Seite 32 von 32 ErsteErste ... 222829303132
Ergebnis 466 bis 469 von 469

Thema: [CK2/EU4] Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt

  1. #466
    Ewig unbezähmbar! Avatar von LegatBashir
    Registriert seit
    01.11.05
    Ort
    verschneiter Süden
    Beiträge
    1.356
    ex flammis orior

  2. #467
    Registrierter Benutzer Avatar von Herbert Steiner
    Registriert seit
    23.03.12
    Beiträge
    2.221
    Ausgezeichnet, wie immer.

  3. #468
    The passion of lovers Avatar von Mark
    Registriert seit
    03.01.02
    Ort
    Remscheid
    Beiträge
    4.206

    Die universelle Spinne

    Als der alte König René im Juli 1480 starb, fielen die Herzogtümer von Anjou und Bar durch entsprechende Vereinbarungen an den König, wohingegen René seine unabhängige Grafschaft Provence seinem Neffen, dem Grafen von Maine, vermachte. Aber der kinderlose Maine hatte seinen letzten Willen bereits zugunsten des Königs festgelegt. Bei seinem Tode im Jahr darauf fielen die Grafschaften Provence und Maine an die Krone, und Louis besaß jetzt den wundervollen Hafen von Marseille und das Loire-Tal bis hin zur bretonischen Grenze.



    Das Herzogtum Bretagne war nicht mehr in der Lage, seine Unabhängigkeit vor Frankreich zu behaupten. Nach Ablauf einer Dekade (im Jahre 1491) überantwortete sich die neue bretonische Herzogin Anna selbst nebst ihrer Provinz dem französischen König.

    Kein Wunder also, dass Louis der Ruf anhaftet, er sei ein intriganter Tyrann gewesen. Klerus und Adel, die zu einem guten Teil die Geschichte schrieben, hatten so manchen Grund, an diesem König kein gutes Haar zu lassen. Einem Fürsten spielte Louis XI. besonders übel mit, das war Herzog Louis von Orleans. Louis von Orleans gehörte zu einer Nebenlinie der Valois, die der König auslöschen wollte, um sich einer möglichen Konkurrenz um die Krone zu entledigen. Zu diesem Zweck zwang er Orleans schon früh in die Ehe mit seiner Tochter Jeanne. Ist doch toll, er heiratet eine Prinzessin, ein sozialer Aufstieg. Aber Louis XI. trieb mit beiden ein sehr böses Spiel: Es war allgemein bekannt, dass die hässliche und verkrüppelte Jeanne keine Kinder gebären konnte. Es gibt Andeutungen, sie sei zweigeschlechtlich gewesen. So oder so, mit Jeanne als Gemahlin würde die Linie der Orleans mit dem jungen Louis enden.

    Die Ironie der Geschichte ist, dass Louis von Orleans später doch triumphierte: Im Jahre 1483 sollte Jeannes Bruder Charles, also Louis' Schwager, nach dem Tod von Louis XI. den französischen Thron besteigen – und im Jahre 1498 kinderlos sterben. Damit war die Linie der Valois am Ende und der Orleans Louis erhielt die Krone. Seine Ehe mit der missgestalteten Jeanne konnte Louis XII. mit der erlangten Macht in einem demütigenden Prozess annullieren lassen. Aber das sind spätere Ereignisse.

    In der Story haben wir noch das Jahr 1481. Dem König Louis XI. ging es gesundheitlich nicht gut. Ende Februar erlitt er eine Art von Gehirnsturzblut, brach zusammen, und konnte trotz Bewusstsein tagelang nicht sprechen oder verstehen. Im September 1481 folgte ein zweiter Anfall. Zwei Stunden lang lag er da wie tot. Monatelang zog sich der König zurück, um sich zu erholen. Im Frühjahr 1482 rechnete der abgemagerte Louis XI. selber damit, dass er nicht mehr lange leben würde. Er schleppte sich von Woche zu Woche und betete inständig darum, Gott möge ihm noch etwas Lebenszeit gewähren. Wie ernst die Lage war, bewies der Umstand, dass der König seinen Sohn Charles zu sich rief und ihm Instruktionen für die Zukunft erteilte. So viel Aufmerksamkeit hatte Louis XI. dem Dauphin sonst nie geschenkt.

    Doch die Lebensgeister des Königs kehrten im April 1482 überraschend zurück – aufgrund einer zweifelhaften Freude: Er erhielt Nachricht vom tragischen Tod der jungen burgundischen Herzogin Maria. Sie war infolge der inneren Verletzungen, die sie sich beim Sturz vom Pferd zugezogen hatte, gestorben. Obwohl Louis XI. selbst im Schatten des Todes weilte, freute er sich ungemein über diese Nachricht. Schließlich und endlich würde ihm Burgund doch noch zufallen. Ohne die Ehe mit Maria war Maximilian in Burgund nicht mehr sicher, er war ja nur angeheirater Herzogingemahl. Okay, die beiden hatten 1478 den gemeinsamen Sohn Philipp (sowie die Tochter Margarethe) bekommen, aber das war nur ein kleines Kind, für das Maximilian die Regentschaft ausüben wollte.



    Der französische König konnte wieder seine Wühlarbeit in Flandern beginnen und erreichte, dass die Stände Maximilian wenig Beachtung schenkten. Die Stände gaben dem Habsburger zu verstehen, dass sie Frieden mit Frankreich wünschten, egal, was Maximilian davon hielt. Gegen seinen Willen stimmten die Stände der Verheiratung der kleinen Margarethe mit dem französischen Thronfolger zu. Sie wurde eingepackt und nach Paris gebracht. England konnte und wollte nicht eingreifen, Edward IV. war trotz der Renten, die er kassierte, klamm, war mit den Schotten beschäftigt, und hatte außerdem einen laufenden Friedensvertrag mit Frankreich. Der englische König war von Louis XI. kunstvoll ins Abseits gestellt worden. Niemals würde seine schöne Tochter den französischen Dauphin heiraten, niemals würde er die Hand auf die Niederlande legen können. Der Zug war abgefahren. Edward IV. litt so sehr unter dieser Schmach (und seiner jahrelangen Völlerei), dass er im April 1483 plötzlich starb. England rutschte in die finale Episode der Rosenkriege, Richard III. griff nach der Krone.

