    Interessanterweise sehe ich heute noch eine weitere Lesart: Die Invertierung aus "Der verlorene Sohn" lautet nicht zwangsläufig Mary Sue, sondern kann ebenso aus "Papi, lass deine Familie nicht im Stich" bestehen. Das liegt allein an Lesart und Entscheidungen.
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  8. #1463
    Herzog von Duran Avatar von Frederick Steiner
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    hat ja was von Red Squad bei DS9. Das war doch diese Ausbildungsklasse, die mit nem Defiant-Raumschiff im Dominion-Krieg hinter der Front marodieren,oder?

  9. #1464
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Ich weiß, welche Folge du meinst. Es war eine, die mir völlig gegen den Strich ging, weil sie letztlich eine "Eine Hauptfigur mit Plotarmor wäre damit zum Helden geworden, aber die unwichtige Restwelt verdient dafür eine Demütigung"-Nachricht verbreitete.
    Entsprechend würde ich sagen: Nein, völlig im Gegenteil. Das Red Squad stürzte sich aus Arroganz und Elitendenken selbst ins Verderben, bei mir hätte eine Rumpfmannschaft irgendwie versuchen müssen, eine fremde Umwelt zu überleben.

    (Wie gesagt: Wenn ich ein wiederkehrendes Thema in meinen pubertären Werken erkenne, dann ist es eine völlige Überforderung mit der vorausliegenden Aufgabe.)
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  10. #1465
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Reden wir über Telys

    Telys fehlte stets ein starker Charakter. In jener Star Trek-Variante gingen Planungen für sie nie über ein "grauhäutige Weltraumelfe mit... ähhm... Überforderung mit der Situation trotz einiger Kompetenz und ansonsten ganz nett" heraus und als ich sie später zum Shadowrun-Charakter konvertierte (wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich mich noch an sie erinnere), geschah dies in einer Zeit kurzlebiger Charaktere von der Stange und so weiß ich nicht einmal mehr, ob Telys, Straßendoc mit eigener Klinik und Hautfarben-Implantat, tatsächlich SC-Einsatzzeit als SC erlebte oder von mir nur mitgeschleppt wurde. Sie war ein Konzepttest, sie endete tragisch - und das war nicht tragisch.

    Hätte Rattenkind das "Name Folgt"-SciFi-Spiel wesentlich bunter ausgelegt, dann hätte ich bei der Wahl meines Spielercharakters auf Telys zurückgegriffen, ihre Optik übernommen und ihr als Figur deutlich mehr Glanz verpasst, was auf zwei Säulen geruht hätte:
    Zunächst einmal hätte sie einer Alienrasse angehört, die drei Geschlechter aufweist (und dabei anders als auf der Erde das Weibliche in einen empfangenden und einen austragenden/säugenden Part trennt). Das hätte natürlich auch Überlegungen beinhaltet, wie eine solche Gesellschaft aussehen könnte...
    ... und weil es mein Blog ist, wisst ihr, was folgt:
    Eine Empfängerin, die Geschlechtsverkehr mit einem Männchen hatte, sondert nach einigen Tagen den Fötus in einer tennisballgroßen Schutzhülle aus ihrem Körper aus, da sie ihn nicht weiterentwickeln kann. Dieser wird von einer Austrägerin in ihren Körper aufgenommen, die auf diese Weise auch mehrere Kinder austragen und später säugen kann.
    Männer können in dieser Gesellschaft nomadisch agieren, während sich ein Zusammensammeln mehrerer dauerschwangerer und säugender Austrägerinnen als Siedlungskern anbietet, für die Empfangende den stationär-versorgenden Teil übernehmen und über landwirtschaftliche und ähnliche Arbeit die Siedlung erhalten. (Eine solch stärker spezialisierte Gesellschaft verlangt festerem Zusammenhalt und ich hätte deshalb bei den Empfangenden auf ein effizienteres System als den Eisprung gesetzt, wodurch jeder Geschlechtsverkehr zur Empfängnis führt.)
    Vermutlich hätte es eine längere Zeit der Unterdrückung/Marginalisierung der Austragenden gegeben, wie Menschen ja ebenso dazu neigten, überlebensnotwendige Klassen zu enteignen, die durch einen Zug zur Einschätzung des Individuums jenseits des biologischen Geschlechts ersetzt wird. Außerdem tritt neben die klassische Großfamilie/Haushalt Partnerschaften, die weitgehend frei von Geschlechtsschablonen funktionieren können.
    Telys wäre eine Empfangende gewesen, nach menschlichem Verständnis zwischen Mann und Frau stehend, also mit nutzlosen, bestenfalls kleinen Brüsten, ohne Sanduhr-Figur und weiblichem Schoß. Was ihre Persönlichkeit angeht, das verschiebe ich in den nächsten Post.
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  11. #1466
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Das Ypsilon verbindet

    Telys wäre der Klon der Kronprinzessin ihres Volkes geworden, dazu bestimmt, im Falle eines medizinischen Notfalls geschlachtet und ausgeweidet zu werden. Sie verbrachte ihre Kindheit in den unterirdischen Dienerquartieren des Palasts, wo sie unter der Hand das Wissen um Betrieb und Reparatur der Anlagen erwirbt. Die meisten Diener setzen dem "faulen Schlachtvieh" meist übel zu, sodass Telys die Einsamkeit in den Wartungstunnel und das sanfte Pulsieren der Maschinen zu schätzen lernt. Sie erlangt Zugang zum Intranet des Palastes mit all dessen Informationsmöglichkeiten, lernt eifrig... und bricht ein Tabu, indem sie sich einfach um ein Stipendium an der Akademie des Interstellaren Dachverbands bewirbt.
    Das überschreitet eine Grenze, da diese Institution des lebenden Organlagers von der Gesellschaft gerne ignoriert wird, ohne illegal oder geheim zu sein. Man erwartete von ihresgleichen einfach, ihren Platz zu kennen, und indem Telys den Weg nach draußen anstrebte, belastete sie die Verbindungen zu ihrem Volk sehr.

    Diese Telys entpuppt sich als scheue Technikerin, die zwar in Gesellschaft funktionieren kann, aber die Einsamkeit schätzt und hinter der Fassade des grauhäutigen space-elfischen Prinzessinnen-Klons verbirgt sich eine einfühlsame, verletzte Dame, die mit ihren ganz eigenen Dämonen ringt.
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  12. #1467
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Liebe Leser,

    damit stehe ich vor der Frage, welchem Thema sich mein Blog als Nächstes annehmen soll. Eines ist klar: Wenn "Frontier" eingeht, dann möchte ich Mizuko thematisieren, doch bis dahin? Hat jemand einen Wunsch?
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  13. #1468
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    So befinde ich mich wieder auf dem Rückweg von der Connichi. Ich meldete mich nicht ab, doch zum Glück schien meine Abwesenheit nicht weiter aufzufallen.

    Ich könnte wieder einmal einen Con-Bericht schreiben. Hättet ihr denn Lust, so etwas zu lesen?
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  14. #1469
    Love & Hattte Avatar von Thurid
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    Darf man fragen was die Connichi ist?

    Die Macht ist nichts was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus, und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht.


    -Darth Vader.

    Der angerufene Teilnehmer antwortet nicht.

    -Gott.

  15. #1470
    Auf dem Papier Avatar von Ghaldak
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    Eine der größten Anime-Conventions.
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