    Da konnte Maximilian keinen Widerstand mehr aufbieten: Burgund wurde offiziell aufgeteilt. Nur einen Teil des Erbes von Herzog Charles dem Kühnen konnte Maximilian für seinen Sohn Philipp bewahren, der übrige Teil fiel unmittelbar oder mittelbar an Frankreich. Dies ist das Ergebnis, dass in EU4 direkt mit dem Event zum Tod des burgundischen Herzogs zu sehen ist. In der Realität war es ein Prozess, der sich fünf Jahre lang hinzog.


    Links: Burgund vor der Teilung. Rechts: Die Aufteilung Burgunds zwischen Frankreich und Habsburg

    Das war der letzte Coup, den Louis XI. in seinem Leben landen konnte. Einige Monate später, im August 1483, erlitt er eine neue Gehirnblutung. Er kam zwar noch einmal zu sich, wusste aber um sein unausweichliches Ende. Er ermahnte seinen Sohn, sich von nun an „der König“ zu nennen und verabschiedete sich von seinem Stab. Am 30. August bat Louis XI. im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte um Erteilung der Sterbesakramente, betete, und verstarb am Abend jenes Tages.


    … und was geschah danach?

    Die Nachricht vom Tod Louis XI. versetzte Frankreich in einen Zustand bebender Erwartungen. Welche Gewinne und günstige Gelegenheiten verhieß nicht die Herrschaft eines Minderjährigen, des erst 13 Jahre alten Charles VIII.



    Der Dritte Stand träumte von Steuersenkungen, der Klerus hoffte, seine Angelegenheiten wie in den glorreichen Tagen in die eigenen Hände zu nehmen, der Adel – am glücklichsten von allen – sah die gute alte feudale Welt wieder heraufziehen. Die Emporkömmlinge unter den Ratgebern, mit denen sich der verstorbene König so viele Jahre umgeben hatte, wurden fertiggemacht, zum Tode verurteilt, aufgehängt, mit heißen Eisen durchlöchert, oder ausgepeitscht. Der alte König wurde als tyrannischer Despot gescholten, seine Beamten als Ausbeuter. Die Herren machten sich ein Vergnügen daraus, allenthalben Schauergeschichten zu verbreiten über den Herrscher, der sie in ihre Schranken verwiesen hatte. Jeder suchte seinen Teil der Beute. Natürlich sollte nach ihren Willen der junge Charles VIII. zum Spielball ihrer Interessen werden. Louis XI. hatte aber vorgesorgt und die Regentschaft über den Thronfolger seiner kompetenten Tochter Anne und ihrem Gemahl übergeben. Sie hielten die Regierung in dieser Zeit stramm aufrecht.

    Im Jahre 1485 versuchte Herzog Louis von Orleans (der mit der hässlichen Jeanne), eine neue Adelsrevolte des „Öffentlichen Wohls“ vom Zaun zu brechen. Der Konflikt ging als „Der verrückte Krieg“ in die Geschichte ein, weil beide Seiten, Adels- und Königspartei, sich als unfähig erwiesen, irgendeine Entscheidung herbeizuführen, die das Drama beendet hätte. Eigentlich ein Verdienst des toten Königs: Selbst die Regierung eines minderjährigen Königs konnte die von Louis XI. geschaffene nationale Monarchie nicht erschüttern.

    Die negativen Folgen kamen erst später, als Charles VIII. volljährig war. Er war nämlich ein harmloser, vergnügungssüchtiger Trottel, der sich schnell zu der Mission „Italienische Ambitionen“ überreden ließ: Die Eroberung Neapels für das französische Haus Anjou. Dabei stellte sich Charles VIII. bei weitem nicht so geschickt und weitsichtig an, wie es sein Vater vermocht hatte. Sein Agieren in dem Wespennest Italien ist Thema im noch folgenden Kapitel über den Borgia-Papst Alexander VI.


    Literatur:
    Paul Murray Kendall – Ludwig XI. (offenbar die einzige ausführliche Biographie, die überhaupt zu ihm verfasst wurde)
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
    • Dateityp: jpg 639.jpg (331,0 KB, 24x aufgerufen)
    • Dateityp: jpg 618.jpg (515,1 KB, 24x aufgerufen)
    • Dateityp: jpg 631.jpg (269,1 KB, 24x aufgerufen)
    • Dateityp: jpg 614.jpg (55,6 KB, 25x aufgerufen)
    Übersicht meiner bisherigen und laufenden Storys hier im Forum

    Und durch seine Klugheit wird ihm der Betrug geraten, und er wird sich in seinem Herzen erheben, und mitten im Frieden wird er viele verderben und wird sich auflehnen wider den Fürsten allen Fürsten.

  4. #469
    Registrierter Benutzer Avatar von Fimi
    Registriert seit
    12.08.10
    Beiträge
    21.157
    你们没有手机吗?
    Zitat Zitat von justanick Beitrag anzeigen
    Es ist in Deutschland Sitte, den Arsch stärker einzukleiden als das Gesicht. Daraus folgt, dass das normale Gesicht schon lange abgefroren ist, bevor der Arsch abfriert. :idee:

Seite 32 von 32 ErsteErste ... 222829303132

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •